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Woran Logitechs iOS-Gamecontroller Powershell scheitert

21.01.2014 | 10:55 Uhr |

Es hätte die Gaming-Offenbarung für alle iPhone-Besitzer werden können, doch Logitechs Powershell-Gamecontroller kann nicht überzeugen

Auf der vergangenen WWDC hat Apple eine kleine, für Gamer aber sehr feine Katze aus dem Sack gelassen: das Gamecontroller-Framework von iOS7 und OS X Mavericks . Es sollte garantieren, dass über Apples Plattformen hinweg einheitliche Standards für die Steuerung von Spielen eingehalten werden – ganz so, wie auf stationären Konsolen oder Handhelds. Ein Abgesang auf Sonys PS Vita oder Nintendos 3DS kommt aber zu früh. Das jedenfalls zeigen unsere Praxis-Erfahrungen mit Logitechs Powershell Controller, einem der ersten speziell zertifizierten Gaming-Erweiterungen für das iPhone (Made for iPhone, kurz: MFi).

Kleines „Wow“, große Ernüchterung

Grundsätzlich geht die Haptik des Controllers in Ordnung, denn der Powershell liegt dank der geriffelten Flächen und ergonomischen Aussparungen auf der Rückseite gut in der Hand. Mit seinem Steuerkreuz, vier Optionstasten und zwei Schultertasten ähnelt das Button-Layout sehr dem Gamepad des Super Nintendo. Das iPhone 5/5s wird zum Spielen quer in den Controller gesteckt, die Verbindung läuft über die integrierte Lightning-Schnittstelle. Dank des integrierten 1500mAh-Akku ist auch für längere Spiele-Sessions genug Saft vorhanden. In der Theorie also beste Voraussetzungen.

Das Gehäuse beherbergt zwar einen Zusatzakku, wirkt aber trotzdem etwas windig.
Vergrößern Das Gehäuse beherbergt zwar einen Zusatzakku, wirkt aber trotzdem etwas windig.

Beim Spielen fällt aber schnell auf, dass das Konzept nicht aufgeht. Das Plastikgehäuse des Powershell sehr billig und instabil geraten, der Schalter zum Betätigen des iPhone-Power-Buttons funktioniert nur sporadisch. Bei den verbauten Tasten hat Logitech ebenfalls ziemlich daneben gegriffen. Die Optionstasten liegen sehr eng beieinander und sind zudem zu klein geraten. An den Schultertasten des Powershell-Controllers gibt es dagegen so gut wie nichts auszusetzen, denn der Druckpunkt ist gut gewählt. Das Steuerkreuz aber ist an Schwammigkeit kaum zu überbieten. Während auf dem Digikreuz eines 3DS oder einer Vita sehr gut zu spüren ist, ab wann ein Tastendruck erkannt wird, sind wir am Steuerkreuz des Powershell-Controlles schier verzweifelt. Im Racer Asphalt 8 sind wir ständig in die Leitplanken gerauscht, weil die Lenk-Eingaben nicht richtig erkannt wurden.

(Noch) Kein Mehrwert

Neben den ausbaufähigen äußeren Eindrücken ist aber die entscheidende Frage: Profitieren die mittlerweile recht zahlreichen unterstützen Games von den neuen Eingabemöglichkeiten? Die Antwort fällt deutlich aus: Bei nur wenigen Games hat sich das Handling im Vergleich zur Touchscreen-Steurung wirklich verbessert. Beispiel Limbo: Der Plattformer profitiert zwar davon, dass die Finger nicht mehr die Sicht auf die nächsten Meter im Spiel verbergen. Für einen wirklichen Mehrwert ist aber das Steuerkreuz zu unpräzise. Das Ergebnis: Wir landeten beinahe genauso oft im virtuellen Jenseits, wie mit der Touchscreen-Steuerung. Das gleiche gilt für Lego: Der Herr der Ringe.

Mitgedacht: Logitech legt eine "Einlage" bei, dank der auch aktuelle iPod Touch in den Powershell-Controller passt. Außerdem im Verpackungsinhalt: Ein Adapter zur Verlängerung der Klinkenbuchse für die Audioausgabe.
Vergrößern Mitgedacht: Logitech legt eine "Einlage" bei, dank der auch aktuelle iPod Touch in den Powershell-Controller passt. Außerdem im Verpackungsinhalt: Ein Adapter zur Verlängerung der Klinkenbuchse für die Audioausgabe.

Hier waren wir schon nach wenigen Minuten von der mangelnden Präzision beim Laufen so genervt, dass der Controller samt iPhone Gefahr lief, an der Wohnzimmerwand zu enden. Ein anderes Problem hat Oceanhorn. Das gesamte Gamedesign des Adventures ist auf die Nutzung des Touchscreens ausgelegt. Dadurch fühlt sich die Controller-Steuerung sehr aufgesetzt an. Positiv hervorzuheben ist dagegen der App-Store-Oldie Galaxy on Fire 2 HD. Das Weltraumspektakel war der einzige getestete Titel, der sich mit Controller besser und direkter anfühlte.

Einschätzung: Logitech Powershell

Logitechs erster Anlauf ist gut gemeint, scheitert aber sowohl an technischen und Konzeptionellen Schwächen, als auch am (gemessen an der gelieferten Qualität) beinahe unverschämten Preis von 100 Euro. Doch auch wenn Logitechs erster Versuch daneben geht und die meisten Games noch nicht wesentlich von Gamecontrollern profitieren: Das Potential, das ein qualitativ hochwertiger Zusatzcontroller in Kombination mit optimal angepassten iOS-Games haben kann, blitz zumindest auf. Da die App-Entwickler zunächst die MFi-Funktionen in Ihre Spiele einbauen mussten, ohne Zugriff auf einen Controller-Prototypen zu haben, bleibt zumindest die Hoffnung, dass mit den weiteren angekündigten Modellen von MOGA, Razer oder Steelseries sowohl auf Seiten der Hardware, als auch auf Seiten der Entwickler das volle Potential ausgeschöpft wird. Die Wachablösung beim Mobile-Gaming ist also bis auf Weiteres vertagt!

STeckbrief: Logitech Powershell

Hersteller: Logitech

Preis: 100 Euro

Note: 3,9 ausreichend

Leistung (20%): 3,4

Ausstattung (20%): 2,9

Handhabung (20%): 4,2

Ergonomie (40%): 4,6

Vorzüge: erster MFi-Controller auf dem deutschen Markt, integrierter Akku

Nachteile: schwammiges Steuerkreuz, unterdurchschnittliche Verarbeitung, unverschämter Preis

Alternative: Moga Ace Power

Bezugsquellen: Amazon

www.logitech.de

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