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Tom Tom Go 910

01.04.2007 | 09:56 Uhr

Ist man oft in unbekannten Gegenden unterwegs, lohnt sich ein Navigationsgerät schnell. Die Navigationsfunktionen des getesteten Tom Tom Go 910 führen Anwender zuverlässig und mit faszinierend akkurater zeitlicher Prognose zum Ziel. Doch die Bedienbarkeit muss noch verbessert werden

Tom Tom, Go 910
Vergrößern Tom Tom, Go 910

Puristen, die ein Tom Tom dieses Kalibers nur zum Navigieren benutzen wollen, raten wir vom Kauf ab. Zu verwirrend ist die Fülle der Möglichkeiten und leider auch die Bedienung. Wer jedoch voll vernetzt auf die Straße möchte und keinen Umstand in Verkabelung und Konfiguration scheut, der findet im Tom Tom Go 910 einen interessanten digitalen Reisebegleiter. Verarbeitung, Helligkeit und Sichtbarkeit des Displays, Sprachausgabe sowie Touchscreen-Funktion und die allgemeine Handhabung sind mustergültig. Die neue Aufhängung in der Cradle ist allerdings verbesserungsfähig, ebenso Position und Bedienbarkeit des Reset-Knopfs.

Den Kompromiss zwischen guter Bedienung und Funktionsvielfalt hat das Gerät nicht gefunden. Gerade Mac-Anwender treffen oft auf kleine Ungereimtheiten, so zum Beispiel die Meldung, dass die Stauinfo leider nicht aktualisiert werden kann, weil Bluetooth deaktiviert ist. Statt Bluetooth auf Knopfdruck zu aktivieren, muss man abbrechen, sich mühsam durch diverse Untermenüs hangeln und Bluetooth manuell einschalten. Die Navigation selbst ist erfrischend einfach, wenn man die Zieladresse kennt. Leider weist das Gerät keine dynamischen, interaktiven, „Web 2.0“-Navigationsfähigkeiten auf, die nach unserer Ansicht jedoch dringend nötig wären.

Unflexibel unterwegs

Im Praxisbetrieb sammelt sich schnell eine Liste erwünschter Eigenschaften. Das unkomplizierte Markieren eines Punktes während der Fahrt, um später dorthin navigieren zu können, fehlt ebenso wie die Möglichkeit, eine Route mit einem Fingerstrich über die Landkarte, oder ähnlich dem Polygon-Werkzeug in Photoshop planen zu können. Nicht immer will man durch die Stadt geleitet werden, wenn die eigene Erfahrung den Autobahnring empfiehlt. Bei Fernfahrten zieht man gerade als Profi vielleicht lieber die eine Autobahn der anderen vor, die Eingabe sollte hier nicht durch Adressen oder starre Punkte erfolgen müssen. Das Gerät sollte dabei nicht auf den Meter genau den Eingaben folgen, sondern sie nutzen, um die Wünsche des Fahrers dynamisch von dessen Fingerspitzen abzulesen.

Umwege inklusive

Auch eine Mitlernfunktion für neue Straßen, für Privatgelände (Verwirrung im Gerät auf dem Ikea-Parkplatz oder an der Tankstelle) und vor allem für Präferenzen und Schleichwege rund um den Heimatort sind ebenso vonnöten. Bei Reiserouten mit Wegpunkten sollte es die Option geben, das Gerät die Reihenfolge optimieren zu lassen. Im Test müssen wir in der näheren Umgebung Weihnachtskarten ausfahren, das Navigationsgerät führt uns gnadenlos an späteren Zustellorten vorbei. Für Urlaubsreisen ist die Programmierbarkeit von zwingend letzten Zielen für die Übernachtungen erforderlich.

Die Tom-Tom-Software für den Mac ist nach wie vor sehr spartanisch ausgestattet und bietet neben der Möglichkeit, Karten- und Software-Updates auf das Gerät zu spielen, im Grunde nur die Verwaltung von Stimmen, Fotos und Musik. Doch geradezu unendliche Möglichkeiten böten sich in Verbindung mit einem Computer: Die Verwaltung der Favoriten in Zusammenarbeit mit Google Earth oder Google Maps oder anderen Kartenmaterialien wäre ein Traum. Eine Community mit Gruppenfunktion könnte das Sharing von Reiserouten und Sehenswürdigkeiten ermöglichen, allein die Programmierung eigener Reisen wäre am heimischen Mac wesentlich bequemer als über das Lenkrad gekrümmt mit einem Finger auf dem Touchscreen des Tom Tom. Leider vermissen wir diese Funktionen noch immer.

Fazit

Tom Tom Go 910 ist das leistungsfähigste Gerät seiner Serie und quillt geradezu über vor attraktiven Leistungsmerkmalen. Doch unter dieser Fülle leidet die Bedienbarkeit ebenso wie der Fokus aufs Wesentliche. Leider fehlen dem Tom Tom Go 910 – auch am Mac – wesentliche Attribute, die selbstverständlich sein sollten, wie etwa eine Favoritenverwaltung am Computer. Für eine mögliche Konkurrenz durch eine iPhone-Applikation mit Bluetooth-GPS-Empfänger sollte sich Tom Tom schon jetzt rüsten – oder gleich die Zusammenarbeit mit Apple suchen. jr

Wertung

Note: 2,6 befriedigend

Vorzüge sehr gute Navigation, leichte Bedienung, viele Funktionen, viel Anschlussmöglichkeiten

Nachteile Umständliche Bedienung, manche Funktionen noch nicht ausgereift, keine Favoritenverwaltung am Computer, Mac-Software wird noch stiefmütterlich behandelt

Alternative Tom Tom One Preise € (D) 500, € (A) 505, CHF 715

Technische Angaben

Systemanforderungen: Mac mit USB-Anschluss

Info Tom Tom

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