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Yosemite vs. Mavericks: Was den Mac schneller macht

02.12.2014 | 10:00 Uhr |

Haben Sie auch das Gefühl, dass Ihr Mac mit jedem Update langsamer wird? Wir gehen der Sache auf den Grund und messen nach.

Die Zeiten, in denen Betriebssys­teme stets schneller werden, sind lange vorbei. Auch OS X macht da keine Ausnahme, denn die letzte spürbare Geschwindigkeitssteigerung fand zwischen Version 10.1 (Puma) und 10.2 (Jaguar) statt. Das war im Jahre 2002!

Auch beim aktuellen OS X 10.10 Yosemite hat man das Gefühl, dass der Mac irgendwie träger geworden ist. Täuscht das nur oder ist da auch messbar was dran?

Zur endgültigen Klarstellung, setzen wir einen Mac Mini sowohl mit Mavericks (10.9.5), als auch mit Yosemite (10.10.1) auf und lassen beide Systeme unter identischen Bedingungen mit einer Auswahl von 20 Tests aus unserem üblichen Macwelt-Benchmark-Paket gegeneinander antreten.

Der Test der beiden Systeme läuft über insgesamt acht Runden. In der ersten Runde messen wir, wie schnell Mavericks und Yosemite booten und Dateien in ein Zip-Archiv komprimieren. Runde zwei dreht sich um die Webperformance in Safari, in den beiden darauf folgenden Runden messen wir die Leistung von Photoshop und iTunes. Die 3D-Grafik in Spielen ist uns eine weitere Testrunde wert, sodann konzentrieren wir uns auf CPU und Open GL. Bei der Verarbeitung von Audio und Video zeigen sich Unterschiede, die sich klar auf das Betriebssystem zurückführen lassen, da jeweils Kerntechnologien zum Einsatz kommen. An neu aufgesetzten Macs überprüfen wir schließlich noch den Speicherverbrauch und kommen zu dem Schluss, dass man für OS X 10.10 Yosemite besser mal 8 GB in seinen Mac einbauen sollte - sofern dieser das zulässt.

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Die Test-Hardware im Ring

Absichtlich benutzen wir keine aktuelle Apple-Hardware sondern einen 2011er Mac Mini. Dadurch wollen wir feststellen, wie der direkte Vergleich zwischen OS X 10.9 und 10.10 ausfällt, denn die aktuellsten Macs laufen nicht mehr unter Mavericks

Dennoch ist unser Testgerät keine lahme Ente. Der Mac Mini arbeitet mit einem 2,3 GHz Core i5 Prozessor und greift auf acht Gigabyte Arbeitsspeicher zurück. Als Grafikchip kommt Intels Chipsatzgrafik HD 3000 zum Einsatz. Damit erfüllt die Hardware sämtliche Mindestanforderungen, die Apple für Yosemite voraussetzt.

Da der Mac Mini von 2011 noch keinen Open-CL-fähigen Grafikchip enthält, testen wir die Open-CL-Geschwindigket mit einem aktuellen Mac Pro. Er ist mit einer Quadcore-CPU und zwei  Grafikkarten AMD Firepro D300 ausgestattet.

Runde Eins: Boot- und Ladezeiten, ZIP

Beim Booten der Systeme stellen wir in der Tat einen Unterschied zu Ungunsten von Yosemite fest. OS X 10.10 benötigt vom Drücken des Einschaltknopfes bis zum Erscheinen der Menüleis­te im Finder knapp 57 Sekunden – Mavericks schon nach 47 Sekunden. Das ist ein Unterschied von knapp 18 Prozent den man im Alltag durchaus spüren wird, falls man seinen Mac häufig ein- und ausschaltet. Prinzipiell muss man das nicht. Der Ruhezustand reicht in der Regel aus und daraus wachen beide Systeme in weniger als fünf Sekunden auf.

Beim Starten von komplexen Anwendungen sieht es ähnlich aus. Wir testen die Startzeit von Garageband inklusive Ladezeit eines umfangreichen Projekts mit 120 Audiospuren. Hier ist OS X 10.10 Yosemite noch langsamer geworden. Statt in 10 Sekunden wie unter Mavericks braucht der Mac ganze 22 Sekunden für den Start. Damit ist Yosemite in dieser Disziplin nur halb so schnell wie Mavericks.

Beim integrierten Datenkomprimierer ZIP messen wir keinen signifikanten Unterschied. Beide Systeme erledigen unseren Komprimier-Job in etwa 60 Sekunden: Gleichstand.

1:0 für Mavericks Nach der ersten Runde führt Mavericks klar nach Punkten. Das aktuelle OS X 10.10 verliert vor allem beim Starten großer Programme und beim Booten aus dem Kaltstarten an Boden.

Runde Zwei: Webperformance in Safari

Surfen im Web: Eine alltägliche Aufgabe, bei der die Geschwindigkeit beim Aufbau von Webseiten einen gewichtigen Faktor für die „gefühlte“ Geschwindigkeit eines Computers darstellt. Zwar spielen hier grundsätzlich viele Faktoren mit, beispielsweise die Internet­anbindung (WLAN, DSL oder Mobilfunk) oder die Verfügbarkeit der Webserver, doch auch der Computer selbst kann zur Bremse werden, nämlich dann, wenn er Javascript nicht schnell genug ausführt. Viele Webseiten nutzen diese Programmiersprache, um ihre Inhalte grafisch aufzubereiten und moderne Funktionen im Browser anzubieten. Javascript ist eine Interpreter-Sprache, der Code wird also zunächst im Klartext vom Server übertragen und erst auf dem Zielcomputer in ausführbaren Code übersetzt (Just in Time Compiler). Das muss möglichst schnell gehen, sonst sitzt der Benutzer sekundenlang vor einem leeren Bildschirm.

Im Web finden sich zwei bekannte Javascript-Benchmarks. Sunspider prüft dabei überwiegend die Kernfunktionen von Javascript, also Rechenoperationen, interne Objekt-Funktionen oder Verschlüsselung. Diese Funktionen sieht man als Anwender normalerweise nicht, sie machen aber einen Großteil der Funktionalitäten im Web aus.

Den grafischen Aspekt von Javascript testet Peacekeeper. Hier geht es um Funktionen, wie 2D- und 3D-Grafikausgabe, Sprites oder Bildmanipulationen.

Apples Browser Safari beinhaltet einen sehr schnellen Javascript-Compiler, der im Normalfall vom darunterliegenden Betriebssystem unabhängig sein sollte. Da die aktuelle Safari-Version sowohl unter OS X 10.9 als auch unter 10.10 läuft, dürfte man hier eigentlich kaum Unterschiede messen und für den Sunspider-Test trifft das tatsächlich zu. Beide Systeme liefern hier identische Ergebnisse.

Beim grafiklastigen Peacekeeper-Test liegt Yosemite wieder hinten. OS X 10.10 ist hier sieben Prozent langsamer als OS X 10.9. Diese Abweichung ist zu groß, als dass sie mit Messungenauigkeiten zu erklären wäre. Hier spielt offensichtlich der Grafiktreiber in Yosemite eine Rolle, der für diese Anwendung nicht ordentlich optimiert ist.

2:0 für Mavericks Javascript ist wichtig beim Surfen im Web, wer hier langsamer ist, verliert langfristig. Yosemite ist sieben Prozent langsamer als Mavericks, zumindest was die Grafikausgaben angeht. Das ist zwar kein großer Unterschied, dennoch geht diese Runde an Mavericks.

Runde Drei: Photoshop

In der dritten Runde müssen sich die Kontrahenten unter Adobe Photoshop CS6 beweisen. Unser Skript besteht aus 25 rechenintensiven Aufgaben, die Grafiker in ihrer täglichen Arbeit häufig verrichten. Zum Einsatz kommen: Gaußscher Weichzeichner, RGB/CMYK-Konversion, Beleuchtungseffekte, Staub und Kratzer entfernen, Unscharf Maskieren und viele andere.


3:1 für Mavericks Das Ergebnis ist hier ein klares Unentschieden. Beide Systeme benötigen für das Skript exakt dieselbe Zeit und teilen sich die Punkte. Optimierungen im System wirken sich in Photoshop jedenfalls nicht aus.


Runde Vier: iTunes

Rippen von CDs in das MP3- oder AAC-Format ist immer noch ein beliebter Datensport. Deswegen testen wir in Runde Vier die Kodiergeschwindigkeit in iTunes. Ähnlich wie in Photoshop sind die Unterschiede hier marginal. Lediglich beim AAC-Kodieren messen wir einen leichten Vorteil für Mavericks. 3,7 Prozent ist Yosemite langsamer. Bei Abweichungen unter der Fünf-Prozent-Hürde drücken wir aber beide Augen zu.

4:2 für Mavericks Beim Kodieren von Audiomaterial hat das System keinen messbaren Einfluss. Daher bekommen beide Systeme hier jeweils einen Punkt gut geschrieben

Runde Fünf: 3D-Grafik in Spielen

Runde Fünf:

OS X 10.10 enthält neue Grafiktreiber. Da liegt es nahe, dass Apple Verbesserungen im Hinblick auf schnelle 3D-Actionspiele vorgenommen hat. Wir testen dies mit drei verschiedenen Spielen: Batman Arkham City, Portal 2 und Call of Duty 4. Das Ergebnis ist uneinheitlich: In dem schon etwas älteren Spiel Call of Duty 4 messen wir keine Unterschiede, in Portal 2 hingegen liegt Yosemite erstmals vorn, sogar recht deutlich mit 40 Prozent mehr Bildern pro Sekunde. Im aktuellen Spiel Batman Arkham City wiederum messen wir leichte Vorteile für Mavericks. Yosemite ist hier acht Prozent langsamer. Insgesamt gesehen, ist die 3D-Leistung in Yosemite jedoch besser geworden. Apple hat also gute Arbeit bei den 3D-Optimierungen gemacht.

4:3 für Mavericks Auch wenn beide Systeme sehr nahe beieinander liegen, der leichte Vorteil für Yosemite sorgt für einen Anschlusspunkt. Ausgesprochene Spielernaturen wird es freuen.

Runde Sechs: CPU und Open GL

Die reine CPU-Leistung sollte in der Regel unabhängig vom verwendeten Betriebssystem sein, und dennoch können systembedingte Unterschiede in der Praxis auftreten. Das liegt in erster Linie an der Granularität des Systemkernels, bei OS X also dem Mach-Kernel. Je öfter das System auf andere Prozesse umschaltet, desto mehr Rechenleistung geht für den Verwaltungsaufwand verloren. Davon sind überwiegend extrem rechenlastige Programme betroffen, weswegen wir die CPU-Leistung mit dem synthetischen Benchmark Geekbench 3 und dem 3D-Render-Benchmark Cinebench R15 überprüfen. Bei beiden Tests ist die Abweichung zwischen 10.9 und 10.10 nur marginal und fällt unter die Fehlertoleranzschwelle. Apple hat hier im Kernel offensichtlich nichts geändert.

Ein wenig anders sieht das bei Open CL aus. Mit Open CL lassen sich rechenaufwendige Aufgaben gleichzeitig auf die Grafikkarte und alle Kerne der Haupt-CPU verteilen. Komplexe Berechnungen laufen dadurch wesentlich schneller ab. Da unser Test-Mac-Mini keinen Open-CL-fähigen Grafikchip verwendet, führen wir diesen Test mit einem aktuellen Mac Pro durch, der über eine Vierkern-CPU und zwei AMD Grafikkarten vom Typ Firepro D300 verfügt. Sollte Apple Optimierungen in Open CL vorgenommen haben, werden sie sich auf diesem Mac offenbaren.

Doch das Ergebnis enttäuscht. Auch hier ist Yosemite langsamer als Mavericks. Der Abstand ist zwar gering, nur etwa zwei Prozent verliert die Open-CL-Rechenleistung unter Yosemite, doch er ist mess- und reproduzierbar. Da der Verlust aber unter der Fünf-Prozent-Hürde bleibt, geht auch diese Runde mit einem Remis aus.

5:4 für Mavericks Die CPU- und Open-CL-Rechenleistung bleibt unter Yosemite weitgehend unverändert. Leichte Verluste muss man bei Open CL hinnehmen, diese bewegen sich aber im niedrigen einstelligen Prozentbereich.

Runde Sieben: Audio/Video

Eine der wichtigsten Domänen des Mac sind Tonstudios und Hobby-Musiker. Die Audiobearbeitung hat eine lange Tradition und dank Drittherstellern wie Steinberg oder Native Instruments ist das Angebot an Audio-Tools sehr groß. Bei der Audiobearbeitung kommt es auf die Echtzeitfähigkeiten des Betriebssystems an. Selbst bei vielen Tonspuren und gleichzeitig aufgeschalteten Effekten, wie Equalizer, Kompressor oder Hall darf die Tonwiedergabe nicht gestört werden oder gar aussetzen.

Wir testen das mit Garageband. Dieses Audioschnittprogramm liegt jedem Mac bei. Wir benutzen hier eine Midi-Spur, die mit einem virtuellen Instrument versehen ist. Diese Spur duplizieren wir solange, bis Garageband mit einer Fehlermeldung abbricht, weil die Rechenleistung nicht mehr ausreicht, um alle virtuellen Instrumentenspuren abzuspielen. Es gilt: je mehr Spuren, desto besser.

Hier liegt Yosemite vorn. Über elf Prozent mehr Spuren schafft unser Mac Mini unter OS X 10.10. Apple hat hier offensichtlich die Echtzeitfähigkeiten des Systems und den Audio-Kernel optimiert. Audio-Profis wird es freuen.

Neben der Audiobearbeitung ist die Verarbeitung von Video­material wichtig. Hier kommen viele verschiedene Aufgaben zusammen. Echtzeitfähigkeit des Systems, Video-Codecs, 2D-Bildeffekte, Massenspeicherzugriffe beim Abspielen und Import von Medien, die Liste geht endlos weiter. Die Videoverarbeitung ist also die Königsdisziplin eines Betriebssystems, hier scheiden sich die Geister.

Vier Tests fassen wir zusammen: MPEG2-Kodieren unter Toast (DVD-Image), den MP4-Export eines Videos für das iPhone mit dem Quicktime-Player, den Import von 254 Fotos und Videos in iPhoto und das Rendern eines fünfminütigen-Video-Projekts mit Effekten und Titeleinblendungen in Final Cut Pro X. Auch hier ist das Ergebnis uneinheitlich. Während Yosemite bei der die MPEG-2-Kodierung 28 Prozent langsamer läuft als Mavericks, ist es beim MP4-Export knapp acht Prozent schneller. Der Foto/Video-Import und das Ausspielen des Videos in Final Cut Pro X laufen auf beiden System in etwa gleich schnell, die Unterschiede sind hier bedeutungslos. Warum Toast so deutlich langsamer ist, lässt sich nicht eindeutig klären, das Brennen von Video-DVDs hat aber im Jahre 2014 längst nicht mehr den Stellenwert wie noch vor ein paar Jahren. Wichtiger ist heutzutage das schnelle Enkodieren von Videos in das MP4-Format und hier liegt Yosemite vorn.

5:5 Ausgleich Yosemite gleicht aus. Im Echtzeit-Audio-Bereich und beim Kodieren vom MP4-Videos ist das neue System etwas besser aufgestellt. Es steht unentschieden.

Runde Acht: Speicherverbrauch

Die letzte Runde ist als Bonus-Runde zu verstehen, denn der Speicherbedarf hat nicht direkt etwas mit der Geschwindigkeit zu tun, indirekt aber schon. Wird mehr Speicher verbraucht, muss das System früher auf den virtuellen Speicher zurückgreifen, der je nach Geschwindigkeit der Festplatte eine deutliche Bremse für alle Aufgaben sein kann.

Den Speicherbedarf vom System und den Anwendungen protokolliert das Dienstprogramm „Aktivitätsanzeige“. Um den Vergleich zu belegen, installieren wir sowohl Mavericks als auch Yosemite als frische Kopie, ohne weitere Software. Lediglich die Updates auf 10.9.5 und 10.10.1 spielen wir noch auf. Nach einem Neustart warten wir 10 Minuten und schauen uns in der Aktivitätsanzeige den Speicherbedarf an.

Mavericks meldet hier einen belegten Speicher von 2,26 GB, Yosemite nimmt sich etwas mehr, es benötigt 2,30 Gigabyte. Bei acht Gigabyte Hauptspeicher fällt das zunächst nicht sonderlich ins Gewicht. Erst nach einigen Stunden Arbeit mit dem System und vielen geöffneten Anwendungen wird deutlich, dass Yosemite schneller an die Speichergrenzen stößt.

Beide Systeme komprimieren Speicher von gerade schlafenden Anwendungen, bevor sie ihn auf die Festplatte auslagern. Und bei der täglichen Arbeit fällt auf, dass Mavericks fast immer mit komprimiertem Speicher auskommt und sehr selten auslagert, während Yosemite wesentlich öfter Arbeitsspeicher auf der Festplatte ablegen muss. In Zahlen lässt sich das nicht exakt ausdrücken, „gefühlt“ wird Yosemite über einen Arbeitstag hinweg etwas zäher als Mavericks.

6:5 für Mavericks Das Ergebnis ist knapp, OS X 10.9 Mavericks liegt mit einem Punkt vorn. Letztlich ist das der großzügigeren Speicherverwaltung von Yosemite geschuldet. Doch das Problem lässt sich meist lösen: Man sorgt dafür, dass der Mac mit ausreichend RAM-Speicher ausgestattet ist. Weniger als acht GB sollten es nicht sein.

Dafür eignet sich Yosemite

In zwei Disziplinen liegt Yosemite vorn. Der Abstand ist knapp aber durchaus mess- und spürbar.

Wer viele 3D-Spiele spielt oder mit Audio- und Videobearbeitung zu tun hat, sollte auf OX 10.10 Yosemite umsteigen. Man sollte allerdings den Arbeitsspeicher auf mindestens 8 GB aufrüsten. Und hier nochmal die Gewinner:

– Start- und Ladezeiten: Mavericks

– Webleistung in Safari: Mavericks

– Photoshop: unentschieden

– iTunes Audio kodieren: unentschieden

– 3D-Spiele: Yosemite

– CPU und Open CL: unentschieden

– Audio/Video: Yosemite

– Speicherbedarf: Mave­ricks

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