Von Andreas Zerr - 04.12.2012, 15:57

Videoschnitt-Software

Test: Final Cut Pro X 10.0.6

Apple hat den Profi-Markt des Film- und Videoschnitts beinahe kampflos den Erzkonkurrenten Avid und Adobe überlassen. Trotzdem liefert der kalifornische Hersteller weiter fleißig Updates für Final Cut Pro X. Das Programm wird dadurch zwar deutlich verbessert, eine Rückeroberung des Profi-Segments ist jedoch nicht in Sicht
Die ersten Verbesserungen fallen bereits beim Import auf: Final Cut Pro X unterstützt in der Version 10.0.6 die Zusammenfassung aller möglichen Import-Volumes zu einem Aufnahmebereich, sowie die Möglichkeit, mehrere In- und Out-Punkte im Rohmaterial zu setzen und dadurch nur eine Auswahl, nicht die gesamten Clips, zu importieren.
Die Szenenauswahl kann hierbei auch mehrere Bereiche innerhalb eines Clips umfassen, wenn längere Filme vorliegen. Zu den unterstützten Formaten gehört jetzt natives RED-RAW-Material , dessen Einstellungen auch nach dem Import noch angepasst werden können (Pre-Grading). Außerdem unterstützt Final Cut Pro X 10.0.6 das Picture-Transfer-Protocol (PTP) für das Übertragen der Previews von Spiegelreflexkameras direkt per USB.

Verarbeitung

Endlich gibt es ein zweites Viewer-Fenster wie auch in der Vorversion Final Cut Pro 7. Im Gegensatz zu früher lässt sich hier zwar kein Timeline-Clip öffnen und bearbeiten sondern nur Elemente aus dem Ereignis-Browser, trotzdem vereinfacht es den Schnittvorgang erheblich, zumal beide Fenster eigene Videoscope-Anzeigen vorweisen. Ebenfalls erfreulich ist die Tatsache, dass einmal gesetzte In- und Out-Punkte beim Wiederaufruf des Elements im Ereignis nicht verloren gehen. Wer viel mit der Rasierklinge arbeitet, wird sich über die Möglichkeit freuen, nicht nur einen sondern alle übereinander liegenden Clips in der Timeline schneiden zu können.
Im Bereich der Tonbearbeitung hat Apple vor allem den Umgang mit Mehrkanal-Audio verbessert. Wer mehrere, unterschiedliche Kanäle in einem Clip benutzt, kann diese im Informationsfenster benennen. Der Name bleibt auch in der Timeline erhalten. Neuerdings werden auch Kanäle, die im Informationsfenster deaktiviert wurden, nicht mehr in die Timeline kopiert. Einzelne Kanäle lassen sich über die neue Funktion "Audiokomponenten erweitern" auch separat bearbeiten.

Das ist neu

·Vereinfachter Import, auch für RED-Material
·Neues Viewer-Fenster
·Verbesserte Schnittoptionen und Effekte
·Möglichkeit des Stapelexports und von Kapitelmarkern
Im Bereich der Effekte lassen sich Standbilder mit einem einfachen Klick (Tastenkombination "alt-F") erstellen. Im Vergleich zu den Hold-Frames haben Standbilder keine langsamen Ease-in/Ease-Out der Clip-Geschwindigkeit, sondern werden einfach hart geschnitten. Erfreulicherweise findet sich in der neuen Version auch ein Schlagschatteneffekt. Dieser wird zwar nicht über das Informations-Fenster aktiviert wie bei Schriften, sondern über einen Filter, erfüllt jedoch auch hier seine Aufgaben anstandslos.
Auch lässt sich jeder beliebige Übergang mittlerweile als Standardübergang festlegen, und man kann mehrere Effekte gleichzeitig auf andere Elemente kopieren, was mitunter einen Haufen Arbeit erspart.

Ausgabe

Im Bereich des Exports kann man nun nicht nur die gesamte Timeline sondern auch einzelne Teile daraus exportieren. Die Ausgabe erfolgt neuerdings über eine kleine Schaltfläche ganz rechts in der Timeline. Hier hat man jetzt die Möglichkeit, mehrere Ziele für einen Film festzulegen, das heißt, den Film gleichzeitig in mehrere Formate zu kodieren. Neu ist darüber hinaus die Möglichkeit, in der Timeline Kapitelmarkierungen für DVD und Bluray zu definieren.
Zu den weiteren Neuerungen von 10.0.6 gehört die Unterstützung von Macbooks mit Retina-Display, eingebautes Meta-Tagging, der Export als XML 1.2, neue Steuerelemente zum Kombinieren von Tonspuren bei Multicam-Produktionen, ein mitgelieferter MXF-Codec zur nativen Bearbeitung, die Anzeige zusammengesetzter Clips im Medienbrowser sowie die automatische Aktualisierung aller verbundenen Clips, sobald man ein einzelnes Element verändert.

Kaufempfehlung und Fazit

Leider ist Final Cut Pro X 10.0.6 trotz vieler Verbesserungen noch immer weder Fisch noch Fleisch. Für den Normalverbraucher ist die Software zu teuer und vielleicht ein bisschen zu komplex. Dem Profi wiederum fehlen noch immer Standardfunktionen wie Audio-Routing oder Playout-Möglichkeiten auf professionelle Medien wie beispielsweise XDCAM. Es bleibt also abzuwarten, ob Apple die Kurve noch bekommt (oder bekommen will), oder ob der Zug der Professionalität für Final Cut Pro endgültig abgefahren ist.

Final Cut Pro X 10.0.6

Semi-Professionelles Video- und Filmschnittsystem

Hersteller: Apple
Preis: Final Cut Pro X 10.0.6 € 270, Update kostenlos von 10.0.x (über Software-Aktualisierung)
Note: 1,4 gut
Geschwindigkeit (25 %)    1,3
Umfang (30 %)    1,6
Qualität (20 %)    1,4
Handhabung (25 %)    1,4
Vorzüge:
•    Übersichtlich und einfach in der Anwendung
•    Viele Formate und gute Ausnutzung der Systemperformance
•    Ausreichend Effekte und Korrekturmöglichkeiten
•    Ausgabe in unterschiedliche Formate möglich
Nachteile:
•    Viele professionelle Optionen wie Audio-Routing und Playout fehlen
•    Nur mangelnde Unterstützung von PAL-Formaten
•    Nur eingeschränkte Austauschmöglichkeiten mit anderen Systemen
Alternative:
•    Adobe Premiere Pro CS6
•    Avid Media Composer 6
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