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The Night of the Rabbit im Test

29.05.2013 | 11:00 Uhr |

The Night of the Rabbit versucht, uns mit einer Geschichte voller Magie und Abenteuer zu verzaubern. Im Test fesselt uns die lahme Handlung aber genau so wenig wie eine Zwangsjacke David Copperfield.

Ich will Zauberer werden! Ein Berufswunsch, der für viele Erwachsene angesichts steigender Kaninchenfutterpreise und horrender Entschädigungsforderungen entzweigesägter Assistentinnen deutlich an Attraktivität verloren hat. Bei Kindern allerdings ist die Faszination der Magie auch heute noch ungebrochen. Und ein solcher Nachwuchsmöchtegern-Magier ist der zwölfjährige Jeremias Haselnuss, seines Zeichens Held in Daedalics neustem Adventure The Night of the Rabbit .

Der Hase aus dem Hut

Mancher würde sich wundern über das Auftauchen eines sprechenden weißen Hasen. Zumal der Jerry auch gleich noch anbietet, ihn zu seinem Zauberlehrling zu machen. Doch für den magiebegeisterten Jungen kommt diese schräge Einladung wie gerufen und so folgt er dem redseligen Langohr durch ein Portal nach Mauswald, einer fremden Welt voller sprechender Tiere. Wer jetzt lauthals "Alice im Wunderland!" schreit, trifft damit den Nagel ziemlich auf den Kopf, denn Story-Autor Mathias Kempke hat sich ganz offensichtlich von Lewis Carrolls Klassiker inspirieren lassen.

© 2015

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Nach dem ordentlichen Auftakt beginnt die Handlung dann aber schneller zu versiegen als Freibier auf dem Oktoberfest. Wir erfahren noch, dass der Hase eigentlich Marquis de Hoto heißt und ein sogenannter Baumläufer ist. Diese magischen Wesen können mit Hilfe von Portalbäumen zwischen verschiedenen Parallelwelten hin und her springen. Anschließend beschränkt sich die Geschichte darauf, immer mal wieder schemenhafte Gestalten auftauchen zu lassen oder den Figuren kryptische Andeutungen über Jeremias' Schicksal in den Mund zu legen.

Bis zum letzten Spielabschnitt dümpelt die Handlung ohne nennenswerte Höhepunkte vor sich hin und wir hätten Jerry und Mauswald am liebsten ihrem Schicksal überlassen. Irgendwann scheint Daedalic dann aufgefallen zu sein, dass es unmöglich ist, die begonnenen Story-Fäden in der verbleibenden Spielzeit zu einem Ganzen zu verweben, und so muss ein dreizehnminütiger Abspann herhalten um den Schaden zu begrenzen.

Obwohl wir die meiste Zeit in Mauswald rumrätseln, gibt es auch kurze Ausflüge an andere Orte. Hier sind wir einem Kobold nach Irland gefolgt.
Vergrößern Obwohl wir die meiste Zeit in Mauswald rumrätseln, gibt es auch kurze Ausflüge an andere Orte. Hier sind wir einem Kobold nach Irland gefolgt.

Warten auf Lord Voldemort

Doch auch wenn Jeremias' Geschichte spannender wäre als die von Harry Potter, fiele es uns reichlich schwer mit dem jungen Zauberer mitzufühlen, weil er uns mit seiner künstlich-kindlichen Art furchtbar auf die Nerven geht. Egal ob sich Jerry über die Sommerferien freut ("Noch zwei Tage Abenteuer!") oder einen Bach betrachtet ("Ich würde gern eine Quietscheente reinwerfen"), seine überschwänglichen Kommentare hören sich an, als hätte er von den falschen Pilzen am Wegesrand genascht.

Jerrys Bemerkungen verfolgen uns sogar in den typischen Multiple-Choice-Dialogen, durch die wir uns mit den Figuren in Mauswald und Umgebung unterhalten. Zudem sind viele der langatmigen Gespräche inhaltlich fast wertlos. Weder verleihen sie den Nebenfiguren Tiefe, noch bringen sie die Geschichte entscheidend voran. Besonders schmerzlich vermissen wir den sonst so grandiosen Humor der Daedalic-Adventures ( Harveys neue Augen , Chaos auf Deponia ). Zu viele Witze sind Rohrkrepierer, wirken zu bemüht und ringen uns maximal ein gequältes Lächeln ab.

Trotzdem kommen wir nicht umhin, mit den Bewohnern Mauswalds zu quatschen, um an Informationen und Gegenstände zu kommen. Nach einiger Zeit haben wir das Gesagte aber nur noch schnell nach Infos gescannt und die uninteressanten Abschnitte einfach weggeklickt. So machen Adventure-Dialoge keinen Spaß, die Entwickler von Daedelic als bisherige Großmeister dieser Disziplin müssten das eigentlich wissen.

Abrakadabra

Spielerisch macht The Night of the Rabbit einen deutlich besseren Eindruck. Um den Bewohnern Mauswalds zu helfen, scheuchen wir unseren Helden per Mausklick durch die Gegend und suchen die Schauplätze nach kombinierbaren Gegenständen ab. Das Spiel gibt uns unsere Aufgaben dabei relativ klar vor: Mal gilt es Vorbereitungen für eine Party zu treffen, ein andermal jagen wir einen diebischen Kobold.

Der Marquis de Hoto verspricht Jerry ihn zum Baumläufer auszubilden.
Vergrößern Der Marquis de Hoto verspricht Jerry ihn zum Baumläufer auszubilden.

Der Anspruch der Rätsel variiert zwischen mehrstufigen Aufgaben und einfachen Problemen, die sich auf ein oder zwei Bildschirmen lösen lassen. Die Rätsel werden nie übermäßig kompliziert und bleiben bis auf wenige Ausnahmen logisch nachvollziehbar. Wer trotzdem festhängt, sollte einen Blick in Jeremias' Tagebuch werfen, denn dort werden wichtige Hinweise sinnvoll aufgelistet. Die "Ratersuch" genannte Hilfefunktion erfüllt ihre Rolle hingegen nur unzureichend, da sie uns statt konkreten Hinweisen nur unsere aktuelle Aufgabe nennt.

Im späteren Spiel erhält Jerry die Fähigkeit mit Hilfe eines magischen Buchs zwischen Tag und Nacht zu hin- und herzuspringen. Nach Sonnenuntergang treffen wir die Bewohner Mauswalds an anderen Orten an und können ihnen mitunter neue Informationen oder wichtige Gegenstände abschwatzen. Manchmal ist aber nicht ersichtlich, warum Jeremias eine Aktion partout zu einer bestimmten Tageszeit ausführen möchte.

Als echter Magierlehrling lernt Jerry natürlich auch das Zaubern und kann so bald mit Steinen sprechen, Pflanzen erblühen lassen, einen Täuschungs- sowie einen Hoffnungszauber wirken. Einsetzen lassen sich diese Fähigkeiten aber nur in dafür vorgesehenen Situationen. Während wir etwa eine Reihe Pilze durch Magie sprießen lassen, zeigen sich die Blümchen nebenan gänzlich unbeeindruckt von Jerrys Gewedel mit dem Zauberstab. Durch den inkonsequenten Einsatz wirkt das Magie-Feature einfach aufgesetzt.

Magische Melodien

Über jeden Zweifel erhaben ist die technische Kulisse des Adventures. Die Hintergründe und Figuren hinterlassen einen hervorragenden Eindruck, auch wenn sie gefühlt nicht ganz das Niveau der Deponia-Reihe erreichen. Neben den Grafikern haben auch die deutschen Sprecher ausgezeichnete Arbeit geleistet und ihren Figuren eine passende, charakteristische Stimme verliehen Lediglich Jerrys Sprecher hört man an, dass er die Schrecken des Stimmbruchs schon hinter sich gelassen hat.

Besondere Erwähnung verdient außerdem der aufwändige und stimmungsvolle Soundtrack mit seinem grandiosen Hauptthema, das allerdings etwas zu Häufig zum Einsatz kommt. Im Zusammenspiel schaffen es Grafik und Sound eine Zauberhafte Welt zu erschaffen in der wir uns so gerne verlieren würden, wenn es Daedalic doch nur geschafft hätte, uns mit einer Spannenden Geschichte zu fesseln.

Empfehlung

The Night of the Rabbit ist ein liebevolles Point-and-Klick-Adventure, das bei der Story enorm an Potential liegen lässt. Verglichen mit den tollen Deponia-Spielen zieht der neueste Deadalic-Titel den Kürzeren.

The Night of the Rabbit

Hersteller: Deadalic Entertainment

Preis: 30 Euro ( Amazon )

Altersfreigabe: freigegeben ab 0 Jahren

Note: 2,5 befriedigend

Grafik (25%) 2,0

Sound (25%) 3,0

Umfang (25%) 3,0

Bedienung (25%) 2,0

Vorzüge: liebevoll gestaltete Hintergründe, putzige Charaktere, stimmige Fantasiewelt

Nachteile: viel Herumgelaufe, Story-Totalausfall im Mittelteil

Alternative: Chaos auf Deponia

Anforderungen: Mac OS X Lion, 2 GHz (Dual Core) Intel-CPU, 2 GB RAM, 6 GB HD frei

Bezugsquellen: Amazon

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