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Alternativen zu Whats App

20.02.2014 | 12:59 Uhr |

Wer Whatsapp den Rücken kehren will und nach Alternativen sucht, der hat viel Auswahl. Wir stellen die besten und sichersten Messenger vor.

Whatsapp ist nicht allein auf dem Markt. Mit iMessage hat Apple für iOS-Geräte und Macs eine eigene Lösung im Angebot. Sie ist aber im Gegensatz zu Whatsapp auf die Apple-Plattformen begrenzt: Hat die Freundin ein Android-Smartphone, können Sie iMessage nicht nutzen.

Bereits relativ kurz nach Whatsapp kam mit Wechat 2011 ein Messenger "Made in China" auf den Markt, der in Asien dominierend ist. Laut Aussage des Herstellers Tencent ist Wechat inzwischen bei über 100 Millionen Benutzern außerhalb Asiens im Einsatz. Während Wechat sich über zahlreiche In-App-Käufe (Erweiterungen) finanziert, ist Whatsapp für Altkunden kos­tenlos, neue Benutzer zahlen jährlich knapp 1 Euro – also fast nichts.

Wechat stammt aus China und ist vor allem in Asien weit verbreitet.
Vergrößern Wechat stammt aus China und ist vor allem in Asien weit verbreitet.

Mit Line gibt es einen weiteren Messenger, der neben Nachrichten, Fotos und Co. auch Telefonfunktion und mehr bietet. Das Feld der Messenger wird bei uns angeführt von Whatsapp und natürlich Facebook Messenger – mit weitem Abstand. Wer mit allen Freunden bei Facebook verbunden ist, findet in Facebook Messenger eine gute Lösung – ist dafür aber dauer-online. Facebook Messenger bietet ein SMS-Gateway, das allerdings nicht wirklich zu empfehlen ist.

Der Messenger Line bietet auch Telefon- und Videofunktion.
Vergrößern Der Messenger Line bietet auch Telefon- und Videofunktion.

Bequem vs. Datenschutz

Die genannten und am meisten verbreiteten Lösungen aus der Gattung der Messenger bieten zum Teil unterschiedliche Optionen, haben aber eines gemeinsam. Damit Sie nach der Installation der betreffenden App gleich loslegen können, muss die App beziehungsweise der zugehörige Server des App-Anbieters Ihre Kontakte kennen. Dazu werden diese – nach der Freigabe beim ersten Start der App durch den Benutzer – an den Server des App-Herstellers übertragen und mit vorliegenden abgeglichen. Bei "normalen" Messengern werden neben Ihrem Namen und der Handynummer also auch die Daten aller Personen in Ihrem Adressbuch übermittelt. Beim Facebook-Messenger reicht ihr Facebook-Name als Identifikation.

Unser Check zeigt: Whatsapp hat gelernt und überträgt das Adressbuch nicht mehr unverschlüsselt. Unsere Telefonnumer hingegen schon
Vergrößern Unser Check zeigt: Whatsapp hat gelernt und überträgt das Adressbuch nicht mehr unverschlüsselt. Unsere Telefonnumer hingegen schon

Selbst wenn man annimmt, diese Übertragung erfolge verschlüsselt, bleibt die Frage, ob Sie die Daten Ihrer Kontakte aus der Hand geben wollen. Kurz nach der Vorstellung von Whatsapp tauchte die Frage auf, ob nicht nur Sie, sondern auch alle übertragenen Kontakte damit schnell Opfer von Spam in jeglicher Form würden. Wir nutzen Whatsapp von Beginn an, zumindest dieser Verdacht hat sich nicht bewahrheitet.

Eine weitere Frage im Zusammenhang mit Datensicherheit betrifft die eigentlichen Nachrichten. Apples iMessage überträgt die Nachrichten von Anfang an verschlüsselt, sie liegen auch kodiert auf Apples Servern. Allerdings hat Apple – wie auch die anderen Anbieter – die Schlüssel. Damit haben die Unternehmen zumindest theoretisch die Möglichkeit, die Nachrichten in Klartext zu verwandeln. Stichwort NSA-Affäre: Bei Anbietern, die in den USA beheimatet sind, gilt unser Datenschutzrecht nicht. Bekommt eine US-Behörde die richterliche Genehmigung zur Einsicht, geht das somit auch ohne Hilfe der NSA ganz legal.

Messaging sicher

Bei allen bisher genannten Lösungen wird zwar in weiten Bereichen Verschlüsselung eingesetzt, die Schlüssel liegen aber auf den Servern der Anbieter. Myenigma und Threema gehen einen sicheren Weg. Beide Lösungen nutzen sichere Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Dabei liegt nur Ihr öffentlicher Schlüssel auf den Servern, Sie allein verfügen über den privaten. Die Kommunikation ist vor Dritten so abhörsicher.

Threema bietet echte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung mit öffentlichem und privatem Schlüssel.
Vergrößern Threema bietet echte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung mit öffentlichem und privatem Schlüssel.

Mit Myenigma und Threema gibt es zwei europäische Messenger-Lösungen, die das Problem aus der Welt schaffen. Beide bieten eine sichere Kodierung der Nachrichten – eine sogenannte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Die beiden Kommunikationspartner nutzen ihre Schlüssel, der An­bieter hat keine Möglichkeit, selbst oder Dritten Zugriff auf Ihre Nachrichten zu geben.

Auch Myenigma gilt mit seiner Verschlüsselung als abhörsicher.
Vergrößern Auch Myenigma gilt mit seiner Verschlüsselung als abhörsicher.

Dafür ist die Einrichtung der beiden sehr guten Lösungen nicht so trivial wie bei Whatsapp und Co., erst müssen wir einen Schlüssel erzeugen und austauschen, erst dann kann die Kommunikation beginnen. Smartphone-Nutzer, die einen erhöhten Sicherheitsbedarf haben, sind in dem Bereich aber Kummer gewohnt. So müssen die­se ihre Mailkommunikation per PGP oder S/MIME schützen und dazu Zertifikate installieren und nutzen. Die Kommunikation darf gerade im Geschäftsumfeld oft nur sicher über VPN-Server erfolgen. Auch hier sind diverse Schritte und oft die Hilfe des Systemadministrators in der Firma nötig, damit die Kommunikation klappt.

Personen, die sicheren Nachrichtenaustausch betreiben wollen oder müssen, sollten zumindest für die Kommunikation mit Geschäftspartnern einen der genannten Messenger nutzen – zusätzlich.

Gesprächspartner gesucht

Ein gewaltiger Unterschied kommt schnell zutage, wenn man beim iPhone die Zahl der möglichen Kommunikationspartner via iMessage, Whatsapp, Wechat, Facebook Messenger und den genannten sicheren Varianten vergleicht. Während wir bei rund 400 Kontakten auf dem iPhone fast 120 auch über Whatsapp, rund 100 per iMessage und nahezu alle Freunde per Facebook Messenger erreichen, sind es bei Threema und Myenigma nur ein paar wenige. Die einfache und unkomplizierte Handhabung von Whatsapp, gepaart mit der großen Funktionsvielfalt und Verfügbarkeit, machen die App bei den reinen Messengern zur Lösung der Wahl – zumindest im privaten Umfeld.

Fast alle Messenger übertragen und analysieren das Adressbuch, um Bekannte zu finden.
Vergrößern Fast alle Messenger übertragen und analysieren das Adressbuch, um Bekannte zu finden.

Hier ist auch in Zukunft wenig Änderung zu erwarten. Whatsapp hat allen kritischen Stimmen getrotzt und im letzten Jahr zumindest an einigen Stellen auch bei der Sicherheit nachgebessert. Vermutlich ist es auch vielen Benutzern egal, ob ihre eigenen Kontaktdaten und die Nachrichten zumindest theoretisch lesbar gemacht werden können, wenn die Hersteller der Apps die Schlüssel hergeben. Frei nach dem Motto: "Die NSA kann gern wissen, dass ich mich am Abend in der Kneipe verabredet habe, was soll’s."

Kombination

Wer wie wir damit leben kann, dass zumindest der private Nachrichtenverkehr nicht optimal verschlüsselt ist, greift zu Whatsapp. Apples iMessage ist eh an Bord, Face­book-Nutzer können optional noch den Messenger des sozialen Netzwerks installieren. dann allerdings sind Sie komplett und überall erreichbar.

Wer ein Firmenhandy nutzt, auf dem nur Geschäftskontakte verzeichnet sind und der zudem gehalten ist, sicher zu kommunizieren, sollte sich die gerade genannten Lösungen nicht installieren, dann werden auch die Kontakte nicht in fremde Hände gegeben. Wir haben auf unserem iPhone deshalb für wenige sensible Nachrichten Threema installiert.

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