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Ulysses 2.5: Texter mit Desktop-Power für iOS

11.03.2016 | 14:06 Uhr |

Die ungewöhnliche Textverarbeitung Ulysses ist jetzt auch als iPhone-Version zu haben. Wir haben sie ausprobiert.

Ulysses ist schon seit vielen Jahren ein beliebter Texteditor für Autoren . Die neue Version ist nun erstmals auch auf dem iPhone lauffähig und bietet jetzt auf Mac, iPad und iPhone etwa den gleichen Funktionsumfang. Dank iCloud-Synchronisation kann man ein Dokument abwechselnd an mehreren Geräten bearbeiten, alternativ dienen WebDAV und Dropbox als Speicherort. Stärke der App sind die guten Verwaltungsfunktionen, vor allem Autoren und Blogger sind die Zielgruppe. Über eine Text-Bibliothek ordnet man Texte in Form von „Blättern“ und „Gruppen“, Filter, Schlagwörter und eine überarbeitete Sortierfunktion helfen bei der Organisation. Mehrere gut gestaltete Themes sorgen für die gewünschte Optik, wahlweise ein heller oder dunkler Modus sind außerdem wählbar.

Die Besonderheit von Ulysses ist die Trennung von Text und Layout: Während der Arbeit an einem Artikel hat man eine reine Textansicht vor sich – ohne Formatierungen. Eine Überschrift oder Codestelle markiert man mit vorangestellten Tags wie #, erst beim Export als HTML, ePub oder Docx wird dem Titel dann ein Textstil zugeordnet. Das ist für Word-Umsteiger ungewohnt, hat aber bei der Dateiverwaltung und Publikation Vorteile gegenüber dem WYSIWYG-Konzept von Word und Co. Besitzer älterer iPhones und iPads profitieren nebenbei von einem  schnellen Programm – iOS 9 wird jedoch vorausgesetzt. Vielleicht wichtigste Neuerung ist die Unterstützung des Docx-Format beim Import, als Export-Format wird das Word-Format seit Version 2.1 unterstützt. Häufigster Kritikpunkt bei früheren Versionen waren Probleme mit der iCloud-Synchronisation, was der Hersteller nun behoben haben will. In unserem Test konnten wir keine Probleme mit dem Datenabgleich feststellen, er funktionierte schnell und zuverlässig.

Ulysses optimiert für Split View von iOS 9

Nützlich sind außerdem Anpassungen an iOS 9 wie Unterstützung von SplitView und des iPad Pro . Eher für Profis interessant: Neben mehreren Markdown-Versionen unterstützt die App das Format Textbundle , das die Einbettung von Bilddateien erleichtert. Nutzer einer externen Tastatur profitieren am iPad von vielen unterstützten Tastenbefehlen. So blendet man mit Cmd-1 die Bibliothek ein und aus und kann per Pfeiltasten durch die Inhalte navigieren. Gut gefallen uns wie bei der Desktop-Version die vielen praktischen Details. Beispielsweise kann der Editor nicht nur die Zeichenzahl einblenden, auf Wunsch erfährt man, wie lang das Lesen oder Vorlesen dauern würde – praktisch für Youtube-Autoren. Einige Zusatzfunktionen stellt das Tool per Tastatur-Erweiterung zur Verfügung, dazu gehören eckige und geschweifte Klammern, Links und Formatierungen.

Insgesamt gefällt uns das Konzept von Ulysses sehr gut, einige Kröten muss man aber doch schlucken. Vor allem ist das Einbetten von Links und Bilddateien relativ aufwendig. Das Konzept kennen manche von einem HTML-Editor: Will man beispielsweise eine Grafik oder Fußnote einfügen, wählt man dies per Ausklappmenü aus, in einem Unterfenster muss man dann die Bilddatei oder den Text der Fußnote eingeben. (Bei der Desktop-Version funktoniert das Einbetten von Bildern auch per Drag-and-Drop). Später sieht man in der Textansicht allerdings nur einen Platzhalter wie „FN“ oder „IMG“. Für die Überarbeitung eines umfangreichen Textes mit vielen Fußnoten und Grafiken finden wir dann doch Word oder Pages besser geeignet. Tipp: Der Export ins Docx-Format dauert bei großen Dokumenten relativ lange. Für eine schnelle Vorschau des Textes empfiehlt sich eher die HTML-Ansicht.

Fazit

Ulysses ist eine moderne Textverarbeitung mit vielen Stärken. Steht das Erstellen von Texten im Vordergrund, bietet Ulysses einige Vorteile gegenüber Pages und Word, sie eignet sich aber nicht für Jedermann. Vor allem auf einem iPad mit externer Tastatur gefällt uns Ulysses sehr gut und macht das Tablet zur effizienten Reise-Schreibmaschine. Will man neben Notizen auch viele Fotos, Audiodateien und Listen verwalten, sind Alternativen wie One Note wohl die komfortablere Wahl

Ulysses

Preis: 45 Euro (Desktop), 20 Euro (iOS)

Note: 1,9 gut

Leistung (50%)   1,5

Ausstattung (30%)  2,5

Bedienung (10%)    2,0

Dokumentation (10%)    1,5

Vorzüge: Gute Verwaltung von Texten, viele Exportformate, gute Performance

Nachteile: Einige Einarbeitung erforderlich, wenig Import-Optionen, umständliche Einbindung von Objekten wie Fotos und Links

Alternativen: Scrivener, Papyrus Autor, One Note

Ab OS X 10.10, iOS 9

The Soulmen

www.the-soulmen.com

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