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iMovie HD

02.05.2005 | 16:32 Uhr |

Breitbild HD und professionellere Schnittmethoden sollen iMovie neues Leben einhauchen. Wir testen was in iMovie HD tatsächlich steckt.

HDV, Sonys neues Videoformat für digitale HD-Videokameras soll über das bekannte und beliebte DV-Format ablösen, das Anfang der Neunziger ebenfalls von Sony eingeführt wurde und weltweit für Furore im Fernseh- und Videomarkt sorgte. Ganz so laut sind die Stimmen des Umbruchs heute nicht mehr, dennoch scheint HDV zumindest im semiprofessionellen Bereich immer beliebter zu werden. Wohl auch aus diesem Grund hat Apple iMovie einen neuen Codec und die damit einhergehende Kompatibilität zu HDV spendiert. Da HDV im MPEG-2 Verfahren komprimiert und auf DV-Kassetten aufzeichnet, gilt es als nicht schneidbar. Aus diesem Grund wird HDV wie DV über Firewire übertragen, jedoch nicht im nativen MPEG-Format, sondern über einen Transkodier-Vorgang in Apples neuem Intermediate-Codec. Allein schon das Aufnehmen des Videomaterial dauert daher je nach Hardware-Ausstattung länger als man es von DV in Echtzeit gewohnt ist, denn das Material wird on-the-fly in ein anderes Format umgewandelt. Bei einem langsameren Power Mac G4 kann das Importieren gut viermal so lange dauern wie bei DV. Die Bildqualität leidet dabei jedoch nicht, Ergebnis ist ein wahnwitzig breites Bild mit 1920 x 1080 Pixel im Halbbild-Format (1080i) und herausragender Detailgenauigkeit. Alternativ gibt es auch die „kleine“ HD-Auflösung von 1280 x 720 Pixel ohne Halbbilder, genannt 720p. Die Datenraten liegen zwischen 5 und 12 MB pro Sekunde, was deutlich mehr ist als bei DV mit 3,6 MB und daher auch entsprechend schnellere Rechner und Festplatten voraussetzt. In unserem Test mit einer Sony-Kamera HDR-FX1 verlaufen sowohl die Aufnahme als auch die Verarbeitung problemlos. Ein weiterer Faktor der den Nutzen der HD-Funktionalität in Frage stellt ist, dass passende Ausspiel-Medien noch fehlen. Bis Player und Brenner für die HD-fähigen DVD-Nachfolgeformate Blu-Ray und HD-DVD verfügbar sind vergeht noch viel Zeit, auch HDTV-fähige Fernseher sind noch rar. Und bis die Hardware für Heimanwender erschwinglich ist, fließen noch viele Bits die Backbones hinunter. Beim Export zu iDVD rechnet iMovie HD-Filme auf die normale DVD-Auflösung herunter. Der einzige derzeitige Nutzen von HD liegt also darin, dass diese herunterskalierten DVDs eine bessere Bildqualität haben als in Originalgröße geschnittenes Material. Außerdem ist man mit seinen Projekten für die kommende HDTV-Generation gerüstet. Dafür müssen die extrem großen Daten archiviert werden, wobei die neue Projekt-Archivierungs-Funktion von iMovie HD hilft.

Schnittig

Während sich beim Importieren und beim Rohschnitt nichts verändert hat, offeriert die aktuelle Version eine neue Arbeitsweise: War die Zeitleiste von iMovie bis dato primär für die Tonbearbeitung reserviert, findet sich neben der Trimmfunktion neuerdings auch die Möglichkeit, Clips zu verschieben und zu kopieren. Positioniert man den Mauszeiger auf einer Schnittmarke, verwandelt sich dieser in ein Schnittwerkzeug und erlaubt das Verkürzen oder Verlängern des aktiven Clips. Mittlerweile ist es auch möglich, Elemente direkt in der Zeitleiste zu greifen und zu verschieben, respektive mit gehaltener Wahl-Taste zu kopieren, ohne in die Filmansicht wechseln zu müssen. Im Vergleich zu Filmansicht und Vorschau ist die Arbeit in der Zeitleiste jedoch etwas fummelig, weshalb man schnell Gefahr läuft, ungewollt eine Lücke zu reißen. Um diese zu schließen kann man über das Kontext-Menü den leeren Bereich in einen Clip umwandeln (Schwarzbild) und diesen anschließend löschen.

Durch viel Schnippelei passieren zwangsläufig mehr Fehler. Daher kann man nun beliebig viele Schritte rückgängig machen. Zudem bietet iMovie HD die Möglichkeit, Projekte unter anderem Namen zwischenzuspeichern. Auch der Papierkorb ist flexibler geworden: Man kann sich den Inhalt ansehen und falls nötig wiederherstellen. Dank verbessertem Drag-and-drop kann man nun Objekte direkt in die und aus der Timeline ziehen. Ebenso funktioniert nun das Kopieren und Einfügen von Clips aus anderen Projekten

Auto-iMovie

Über die Funktion Magic iMovie lassen sich ganze Filme komplett ohne das Zutun des Anwenders erstellen. Hierbei muss man nur die Video-Kamera an den Mac anschließen, Musik und Übergänge auswählen und auf den Startknopf drücken, schon spult iMovie das Band zurück, nimmt den gesamten Inhalt auf die Festplatte auf, generiert wahlweise Übergänge und einen Titel. Am Ende steht eine gefüllte Timeline, die man manuell nachschneiden oder direkt an iDVD senden kann, um den Film auf DVD zu bannen.

Grundsätzlich besser läuft das Zusammenspiel mit den anderen iLife-Programmen wie iPhoto und iTunes, auf deren Bibliotheken und Unterverzeichnisse man nun uneingeschränkten Zugriff hat. Auch neu ist die Möglichkeit, in iMovie Kapitelsprünge für iDVD anzulegen. Hierfür positioniert man den Playhead auf der gewünschte Stelle im Film und wählt die neuen Kapitelmarkierungen, welche beim Senden an iDVD automatisch in einem Untermenü umgesetzt werden (siehe Testbericht iDVD 5 auf Seite XX).

Neu sind wieder einige Effekte, unter anderem die Möglichkeit des Beschleunigens oder Verlangsamens von Clips sowie die Umkehrung der Abspielrichtung. Erfreulicherweise rechnet iMovie diesen Effekt sogar akkurater als der große Bruder Final Cut Pro, da in iMovie die Halbbilder umgekehrt werden, während Final Cut Pro diesen für das saubere Abspielen des Clips notwendigen Schritt auslässt. Das Generieren von Spezialeffekten mittels Konturwerten und Glasverzerrung sind nun ebenfalls möglich. Ein paar neue Übergänge wie Wellen, Wogen und Auflösen und zusätzliche Soundeffekte für die Skywalker Library ergänzen die Liste der Neuheiten.

Fazit

Mehr Formate, mehr Effekte, mehr Schnittfunktionalität, mehr Spaß. Wahrscheinlich wird nur ein ganz geringer Teil der iMovie-Fangemeinde eine HDV-Kamera besitzen und die HD-Funktion nutzen. Allein wegen der Schnittfunktionen in der Zeitleiste und den unendlich vielen Rückgängig-Schritten lohnt sich das Update. Wer auf abgefahrene Effekte und Übergänge steht, wird seinen Spaß haben, und wer wenig Zeit oder Lust zum Schneiden hat, wird Magic iMovie zusammen mit iDVD 5 zu schätzen lernen. Andreas Zerr/dk

Note: 1,4 sehr gut

Vorzüge: einfache Handhabung und schnelle Einarbeitung, Speichern unterschiedlicher Versionen und unendlich viele Rückgängig-Schritte, gute Zusammenarbeit mit iDVD 5, iPhoto und iTunes, ausreichend Schnittfunktionen für den Hobby-Gebrauch, schneller

Nachteile: mitunter sehr fummelig und unpräzise, zu wenig unterstützte Formate (nur HDV, DV und MPEG-4), keine professionellen Schnittfunktionen, Beschränkung auf nur eine Video- und drei Audiospuren

Technische Angaben

Systemanforderungen: ab Power Mac G3, Powerbook oder iBook, mindestens 400 MHz Prozessortakt empfohlen, ab Mac-OS 10.2, Plug-in-Version benötigt kompatible VST Hostanwendung, mindestens 128 MB RAM, 20 MB freier Festplattenspeicher, Stand-alone-Anwendung benötigt Quicktime ab Version 6

Info: www.apple.com/de/imovie

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