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Wahoo Elemnt: Vielseitiger Computer für das Fahrrad

30.06.2016 | 15:51 Uhr |

Für das iPhone gibt es zahlreiche taugliche Apps für Fahrradtouren - Profis verlangen aber nach mehr. Und bekommen das mit dem Elemnt.

Warum braucht man am Fahrrad überhaupt einen Computer mit Geschwindigkeitsanzeige und Kilometerzähler, wenn man nur sehr selten in die Verlegenheit kommt, ein Tempolimit zu überschreiten? Nun, so mancher Radler will einfach wissen, wie viele Kilometer über das Jahr zusammenkommen oder wie stark sich der Wind auf die Durchschnittsgeschwindigkeit bei Hin- und Rückfahrt auswirkt.

Einfache analoge Messgeräte mit einem an den Speichen montierten Impulsgeber haben ausgedient, seitdem das iPhone immer dabei ist. Dank seines GPS misst das Apple-Smartphone die Geschwindigkeit präziser als der Chip, der aus den Umdrehungen pro Minute und dem Umfang des Vorderrads eine Geschwindigkeit ermittelt.

Populäre Fitness-Apps wie Runkeeper oder Runtastic oder eben Apples eigene Lösung für die Apple Watch lassen sich auch beim Radeln verwenden, zeichnen die Strecke genau auf, protokollieren Zwischenzeiten – und saugen den Akku des iPhone leer, wenn man das Telefon am Lenker montiert hat und stets der helle Bildschirm an ist. Wenn man aber einmal eine spezialisierte Lösung für das Fahrrad wie den Wahoo Elemnt genutzt hat, will man nicht mehr zur Streckenaufzeichnung mit iPhone alleine zurück - und schon gar nicht zum analogen Tacho. Das hat mehrere Gründe.

Eigenes GPS, stromsparendes Display

Der Wahoo Elemnt bringt ein eigenes GPS-Modul mit und zeigt Daten und seine Berechnungen auf einen nur wenig Strom verbrauchenden schwarz-weißen LC-Bildschirm an, schon allein die Akkulaufzeit ist ein deutliches Plus. Auf dem kleinen Screen ist natürlich nicht viel Platz für Details, doch lässt sich der Elemnt über eine kostenlose App mit dem iPhone koppeln. Diese App dient auch dazu, den Bildschirm des GPS-Fahrradcomputers zu konfigurieren.

Und hier wird es nun wirklich interessant, denn neben den Grunddaten auf dem Bildschirm wie aktuelle Geschwindigkeit, Durchschnitt, Kilometer gesamt oder auf Tour, Höchstgeschwindigkeit und Steigung lassen sich noch dutzende weitere Parameter anzeigen. Natürlich nicht alles auf eine Seite, auf die passen maximal zehn Elemente. Aber mit einem Druckknopf an der Unterseite des Elemnt wechselt man ohne zu stürzen schnell von Seite zu Seite. Diese Ansichten hat man zuvor auf dem iPhone angelegt und mit Datenanzeigen bestückt. So können wir auch die Akkuladung von Tacho und iPhone im Blick behalten. Oder den Puls und die Trittfrequenz, sofern wir entsprechende Sensoren haben, die mit dem Elemnt via Bluetooth kommunizieren. Raffiniert ist auch der Zoom-Knopf auf der rechten Seite des Fahrradcomputers, auf Seiten mit Daten zur Bewegung in Zeit und Raum können wir die wichtigeren Werte vergrößern und die mit niedrigerer Hierarchie ausblenden - oder eben wieder zurück zu Ansichten mit mehr Daten gelangen.

Karten und Touren auf einem Blick

Dank des eigenen GPS und des großzügigen Speichers von nach Herstellerangaben 8 GB kommt der Elemnt zudem mit Karten aus Europa und aller Welt vorinstalliert, die sich bei jedem Update der Firmware mit aktualisieren. Karten und Routen präsentiert der Elemnt auf einer eigenen Seite. Die Karten sind zwar nicht so genau abzulesen und auch nicht so fein zu zoomen wie auf einem iPhone, für einen schnellen Blick unterwegs reichen sie aber allemal aus, die Ladegeschwindigkeit ist mehr als zufriedenstellend. Auch Routen lassen sich anlegen und über die Kartenseite aufrufen. Dafür speichert man entweder eine bereits gefahrene Tour als neue Router oder lädt welche im Format GPX via iPhone aus dem Internet. Was noch implementiert wird: Routen des Portals komoot.de bekommen auch Abbiegehinweise, der Computer zeigt dann rechtzeitig die fälligen Richtungswechsel an. Hat man viele Routen installiert, bekommt man diese ortsbasiert empfohlen.

Touren schaut man sich nach deren Ende besser in der App an. Die leicht unterschiedliche Längenmessung (mitte und links) hängt damit zusammen, wie oft das Gerät den Standort misst. Die unterschiedliche Zeit begründet sich damit, dass der Fahrradcomputer bei jedem Stopp die Uhr soft anhält und nicht erst nach sekundenlanger Verzögerung.
Vergrößern Touren schaut man sich nach deren Ende besser in der App an. Die leicht unterschiedliche Längenmessung (mitte und links) hängt damit zusammen, wie oft das Gerät den Standort misst. Die unterschiedliche Zeit begründet sich damit, dass der Fahrradcomputer bei jedem Stopp die Uhr soft anhält und nicht erst nach sekundenlanger Verzögerung.

Es dauert ein paar Touren, um den Elemnt wirklich zu durchdringen, ein ausführlicheres Handbuch wäre nicht schlecht gewesen. So fragen wir uns auf einer der Touren, warum der Tacho kein Licht hat - Sonnenbrille, bedeckter Himmel und eine Waldschneise haben uns kurz für die Anzeige des Elemnt blind gemacht. Doch, er hat ein Licht, wie lang das beim Herumschalten auf dem Elemnt leuchtet, lässt sich in drei groben Stufen festlegen: Gar nicht, x Sekunden lang oder immer. Zu unser großen Freude braucht man nicht immer das iPhone, um diese Einstellung anzupassen, eine Art Kontrollzentrum erscheint auch auf dem Tacho nach einem bestimmten Knopfdruck. Auf dem iPhone legt man hingegen den Wert für x an, ab Werk waren das fünf Sekunden - sehr schön gelöst.

Unmittelbar zum Stopp gekommen

Was Radler bei der Apple Watch gar nicht schätzen: Deren Fitnessapp erkennt (noch) nicht, wenn man stehen bleibt, weil man vielleicht ja stehen bleiben muss (rote Ampel - es gibt Radler, die halten sich an so etwas). So spuckt uns die Apple Watch nach der Tour durch die Stadt immer einen recht dürftigen Schnitt aus. Fitnessapps für Läufer und Radler sind da schon präziser und halten selbst an, wenn die Aktivität pausiert. Eigentlich selbstverständlich, denn sogar unser über zehn Jahre alter analoger Fahrradtacho misst und errechnet die Durchschnittsgeschwindigkeit nur während der Fahrt. Der Elemnt geht aber noch einen Schritt weiter: Sobald wir stehen, hält er die Uhr an, deutlich flotter als die zum Vergleich herangezogenen Apps. Auch sonst ist er beim Messen sehr genau: Im Vergleich zum iPhone (wir haben auf einer Tour gleichzeitig mit Runkeeper die Strecke gemessen) zeigt der Elemnt eine geringfügig kürzere Strecke an, die Abweichung beträgt aber nur um die drei Prozent. Wobei wir erst einmal keine Aussage treffen können, welches der beiden GPS genauer ist. Wir haben jedoch in früheren Vergleichstest festgestellt , dass das iPhone seltener Messpunkte an Fitnessapps liefert als dedizierte Sportuhren – im Zweifelsfall sollten wir also eher dem Elemnt glauben. Die Fahrzeit gibt der Elemnt bei unserer Tour als fast drei Minuten kürzer an, dem schnellen Timeout der Uhr beim Anhalten sei Dank. So steigt das errechnete Durchschnittstempo insgesamt um zwei Zehntel km/h an.

Die Stopppunkte sind sehr präzise zu erkennen. Wir gehören der Sorte Radler an, die an roten Ampeln halten...
Vergrößern Die Stopppunkte sind sehr präzise zu erkennen. Wir gehören der Sorte Radler an, die an roten Ampeln halten...

Nachrichten auf dem Display - angenehm wenige

Eine Sache kann der Elemnt aber nicht so gut wie das iPhone, das ist aber eigentlich kein Schaden: Er hält uns nicht ständig auf dem Laufenden. Da wir aber entweder in Ruhe sporteln wollen oder uns auf den Stadtverkehr konzentrieren müssen, schadet das Fehlen von Alarmen nicht. So waren wir während der ersten Halbzeit des EM-Vorrundenspiels Deutschland gegen Nordirland auf verwaisten Straßen unterwegs und erfuhren erst daheim von Gomez' Treffer. Im Fall der Fälle kann man sich aber vom Elemnt aber über eingehende Nachrichten, Mails oder Anrufe informieren lassen. Messages zeigt der Elemnt an, auch den Namen des Anrufers, telefonieren kann man mit dem Gerät natürlich nicht. Der Empfang von E-Mails gelingt uns zunächst nicht, trotz entsprechend getroffener Einstellung. Wir vermissen zwar nichts, wundern uns aber dennoch, bis wir auf die Idee kommen, dass das mit dem Sperrbildschirm des iPhone zusammenhängen könnte. Und siehe da: E-Mails von VIPs, über die wir auf dem Telefon über die Mitteilungen benachrichtigt werden, sind auch auf dem Elemnt zu sehen. Wer also ungestört radeln will, sollte seine VIP-Kontakte handverlesen. WhatsApp soll bald als zusätzliche Quelle hinzukommen, theoretisch wäre es auch möglich, andere Apps Mitteilungen nicht nur auf den Sperrbildschirm des iPhone, sondern auch den Elemnt schicken zu lassen. Hierfür gibt es aber noch keine konkreten Pläne.

Nur wenn's wichtig ist: Man kann sich zwar Nachrichten auf das Display schicken lassen, aber eben nur handverlesene
Vergrößern Nur wenn's wichtig ist: Man kann sich zwar Nachrichten auf das Display schicken lassen, aber eben nur handverlesene
© Macwelt

Einkommende Benachrichtigungen meldet der Elemnt mit einer LED-Leiste an seiner oberen Kante, die auffällig blinkt. Mehr Funktionen hat das Pendant an der linken Seite. So zeigt die weiße (eher hellblaue) LED in der Mitte an, wenn man genau die bisherige Durchschnittsgeschwindigkeit fährt, blaue LEDs leuchten darüber, wenn man schneller ist, grüne darunter, wenn man langsamer fährt. Wird natürlich erst im Verlauf der Tour interessant. Statt der Geschwindigkeit kann man sich auch einen anderen Parameter derart anzeigen lassen, etwa die Trittfrequenz.

Multifunktional für ambitionierte Sportler

Man mag es zu Beginn des Sommers kaum glauben, aber der Winter ist nur noch wenige Monate entfernt und damit das Ende der Outdoorsaison. Doch auch für die Radler, die im Winter Indoor "auf der Rolle" trainieren, hat Wahoo mit dem Klickr eine Lösung, die das Hinterrad ersetzt und so das Training ohne Fortkommen erlaubt. GPS ist damit natürlich überflüssig, doch kann der Sportler das GPS am Elemnt abschalten und stattdessen sich Daten vom Hinterradersatz geben lassen. So rechnet der Computer Umdrehungen gemäß der gewählten Übersetzung in Entfernung und Geschwindigkeit um. Für uns bekennende Stadtradler mit Ambition auf halbsportliche Sommertouren wohl ein wenig "over the top"... Aber wer mehrere 10.000 Kilometer im Jahr im Sattel verbringt, will unter Umständen auch wissen, wie unterschiedlich er auf den Pedalen seine Leistung verteilt oder wie lange die Herzfrequenz in welchen Bereichen verharrte. All diese Informationen zeigt der Elemnt auf Wunsch auch an. Einige Profiräder arbeiten bereits mit einer elektronischen Gangschaltung, also kann der Elemnt auch den damit gewählten Gang darstellen und den Akkustand der Schaltung. Profis werden das zu schätzen wissen

Mit der App konfiguriert man Seiten des Tachos. Während unseres Test hat die ein Update bekommen, das vor allem für eine bessere Übersicht der möglichen Anzeigen sorgt.
Vergrößern Mit der App konfiguriert man Seiten des Tachos. Während unseres Test hat die ein Update bekommen, das vor allem für eine bessere Übersicht der möglichen Anzeigen sorgt.

Soziale App

Eine Funktion, die man ebenso nutzen kann, aber nicht muss, ist wohl eher für Hobbyradler gedacht: Man kann seine Touren in Echtzeit teilen, dank des gekoppelten iPhones ist der Elemnt ja stets mit dem Internet verbunden. Sinnvoll ist das, will man den anderen in der Facebookgruppe "Tour de Franz" zeigen, wo man gerade mit welchem Einsatz sich abstrampelt. Das Sharing ist nicht ab Werk eingeschaltet, also keine Angst vor heimlicher Überwachung. Zudem kann man genau festlegen, wer mitschauen darf.

Der Elemnt lässt sich zudem in ein Wi-Fi einbinden, die Konfiguration übernimmt das iPhone. So kann der GPS-Computer neue Firmware und Karten herunter und Trainingsdaten auf Websites hochladen, ohne das iPhone unterwegs als Modem zu benutzen und das Datenvolumen des Mobilfunkvertrags zu belasten.

Falsches Fahrrad oder falsche Adapter? Mit den mitgelieferten Halterungen lässt sich der Elemnt erst nur quer oder allenfalls schräg am Lenker anbringen.
Vergrößern Falsches Fahrrad oder falsche Adapter? Mit den mitgelieferten Halterungen lässt sich der Elemnt erst nur quer oder allenfalls schräg am Lenker anbringen.
© Macwelt

Nur ein Punkt ist uns ein wenig negativ aufgefallen, die Halterung. Die Quadlock-Halterung montiert man idealer Weise an den Lenker und dreht den Elemnt ein. Verriegeln lässt er sich nicht, am Ende der Tour und in den Pausen sollten wir daran denken, das teure Gerät auch wieder selbst einzustecken. Über zwei der mitgelieferten Adapter für die Lenkermontage haben wir uns gewundert, den Elemnt können wir aufgrund der Gegebenheiten unseres Radls nur quer oder allenfalls schräg montieren. Immerhin hilft der dritte Adapter weiter, ein einfaches Gegenstück ohne Ausleger. Dieses befestigen wir mit den ebenso beigefügten Kabelbindern. Ist zwar nicht schön, aber zweckmäßig und hält auch recht sicher den Computer fest. Wenn wir etwas passenderes für unser Radl haben wollten, müssten wir uns an den Fachhändler wenden. Dritthersteller haben passende Quadlockhalterungen im Angebot, etwa auch solche aus Aluminium und nicht aus Plastik. Im Zweifelsfall kann uns also unsere Werkstatt mit einem passenden Aufsatz weiter helfen.

Das geht immer: Kabelbinder für die einfache Halterung lösen unser Problem.
Vergrößern Das geht immer: Kabelbinder für die einfache Halterung lösen unser Problem.
© Macwelt

Fazit

Alles in allem ist der Wahoo Elemnt ein feines Gerät für Stadtradler und ambitioniertere Sportler. Die umfangreichen Funktionen können wir nicht alle nutzen, wer aber den Sport mit Ernst verfolgt, bekommt ein flexibles und zuverlässiges Gerät für seine Trainingssteuerung. Der vergleichsweise hohe Preis zu herkömmlichen Fahrradcomputern im Preisbereich von 100 bis 200 Euro ist gerechtfertigt.

Wahoo Elemnt

Hersteller:

Wahoo Fitness

Vorzüge:

Präzise Messung, hilfreiche App, umfangreiche Informationen, gut ablesbares Display

Nachteile:

Hoher Preis

Preis:

330 Euro

Note:

1,3 - sehr gut

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