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iMovie 1.3 für das neue iPad

22.03.2012 | 13:22 Uhr |

Das iPad kann vieles. Warum nicht auch Videos bearbeiten? iMovie 1.3 ist Retina-tauglich und schneidet schicke Filmtrailer. Wir stellen das neue iMovie vor.

Das professionelle Schneiden und Montieren von Videofilmen besteht aus sehr vielen Schritten, die meist eine hohe Präzision verlangen. Für manch einen ist dies selbst mit der Maus schon zu viel Frickelei, aber mit den Fingern auf einem (relativ) kleinen Touchscreen? Unmöglich. Doch darum geht’s bei iMovie für das iPad auch gar nicht. Vielmehr wird dem Anwender hier eine günstige und vor allem sehr leicht zu erlernende App angeboten, mit der man seine gedrehten Clips mehr oder minder gut schneiden, aneinanderreihen, mit kleinen Effekten und Musik versehen und vor allem dergestalt präsentieren kann, dass die Zuschauer nicht vor Langeweile am Küchentisch einnicken. Um die zahllosen Videoformate, Ein- und Ausgabestandards oder gar Regeln der Schnittkunst braucht man sich nicht zu kümmern; auf die Couch fläzen, iPad starten, loslegen.

Erste Schritte

iMovie fragt zunächst, ob man ein Projekt, also einen längeren Film, oder nur einen Trailer produzieren möchte. Entscheidet sich der Anwender für einen Film (mehr zu den Trailern später), wechselt iMovie in die Standardansicht mit drei Fenstern: Medienauswahl, Vorschau und Timeline. In iMovie kann man sowohl aufgenommene Filme verwenden als auch Fotos aus der iPhoto -Bibliothek und diese mit Musik aus iTunes unterlegen. Nach der Auswahl der Medienart über eine von drei Buttons beginnt man beispielsweise mit den Videoclips. Diese werden anhand einer Piktogramm-Ansicht, sortiert nach Aufnahmedatum, dargestellt. Klickt man auf einen Clip, erscheinen gelbe Kreise, die man jeweils nach innen ziehen kann, um den Clip vorzuschneiden. Ein weiterer Klick auf einen blauen Pfeil befördert das Element in die Timeline. Zur Voransicht eines Clips hält man den Finger auf den Touchscreen, bis ein roter Strich erscheint. Diesen zieht man nach links oder rechts, um durch den Film zu navigieren.

Die Einstellungen für den jeweiligen Videoclip.
Vergrößern Die Einstellungen für den jeweiligen Videoclip.

Clips, die man in die Timeline kopiert, werden zunächst automatisch über eine Sekunde geblendet, was sich jedoch später deaktivieren lässt. Um in der Timeline zu navigieren, bedient man sich nicht des roten Playheads (dieser bleibt immer statisch in der Mitte stehen), sondern schiebt das gesamte Projekt nach links oder rechts. Je nachdem, wo sich der Playhead befindet, wird auch der nächste Clip eingefügt.

Um Fotos in den Film einzufügen, wechselt man auf die Fotoübersicht und wählt hier aus den aktuellen Aufnahmen, aus dem Fotoarchiv oder aus Fotostream das Bild durch einen einfachen Klick aus. Beim Einfügen in die Timeline animiert iMovie das Bild automatisch mit dem bekannten Ken-Burns-Effekt. Ähnlich einfach geht man auch bei der Auswahl der Musik vor: Ein Klick wechselt in die Audioübersicht, wo sowohl einige Titel und Toneffekte von iMovie zu finden sind als auch die eigene iTunes -Bibliothek mit den enthaltenen Playlisten. Drückt man auf einen gewünschten Titel, fügt iMovie diesen direkt in der Timeline ein, wobei das Musikstück automatisch die Länge des Projekts erhält. Je mehr Clips oder Fotos man also in die Timeline schneidet, umso länger wird auch die Musik.

Nachbearbeitung

Sie wählen aus, wie und wie schnell einzelne Clip übergeblendet werden.
Vergrößern Sie wählen aus, wie und wie schnell einzelne Clip übergeblendet werden.

Auch Korrekturen in der Timeline sind natürlich möglich. Möchte man einen Clip aus dem Projekt löschen, zieht man ihn mit dem Finger aus der Timeline (er verschwindet mit wunderschönem "Puff"-Effekt). Ebenso kann der Anwender einen Clip einfach mit dem Finger an eine andere Stelle in der Timeline ziehen. Wem ein Element in der Timeline zu lang (oder zu kurz) erscheint, klickt auf den Clip und findet hier wieder die gelben Kreise, mittels derer sich die In- und Out-Punkte verschieben lassen, das heißt der Clip verlängern oder verkürzen lässt. Im Vorschaufenster erscheint zugleich auch der Clip, sodass man hier nicht nur die Dauer in Sekunden sehen kann, sondern auch das aktuelle Bild, welches man gerade bearbeitet.

Noch genauer geht die Arbeit im Trimmen-Modus vonstatten: Hierfür tippt man zunächst auf einen Übergang, woraufhin zwei gelbe Dreiecke erscheinen. Ein weiterer Klick auf die Dreiecke öffnet den Präzisionstrimmer, mit dem man die In- und Out-Punkte der einzelnen Clips nicht nur in zwei getrennten Spuren sieht, sondern diese auch präziser nachschneiden kann. Die Timeline unterstützt übrigens auch eine Zoomfunktion durch die bekannte Gestensteuerung.

Führt man einen Doppelklick auf einem Element in der Timeline aus, poppt ein kleines Dialogfenster auf, wo man den Clip sowohl löschen als auch die Lautstärke regeln kann. Handelt es sich um ein Element, dessen Ton gar nicht zu gebrauchen ist, weil beispielsweise der Wind zu laut ist oder jemand in die Aufnahme quatscht, kann man den Ton auch komplett deaktivieren.

Effekte, Themen und Trailer

Der Ken-Burns-Effekt bei Fotos lässt sich auch manuell definieren. Hierfür tippt man zunächst auf das Foto in der Timeline und wählt im Vorschaufenster, ob man Start und/oder Ende festlegen möchte. Anschließend zieht man das Bild in die gewünschte Position und über die Zoomgeste auf die gewünschte Größe, woraufhin iMovie die Animation entsprechend ausführt.

Zum Nachbearbeiten eines Übergangs tippt der User zweimal auf das Übergangssymbol zwischen zwei Clips. Es erscheint ein Dialog, über den man den Übergang entfernen, dessen Dauer zwischen 0,5 und 2 Sekunden bestimmen oder einen anderen Übergang aus dem Thema wählen kann.

Wer seinen Film ein bisschen aufpolieren möchte, kann sich eines von acht Themen aus den Projekteinstellungen bedienen, beispielsweise eines modernen, eines heiteren oder eines eher verspielten Looks. Themen definieren zum einen die Form der Übergänge, zum anderen aber auch Texte und Titel, die für das Video anwendet werden. Per Doppelklick öffnet man das Dialogfenster eines Clips und wählt hier die Form des Titels aus: Eröffnung, Mitte oder Ende. Gemäß dem Thema erscheint ein kleiner Textgenerator, wo man den Filmtitel oder die End-Credits angeben kann. Leider besteht hier keine Möglichkeit, den Text anders zu formatieren als durch das Thema vorgegeben.

Alternativ zu einem Film kann der User auch einen sogenannten Trailer erstellen. Hierbei handelt es sich um vorgefertigte Schnitte, Grafiken und Texte, die an typische amerikanische Kinotrailer erinnern. Zunächst wählt man hier ein Thema aus, beispielsweise Expedition, Erzählung, Bollywood oder Heldenabenteuer; bei der Auswahl helfen bereits vorgefertigte Filme. Anschließend gibt man in einer Übersicht den Filmtitel und die Mitwirkenden an. Im nächsten Schritt, dem Storyboard, erfolgt die Auswahl des Videomaterials, wobei Apple es dem Anwender hier sehr einfach macht: Schematisch ist angezeigt, welcher Darsteller in welcher Größe geschnitten werden soll, sodass man nur noch das entsprechende Bild aus der Übersicht auswählen muss. Die Dauer ist hierbei vorgeben; man definiert anhand eines Rahmens lediglich den Bildausschnitt. Schlussendlich braucht man nur noch die (wenigen) Texte anzupassen, und der Trailer ist fertig.

Empfehlung

Die App iMovie für das iPad ist ein kleines, schlankes Programm, was tut, was es verspricht: Videos auf heimischem Niveau zusammensetzen und dabei nicht die Technik, sondern den Spaß in den Vordergrund zu stellen. Sicherlich gibt es einige Features, die man sich hier noch zusätzlich wünschen würde, wie beispielsweise eine einfache Farbkorrektur oder die Möglichkeit, zumindest simple Zeitlupen oder Zeitraffer erstellen zu können. Auch fehlen Optionen, um beispielsweise die Texte und die Trailer individueller formatieren zu können. Aber im Großen und Ganzen ist die App befriedigend und bereitet sicherlich auch den Anwendern Freude, die nicht ihre kostbare Freizeit vor dem Computer verbringen möchten.

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