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macOS Sierra: iCloud-Sync bringt Überall-Desktop

12.07.2016 | 15:33 Uhr |

In der neuen macOS-Version Sierra hält ein komfortables neues Feature Einzug: Die Synchronisation von Mac-Inhalten via iCloud – unabhängig von der jeweiligen App. Bei diesem iCloud-Sync wird jederzeit der komplette Desktop- und Dokumente-Inhalt in die Cloud gespiegelt – und kann mir jedem an das Cloud-Konto angeschlossenen Mac abgerufen werden.

Wer mehrere Macs im Einsatz hat, leidet trotz aller von Apple und anderen Hersteller im Lauf der Zeit etablierten Hilfsmittel regelmäßig unter einem Problem: Muss man schnell den Rechner wechseln, etwa weil das Macbook für einen Außentermin gebraucht wird, vergessen viele, die aktuell bearbeiteten Dateien in die Cloud, auf den Server oder eine NAS oder einen USB-Stick zu laden. Das Resultat: Die wichtigen Arbeitsunterlagen liegen auf dem iMac im Büro, unterwegs kann man damit nicht arbeiten. Das ist in vielen Fällen mehr als ärgerlich, kostet es doch Zeit und vor allem Dingen Nerven. Sicher: Man hätte die Daten ohnehin bereits in die Cloud oder auf den NAS anlegen können, allerdings setzt das voraus, dass man die ganze Aktion von vornherein plant und damit rechnet, demnächst genau diese Dateien wieder zu benötigen. Im stressigen Arbeitsalltag ist das allerdings ein Zeitaufwand, den sich viele Anwender lieber sparen – und anschließend in der Bahn oder beim Meeting auf dem Trockenen sitzen. Mit der iCloud-Synchronisation des Mac-Desktops hat sich Apple jetzt mit macOS Sierra ein weiteres Sicherheitsnetz ausgedacht – und zwar eines, das hervorragend funktioniert.

Der iCloud-Sync lässt sich bequem in den iCloud-Einstellungen aktivieren.
Vergrößern Der iCloud-Sync lässt sich bequem in den iCloud-Einstellungen aktivieren.

Desktop und Dokumente in der Cloud

Mit der iCloud-Synchronisation des Desktops und des Inhalts des Ordners „Dokumente“ wird dem Nutzer die Entscheidung, ob er Daten manuell in der Cloud ablegt oder sie dorthin verschiebt, abgenommen: Einfach ein Häkchen in den iCloud-Einstellungen (Systemeinstellungen -> iCloud -> iCloud Drive-Optionen -> Ordner „Schreibtisch“ & „Dokumente“) setzen – schon werden alle Dateien, die auf dem Desktop oder im Dokumente-Ordner liegen, automatisch in die Cloud gespiegelt. Und zwar jederzeit in der aktuell abgesicherten Version, die dank des schon seit Mac OS X 10.7 Lion eingebauten Autosave-Features ja ohnehin immer vorliegt. Im Alltag ist das eine massive Erleichterung: Da aktuelle Arbeitsprojekte in aller Regel in einem der beiden Ordner liegen, sind diese dadurch jederzeit verfügbar. Und zwar nicht nur auf allen Macs, die an das gleiche iCloud-Konto angeschlossen sind, sondern auch auf iPhone und iPad, sofern diese auf das iCloud Drive zugreifen können, also mindestens iOS 9 installiert haben: Im iCloud-Drive tauchen einfach zwei neue Ordner namens „Desktop“ und „Dokumente“ auf, in denen die Dateien dann liegen.

Einmal in einem der Ordner angelangt, wird die Datei in die Cloud geladen.
Vergrößern Einmal in einem der Ordner angelangt, wird die Datei in die Cloud geladen.
© Macwelt

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Die Funktion entpuppt sich dabei in der Praxis als ausgesprochen unproblematisch: Einmal aktiviert, startet der Mac im Hintergrund den Upload und lädt schon in der vorliegenden macOS Sierra Public Beta 1 Dateien aller Art umstandslos in die Cloud. Anwendern, die das Feature nutzen möchten, sei daher ein schneller Upload beim DSL- oder Kabelanschluss ans Herz gelegt – andernfalls kann es passieren, dass große Dateien den Upload aus anderen Apps wie etwa Fotos oder Dropbox deutlich verzögern. Im Test zeigte sich aber ein Kabelanschluss mit 25 MBit Download und 5 MBit Upload als leistungsfähig genug, um die täglich anfallenden Datenmengen umstandlos zu synchronisieren. Wer allerdings mit großen Dateien arbeitet – ein Problem, das vor allem Photoshopper und Videoprofis betreffen dürfte – sollte ein wenig auf seine Datenhygiene achten und Dateien, die nicht unmittelbar auf anderen Geräten gebraucht werden, direkt anderswo ablegen.

Wird eine Datei gelöscht, warnt MacOS, dass diese dann nicht mehr in der Cloud ist.
Vergrößern Wird eine Datei gelöscht, warnt MacOS, dass diese dann nicht mehr in der Cloud ist.

So gesehen verschiebt macOS Sierra das Problem mangelnder Ordnung in der Datenstruktur nur in Richtung Benutzerfreundlichkeit. Zwar dürften die meisten Anwender kaum größere Dateien als 10 Megabyte große Fotos auf dem Desktop und im Dokumente-Ordner liegen haben, trotzdem kann der permanente Up- und Download natürlich bei besonders großen Datei-Messies schnell die Internetverbindung ausbremsen. Immerhin: Sind die Dateien erst einmal in der Cloud, spielt es keine Rolle mehr, auf welchem Mac oder iOS-Device sie liegen und bearbeitet werden. Gleichzeitig bleiben die Stammordner natürlich auf dem Mac erhalten und werden ganz regulär per Time-Machine-Backup mit gesichert.

Ist eine Datei zu groß für den vorhandenen iCloud-Speicher, bricht MacOS automatisch den Upload ab.
Vergrößern Ist eine Datei zu groß für den vorhandenen iCloud-Speicher, bricht MacOS automatisch den Upload ab.

Versehentliches Löschen ausgeschlossen

Ebenfalls klug gelöst: Löscht man eine Datei vom Desktop oder aus dem Dokumente-Ordner, wird sie automatisch auch aus der Cloud entfernt – umgekehrt aber nicht! Löscht man zum Beispiel am iPad oder am zweiten Mac eine Datei aus dem iCloud-Dokumente- oder -Desktop-Ordner, verschwindet sie zwar aus dem jeweiligen Ordner iCloud – auf den Rechnern, an denen sie dort liegt, bleibt sie aber erhalten. Auf diese Weise beugt Apple elegant dem Problem vor, das auftreten kann, wenn man zum Beispiel seinen Kindern das iPad in die Hand gibt oder jemanden am Zweitmac arbeiten lässt: Versehentlich (oder absichtlich!) aus der Cloud gelöschte Dateien bleiben so auf dem Original-Mac erhalten, einzig die iCloud-Synchronisation für diese eine Datei verschwindet. Um die Datei anschließend wieder in die Cloud zu laden, muss sie einmal aus dem Ordner geholt und wieder hineingelegt werden – in der Public Beta fehlt (noch?) ein Kontextmenü für den erneuten Upload. Das wäre ausgesprochen praktisch.

Auf anderen Endgeräten mit gleicher Apple-ID tauchen die Ordner „Dokumente“ und „Desktop“ auf, in denen die Dateien liegen.
Vergrößern Auf anderen Endgeräten mit gleicher Apple-ID tauchen die Ordner „Dokumente“ und „Desktop“ auf, in denen die Dateien liegen.

Cloud-Speicher wird schnell eng

Natürlich dürfte die außerordentlich praktische Cloud-Synchronisation nicht ohne Hintergedanken bei Apple entstanden sein, macht sie doch die Vermarktung zusätzlichen iCloud-Speichers an Anwender deutlich einfacher als bisher: Wer viele große Dateien in seinen Benutzerordnern liegen hat und eventuell noch ein iPhone und ein iPad samt Backups in der Cloud betreibt, stößt mit den fünf Gigabyte Gratisspeicher schnell an die Grenzen seiner Möglichkeiten. Wird der Speicher voll, stoppt macOS einfach den Upload der neuen Dateien, eine Fehlermeldung erfolgt nicht. Immerhin: Statt zu meckern, prüft Sierra vorab, ob der Speicher noch reicht. Kopiert man also zum Beispiel eine gigabytegroße Filmdatei auf den Desktop – und damit in die Cloud –, wird diese bei einer übervollen iCloud einfach nicht hochgeladen. Der Vermerk „Kein Platz mehr“ unterhalb der Datei im Finder ist allerdings sehr klein gehalten. Daher gilt für alle Anwender, die die iCloud-Synchronisation voll ausnutzen wollen, dass der verfügbare iCloud-Speicher mindestens so groß sein sollte wie der Dokumente-Ordner zusammen mit dem Desktop-Ordner und den notorischen iOS-Backups – bei typischer Nutzung auf durchschnittlichen Systemen ist in aller Regel also mindestens das 50-Gigabyte-Upgrade für 99 Cent pro Monat nötig, um die iCloud-Synchronisation am Laufen zu halten – es sei denn, Apple erhöht im Rahmen des finalen Launchs von macOS Sierra den Gratis-Speicherplatz.

Diese können bei Bedarf heruntergeladen und geöffnet werden.
Vergrößern Diese können bei Bedarf heruntergeladen und geöffnet werden.

Speicherplatz sparen geht auch

Allerdings hat man bei Apple auch an dieses Problem gedacht: Ein weiterer Haken „Mac-Speicher optimieren“ bietet in den iCloud-Drive-Einstellungen die Möglichkeit, den Speicher von Mac und Cloud zu optimieren: Ältere Dokumente werden nur gespeichert, wenn genug Cloud-Platz vorhanden ist. Umgekehrt wird bei wenig Speicher auf dem Mac der iCloud-Ordner nicht automatisch heruntergeladen. Dieses äußerst praktikable Feature sollte deshalb auf Zweit-Macs mit knappem Speicher – etwa einem Macbook Air alter Schule – auf jeden Fall aktiviert werden, um das Maximum aus Mac- und Cloud-Speicher herauszuholen.

Praktisch: Wird eine Datei auf einem anderen Endgerät als dem „Original“ gelöscht, bleibt sie auf dem Originalrechner erhalten, verschwindet aber aus der Cloud.
Vergrößern Praktisch: Wird eine Datei auf einem anderen Endgerät als dem „Original“ gelöscht, bleibt sie auf dem Originalrechner erhalten, verschwindet aber aus der Cloud.

Fazit: Ein runde und praktische Lösung

Insgesamt kann die iCloud-Synchronisation zwar im Grunde nicht viel mehr, als zum Beispiel Dropbox oder ein einfacher iCloud-Ordner: Dateien werden zwischen mehreren Endgeräten synchronisiert. Allerdings sorgt die automatische Verwendung der Standardordner „Dokumente“ und „Desktop“ dafür, dass das lästige Verschieben von Dateien in und aus Cloud-Austauschordner entfällt, was Zeit spart und Nerven schont. Schon daher ist die Funktion außerordentlich praktisch und sollte beim Einsatz mehrere Macs auf jeden Fall aktiviert werden. Störend ist im Grunde nur Apples spärlicher iCloud-Gratisspeicher, der hoffentlich künftig ein wenig vergrößert wird. Allerdings gehören Fotos, Videos und andere große Dateien eigentlich nicht in den Dokumente-Ordner, sondern nach Apple-Denke in die iCloud-Fotomediathek.

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