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Test: Adobe CS6 After Effects

16.08.2012 | 06:11 Uhr |

Schon seit etlichen Versionen glänzt After Effects durch einen Mangel an wirklichen Neuerungen. Mit der Version CS6 hat sich Adobe aber richtig Mühe gegeben und erstaunliche Funktionen, vor allem im 3D- und im Vektorbereich eingeführt.

Eine der spannendsten neuen Möglichkeiten ist die Umwandlung von 2D-Texten und -Formebenen in dreidimensionale Objekte. Legt man beispielsweise einen Text an und wandelt ihn in 3D um, erscheinen neue Geometrie-Optionen mit Parametern für die Extrusion, das heißt für die dreidimensionale Tiefe der Buchstaben, die sich hier frei bestimmen lässt. Dreht man den Text und fügt eine zusätzliche Lichtquelle ein, wird die neue 3D-Funktionalität deutlich sichtbar. Optional lassen sich die Kanten konvex oder konkav abflachen und in der Tiefe beeinflussen. Selbige Extrusions-Funktion gilt auch für Formebenen, sodass man jedwede Form, beispielsweise Kreise, Sterne oder Polygone, einfach in 3D umwandeln und gleichsam in der Tiefe und in der Form der Kante bearbeiten kann. Ebenfalls neu sind zusätzliche Materialoptionen auf 3D-Elementen, die beispielsweise Transparenzen oder Reflexionen ermöglichen, sodass das Licht sich im 3D-Objekt spiegelt oder bricht.

Beim Erstellen ganzer Filmszenen im 3D-Raum unterstützt die neue Verkrümmungs-Option, mit der man zweidimensionale Bilder wölben kann, um damit virtuelle Bühnen oder Panoramen zu bauen. Neu ist zudem die Funktion der Umgebungsebene, die den Hintergrund als eine Spiegelreflexion auf ein 3D-Element mappt, um den Vordergrund besser an den Hintergrund anzupassen.

Nicht nur Texte sondern auch Formebenen wie dieses Achteck lassen sich in 3D umwandeln und extruieren, das heißt mit einer Tiefe versehen.
Vergrößern Nicht nur Texte sondern auch Formebenen wie dieses Achteck lassen sich in 3D umwandeln und extruieren, das heißt mit einer Tiefe versehen.

3D Track

Beeindruckend finden wir den neuen 3D-Tracker, der ein Videobild verfolgt und Elemente im 3D-Raum entsprechend positioniert. Angewandt wie ein Filter (oder über die „alte“ Tracking-Funktion) analysiert After Effects zunächst das Bild und löst einzelne Punkte in sogenannte „Bullaugen“ auf. Aus den Track-Punkten wählt man diejenigen aus, die als Basis für das Tracking dienen sollen, und bestimmt anschließend per Rechtsklick, ob man beispielsweise eine Kamera und einen Text generieren will. Der Text ist frei gestaltbar, über einen sogenannten „Schattenfänger“ kann man sogar den Licht- und Schatteneinfall tracken, um einen möglichst realistischen Schattenwurf des Textes in der Szene zu generieren.

Auch als extruierte 3D-Elemente bleiben die getrackten Texte der Bewegung im Raum treu.
Vergrößern Auch als extruierte 3D-Elemente bleiben die getrackten Texte der Bewegung im Raum treu.

Weitere Neuerungen

Um die Arbeit mit mehreren Elementen in einer Komposition zu erleichtern, erscheinen neuerdings Outlines über den Objekten, die darauf hinweisen, welches Element beim nächsten Klick aktiviert wird. Außerdem ist es möglich, Maskenkanten individuell weichzuzeichnen, dass heißt, eine Maske hat nicht nur einen gleichbleibenden weichen Rand, sondern kann an den Rändern unterschiedliche Unschärfe-Grade aufweisen. Wer viel mit Illustrator-Grafiken in After Effects arbeitet, wird sich darüber freuen, AI-Dateien in Formebenen umwandeln zu können: Jede Formebene besteht dabei aus unterschiedlichen Einzelelementen, die sich anhand von Bézier-Punkten individuell bearbeiten lassen.

Adobe CS6 After Effects

Hersteller: Adobe

Preise:

Adobe After Effects CS6 Update: ab 208 Euro

Adobe After Effects CS6 Vollversion: ab 1.368 Euro

Gesamtnote: 1,5 gut

Geschwindigkeit (20%) 1,5

Umfang (35%) 1,2

Qualität (20%) 1,4

Handhabung (25%) 1,8

Vorzüge: Einfache Erstellung von 3D-Elementen mit vielen Materialoptionen, automatisches 3D-Tracking mit Auswahl der analysierten Track-Punkte, höhere Arbeitsgeschwindigkeit durch Speicherung der Cache-Daten, realistische Darstellung durch Umgebungsebenen und Hintergrund-Verkrümmung

Nachteile:  Lange Vorschau- und Renderzeiten für Raytrace 3D, schnelle Vorschau erfordert zusätzliche Hardware

Alternative: Apple Motion

Adobe

Neben einigen neuen Filtern hat Adobe vor allem die Handhabung des Renderings und der Vorschau verbessert. Einmal für die Ansicht berechnete Daten gehen nicht mehr verloren. Auch dann nicht, wenn man das Projekt verlässt. Und wer möchte (und ausreichend Systemkapazitäten hat), kann das Hintergrund-Rendering aktivieren, das heißt eine Komposition berechnen, während man an einer anderen Komposition arbeitet. Durch die Akquisition des Formatspezialisten Automatic Duck ist auch der Pro-Import von Avid- und Final- Cut-Pro-Sequenzen möglich, was vorher über ein 500-Dollar-Plug-in ein eher kostspieliger Workflow war.

Empfehlung

Die Neuerungen von CS6 überzeugen durch Sinn, einfache Handhabung und gute Umsetzung. Selbst wer nichts von 3D-Modelling oder -Tracking versteht, erzielt schnelle und eindrucksvolle Ergebnisse bei Formebenen und Texten. Unterschiedliche Qualitätseinstellungen unterstützen hierbei auch langsamere Rechner, wobei das Hintergrund-Rendering und der erweiterte Disc-Cache ohne Verlust der Vorschau natürlich helfen, Zeit zu sparen.

After Effects CS6 - das ist neu

  •  Extrusion von Text- und Formebenen

  •  3D-Tracker für realistische Bewegungsverfolgung

  •  Konvertierung von AI-Dateien in Formebenen

  •  Hintergrund-Rendering und Beibehaltung von Vorschau-Berechnungen

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