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Xils 3

28.09.2009 | 17:05 Uhr |

Aus Frankreich kommt der virtuelle Synthesizer XILS 3. Er ist die digitale Reinkarnation des EMS VCS 3, bietet aber wesentlich mehr Möglichkeiten, als sein analoger Vorgänger

Die Luft flirrt in der heißen Sonne der Amphitheaters in Pompeji. Nick Mason trommelt mit gedämpften Schlegeln einen psychedelischen Rhythmus, der die Zuhörer langsam in Trance versetzt. Dazu spielt Richard Wright auf der Orgel. Roger Waters am Bass und David Gilmore an der Gitarre vervollständigen die Szene. Die Kamera fährt auf Schienen rund um die Band und verstärkt den rauschhaften Effekt der Musik noch.

Nein, dies ist keine Rezension des Konzertfilms "Pink Floyd in Pompeji" von 1972. Aber wer ein paar Szenen später als die oben beschriebene Roger Waters im Studio am EMS VCS 3 rumschrauben sieht, um ihm den treibenden Beat von "On The Run" zu entlocken, der war schon damals für Geige und Klarinette verloren.

Der VCS 3 gilt als eins der kommerziell erfolgreichsten und technisch Bahn brechendsten Geräte der analogen Synthesizer-Ära der 70er Jahre. Xils 3 von Xavier Oudin aus dem französischen Grenoble ist nichts weniger, als der Wiedergänger dieses mächtigen und epochalen Musikinstruments, allerdings in Software-Form.

Klangerzeugung

Die Klangerzeugung des Xils 3 ist modular, wenngleich nicht erweiterbar, und besteht aus drei Oszillatoren, von denen der dritte auch als Modulationsquelle herangezogen werden kann. Tiefpassfilter und Hüllkurvengenerator vervollständigen die übersichtliche Klangherstellung, zu der sich auch ein Rauschgenerator sowie ein Ringmodulator gesellen. Verschaltet werden die Module in einer virtuellen Matrix. Alles entspricht im Wesentlichen dem analogen Urvater VCS 3.

Vielseitig ist die Matrix im linken Bedienfenster: Hier steht ein flexibler 128-Step-Sequencer zur Verfügung, ein virtuelles Keyboard mit Glissando, Portamento und Legato-Spielweise sowie eine - magere - Effektsektion mit Chorus und Delay. Verschaltet wird das mit dem erzeugten Klang wiederum über zwei Matrizen.

Unterschiede zum analogen Vorbild gibt es auch: Die Midi-Steuerung (mit allerdings umständlich zu erreichendem Midi-learn) und die Speicherung von Klängen. An Presets gibt es reichlich, um schnell auszuprobieren, was der Xils 3 kann. Das ist beeindruckend viel und reicht von voll experimental bis hin zu klassisch analog.

Empfehlung

Wer Instrumentennachbildungen erwartet, wird mit dem Xils 3 nichts anfangen können. Dafür ist dieses zum Ausprobieren und Entdecken freundlich einladende Instrument nun wirklich nicht gemacht. Aber sonst für alles.

Thomas Pelkmann

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