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Windows am Mac: Parallels Desktop 12 im Test

19.08.2016 | 15:58 Uhr |

Die neue Version von Parallels bietet gute Leistung und interessante Funktionen – wir zeigen, ob sich das Upgrade auf Version 12 lohnt

Will man Windows-Programme wie Elster oder Access auf dem Mac nutzen, hat sich eine Virtualisierungssoftware wie Parallels Desktop als komfortabelste Lösung erwiesen. Apples  Bootcamp hat zwar die bessere Performance, man muss aber für jeden Zugriff auf eine  Windows-Anwendung neu booten. Parallels Desktop ist allerdings nicht die einzige Mac-Lösung. Mit Virtual Box gibt es sogar eine kostenlose Alternative, VMware hat das vermutlich kurz vor einem Update stehende Fusion 8 im Angebot. In unseren Tests hat sich Parallels bisher gut gegen die Konkurrenz behaupten können, wichtigste Gründe sind guter Bedienkomfort und Funktionsumfang. Ein Upgrade auf Version 12 kostet allerdings 50 Euro, die Abo-Version Parallels Pro immerhin hundert Euro pro Jahr. Wir versuchen deshalb zu klären, ob sich das Upgrade auf die neue Version lohnt.

Wichtigste Neuerung bei Paralles Desktop 12 sind Optimierungen für das kommende macOS Sierra (Parallels 11 läuft aber voraussichtlich ebenfalls problemlos unter Sierra ), Leistungsverbesserungen und ein neues App-Paket namens Toolbox.

Neue Toolbox

Die Toolbox ist eine Sammlung eigenständiger App, die man per Menüleistentool oder Docksymbol aufruft. Gedacht sind sie für das schnelle Aufrufen von Aufgaben wie das Ausblenden von Desktop-Dateien, Aufnehmen von Bildschirmfotos und -Videos sowie das Herunterladen von Youtube-Videos. Weitere Funktionen sind Archivieren und Verschlüsseln von Dateien, Aktivieren eines Präsentationsmodus und vieles mehr.

Die Toolbox stellt 12 Tools bzw. 20 Funktionen bereit.
Vergrößern Die Toolbox stellt 12 Tools bzw. 20 Funktionen bereit.

So gehört ein Videokonverter auf Basis von ffmpeg zum Paket, mit dem man per Drag-and-Drop Videos im iOS und Quicktime kompatibel macht. Funktionen aktiviert man per Mausklick, Daten wählt man per Drag-and-Drop. Ein kleines Symbol am rechten oberen Rand erlaubt bei vielen Tools Auswahl unter mehreren Voreinstellungen. Ab 23.8 ist das Tool als eigenständiges Programm zu haben, der Preis beträgt dann 10 Euro pro Jahr. Die Tools sind funktional und praktisch, über die Bewertung sind wir aber etwas unschlüssig. Die 12 Tools (die 20 Funktionen bieten) sind nützlich und komfortabel zu nutzen, eigentlich haben sie jedoch nur wenig mit der Nutzung von Windows am Mac zu tun.

Performance

Ein besserer Grund für das Upgrade ist nach unserer Meinung die verbesserte Leistung von Parallels 12. Die Leistungsverbesserungen der neuen Version betreffen vor allem die Speicherverwaltung. So  soll Parallels 12 Snapshots einer Maschine bis zu 90 Prozent schneller erstellen und die Aktivierung des Standby erfolgt um bis zu 60 Prozent zügiger. Unsere Messungen können dies bestätigen, das Erstellen eines Snapshots dauert im Test statt knapp 22 Sekunden nur noch 4 bis 8 Sekunden und die Aktivierung des Standby ist ebenfass deutlich beschleunigt. Die Performance der freigegebenen Ordner verbessert das Update laut Parallels ebenfalls. Dem Hersteller zufolge soll sich außerdem die Akkulaufzeit um bis zu 10 Prozent erhöhen. Der Grund: Nutzt man Parallels längere Zeit nicht, versetzt sich das System automatisch in einem Standby-Zustand, aus dem es binnen Sekunden wieder „aufwacht“. Unter der Option „Optimierung“ findet man die entsprechende Option „Windows, wenn möglich, anhalten“. Als Standard ist die neue Funktion aktiviert. In diesem angehaltenen Zustand sinkt die CPU-Last bei unserem Mac auf knapp 0,2 Prozent, was auch den Akku schont. Bei einem Rechner mit herkömmlicher Festplatte dauert das „Aufwecken“ allerdings einige Sekunden, weshalb wir die Funktion auf unserem älteren Desktop schnell lästig fanden.  Für ein Macbook mit SSD ist dieser Einfrier-Modus aber sicher sinnvoll. Hoch bleibt der Arbeitsspeicherbedarf. Auf unserem Mac Mini mit 8 GB Speicher beansprucht unser schlankes Windows 10 trotz verbesserter Speicherverwaltung 1,9 GB - auch im Anhalte-Modus. Weiterhin ist Parallels auf Rechner mit 4 GB Speicher zwar lauffähig, bremst das System dann aber stark aus.

An der begrenzten Grafikleistung konnte Parallels ebenfalls wenig ändern, hier stößt das Konzept einer Virtualisierungssoftware an Grenzen. Für Gamer ist also weiterhin Bootcamp die bessere Lösung und das 2009 vorgestellte DirectX 11 wird nicht unterstützt.

Funktionsumfang und Online-Backup

Parallels Desktop ist eine komfortable Lösung, die uns vor allem durch eine Vielzahl an Detail-Lösungen überzeugt. So kann man die Pro-Version VMs Platz sparend archivieren (per Kontextmenü) und in den Optionen die Ressourcennutzung der virtuellen Maschinen festlegen. Interessant für Gamer: Die neue Version ist für das Spiel Overwatch optimiert, außerdem unterstützt Parallels weiterhin die Xbox-App von Windows 10.

Gut gefällt uns außerdem eine neue Funktion unter „Wartung“. Man kann nämlich lästige Windows-Wartungsfunktionen wie das Herunterladen und Installieren von Updates auf bestimmte Zeiten verlegen, beispielsweise das Wochenende. Beibehalten hat Parallels die Aufteilung in Standard- und Pro-Version, die Pro-Version ist vor allem für Entwickler zu empfehlen. So bietet sie Entwicklertools Funktionen wie den Network-Conditioner, der Umgebungen mit 3G oder Edge simuliert.

Bei der Pro-Version gehört Parallels Access zum Lieferumfang, dieses App haben wir aber bereits in einem anderen Artikel ausführlich vorgestellt .

Neu mit dabei: eine Ein-Jahres-Lizenz von Acronis True Image, die Cloud-Backus der virtuellen Windows-Umgebung ermöglicht. 500 GB Online-Speicher für Backups stehen zur Verfügung und sollen ein schnelles Backup der Windows-Daten ermöglichen. Allerdings steht dieses Angebot aber erst ab dem 23.8 zur Verfügung, vorher bietet Parallels nur eine Demo-Version an – die man nicht installieren sollte .

Für Nutzer der Abo-Version und upgradewillige Besitzer der Vorversion ist Parallels 12 bereits verfügbar, die Verkaufsversion ab dem 23. August. Ein Upgrade von Parallels Desktop 10 oder 11 für Mac kostet 50 Euro, die Vollversion ist für 80 Euro zu habe. Die Abo-Versionen Parallels Desktop Pro und Business kosten unverändert 100 Euro pro Jahr, bei diesen Versionen ist unter anderem die Fernzugriffs-App Parallels Acces enthalten.

Hinweis: Laut Nutzerforen lief das Upgrade von Parallels nicht bei allen Nutzern problemlos ab. Dabei lässt oft schwer feststellen, ob der Fehler bei Parallels oder Windows liegt. Einige berichten von Problemen mit dem Ausdruck aus Windows-Apps, möglicherweise kann dieses Problem aber durch das Zurücksetzen des Print Spooler beheben. Ein weiteres Problem betrifft anscheinend auch Nutzer, die Windows 10 im Vollbildmodus mit zwei Monitoren nutzen. Beide Fehler können wir allerdings nicht reproduzieren.

Empfehlung

Um Windows-Programme auf dem Mac zu nutzen, ist Parallels weiterhin die komfortabelste Lösung. Nutzer von Parallels 11 können mit dem Upgrade aber problemlos noch etwas warten. Die neue Version bringt viele nützliche Verbesserungen, vorwiegend handelt es sich dabei jedoch um Komfortfunktionen.

Parallels Desktop

Preis: 80 Euro (Standard Edition),100 Euro pro Jahr (Pro Edition)

Note: 1,5 gut

Leistung (50%)   1,4

Ausstattung (30%)  1,5

Bedienung (10%)    1,5

Dokumentation (10%)    1,5

Vorzüge: Einfache Bedienung, guter Funktionsumfang

Nachteile: Begrenzte Grafikleistung, Profi-Funktionen bleiben Pro-Edition vorbehalten

Alternativen: Vmware Fusion, Virtual Box, Bootcamp

Ab OS X 10.10

Parallels

www.parallels.com

Neue Funktionen

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