2205914

iPhone 7 Plus: Dual-Kamera im Praxistest

23.09.2016 | 17:00 Uhr |

Zwei Kameras bietet das iPhone 7 Plus auf seiner Rückseite. Damit sollen Fotos wie mit einer Spiegelreflex-Kamera möglich sein. Wir haben dies getestet.

Das brandneue iPhone 7 Plus bietet als erstes Smartphone aus dem Hause Apple zwei Kameras auf der Rückseite. Wir verwenden neben dem iPhone 7 Plus für ein ungleiches Duell zusätzlich die Vollformat-Spiegelreflexkamera Canon 5D Mark II. Der Wettstreit scheint uns gerechtfertigt: Apple hebt vor allem den Portrait-Modus hervor, der Ergebnisse liefern soll, die sich mit denen hochwertiger Spiegelreflexkameras messen lassen. Diesen Bokeh-Effekt bekommt man aber erst mit iOS 10.1, wir haben die Public Beta auf unser Testgerät installiert.

Die Top-Funktionen der Kameras des iPhone 7 Plus

Die Top-Funktionen sind zunächst einmal normale Aufnahmen mit dem Weitwinkel- und Teleobjektiv. Der neue Modus „Porträt“ ab iOS 10.1 ermöglicht Portrait-Aufnahmen, bei denen der Hintergrund in Unschärfe verschwimmt – ganz so wie mit einer ausgewachsenen Spiegelreflex-Kamera. Ebenfalls interessant ist der Zoom-Modus, der nun Dank der beiden Kameras bis zum 10fachen reicht – mit einer Kamera ausgestattet sind bis zu 5fach möglich.

Zwei Objektive, zwei Bilder

Zunächst ein einfacher Test: Wir erstellen getrennt Bilder mit dem Weitwinkel – und dem Tele-Objektiv. Das Weitwinkel hat den Zoomfaktor 1 und das Tele den Zoomfaktor 2. Das Bildergebnis der Weitwinkel-Kamera ist vergleichbar mit dem des iPhone 6S, das Teleobjektiv erzeugt Bilder in gleicher Qualität – aber eben mit einem engeren Bildausschnitt. Ob auch Kamera-Apps von Drittanbietern beide Kameras verwenden können, wird die Zukunft zeigen. Zumindest die Lightroom-App von Adobe, die erste, mit der man Fotos auch im RAW-Format aufnehmen kann, nutzt nur das Weitwinkel-Objektiv. Apples Kamera-App indes verwendet stets beide Kameras und berechnet aus den beiden Einzelbildern das Gesamtbild. So bekommt man keinen seitlichen Versatz, wenn man vom einem zum anderen Objektiv wechselt.

iPhone 7 Plus: Aufnahme mit der Weitwinkel-Kamera
Vergrößern iPhone 7 Plus: Aufnahme mit der Weitwinkel-Kamera
© Markus Schelhorn
iPhone 7 Plus: Aufnahme mit der Tele-Kamera
Vergrößern iPhone 7 Plus: Aufnahme mit der Tele-Kamera
© Markus Schelhorn

Modus Porträt: Bilder wie von einer Spiegelreflexkamera

Im Porträt-Modus verwendet das iPhone das Teleobjektiv und berechnet ein mit der Weitwinkel-Kamera aufgenommenes Foto zu einem Gesamtbild zusammen. Und das durchaus gut: Der Unschärfe-Effekt des Porträt-Modus ist beeindruckend. Die Aufnahme wirkt zumindest auf den ersten Blick tatsächlich wie die einer Spiegelreflex-Kamera.

iPhone 7 Plus: Der Porträt-Modus ifunktioniert am besten bei einem Abstand von etwa 4o cm bis 2,4 m zum Motiv - und bei guten Lichtverhältnissen.
Vergrößern iPhone 7 Plus: Der Porträt-Modus ifunktioniert am besten bei einem Abstand von etwa 4o cm bis 2,4 m zum Motiv - und bei guten Lichtverhältnissen.
© Markus Schelhorn
iPhone 7 Plus: Hier eine Aufnahme ohne Unschärfe-Effekt
Vergrößern iPhone 7 Plus: Hier eine Aufnahme ohne Unschärfe-Effekt
© Markus Schelhorn
iPhone 7 Plus: Die selbe Aufnahme mit Unschärfe-Effekt
Vergrößern iPhone 7 Plus: Die selbe Aufnahme mit Unschärfe-Effekt
© Markus Schelhorn
Zum Vergleich eine Aufnahme mit einer Canon EOS 5D Mark II, Blende 4
Vergrößern Zum Vergleich eine Aufnahme mit einer Canon EOS 5D Mark II, Blende 4
© Markus Schelhorn
Zum Vergleich hier ein Bild des Huawei P9, das mit seinen beiden KAmeras ebenfalls einen Unschärfe-Effekt erzeugen kann. Hier lassen sich sogar die Blendenöffnung simulieren, allerdings gelingt dem iPhone 7 Plus der Unschärfe-Effekt deutlich besser.
Vergrößern Zum Vergleich hier ein Bild des Huawei P9, das mit seinen beiden KAmeras ebenfalls einen Unschärfe-Effekt erzeugen kann. Hier lassen sich sogar die Blendenöffnung simulieren, allerdings gelingt dem iPhone 7 Plus der Unschärfe-Effekt deutlich besser.
© Markus Schelhorn

Aber es gibt auch einige Einschränkungen: Der Unschärfe-Effekt lässt sich nur mit dem Porträt-Modus der Kamera-App verwenden. Videos sind also mit diesem Effekt ebenso wenig möglich wie Panoramen oder Zeitraffer- und Slo-Mo-Aufnahmen. Ach ja: Auch Zoomen ist nicht möglich. Außerdem braucht es ausreichend Licht, damit man diese Funktion benutzen kann. Der Mindestabstand zum Motiv beträgt rund 30 bis 40 Zentimeter, ideal ist ein Abstand von rund 2,4 Meter. Das iPhone 7 Plus ist übrigens nicht das erste Smartphone, das diesen Effekt biette. Denn auch das Huawei P9 mit der Leica-Dualcam ermöglicht diesen Unschärfe-Effekt. Hier finden Sie einen Kamera-Vergleich des Huawei P9 zu dem iPhone 6S .

Der Portrait-Modus funktioniert nur bei guten Lichtverhältnissen. Feheln diese, erscheint ein Hinweis.
Vergrößern Der Portrait-Modus funktioniert nur bei guten Lichtverhältnissen. Feheln diese, erscheint ein Hinweis.
© Markus Schelhorn
Ist man zu nah am Motiv,erscheint ebenfalls ein Warnhinweis. Etwa 30 bis 40 cm sollte der Abstand zum Motic mindestens sein.
Vergrößern Ist man zu nah am Motiv,erscheint ebenfalls ein Warnhinweis. Etwa 30 bis 40 cm sollte der Abstand zum Motic mindestens sein.
© Markus Schelhorn

Bis zu 10facher Zoom

Ein gewöhnliches iPhone bietet einen 5fachen digitalen Zoom, das iPhone 7 Plus ein 10faches. Der digitalen Zoom vergrößert lediglich einen Ausschnitt, so auch der digitale Zoom des iPhone 7 Plus. Das führt zu einer schlechteren Qualität gegenüber einem optischen Zoom. Apple hat zwar sicherlich über ein Periskop-Objektiv nachgedacht. Zumindest gibt es eine Patentanmeldung von Apple zu einem Zoomobjektiv im iPhone, das über einen Spiegel das Licht umleitet. Doch es ist unwahrscheinlich, dass jemals ein solches Objektiv seinen Weg in ein iPhone findet. Und so muss man mit dem qualitativ deutlich schlechteren Digitalzoom Vorlieb nehmen, den man am besten so wenig wie möglich verwenden sollte. Doch der Digitalzoom des iPhone ist trotz allem ein guter Kompromiss.

iPhone 7 Plus 1x Zoom (Weitwinkel-Objektiv)
Vergrößern iPhone 7 Plus 1x Zoom (Weitwinkel-Objektiv)
© Markus Schelhorn
iPhone 7 Plus 2x Zoom (Tele-Objektiv)
Vergrößern iPhone 7 Plus 2x Zoom (Tele-Objektiv)
© Markus Schelhorn
iPhone 7 Plus 5x Zoom (Digital)
Vergrößern iPhone 7 Plus 5x Zoom (Digital)
© Markus Schelhorn
iPhone 7 Plus 10x Zoom (Digital)
Vergrößern iPhone 7 Plus 10x Zoom (Digital)
© Markus Schelhorn
iPhone 7 Plus: Aufnahme mit 10fachem Zoom
Vergrößern iPhone 7 Plus: Aufnahme mit 10fachem Zoom
© Markus Schelhorn
iPhone 7 Plus: Aufnahme mit Weitwinkel
Vergrößern iPhone 7 Plus: Aufnahme mit Weitwinkel
© Markus Schelhorn

 

Unser Fazit zur Kamera des iPhone 7 Plus

Ein Smartphone kann keine ausgewachsene Spiegelreflex-Kamera ersetzen. Das hat man im Test bereits sehr gut in den Details und vor allem bei dem Dynamikumfang festgestellt. Dennoch lassen sich mit dem iPhone 7 Plus sehr gute Fotos erstellen, die bei günstigen Lichtverhältnissen auch eine beeindruckende Bildqualität liefert. Auch für anspruchsvolole Fotografen ist das iPhone 7 Plus daher eine gute Ergänzung zu einer Profi-Kamera. Der Porträt-Modus beeindruckt mit einem guten Unschärfe-Effekt, der einer Aufnahme mit einer großformatigen Kamera bei offener Blende schon sehr nahe kommt. Allerdings lässt sich dieser Unschärfe-Effekt nur im Porträt-Modus nutzen, braucht zudem viel Licht. Gut gefällt wie zvor der Video-Modus sowie die Aufnahmen in Slo-Mo und Zeitraffer. Auch Panoramen setzt die Kamera-App sehr gut zusammen.

Das haben die Kameras vom iPhone 7 und 7 Plus gemeinsam

Beiden Modellen gemein ist der verbesserte Blitz, der 50 Prozent heller sein soll als der des iPhone 6S. Auch die Facetime-Kamera auf der Vorderseite des iPhone ist bei beiden identisch. Diese löst bei beiden Modellen nun sieben Megapixel auf, beim iPhone 6S sind es fünf Megapixel. Für die rückwärtige iSight-Kamera verwenden beide iPhone-7-Modelle ebenfalls den gleichen Bildsensor. Dieser löst wie beim iPhone 6S zwölf Megapixel auf, soll aber um das 60fache schneller und um das 30fache effizienter sein.

Lesetipp: Alle Informationen zum iPhone 7 und iPhone 7 Plus

iPhone 7 Plus mit Dual-Kamera

Beide Kameras auf der Rückseite des iPhone 7 Plus bieten einen optischen Bildstabilisator. Die Kameras unterscheiden sich in ihrer Brennweite und Apertur, während eine einen Weitwinkel von etwa 28 Millimeter im Vergleich zum Kleinbild-Format bietet, nutzt die andere ein 50-Millimeter-Objektiv. Die Objektive bieten eine Lichtstärke von F1,8 und F2,8. Die beiden Objektive ermöglichen einen 2-fachen optischen Zoom – oder vielmehr ein Wechsel zwischen diesen Brennweiten. Zwischen den Brennweiten kann man über ein Symbol in der Kamera-App wechseln, das oberhalb des Auslösers sitzt und je Objektiv 1X oder 2X anzeigt. Bleibt man übrigens mit dem Finger auf diesem Symbol, kann man den digitale Zoom verwenden.

Der digitale Zoom reicht beim iPhone 7 Plus bis zum 10-fachen, beim iPhone 7 ist es dagegen nur 5-fach. In Verbindung mit der Dual-Kamera soll die Qualität des digitalen Zooms viermal besser sein als beim iPhone 7 mit nur einer Kamera, so Phil Schiller bei der Präsentation des iPhone 7. Rein rechnerisch stimmt diese Aussage bis zum 5fachen Zoom, den auch das iPhone 7 bietet. Denn der digitale Zoom ist nichts Anderes als eine Ausschnittsvergrößerung der Aufnahme. Und ausgehend von dem Teleobjektiv ist der Ausschnitt ohnehin rund halb so groß wie beim Weitwinkel-Objektiv.

Im Portrait-Modus erscheint in Kombination beider Kameras der Hintergrund einer Aufnahme unscharf, ganz wie bei Spiegelreflex-Kamera mit großflächigem Bildsensor.

Hier eine Aufnahme im Modus Portrait, die Phil Schiller bei der Vorstellung des iPhone 7 Plus gezeigt hat
Vergrößern Hier eine Aufnahme im Modus Portrait, die Phil Schiller bei der Vorstellung des iPhone 7 Plus gezeigt hat
© Apple

Phone 7: Die neue iSight-Kamera

Während das iPhone 7 Plus jetzt mit einer Dualkamera ausgestattet ist, enttäuschen die Neuerungen der Kamera des kleineren Modells iPhone 7 angesichts der starken Konkurrenz. Es kommt weiterhin mit einer Single-Kamera, die wie zuvor zwölf Megapixel auflöst.

Das Objektiv des iPhone 7 ist lichtstärker als das des iPhone 6S - und bietet für alle iPhone-7-Modelle einen optischen Bildstabilisator. Deiser ist vor allem für Videoaufnahmen hilfreich.
Vergrößern Das Objektiv des iPhone 7 ist lichtstärker als das des iPhone 6S - und bietet für alle iPhone-7-Modelle einen optischen Bildstabilisator. Deiser ist vor allem für Videoaufnahmen hilfreich.
© Apple

Verbessert hat Apple vor allem die Optik: Diese verwendet nun wie das iPhone 7 Plus und bereits das iPhone 6S Plus einen optischen Bildstabilisator. Verwacklungen wirkt die Linse entgegen und hält das Bild ruhig. Auch das Objektiv ist verbessert. Es bietet sechs Linsenelemente statt fünf beim iPhone 6S. Die Lichtstärke hat sich von F2,2 auf F1,8 verbessert, ein Vorteil für Aufnahmen bei wenig Licht. Zudem will Apple auch den Bildprozessor derart optimiert haben, dass er jedes Bild auf verschiedene Parameter prüft und so das beste Ergebnis erzielen soll. So kann der Bildprozessor Bildelemente aus verschiedenen Aufnahmen einer Szene nutzen um das Bildergebnis zu verbessern.

Kamera des iPhone 7: Erwartung und Realität

Die neue Kamera des iPhone 7 ist magerer ausgefallen, als viele im Vorfeld vermutet beziehungsweise erhofft haben. Denn Gerüchte gab es viele und der Trend hin zu Kameras, bei denen man auch nachträglich den Fokuspunkt verändern kann, folgt Apple nicht. Dabei klang so einiges vielversprechend: Apple war schon früher an einer ähnlichen Technik interessiert: Der Lichtfeld-Kamera von Lytro.  Die hochgelobte und einzigartige Technik von Lytro wurde als Revolution in der Fotografie gefeiert. Denn erstmals war es möglich, den Fokuspunkt tatsächlich nach der Aufnahme zu ändern. Doch die Lytro-Technik eignet sich aufgrund ihrer Größe nicht für das iPhone – trotz eines Patents, das Apple inne hat. Aber die Möglichkeit, den Fokuspunkt nachträglich zu verändern, hat seinen Reiz. Im April 2014 hat Apple die israelische Firma Linx aufgekauft. Linx hat Mehrlinsen-Kameramodule speziell für Tabletts und Smartphones entwickelt. Dabei arbeiten die in verschiedenen Varianten vorhandenen Module mit zwei, drei und gar vier Optiken. Diese liegen sehr kompakt zusammen, so dass das Objektiv nur etwas größer wie bisher ist. Zu einem lässt sich so in Kombination mit der Bildbearbeitung im iPhone ein Bild mit unscharfen Hintergrund erstellen, ganz so wie man es von einer Spiegelreflex-Kamera gewohnt ist. Technisch bedingt ist dies mit einem sehr kleinflächigen Bildsensor eines Smartphone nicht möglich, wohl aber in der Kombination aus mehreren Objektiveinheiten und digitaler Bildverarbeitung. Der weitere Vorteil ist die Bildqualität bei schwachem Licht. Dies ist nach unseren Tests auch d er größte Vorteil des Huawei P9 gegenüber dem iPhone 6S . Doch diese Technik scheint noch keine Marktreife erlangt haben.

iOS 10 ermöglicht RAW-Fotos

Anstatt im fertigen JPEG-Format kann man mit iOS 10 Fotos auch im sogenannten RAW-Format speichern. Die Bildentwicklung geschieht dann in einer geeigneten App oder am Mac beziehungsweise Windows-PC mit einem Programm wie Fotos, Lightroom oder Affinity Photo. Das RAW-Format ermöglicht es, deutlich mehr Details aus den Fotos heraus zu holen. Zudem ist in einem gewissen Rahmen eine verlustfreie Korrektur der Belichtung möglich. Wegen dem größeren Aufwand bei der Nachbearbeitung und der höheren Datenmenge gegenüber JPEG ist das RAW-Format vor allem für sehr anspruchsvolle Fotografen interessant. So ganz nebenbei hat Phil Schiller auf der Keynote zum iPhone 7 übrigens erwähnt, das Lightroom auf dem iPhone das RAW-Format bearbeiten kann. Mit welcher App man es aber aufnehmen wird, zeigt sich erst in Zukunft.

0 Kommentare zu diesem Artikel
2205914