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iPad Air 2 & iPad Mini 3 im Praxistest

31.10.2014 | 12:44 Uhr |

Die neue Generation der iPads ist angekommen. Diesmal hat Apple vor allem das iPad Air verbessert. Bahnbrechende Neuerungen gibt es nicht, doch die Details lassen aufhorchen

Gold ist die iPad-Farbe des Jahres 2014. Wohl aufgrund des überwältigenden Erfolges des goldenen iPhone 5S vom letzten Jahr hat sich Apple entschlossen, auch die iPads in Gold auf den Markt zu bringen. Das ist sicher nicht jedermanns Sache, aber im Vergleich zum besagten iPhone 5S schaut das Gold der iPads gar nicht mal so schlimm aus, deutlich weniger protzig jedenfalls. Es gibt allerdings auch weiterhin die Farben Silber und Space-Grau.

Ansonsten gibt es kaum Design-änderungen. Das iPad Air 2 ist dünner und leichter geworden, und das spürt man tatsächlich auf den ersten "Griff". Es liegt prächtig in der Hand und der Arm wird auch bei längerer Benutzung kaum noch müde. Kein Vergleich jeden­falls zum Ur-iPad oder ersten Retina-iPad von 2012. Auf den ers­ten Blick erkennt man den neuen Home-Knopf. Er enthält nun den vom iPhone her bekannten Fingerabdrucksensor, den Apple Touch ID nennt. Im Test funktioniert er ge­nauso tadellos wie beim iPhone. Das ist schon ein gutes Stück mehr Bequemlichkeit, wenn man den lästigen Code nicht mehr eintippen muss, sondern das Gerät mit einem leichten Fingerdruck auf den Home-Knopf in weniger als einer Sekunde entsperrt.

iPad Mini abgehängt

Apple hat die Strategie seiner iPad-Produktreihe gändert. Die Air- und Mini-Retina-Modelle aus dem Vorjahr (die es unverändert immer noch gibt) sind technisch so gut wie iden­tisch – abgesehen von der Bildschirmgröße. Das ändert sich nun bei den 2014er Modellen. Das iPad Mini 3 unterscheidet sich vom Vorgänger lediglich durch den Touch-ID-Sensor und die neue Farbe Gold. Sämtliche weitere technische Daten bleiben auf dem Stand von 2013. Das zeigen auch unsere Test­ergebnisse. Nach wie vor arbeitet ein Apple A7-Chip im iPad Mini und auch die WLAN- und LTE-Möglichkeiten ändern sich nicht. Und so ist es kein Wunder, dass sich die Testergebnisse aus den Praxis- und Labortests des iPad Mini 3 so gut wie nicht von denen des iPad Mini 2 (wie es jetzt neuerdings heißt) unterscheiden.

Eingespart

Es fehlt etwas beim iPad Air 2. Der Screen-Lock-Schalter an der Seite wurde ersatzlos gestrichen. Wer die Bildschirmdrehung sperren will, muss nun per Wischgeste nach oben in das Kontrollcenter gehen.

Apple fokussiert den technischen Fortschritt ganz klar auf das iPad Air, und genau das macht in diesem Jahr einen deutlichen Iterationsschritt nach vorn.

iPad Air 2 für Kreative

Hier kommt erstmals der neue iPad-Chip A8X zum Einsatz und es ist sicher kein Zufall, dass Apple auf der Keynote zur Vorstellung des iPad Air 2 Apps zu Demonstrationszwecken ausgesucht hat, die sich auf das Thema Bildbearbeitung und Videoschnitt fokussieren, extrem rechenintensive An­wendungen also. Damit soll die Leistungsfähigkeit des neuen A8X-Chips deutlich gemacht werden. In der Tat liefert der Prozessor in unserem Testcenter eine Rechenleistung, die durchaus an Desktop-Rechner vom Schlage eines älteren Mac Mini (2011) oder Macbook Air herankommt.

Dreikern-CPU

Der Grund für den enormen Leis-tungszuwachs ist ein Detail, das Apple auf der Keynote und überhaupt im gesamten Marketingmaterial bisher verschweigt. Der A8X arbeitet nicht mehr mit zwei, sondern mit drei Rechenkernen.

Warum Apple hier auf eine ungerade Anzahl an Recheneinheiten setzt, bleibt unklar, klar ist jedoch, dass der dritte Kern durchaus etwas bringt. In den synthetischen Benchmarks (Geekbench, Linpack) messen wir einen Geschwindigkeits­unterscheid zwischen Single- und Multicore-Performance um den Faktor 2,1 bis 2,5. Insgesamt erreicht das iPad Air 2 dadurch eine Leistung, die zwischen 25 und 50 Prozent über der des iPad Air 1 liegt. Ein beachtlicher Wert.

Grafikleistung

Noch deutlicher werden die Ergebnisse, wenn es um die Grafikleis­tung geht. Apple selbst spricht hier von 250 Prozent Steigerung und tatsächlich messen wir ziemlich genau diesen Wert mit der Benchmark-App GFXBench. Auch 3Dmark bescheinigt eine bessere 3D-Grafikleistung, wenngleich nicht ganz so deutlich wie GFX Bench. Während sich die Grafik­leistung überwiegend in Spielen bemerkbar macht, sorgt ein anderes Detail für Freude bei der alltäglichen Benutzung. Mit zwei Gigabyte RAM verfügt das iPad Air 2 nun über doppelt so viel Arbeitsspeicher wie der Vorgänger. Das macht sich in der Praxis vor allem dadurch bemerkbar, dass Apps schneller starten, wenn sie vorher schon einmal geladen waren. Auch in Safari bemerkt man den Speicher deutlich: Öffnet man mehrere Webseiten gleichzeitig in verschiedenen Tabs und schaltet immer mal wieder zwischen den Tabs um, muss Safari den Inhalt der Webseiten viel seltener neu laden. Das spart Zeit und unter Umständen auch teures Datenvolumen.

Besseres Display

Hierzu gehört auch ein einwandfreies Bild. Deswegen hat Apple nicht nur einen schnelleren Prozessor verbaut, sondern auch das Display verbessert. In erster Linie ist es dünner geworden, die Luftschicht zwischen dem äußeren Glas und den Farbfilterschichten wurde eliminiert, das Glas direkt auf das darunter liegende Panel auflaminiert. Diese Technik wendet Apple auch schon bei den Displays in Macbook Pro und iMac an. Hier macht es jedoch noch mehr Sinn, denn das iPad wird dadurch dünner und letztlich leichter. Eine verbesserte Filterschicht soll zudem die nervenden direkten Reflexionen abschwächen. Und tatsächlich, im direkten Vergleich mit dem iPad Air 1 reflektiert das neue iPad sichtbar weniger Licht, die Reflexionen wirken bläulich, was subjektiv zu einem höheren Kontrast des Bildes führt. Außerdem verbessert  sich der schon bei dem ersten iPad Air sehr gute Blickwinkel noch einmal. Selbst wenn man aus extrem spitzem Winkel auf den iPad-Bildschirm schaut, ändert sich der Farb­eindruck kaum.

Im Messlabor

Der subjektiv gute Eindruck des Displays hält der Messtechnik allerdings nicht mehr stand. Helligkeit, Kontrastverhältnis und Farbumfang des neuen Displays unterscheiden sich nur marginal von den Werten des ersten iPad Air. Dennoch, im Vergleich zu älteren iPads oder gar zum aktuellen iPad Mini 3 ist das iPad Air 2 auch messtechnisch ein großer Schritt nach vorn.

Damit es jedoch von kreativen Profis angenommen wird, muss Apple noch eine wesentliche Softwarekomponente nachliefern, die bislang fehlt: Color Sync und die Möglichkeit, Displays unter iOS zu kalibrieren. Die Technik an sich ist da, sie wird unter OS X bereits seit Jahrzehnten genutzt. Eigentlich gibt es keinen Grund mehr für Apple, Color Sync nicht in das iOS zu integrieren.

iPads unterwegs – Akkulaufzeit

Geschwindigkeit: sehr gut, Display exzellent – was noch fehlt, ist die Akkulaufzeit. Beim iPad Mini 3 ändert sich erwartungsgemäß nichts. Es hält im Surftest (Webseiten per WLAN abrufen bei etwa halber Display-Helligkeit) knapp zehn Stunden durch: Das ist ziemlich genau der Wert, den auch Apple angibt und in unserem Vergleichstest sogar eine Stunde mehr als beim Vorgängermodell von 2013. Beim iPad Air 2 sieht das jedoch anders aus. Auch hier verspricht Apple zehn Stunden Laufzeit, obwohl das Modell dünner, leichter und gleichzeitig leistungsfähiger und mit einem besseren Display ausgestattet ist. Kann das gut gehen? Nein, zumindest nicht in unserem Praxistest. Bei genau demselben Surftest geht dem iPad Air 2 schon nach gut sieben Stunden die Puste aus. Drei Stunden weniger als Apple angibt und fast fünf Stunden weniger als beim iPad Air 1 im selben Test (von vor einem Jahr). Auch wenn sieben Stunden immer noch eine gute Laufzeit sind, hier muss man offensichtlich Abstriche hinnehmen.

Zwei Mikrofone

Das iPad Air 2 verfügt nun über zwei an der Oberseite integrierte Mikrofone. Das verbessert den Sound bei Video-Aufnahmen und bei Facetime-Chats.

Beim zweiten Akkutest, unserem Worst-Case-Szenario (MP4-Video Abspielen bei voller Display-Helligkeit) läuft das iPad Air 2 immer noch fünf Stunden und 45 Minuten. Dieser Wert ist nicht wesentlich schlechter als beim Vorgänger. Der lief lediglich 45 Minuten länger. Insgesamt wird allerdings deutlich, dass der Leistungszuwachs seinen Tribut fordert. Wer mehr Wert auf Laufzeit legt, sollte eventuell doch besser das Vorgängermodell kaufen, das Apple nach wie vor im Programm hat. Beiden Modellen liegt das Zehn-Watt-USB-Ladegerät bei. In unserem Test dauert es knapp vier Stunden, bis die komplett entladenen iPads wieder zu 100 Prozent aufgeladen sind. Auch das könnte sicher schneller gehen, doch hier setzt der USB-Standard eine natürliche Schranke, der Ladestrom über den USB-Anschluss kann nicht beliebig hoch werden, dafür sind die Kabel und Stecker nicht ausgelegt.

Bessere Kamera

Detailverbesserungen gibt es auch bei der eingebauten Kamera des iPad Air 2. Anstatt fünf kommen nun acht Megapixel zum Einsatz, wenngleich die Kamera auf die fortschrittlichen Technologien des iPhone 6 (Fokus Pixel) oder gar 6 Plus (optischer Bildstabilisator) verzichten muss. Das geht unserer Meinung nach in Ordnung, denn auch wenn Apple es gerne anders sieht, Fotos oder Videos mit dem iPad zu machen, bleibt sicher eine Nischenanwendung. Das sperrige iPad nimmt man nur ungern als Fotoapparat zur Hand, man sieht damit außerdem ziemlich komisch aus. Da hilft es auch wenig, wenn die Kamera nun Panorama-Bilder erzeugen und man mit 120 Bildern pro Sekunde eindrucksvolle Zeitlupenvideos aufnehmen kann. Ganz anders die nach vorne gerichtete Facetime-Kamera. Für Videochats nutzt man sie wegen des großen iPad-Bildschirms sicher lieber als das iPhone. Die Facetime-Kamera hat Apple nicht verbessert, aber die Kamera-App erlaubt nun ebenfalls Serienbilder (nett für tolle Selfies).

Empfehlung und Fazit

Das iPad Mini 3 bleibt technisch weitgehend auf dem Stand von 2013. Apple möchte damit offensichtlich einen deutlicheren Unterschied zwischen den beiden Tablets herausstellen und verhindern, dass sich die Käufer bei gleicher Leis­tung einfach für das kleinere und billigere Modell entscheiden. Wer auf Touch ID und die goldene Gehäusefarbe verzichten kann, mag wei­terhin zum iPad Mini 2 greifen.

Die Gesamtrichtung aller Maßnahmen beim iPad Air 2 ist jedoch klar: Apple will dieses Tablet immer mehr als Ersatz für Notebooks oder gar Desktop-Computer etablieren. Das soll dem zuletzt schwächelnden Tablet-Markt neuen Schwung verleihen. Und die Leistung stimmt! Das Tablet bleibt in allen Lebens­lagen flüssig bedienbar und eröffnet neue Möglichkeiten. Wenn kreative Anwender wie Grafiker, Fotografen oder Videokünstler das iPad Air 2 als ernsthafte Alternative zum Notebook erwägen, könnte Apples neue Strategie aufgehen.

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