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iBook G4 800 MHz

18.11.2003 | 15:21 Uhr |

Gerüchte um Apple-Produkte sind in letzter Zeit eigentlich gar keine Gerüchte mehr, sondern nur leicht abgewandelte Fakten. So geisterte die Idee eines G4-iBooks schon längere Zeit durchs Netz, jetzt stehen die neuen Modelle mit Motorola-CPU auf dem Tisch.

Während deutsche Fußballfans in den Erinnerungen an das "Wunder von Bern" schwelgen, feiern Apples Fans die wundervolle Wandelung des iBooks. Aus dem eher schwachbrüstigen Mobilrechner der Einstiegsklasse ist dank Motorolas G4-Prozessor quasi über Nacht eine ernste Konkurrenz zu dem Centrino-Konzept aus dem Hause Intel geworden. Selbst die Abgrenzung zur Powerbook-Klasse, die ebenfalls noch auf dem G4 basieren, bleibt durch die unterschiedlichen Prozessortypen gewahrt. Während im iBook der Motorola-Baustein MPC 7455 mit 256 KB Level-2-Cache seiner Arbeit nachgeht, schlummern in den Alu-Powerbooks mit dem MPC 7457 (512 KB Level-2-Zwischenspeicher) deutlich mehr Kraftreserven. Bemerkenswert vor allem der Leistungsunterschied zwischen G3- und G4-iBook: In nahezu allen Multimedia-Benchmarks ziehen die gräulich angehauchten iBooks an ihren Vorgängern vorbei, beispielsweise im MP3-Kodieren oder im Open-GL-Test mit Unreal Tournament 2003. Ein etwas anderes Bild ergibt sich bei CPU-intensiven Applikationen, beispielsweise Maxons Cinebench. Hier können die älteren iBooks noch auf 512 KB Level-2-Cache zurückgreifen und ein gewisses Plus an Geschwindigkeit herausholen. Da können selbst die leicht höheren Taktfrequenzen der G4-iBooks nicht mehr viel ausrichten, um diese Leistungslücke geschickt zu überspielen.

Getreu dem Consumer-Motto "Einfach aber stilvoll" verpackt Apple die iBooks in leicht veränderter Form: Weißes Polycarbonat außen, erhaben gräulicher Look innen. Im direkten Vergleich wirkt das neue Design eher wie ein gut gestyltes PC-Notebook, subjektiv geht den kleinen Mobilmacs jedoch das obligatorische Plus an Apple-Originalität verloren. Oder aber die Macwelt-Redakteure haben sich bereits zu sehr an den exquisiten Aluminium-Look der Powerbooks gewöhnt. Jedenfalls sei potenziellen Käufern eines iBooks der Gang zu einem Apple-Händler empfohlen, um sich vom Antlitz und der Qualität der G4-iBooks selbst zu überzeugen. Bilder spiegeln den Gesamteindruck der Hardware leider nur schlecht wider, wie so oft sind die Verhältnisse in der Realität doch etwas anders. Apropos Gesamteindruck: Gegenüber den Vorgänger hat die Verarbeitungsqualität bei den kleinen G4-Modellen deutlich zugelegt. Vor allem der Lithium-Ionen-Akku passt wesentlich besser in das Gehäuse als noch vor wenigen Monaten, obwohl an dieser Stelle immer noch eine kleine Unebenheit sichtbar ist. Ansonsten gibt es an den uns von Cancom zur Verfügung gestellten Testgeräten nichts weiter auszusetzen.

Anfänger-Glück

Wer einmal alle drei iBooks von 800 bis 1000 MHz in einer Reihe vor sich hatte, wird vor allem dem 12-Zoll-Modell den größten Sex Appeal zusprechen. Auf Einsteiger und willige Switcher übt diese Bauform sowohl im iBook- als auch Powerbook-Design anscheinend den größten Reiz aus. Aus ergonomischen Gründen durchaus nachvollziehbar, denn die kleinen Kraftpakete wiegen kaum mehr als zwei Kilogramm und trumpfen mit ausreichend hellen Flachbildschirmen auf. Bei der Helligkeitsmessung liegt der Bildschirm des iBooks mit 110 Candela pro Quadratmeter leicht über dem Wert des 12-Zoll-Powerbooks (97 cd/m2). Zum Vergleich: Beim 15-Zoll-Powerbook mit 1,25 GHz G4-Prozessor springen 152 cd/m2 heraus, ein aktueller iMac mit 17-Zoll-Bildschirm liegt sogar knapp an der Grenze zu 200 Candela.

Grundsätzlich sind alle iBooks für den Einsatz in Bluetooth- und WLAN-Umgebungen über Airport Extreme (802.11b/g mit maximal 54 Mbit/s) vorgesehen. Käufer des kleinsten iBooks müssen diese zeitgemässen Techniken im Apple Store allerdings erst dazu kaufen, in der Grundausstattung sind in der 12-Zoll-Variante keinen Datenfunk-Schnittstellen enthalten. Durch diesen Schritt schrammt Apple zwar sehr nahe an der 1000-Euro-Grenze entlang, eine Standardausstattung wenigstens mit Bluetooth wäre aus unserer Sicht wünschenswert gewesen. Vor allem angesichts der Tatsache, dass es das Bluetooth-Modul von Apple nur beim Kauf eines iBooks als zusätzliche Option für rund 50 Euro gibt - wer nachträglich mit Bluetooth arbeiten will, ist auf einen externen Adapter angewiesen, beispielsweise von D-Link oder TDK. Eine überaus angenehme Verbesserung stellen die verwendeten Slot-In-Combo-Laufwerke dar, die nun statt der berüchtigten und fehleranfälligen Schubladen-Systeme zum Einsatz kommen. Superdrive bleiben den Powerbooks vorbehalten, iBooks können DVDs lediglich lesen. Überhaupt hält Apple die iBooks in technischer Hinsicht gegenüber den Powerbooks auf Distanz: Kein Firewire 800, kein PC-Card-Bus, kein Gigabit-Ethernet, hardwareseitig beschränkte Bildschirm-Spiegelung und eine maximale Bildauflösung von 1024 x 768 Pixeln bei maximal 32 Bit Farbtiefe. Sicherlich sind bereits wieder einige Hacks im Internet unterwegs, die gerade die Dual-Display-Funktion im iBook freischalten, so ganz ungefährlich für die Hardware sind diese Tools allerdings nicht.

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