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Wargame: European Escalation im Test

17.07.2013 | 10:30 Uhr |

Im Strategiespiel Wargame wird der „Kalte Krieg“ zum heißen Krieg. Was der Titel mit dem erschreckend realistischen Szenario taugt, klären wir im Test.

Eugen Systems‘ Strategiespiel Wargame: European Escalation ist ein technisch gelungenes und vor allem forderndes Spiel, dass vor allem fortgeschrittenen Strategie-Fans gefallen dürfte – wenngleich die Komplexität Einsteiger anfangs etwas überfordern dürfte.

Das Spiel ist historisch im Jahrzehnt von 1975 bis 1985 angesiedelt, also der heißen Phase des „Kalten Krieges“ zwischen der US-amerikanisch dominierten westlichen und der sowjetisch dominierten östlichen Hemisphäre. Dabei erzählt Wargame eine „Was wäre wenn“-Geschichte, bei der ein kleineres Scharmützel zwischen Verbänden der Bundeswehr und der NVA an der innerdeutschen Grenze zu einem weltweiten Konflikt der Machtblöcke eskaliert. Das Setting zieht den Spieler dabei allein schon seiner Aktualität wegen sofort in seinen Bann, denn das Geschehen liegt nur ein paar Dekaden zurück. So konnten die Entwickler auf originale Nachrichtenbeiträge und Zeitungsausschnitte zurückgreifen, um für die richtige Atmosphäre und Spannung während der 22 Missionen zu sorgen.

Die Ansicht von Wargame lässt sich stufenlos von einer "Mittendrin"-Ansicht bis zur Übersichtskarte zoomen. Hier sehen Sie ein paar Leopard 1A1-Panzer.
Vergrößern Die Ansicht von Wargame lässt sich stufenlos von einer "Mittendrin"-Ansicht bis zur Übersichtskarte zoomen. Hier sehen Sie ein paar Leopard 1A1-Panzer.

Ohne Militärakademie

Leider wird man von Wargame ziemlich ins kalte Wasser geworfen, denn das Spiel gibt nur sehr rudimentäre Hilfestellungen für Einsteiger. Neben der klassischen Kampagne ist auch ein Gefechtsmodus enthalten, in dem man gegen die KI etwas trainieren kann – ein Ersatz für das fehlende Tutorial ist das aber nicht. Gerade am Anfang wäre ein wenig Führung mit Blick auf die grundlegenden Aufgaben wie Truppenauswahl oder Bewegung sinnvoll gewesen. Apropos Bewegung: Zum Spielen wird fast zwingend eine Zwei-Tasten-Maus benötigt, denn mit der Magic Mouse ist aufgrund ihrer Auslegung mit Touch-Befehlen in Wargame: European Escalation fast nichts anzufangen – genauso wie mit dem Magic Trackpad. Idealerweise nutzt man eine dezidierte Spiele-Maus wie etwa die Mous 9 von Madcatz.

Mit Tiefgang

Hat man sich erst mit der Bedienung zurecht gefunden und die erste Spielstunde erfolgreich hinter sich gebracht, entwickelt sich Wargame zu einem äußerst anspruchsvollen Strategiespiel mit hohem Tiefgang. Leider kann die Optik nicht ganz mit der spielerischen Tiefe mithalten, denn sie ist nicht ganz auf der Höhe der Zeit. Zwar bietet das 3D-Gerüst von Wargame solide Modelle der Einheiten und gelungene Landschaften, der Detailgrad könnte aber höher sein. Toll umgesetzt dagegen ist die Zoomfunktion: Mit „Iriszoom“ lässt sich mit dem Scrollrad stufenlos ein- oder auszoomen. Das hat den taktischen Vorteil, dass man vor Aktionen zur besseren Übersicht herauszoomen kann, um die bestmögliche Taktik zu wählen. Läuft ein Angriff, zoomt man einfach wieder mitten ins Geschehen hinein und sieht den Einheiten beim Beschuss der Feinde zu. Diese Funktion sorgt für ein fesselndes „Mittendrin“-Gefühl, das den Spieler bei der Stange hält – prima!

Einschätzung

Wargame: European Escalation ist kein Strategie-Titel für Einsteiger ins Genre, soviel ist sicher. Erfahrene Spieler bekommen aber zum einen ein gut spielbares und intensives Strategiespiel und zum anderen etwas, das heutzutage im Games-Markt eher selten ist: ein unverbrauchtes und packend gestaltetes Setting!

Steckbrief: Wargame: European Escalation

Hersteller: Eugen Systems

Preis: 19,99 Euro (Steam)

Altersfreigabe: ab 12 Jahren

Note: 2,2 gut

Grafik (25%) 2,2

Sound (25%) 2,3

Umfang (25%) 1,7

Bedienung (25%) 2,7

Vorzüge: tolles Setting, realistische Einheiten, 22 Missionen in der Kampagne

Nachteile: Grafik nicht ganz auf der Höhe der Zeit, fehlendes Tutorial

Alternative: Napoleon: Total War

Anforderungen: OS X 10.6.8, Intel Core 2 Dou 2,4 GHz, 2GB RAM, ATI Radeon HD 4670/ Nvidia GeForce GT 120/ 320 M mit 256 MB, 10GB HDD

Testgeräte: Macbook Air 4,1

Bezugsquellen: Steam

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