Von Chris Möller - 10.12.2012, 17:41

iMacs im Test

Test: iMacs 2012 in der Praxis und im Labor

Mit den neuen iMacs des Baujahres 2012 hat Apple vieles geändert. Erstmals gibt es kein optisches Laufwerk mehr und das Design ist extrem flach geworden. Die eingebauten Displays sollten deutlich besser sein. Wir testen zwei Modelle in der Praxis und im Labor, darunter auch eines mit Fusion Drive
Zwei 21,5-Zoll-iMacs schickt uns Apple zum Test. Einmal das Basismodell mit 2,7 Gigahertz Core i5 CPU und ein High-End-Modell mit 3,1 Gigahertz Core-i7-Chip, 16 Gigabyte RAM und Fusion Drive. Die 27-Zöller sind bis zum Redaktionsschluss noch nicht erhältlich.
Dünner ist der neue iMac, viel dünner, das sieht man auf den ersten Blick. Ganze fünf Millimeter ist er - von der Seite her betrachtet - dick. Allerdings wölbt er sich auf der Rückseite zur Mitte hin deutlich aus. Dennoch, wenn man den iMac anschaut, fragt man sich unwillkürlich: Wie schafft Apple das? Ein cleverer Kniff: Es gibt kein internes optisches Laufwerk mehr! Das spart schon mal jede Menge Platz, wobei die flachen Slot-In-Laufwerke, die Apple bislang in den iMac-Modellen verwendete, sowieso einen schlechten Ruf hatten. Zu unzuverlässig und fehleranfällig waren sie, dann doch besser gleich ganz weglassen. Eine richtige Entscheidung, finden wir. Wer CDs brennen oder Video-DVDs anschauen will, muss sich nun allerdings ein externes Laufwerk anschaffen und per USB anschließen. Zum Glück kosten die nicht mehr viel und man bekommt sie quasi an jeder Ecke als Mitnahmeartikel.
Ein zweiter Trick: Apple verwendet im kleineren Modell, das mit einem 21,5-Zoll-Bildschirm ausgestattet ist, nun konsequent mobile Technik. Mobile Prozessoren, mobile Grafikchips und – das ist neu im iMac – mobile Festplatten im 2,5-Zoll-Formfaktor. Dennoch bieten die Laufwerke ein Terabyte Kapazität. Apple verwendet in unseren Testgeräten Festplatten von Hitachi.

Design mit Grat

Um das extrem dünne Gehäuse herstellen zu können, setzt Apple eigenen Angaben zufolge auf ein Fertigungsverfahren aus der Luftfahrttechnik. "Friction Stir Welding" nennt sich das Verfahren, das Aluminium-Werkstoffe per Reibungshitze miteinander verbindet. Und es stimmt: Wie genau man auch hinschaut, man erkennt am Gehäuse des iMac keinerlei Fugen oder Nähte. Die Verarbeitungsqualität ist spitze. Allerdings spürt man an der Unterkante des Gehäuses einen ganz leichten Grat, an dem man sich mit einer ungeschickten Bewegung durchaus die Haut ritzen kann. Ganz perfekt ist die Fertigung dann doch nicht, und so etwas ist man von Apple eigentlich nicht gewohnt.

Verbessertes Display

Einen Fokus der Verbesserungen legt Apple auf das Display. Zwar bleiben Bilddiagonale und Pixelanzahl unverändert (einen iMac mit Retina-Display gibt es leider noch nicht), aber die Bilddarstellung und vor allem die Reflexionen sollen deutlich besser sein. Das TFT-Panel ist nun fest mit der Glasfront verklebt, dadurch gibt es keinen Abstand mehr zwischen dem Panel und dem Glas. Das erkennt man direkt, denn das Bild erscheint "näher am Nutzer" und die Farben werden dadurch kräftiger und wirken brillanter. Auch der Kontrast erscheint kräftiger.
Ein häufiger Kritikpunkt am iMac sind die starken Reflexionen der Glasscheibe. Eine vollständig entspiegelte Version ist nach wie vor nicht erhältlich, aber Apple hat die direkten Licht-Reflexionen durch eine spezielle Beschichtung der Glasscheibe reduziert. Besonders im Vergleich mit dem Vorgängermodell kann man das deutlich erkennen. Dennoch: Im Vergleich zu herkömmlichen entspiegelten Monitoren reflektiert der iMac immer noch zu viel Licht. Man sollte ihn also nicht mit einer Lichtquelle im Rücken des Anwenders aufstellen. Unsere Messungen im Dunkelraum bestätigen den guten subjektiven Eindruck des Displays. Helligkeit, Kontrast, Homogenität und Farbraum liegen allesamt auf dem Niveau der Vorgängermodelle oder etwas besser.

Fusion Drive in der Praxis

Erstmals setzt Apple im iMac 2,5-Zoll-Notebook-Platten ein. Das gilt allerdings nur für das 21,5-Zoll-Modell. Der Vorteil: Notebook-Platten sind leiser, brauchen weniger Platz und Strom und werden nicht besonders warm. Allerdings sind sie auch spürbar langsamer, besonders was die Zugriffszeiten angehen und hier kommt der Haken: Man merkt die langsame Platte sofort beim Einschalten des iMac, aber auch beim Starten von Programmen sowie beim Laden von großen Dokumenten. Der neue iMac fühlt sich hier zäher an, als seine Vorgängermodelle, die mit schnelleren 3,5-Zoll-Platten ausgestattet sind. Der Vergleich mit einem Macbook Pro oder Mac Mini liegt nahe. 
Eines unserer Testgeräte kommt allerdings mit einem Fusion Drive. 128 Gigabyte Flash-Speicher unterstützen hier die ein Terabyte große Notebook-Festplatte. Das ändert alles! Das Fusion Drive gibt dem iMac so richtig die Sporen. Einen Unterschied zu einem rein SSD-basierten Mac spüren wir im Test nicht und das bestätigen auch die Messwerte. Der iMac bootet in nur 16 Sekunden, Programme und Fenster klatschen nur so auf den Bildschirm. So macht die Arbeit mit dem iMac wirklich Spaß.
Das Fusion Drive hat allerdings seinen Preis. Zunächst lässt es sich ausschließlich für den teureren der 21,5-Zoll-iMacs konfigurieren, und der kostet bereits ohne Fusion Drive 1550 Euro. Dazu kommen noch einmal 250 Euro für die Fusion-Drive-Option. Da ist man dann preislich schon sehr nahe an einem 27-Zöller.

Ausstattung

In puncto Ausstattung lässt sich Apple bei den iMacs nicht lumpen. Jeder iMac kommt mit mindestens einem Terabyte Festplattenplatz, acht Gigabyte Arbeitsspeicher und durchweg Vierkern-Prozessoren ab 2,7 Gigahertz Takt. Nur bei den Schnittstellen spart sich Apple jetzt den Firewire-800-Port und den kombinierten analogen/digitalen Audio-Eingang. Dafür bekommt man Gigabit-Ethernet, zwei Thunderbolt-Ports und vier mal USB 3.0. Was nicht jeder weiß: Per Thunderbolt kann man den iMac auch als Monitor benutzen. So lässt sich beispielsweise ein Mac Mini anschließen, der iMac fungiert dann als Bildschirm. Mit der Tastenkombination Befehl-F2 schaltet man zwischen den Rechnern um.
Nach wie vor vorhanden ist der SD-Kartensteckplatz. Der wandert allerdings von der rechten Seite auf die Rückseite des iMac, wo er im Normalfall nur schwer zugänglich ist. Man sollte also beim Aufstellen des iMac darauf achten, das man ihn leicht nach links drehen kann, wenn man den SD-Kartensteckplatz öfter benötigt.

Geschwindigkeit

Gefühlt wirkt der iMac ohne Fusion Drive zäher und langsamer als der Vorgänger. Unsere Benchmark-Messungen bestätigen das im Allgemeinen. Bei Festplatten-intensiven Anwendungen erreicht das neue Modell lediglich zwischen 80 und 90 Prozent der Leistung des Vorgängers. Nur bei besonders CPU-lastigen Anwendungen, wie beispielsweise beim Berechnen aufwendiger 3D-Grafiken oder beim Kodieren von Audio oder Video zeigt die neue Ivy-Bridge-CPU ihre Stärken. Bei gleich Taktfrequenz ist sie hier etwa fünf bis fünfzehn Prozent schneller.
Das Bild ändert sich mit dem Fusion-Drive-iMac. Zum einen ist in diesem iMac eine schnellere CPU eingebaut (Core i7 mit 3,1 Gigahertz), zum anderen beschleunigt das Fusion Drive jegliche Arbeit des Rechners. Der Vorteil gegenüber dem Vorgängermodell liegt hier deutlich messbar und spürbar bei 30 bis 40 Prozent. Damit eignet sich dieser iMac durchaus für anspruchsvolle Aufgaben wie Audio- oder Videobearbeitung. Auch spielen kann man mit dem neuen iMac ganz ordentlich. Der diskrete Grafikchip von Nvidia geht ordentlich zur Sache. Aktuelle Spiele wie Portal 2 laufen selbst mit den besten Qualitätseinstellungen und bei hoher Auflösung ruckelfrei und stets flüssig. Die Reaktionszeit des Bildschirms messen wir mit knapp 18 Millisekunden (SWS). Das ist zwar keine Rekordgeschwindigkeit, dürfte aber für die meisten Spiele vollkommen ausreichen. Sichtbares Nachziehen oder Schlierenffekte bei schnellen Action-Spielen fallen uns im Test jedenfalls nicht auf. 

Stromverbrauch und Lautheit

Dank des neuen Chipsatzes, der 2,5-Zoll-Notebook-Festplatten und dem Verzicht auf ein internes optisches Laufwerk werden die neuen iMacs sparsamer im Stromverbrauch. Im normalen Betrieb messen wir nur noch etwas mehr als 40 Watt (bei voll aufgedrehter Bildschirmhelligkeit). Unter voller Last aller verfügbaren CPU-Kerne sind es je nach CPU-Modell und Takt zwischen 63 und 80 Watt. Das sind sehr gute Ergebnisse. Was uns aber im Test wirklich positiv überrascht ist die (fehlende) Geräuschentwicklung. Selbst das Top-Modell mit 3,1 Gigahertz Takt bleibt nach 20 Minuten Volllast aller CPU- und Grafikkerne quasi unhörbar. Wir messen lediglich 0,1 Sone. Offensichtlich hat Apple viel technischen Aufwand in die Kühlung der internen Komponenten gesteckt und eine optimale Luftführung in dem extrem flachen Gehäuse gefunden.

Kaufempfehlung und Fazit

Diesmal ist Apple beides gelungen: Top und Flop. Der iMac ohne Fusion Drive ist ein solider Desktop-Rechner, der sich aber gefühlt nicht wirklich von einem 13 Zoll Macbook Pro oder einem Mac Mini abhebt. Zu sehr bremst ihn die langsame Notebook-Festplatte aus. Für einen Desktop-Rechner ist das unwürdig. Umgeht man diesen Flaschenhals mit einem optionalen Fusion Drive, ändert sich das Bild jedoch schlagartig. Dieser iMac macht jede Sekunde seines Daseins Spaß. Mit Ausnahme vielleicht der Sekunde ganz am Anfang, in der man die Brieftasche zücken muss, um ihn zu bezahlen.
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