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Withings Activité – Fitnessarmband als Uhr getarnt

31.03.2016 | 13:47 Uhr |

Elegante Fitnessuhr statt überladener Sportuhr oder Smartwatch – das ist das Prinzip der Withings Activité. Wir haben uns mit dem Modell "Steel" gestählt.

Smartwatches wie die Apple Watch haben noch einige Nachteile, was die Akkulaufzeit und den Look betrifft. Uhrendesign ist zwar Geschmackssache, doch waren Taucheruhren in den Siebzigern und Achtzigern im Alltag in Mode und das eckige Design der Apple Watch wirkt manchen auf Dauer etwas klobig – da hilft auch die Vielzahl von Wechselarmbändern nicht weiter, die es für Apples Smartwatch mittlerweile auf dem Markt gibt.

Withings geht mit seiner Fitnessuhr Activité einen anderen Weg : Sie sieht einfach aus, wie eine Uhr aussehen soll. Das geht zwar zu Lasten der Funktionalität, wer aber keine E-Mails auf der Uhr lesen, sondern einfach nur einen einfachen Fitnessbegleiter will, der auch die Zeit anzeigt, ist mit der Activité bestens versorgt. Wir haben das Modell Activité Steel einige Wochen im Alltag getragen und vor allem zur Überwindung der Bewegungsfaulheit eingesetzt.

Schrittzähler und intelligente App

Die Activité (Steel) kommt mit einer einfachen Prozent-Anzeige neben den beiden Uhrzeigern aus. Auf einem runden Zifferblatt - die 100 Prozent liegen bei 9 Uhr - zeigt uns ein dritter Zeiger den Anteil des heute erreichten Schrittziels. Nach Erreichung oder um Mitternacht springt er auf die Null zurück und zählt weiter. Anders als bei der Apple Watch ist das Schrittziel frei wählbar - wir tappen erst einmal ein paar Tage bei 4000 Schritten herum und stellen dann mutig auf die empfohlenen 10.000 Schritte. Das wären etwa 8,5 Kilometer, die man im Alltag nicht erreicht, wenn man nicht ab und an die ein oder andere U-Bahn auslässt und die Strecke zu Fuß nimmt.

Die Intelligenz der Uhr steckt vorwiegend in der Withings-App, die man aber auch ein wenig pflegen muss. Unserer Erfahrung nach sollte man sie zumindest einmal am Tag auf dem iPhone starten und für den Datenabgleich mit der Uhr in den Vordergrund holen, sonst könnten Bewegungsdaten verloren gehen. Das fiel uns an einem Sonntag auf, als wir uns wunderten, warum wir das Schrittziel am Freitag trotz eines langen Spaziergangs verpassten. Die Uhr hatte an jenem Abend aber klar über 100 Prozent angezeigt.

Die App zeigt auf einer Kleeblattgrafik vier Gesundheitsaspekte auf: Die selbst gemessenen Schritte, Daten zum Schlaf – ebenfalls selbst gemessen, solche zum Herzschlag, die nur mit einem zusätzlichen Pulsmesser protokolliert werden und solche zum Gewicht. Die kann man zwar auch von Hand eintragen, weniger schummeln wird man aber, nutzt man eine Waage von Withings zur Messung – diese kostet auch noch mal 150 Euro laut unverbindlicher Preisempfehlung des Herstellers.

Völlig überflüssig ist das Schlafprotokoll. An die Uhr am Handgelenk gewöhnt man sich zwar recht schnell, sie ist mit ihrem Silikon-Armband und dem Stahlgehäuse recht angenehm im Alltag zu tragen, doch im Bett fühlt sie sich dann doch wie ein Fremdkörper an. Aber nur so sagt einem die Uhr, wie lange man in der Horizitalen lag, wie schnell man eingeschlafen und wie flott aufgewacht ist und wie lange der Schlaf somit war. Die erhobenen Daten sind zwar nicht völlig falsch, wie die angezeigten Tiefschlafphasen zeigen. Doch sind wir skeptisch. Will man die Schlafqualität genau erfassen, genügt ein einfaches Armband mit Bewegungsmeldern überhaupt nicht . Immerhin haben wir mal genau gesehen, wann wir am Abend vor dem Fernseher eingeschlafen sind – die Show war aber auch wirklich langweilig.

Über die App kann man auch einen Wecker konfigurieren, der mit exakt zwölf Vibrationen zur gewünschten Uhrzeit an den gewünschten Tagen aus dem Schlaf reißt. Legt man die Uhr auf den Nachttisch ab, bekommt man noch genügend von dem durch den Vibrationsalarm ausgelösten Radau mit, auch wenn die Withings-Uhr keinen Lautsprecher hat. Einen Schlummermodus kennt der Wecker auch nicht, aber das soll ja eh nicht so gesund sein. Über die App lassen sich aber auch Alarme einrichten, die daran erinnern sollen, mal wieder laufen zu gehen oder sich auf die Waage zu stellen. Man bekommt die auf den Sperrbildschirm des iPhone geschickt, eine Vibration am Handgelenk bleibt dabei aus.

Mit der Activité Steel weiter, immer weiter

Die Withings-App Health Mate spricht auch mit anderen, vor allem mit der Health-App, aber auch direkt mit dem von uns beim Joggen und Radfahren verwendeten Runkeeper . So sehen wir auch – sofern die App auf dem iPhone lief – unsere Radl-Aktivitäten angezeigt, zum Erreichen des Schrittziels tragen die allerdings nicht bei. Erstaunlicher Weise die kurze Laufrunde aber doppelt, denn die App zählt nicht nur die selbst gemessenen Schritte, sondern auch die von Runkeeper per GPS und Motionsensor des iPhones vermessene Strecke. Hier wäre sicherlich noch etwas Nachjustieren an der Software angebracht.

Will man seine Ernährung in der im Großen und Ganzen vorbildlich gestalteten App protokollieren, benötigt man eine zusätzliche App: MyFitness Pal. Wir hatten diese im letzten Sommer schon bei unserem Test der Apple Watch ausprobiert.

Schön sind aber die Belohnungen, die man von der App bekommt. Anfangs häufen sich diese natürlich und das iPhone spuckt eine Benachrichtigung über die ersten 10 zurückgelegten Kilometer aus, den Rekord für den Dienstag, das erreichte Schrittziel am Mittwoch die 20 Kilometer am Donnerstag – naturgemäß werden neue Ziele dann immer seltener erreicht. Aber sie sind ja in der Sammlung der Badges weiterhin zu bewundern, für die ersten 42 Kilometer hat es natürlich die Marathon-Medaille gegeben, für 200 Kilometer den Badge "Suez-Kanal". Derzeit arbeiten wir noch an "Titicaca-See" (510 Kilometer), aber nachdem die Fahrradsaison endgültig begonnen hat, werden die täglichen Schritte immer weniger. Den "Fantastischen Tag" mit 15.000 Schritten haben wir bisher auch verpasst, wenn auch einige Male nur knapp. Aber der Berg ruft ja bald...

Niemals untergehen

Die Apple Watch ist zwar bedingt wasserdicht, aus Gründen trauen wir uns mit ihr aber nicht in den See und nicht in das Schwimmbad. Die Withings Activité Steel ist aus einem anderen Holz geschnitzt und nach Herstellerangaben wasserdicht bis 50 Meter Tiefe. So genau testen wir das nicht aus, stellen aber nach einem Besuch im Schwimmbad fest, dass die Uhr die Aktivität "Schwimmen" tatsächlich erkannt hat. Nicht besonders präzise, denn bei den 52 Minuten war auch reichlich "Plantschen" und "Paddeln" dabei, aber immerhin. Bahnen zählen wie etwa die TomTom Multisport kann die Activité zwar nicht, aber das hatten wir auch nicht erwartet. Großer Pluspunkt aber gegenüber den funktionsreichen Sportuhren und Smartwatches: Die Withings Activité muss man nicht aufladen, mit einer Knopfbatterie (tauscht der Uhrmacher) hält sie laut Hersteller bis zu acht Monate durch. Das konnten wir aber noch nicht verifizieren.

Fazit

Eleganter als eine Sportuhr und eine Smarwatch, wenn auch funktional auf  Fitnesskomponenten eingeschränkt: Die Activité Steel wagt einen Spagat, der gelingt. Der Hersteller Withings hat noch weitere Gesundheitsgadgets im Angebot, wie etwa ein Blutdruckmessgerät, eine Pulsuhr oder die erwähnte Waage, die Uhr alleine erfüllt aber ihren Zweck durchaus. Bei unserem Modell mit schwarzem Zifferblatt konnten wir die Zeit aber in einigen Fällen in der Dunkelheit nicht mehr gut ablesen, Withings bietet aber vor allem mit den Modellen Activité Pop eine große Designvielfalt an – die Steel gibt es aber auch in weiß. Natürlich ist sie kein Armbandcomputer wie die Apple Watch, wer aber auf Apps am Handgelenk verzichten kann und nicht ernsthaft auf einen Marathon trainiert, ist mit der Activité bestens bedient. Ein eleganteres Fitnessarmband gibt es auf dem Markt jedenfalls nicht. Der Preis von 170 Euro ist durchaus angemessen.

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