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Das iPad Pro im Test: PC-Killer oder Luxus-iPad?

13.11.2015 | 10:41 Uhr |

Das iPad Pro möchte so manchen Laptop und damit auch das Macbook überflüssig machen. Im Test zeigt das große Tablet, was es leistet.

Apples Chef Tim Cook hat vor kurzem behautpet, das iPad Pro werde  bald den Laptop und sogar den Desktop-Mac überflüssig machen. Dazu muss der Apple-Boss kein Orakel sein, denn es unübersehbar, dass OS X und das iOS immer weiter zusammenwachsen und die Anwendungen auf dem iPad leistungsfähiger werden. In ein paar Jahren werden sowohl iPads wie auch Android-Tablets den klassischen Desktop-PC (und Mac) in Nischen verdrängt haben – die Zahlen sprechen schon jetzt dafür.

iPad Pro und Surface Pro 4 im Duell: Welches das bessere Tablet ist

Seit 12. November kann man das Riesen-iPad in ausgewählten Stores oder online kaufen. Was wir natürlich sofort gemacht haben. Wir können ein Pad Pro testen, allerdings bislang ohne der Original-Apple-Tastatur Smart Keyboard und ohne dem Stift Apple Pencil. Sobald wir dieses Zubehör haben, das derzeit noch nicht lieferbar ist, werden wir diesen Test aktualisieren. Dafür können wir bereits die iPad-Pro-Tastatur von Logitech testen.

Unser erster Eindruck vom Apple iPad Pro

Das iPad Pro ist größer, als man denkt. Dabei ist das Edel-iPad unwesentlich dicker als das iPad Air 2. So ist es im Vergleich zu einem Laptop recht handlich. Gestartet ist es so schnell wie man es vom iPad Air 2 kennt. Da mehr Platz auf dem Display ist, bietet auch die einblendbare Tastatur mehr Funktionen, beispielsweise eine Hochstell-Taste.

Praktisch ist auch der Split-Screen, den man auch auf iPad Air 2 und iPad Mini 4 mit iOS 9 verwenden kann: Ist eine App geöffnet, kann man vom rechten Bildschirmrand ins Bild wischen, um eine weitere App daneben anzuzeigen. Der Trennbalkan lässt sich verschieben, um so der bevorzugten App mehr Platz zu geben.

Beeindruckend ist der Sound, den die insgesamt viel Lautsprecher des iPad Pro erzeugen. Sie füllen bereits gut einen kleineren Raum mit Musik, ohne blechern zu klingen.

Retina-Display mit sRGB-Farbumfang

Die Darstellungsqualität des iPad Pro unterscheidet sich kaum von der des iPad Air 2. Beide iPad-Modelle können knapp den sRGB-Farbraum darstellen. Das haben wir mit eigenen Messungen mit Basiccolor und dem i1-Pro-Colorimeter von Xrite herausgefunden. Die maximale Helligkeit beträgt nach den Tests mit Howfast Display von Christian Möller und dem Xrite-Colorimeter knapp 300 cd/qm, bei der in der Praxis durchaus übliche halben Displayhelligkeit sind es knapp 110 cd/qm. Das sind mittelmäßige Leistungswerte, das iPad Air 2 bietet eine maximale Display-Helligkeit von 352,5 cd/qm. Dafür ist das Kontrastverhältnis, also der Unterschied zwischen der Darstellung von Weiß zu Schwarz, beim iPad Pro besser. Er beträgt 1290:1, beim iPad Air 2 sind es  913:1.

Der Farbraum des iPad-Pro-Displays (bunt) im Vergleich zum Farbraum des sRGB-Standards (weißes Gitternetz)
Vergrößern Der Farbraum des iPad-Pro-Displays (bunt) im Vergleich zum Farbraum des sRGB-Standards (weißes Gitternetz)

Lange Akku-Laufzeit

Wir haben mit Geekbench 3 die Akku-Laufzeit des Apple iPad Pro getestet. Hier hält der Akku immerhin 14 Stunden und 25 Minuten durch, ein sehr guter Wert, der dem iPad Pro einen Platz auf dem Siegertreppchen beschert. Im Vergleich hält der Akku des iPad Air 2 mit dem Geekbench-3-Test rund acht Stunden und 42 Minuten durch.

Model

iPad6,7

OS

iOS 9.1

Battery Runtime

14:25:20

Battery Score

8653

Allerdings braucht das iPad Pro deutlich länger zum laden als das iPad Air 2, eine genaue Messung werden wir nachliefern. Praxis-nahe Tests bei Volllast und dem Simulieren vom Surfen im Internet werden wir ebenso ergänzen.

Erfreulich ist übrigens, das Apple dem iPad Pro ein zwei Meter langes Lightning-Kabel beipackt. Das mag ein Zugeständnis an den Umstand sein, dass das iPad Pro zu Hause oder im Büro als überwiegend stationäres Gerät Verwendung findet. Ein weiterer Hinweise für Apples Einschätzung des iPad Pro als ersten ernstzunehmenden Ersatz für Desktop-Macs.

USB 3 am Lightning-Port

Wie die Spezialisten von iFixit bei ihrem üblichen Teardown in Erfahrung gebracht haben , sind die Controller des iPad Pro in der Lage, über die Lightningschnittstelle die Geschwindigkeit von USB 3.0 zu erreichen, typischerweise 60 Mbps. Die bisher erhältlichen Lightningkabel schaffen aber weiterhin nur zwischen 25 und 30 Mbps, mit einer neuen Generation von Adaptern wäre das höhere Tempo aber erreichbar. Wann solche Adapter erscheinen, die etwa den Übertrag von einer in der DSLR genutzten SD-Karte deutlich beschleunigen, ist aber noch offen.

Stärkere CPU: Mehr Dampf im Alu-Gehäuse

Das iPad Pro kommt mit dem Apple A9X-Prozessor, der Nachfolger des A8X-Prozessors, der im iPad Air 2 seine Arbeit verrichtet. Die Testergebnisse nach Geekbench sind daher eindeutig: Das iPad Pro erreicht im Multi-Core-Test 5504 Punkte, das iPad Air 2 4553 Punkte.

Model

iPad6,7

OS

iOS 9.1

Single-Core Score

3246

Multi-Core Score

5504

Deutlich schneller ist das iPad Pro bei den Tests mit nur einem Prozessorkern. So erreicht es in diesem Test ausgezeichnete 3246 Punkte, das iPad Air 2 ist mit 1831 Punkten deutlich langsamer. Übrigens: Im theoretischen Vergleich zum Macbook ist das iPad Pro schneller. Das handliche Macbook schafft gerade mal 1852 Punkte beim Single-Core-Test und 4008 Punkte beim Multi-Core-Test.

Vorläufiges Fazit zum Apple iPad Pro

Mit dem Apple Pencil und entsprechend auf das iPad Pro abgestimmte Apps ist viel Musik in dem Tablet. So ist es aufgrund unserer bisherigen Tests verfrüht, sich ein endgültiges Urteil zu bilden. Allerdings sind die Aussichten gut: Mit den Apps von Microsoft wird die Produktivität, die man mit einem iPad erhält, deutlich verbessert. Und auch mit den speziell für das iPad Pro entwickelte Apps von Adobe wird das iPad Pro wohl noch mehr an Attraktivität gewinnen. All die Praxis-Tests und weitere Labortests insbesondere zur Grafik-Geschwindigkeit werden wir so schnell wie möglich nachliefern. Als Zwischenfazit: Der Preis von 899 Euro bis 1229 Euro für das Spitzenmodell mag hoch erscheinen. Doch zumindest an Rechenleistung übertrumpft das iPad Pro jetzt schon das Macbook, das ab 1449 Euro kostet. Das Macbook wird so in ein paar Jahren sicherlich zur aussterbenden Spezies, verdrängt durch das iPad Pro und seinen Nachfolgern.

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