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Test: Adobe Premiere CS6

08.08.2012 | 13:48 Uhr |

Adobe Premiere geht es gut. So gut wie schon seit Jahren nicht mehr. Denn seit Apple die aktuelle Version von Final Cut Pro zumindest für den Profimarkt ziemlich in den Sand gesetzt hat, wird Premiere wieder als ernstzunehmende Alternative gehandelt. Um dies zu untermauern, bringt Adobe eine neue Version mit noch mehr professionellen Funktionen auf den Markt.

Zunächst fällt die neue, schlanker gestaltete Oberfläche von Premiere CS6 ins Auge. Im Gegensatz zu den Vorversionen hat Adobe auf überflüssigen Schnickschnack in der Benutzerführung verzichtet, stellt jedoch über eine kleine Schaltfläche an der Bildschirmkante die Möglichkeit bereit, den Fenstern schnell weitere Funktionen hinzuzufügen.

Mit schickem neuem Design kommen nun sowohl der Audiomixer und der Audiopegel als auch die Timeline. Filme im Medien-Browser lassen sich direkt in der Piktogramm-Vorschau abspielen, ohne dass man sie erst im Quellfenster öffnen muss. Man kann hier auch In- und Out-Punkte setzen und den Clip so direkt in der Übersicht schneiden.

Schnittiger

Neben dem Interface hat Adobe die Schnittfunktionalität stark verbessert. So sieht der Anwender deutlicher, welche Schnittmarke er gerade trimmt. Es ist möglich, mehrere Schnittmarken gleichzeitig auszuwählen, um alle gemeinsam zu bearbeiten. Premiere verfügt nun über einen Trimmen-Modus, sodass man Ausgangs- und Eingangs-Clip gleichzeitig in einem Fenster sehen und Frame-genau nachschneiden kann. Neuerdings lassen sich Clips in der Timeline duplizieren, indem man einfach die Wahltaste "alt" gedrückt hält – Final Cut Pro lässt grüßen.

Wer sich ob des Formats seiner Timeline nicht sicher ist, hat die Möglichkeit, dieses automatisch einzustellen, indem er eine Sequenz aus einem Clip erstellt, oder man lässt die Sequenzeinstellungen nach dem ersten Drag-and-Drop eines Clips von Premiere anpassen. Ein neues, eigenständiges Timecode-Fenster erleichtert vor allem beisitzenden Redakteuren das Erkennen der aktuellen Zeitmarken. Darüber hinaus fällt die Limitierung von vier Kameras der Multicam-Funktion weg, sodass man beliebig viele Kamerawinkel in die Produktion integrieren kann.

Effektierter

Premiere ermöglicht jetzt das Abspielen der Clips in der Voransicht des Medienbrowsers, wo der Anwender sogar In- und Out-Punkte setzen kann.
Vergrößern Premiere ermöglicht jetzt das Abspielen der Clips in der Voransicht des Medienbrowsers, wo der Anwender sogar In- und Out-Punkte setzen kann.

Aus After Effects stibitzt Premiere CS6 die Funktion der Einstellungsebene. Sie ermöglicht es, einen Filter oder Effekt, beispielsweise eine Farbkorrektur oder einen Timecode, auf einer ganzen Reihe von Clips oder der gesamten Sequenz anzuwenden, ohne diese vorher verschachteln zu müssen.

Das ist neu

  •  Schlankeres, einfacheres Interfaces

  •  Viele neue Schnittfunktionen

  •  Neue Ein- und Ausgabeformate

  •  Stabilisierung, Rolling-Shutter und Farbkorrektur verbessert

Beeindruckend ist, dass Premiere den Abspielvorgang nicht anhält, während man an den Parametern eines Clips oder Effekts arbeitet. Man erhält also quasi ein Live-Feedback der Einstellungen, ohne nach jeder Änderung wieder auf den Play-Knopf zu drücken.

Bekannt aus After Effects kann der Premiere-Cutter neuerdings Einstellungsebenen auch in der Timeline anwenden, um mehrere (oder alle) Clips gleichsam zu filtern.
Vergrößern Bekannt aus After Effects kann der Premiere-Cutter neuerdings Einstellungsebenen auch in der Timeline anwenden, um mehrere (oder alle) Clips gleichsam zu filtern.

Der Rolling-Shutter-Effekt, den viele Spiegelreflex-Kameras erzeugen, lässt sich nun in Premiere korrigieren, indem man die Reparaturfunktion auf einen Clip (oder eine Einstellungsebene) anwendet und den Grad der Verkrümmung definiert. In dem Zusammenhang lassen sich auch verwackelte Aufnahmen über die Verkrümmungsstabilisierung begradigen, wobei hier viele Optionen für den Grad der Stabilisierung, die Skalierung, das Zuschneiden sowie das Unterbinden von Rolling-Shutter-Effekten zur Verfügung stehen.

Offener

Auch Premiere verfügt jetzt über ein eigenes Trimmen-Fenster, wo man sowohl den Ausgangs- als auch den Eingangsclip sieht und bildgenau nachbearbeiten kann.
Vergrößern Auch Premiere verfügt jetzt über ein eigenes Trimmen-Fenster, wo man sowohl den Ausgangs- als auch den Eingangsclip sieht und bildgenau nachbearbeiten kann.

Neue Formate werden ebenfalls unterstützt, beispielsweise Arriraw, das neue Canon-XF-Format der C300 sowie Red Epic und Scarlet-X-Daten bis zur Auflösung von 6k. Die Hardwareunterstützung für Echtzeit-Effekte hat Adobe um einige AMD-Radeon-Grafikkarten mit Open CL erweitert. Somit nutzt Premiere nun nicht mehr nur Nvidia-Karten mit Cuda-Technologie. Speziell Anwender von Macbooks freuen sich: Premiere erlaubt jetzt die Gestensteuerung etwa zum Ein- und Auszoomen mittels Trackpad.

Empfehlung

Premiere CS6 ist offener, schnittiger und professioneller geworden, was nicht zuletzt daran liegt, dass Adobe (man muss es leider sagen) viele Funktionen einfach von Final Cut Pro 7 abgeschaut hat, zum Beispiel die Piktogramm-Vorschau im Browser, das Trimmen-Fenster, das Duplizieren mittels Wahltaste, den Roll-Edit, die sekundäre Farbkorrektur oder die automatische Sequenzanpassung. Damit wird natürlich auch das Ziel klar: möglichst vielen Final-Cut-Pro-Anwendern den Wechsel zu Premiere (statt zu Avid) schmackhaft zu machen. Für bestehende Premiere-Anwender ist CS6 auf jeden Fall ein lohnendes Update, da erst ab dieser Version wirklich alle professionellen Schnittfunktionen zur Verfügung stehen.

Adobe Premiere CS6

Hersteller: Adobe

Preise:

Adobe Premiere CS6 Update: ab 178 Euro

Adobe Premiere CS6 Vollversion: ab 1069 Euro

Gesamtnote: 1,6 gut

Geschwindigkeit (25%) 1,6

Umfang (25%) 1,4

Qualität (20%) 1,6

Handhabung (30%) 1,7

Vorzüge: Schnellere Einarbeitung durch einfachere Benutzerführung und Automatismen, professionelle Schnitt-Funktionen, hohe Darstellungs-Geschwindigkeit durch Echtzeit-Beschleunigung, Unterstützung sehr vieler aktueller Videoformate

Nachteile: Hohe Systemvoraussetzung für Echtzeit durch zusätzliche Hardware-Anforderung, unübersichtliche Befehlsleiste und sehr umfangreiche Kontext-Menüs

Alternative: Final Cut Pro X

Adobe

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