1859401

Alternativen zum lokalen iTunes-Sync

06.11.2013 | 11:00 Uhr |

Apple hat mit iTunes 11.2 den lokalen Abgleich von Kalendern, Adressen oder Lesezeichen entfernt – sehr zum Unmut vieler Anwender.

Bevormundung. Dieser Begriff fällt im Kontext der mit der neuen iTunes-Version für OS X Mavericks entfallenen lokalen Sync-Funktion für Kalender und Adressbücher immer häufiger. Konnte man bisher über den Reiter „Info“ beispielsweise Kalendereinträge, Mail-Accounts, Kontakte oder Lesezeichen lokal mit dem Mac synchronisieren, hat Apple mit der neuesten Version von iTunes den Reiter „Info“ einfach gestrichen. Wie berichtet hat Apple in der integrierten Hilfe von iTunes dazu nur anmerkt:

"Wenn Sie OS X Mavericks 10.9 oder neuer verwenden, werden Ihre Kontakte, Kalender und anderen Informationen auf Ihren Computern und iOS-Geräten über iCloud aktualisiert.“

Ist der lokale Sync damit endgültig gestorben? Vorerst muss man diese Frage bejahen, denn: Apple hat nicht einfach nur ein Feature von iTunes entfernt, sondern viel tiefer eingegriffen. Das für die Synchronisation bislang zuständige Framework „SyncServices“ wird in OS X Mavericks nicht mehr unterstützt – das erläutert das Unternehmen im Rahmen eines Support-Dokuments :

„OS X Mavericks v10.9 and later do not use SyncServices. Instead, Mavericks supports sharing your information using several network-based and cloud-based solutions. If you want to sync your information across multiple devices and computers, you should use one or more of these methods. These include iCloud, CardDAV servers, CalDAV servers, and servers that utilize the Exchange ActiveSync protocol.“

Interessanter Weise erhebt Apple den Sync über iCloud nicht direkt zum Zwang, sondern bietet weiter die Synchronisation via CalDAV und CardDAV (auf denen ja auch iCloud aufsetzt) und Microsofts Exchange-Server an. Für Heimanwender, die nicht gerade einen eigenen Server für Card- oder CalDAV betreiben wollen heißt das aber: ohne iCloud oder Google gibt es keinen komfortablen Sync mehr. Zumal Apple – auch das geht aus dem Statement hervor – derzeit nicht vor zu haben scheint, das Feature in naher Zukunft zurück zu bringen. Grund genug für uns, Ausschau nach möglichen Alternativen zu halten.

Die einfache Lösung: iCloud verwenden

Wer keine Sicherheitsbedenken hat, darf gerne iCloud nutzen, denn der Dienst ist schnell und komfortabel.
Vergrößern Wer keine Sicherheitsbedenken hat, darf gerne iCloud nutzen, denn der Dienst ist schnell und komfortabel.

Dieser Lösungsansatz ist angesichts der aktuellen Debatte um Datenschutz und Datensicherheit im Netz für viele Anwender äußerst heikel. Angesichts der Tatsache, dass niemand genau sagen kann, wann und unter welchen Umständen Apple bestimmte Datensätze an US-Ermittlungsbehörden herausgeben muss – Apple darf sich nur vage äußern –  ist die Skepsis gegenüber US-amerikanischen Servern nicht unberechtigt. Und dennoch: iCloud ist die wohl praktischste der hier vorgestellten Lösungen. Alle Daten auf allen Geräten jederzeit synchron zu haben ist schlicht praktisch – von der Problematik, dass der lokale Sync gerne Doppler und Karteileichen produziert hat, mal ganz abgesehen. Der Preis für diesen Komfort ist aber, dass Sie eben nicht mehr selbst über die weit entfernt gespeicherten Daten verfügen können. Ob Sie bereit sind für den Komfort von iCloud den genannten Preis zu zahlen und den „einfachen“ Weg zu gehen, bleibt Ihnen überlassen. Ähnliches gilt auch für die Nutzung von Googles Sync-Diensten

Aufwand: Gering

Was man dafür braucht: Apple-ID

Die geduldige Lösung: Warten auf Drittentwickler

SyncMate hat angekündigt, eine neue Programmversion zu veröffentlichen, die den lokalen Sync von iOS-Geräten ermöglichen soll.
Vergrößern SyncMate hat angekündigt, eine neue Programmversion zu veröffentlichen, die den lokalen Sync von iOS-Geräten ermöglichen soll.

Fakt ist nach heutigem Stand: Es gibt keine Drittanbieter-Lösung, die den lokalen Sync von Kontakten, Kalendern, Lesezeichen oder Notizen zurückbringen kann. Aufgrund der weiter oben beschriebenen Veränderungen auf Framework-Level (Stichwort: Weggefallene „SyncServices“) werden Lösungen wie das beliebte Sync-Tool Sync Mate unter Mavericks nicht mehr unterstützt. In Ermangelung einer funktionierenden Drittlösung, bleibt an dieser Front nur: Geduld. Im hauseigenen Blog haben die Sync-Mate-Entwickler bereits ein Update für ihre App angekündigt. Diese soll nach eigenen Aussagen ohne die bisherigen SyncServices auskommen und auf einer eigenen Synchronisations-Routine basieren. Als Releasezeitraum nennen die Entwickler allerdings derzeit nur vage „this winter“. Und der kann bekanntlich etwas länger dauern.

Aufwand: Gering

Was man dafür braucht: Geduld, ein paar Euro für eine App wie Sync Mate

Die schnelle Lösung: Windows benutzen

Die iCloud-Systemsteuerung für Windows unterstützt nur Outlook zur Kalender- und Kontakt-Synchronisierung.
Vergrößern Die iCloud-Systemsteuerung für Windows unterstützt nur Outlook zur Kalender- und Kontakt-Synchronisierung.

Viele von Ihnen werden jetzt denken: „Der spinnt doch!?!“ So perfide es für einen eingesessenen Mac-User auch klingen mag: Windows 8/ 8.1 ist für das vorliegende Problem eine schnelle und vor allem einfache Lösung. Denn: Die aktuelle iTunes-Version 11.1.2 für Windows unterstützt weiterhin die lokale Synchronisation mit Outlook oder den Windows-eigenen Apps für Kontakte oder Kalender. Der Aufwand für Mavericks-Nutzer, die bereits über eine Bootcamp-Installation oder eine Virtualisierungs-Lösung via Parallels oder Vmware verfügen, hält sich also in überschaubaren Grenzen. In iTunes genügt es, das iPhone/ iPad per Kabel an den Rechner anzuschließen und in der Synchronisierungsmaske den unter Mavericks verschwundenen Info-Reiter auszuwählen. Dort können Sie wählen, welche Daten lokal abgeglichen werden sollen. Als Sync-Ziel können Sie entweder die Windows-eigenen Apps oder alternativ auch Outlook wählen.

iTunes für Windows unterstützt den lokalen Sync noch – und das sogar mit den boardeigenen Kalender- und Kontakte-Apps von Windows 8.1.
Vergrößern iTunes für Windows unterstützt den lokalen Sync noch – und das sogar mit den boardeigenen Kalender- und Kontakte-Apps von Windows 8.1.

Was sich bei dieser Lösung jedoch noch nicht final abschätzten lässt: Wird Apple auch für das Windows-iTunes ein Update nachschieben, das den lokalen Sync entfernt? Sollten Sie sich also für diese Variante entscheiden, sollten Sie parallel auch darauf achten, nicht versehentlich auf eine neuere iTunes-Version upzugraden.

Aufwand: Mittel

Was man dafür braucht: Windows 8/8.1, Bootcamp (gratis mit jedem Mac) oder Parallels (89 Euro)/ Vmware (55 Euro Euro) , iTunes 11.1.2 für Windows, integrierte Kontakte- bzw. Kalender App von Windows oder Office-Paket

Die altmodische Lösung: Zurück zur Raubkatze

Ebenfalls eine Möglichkeit ist es, das Update auf OS X Mavericks vorerst zu verweigern und weiter OS X Mountain Lion zu nutzen. So können Sie warten, bis Apple sich eines Besseren besinnt und den lokalen Sync zurückbringt, oder ein Drittanbieter eine funktionierende Alternative herausbringt. Haben Sie das Upgrade auf OS X Mavericks bereits durchgeführt, ist die Rolle rückwärts deutlich aufwendiger zu vollziehen, denn alles hängt von Ihrer persönliche Backup-Disziplin ab. Ohne vollständiges Backup – idealer Weise mit Time-Machine VOR dem Upgrade und ohne Mavericks-Backups auf der gleichen HDD – wird die Migration der Daten und damit der gesamte Rollback zum uferlosen Unterfangen.

Da Apple nach wie vor keine werksseitige Downgrade-Möglichkeit anbietet, heißt es: Sollten Sie wirklich zu OS X 10.8 zurückkehren wollen, müssen Sie das Startvolume formatieren und Mountain Lion clean neu installieren. Dafür benötigen Sie den Mountain-Lion-Installer aus dem Mac App Store, den Sie auch unter OS X Mavericks im Store unter „Einkäufe“ laden können. Mavericks wird zwar in Form einer kleinen Meldung meckern, laden und installieren können Sie den Berglöwen dann aber trotzdem. Nach der Installation können Sie dann mit dem Migrationsassistenten die Daten wieder zurück spielen. Haben Sie ein Time-Machine-Backup von vor dem Umstieg, gestaltet sich der Rollback deutlich einfacher als ohne, denn hier können Sie alle Programme und auch die Nutzer-Library zurückschieben. Sonst könnte es vor allem bei den Apps und der Benutzer-Library zu unschönen Fehlern kommen. Unter dem Strich ist dies der radikalste Ansatz und auch gleichzeitig der komplizierteste.

Aufwand: Enorm

Was man dafür braucht: Viel Zeit, Backup, das Mountain-Lion-Installationsfile aus dem Mac App Store

Die aufwendige, aber nachhaltige Lösung: Private Cloud

OS X Sever bietet die Möglichkeit einen eigenen CalDAV- oder Card-DAV-Server einzurichten.
Vergrößern OS X Sever bietet die Möglichkeit einen eigenen CalDAV- oder Card-DAV-Server einzurichten.

Seit bekannt wurde, dass Apple die Möglichkeit des lokalen Syncs von Kontakten, Kalendern oder Bookmarks in iTunes entfernt hat, sind private Cloud-Lösungen wichtiger Bestandteil der diskutierten Lösungsansätze. Im Grunde geht es hier darum, eine eigene Serverumgebung aufzubauen und Kontakt-Datenbanken, Kalender und Mails selbst zu hosten. Der große Vorteil einer eigenen Mini-Cloud für Zuhause liegt dabei auf der Hand: Sie entscheiden, wie mit Ihren Daten umgegangen wird und welche Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden sollen. Das Problem: Für Neulinge sind eigene Serverlösungen wenig praktikabel, da gewisse Kenntnisse im Umgang mit Netzwerken nötig sind. Apple selbst bietet mit dem knapp 18 Euro teuren Mavericks-Upgrade OS X Server eine verhältnismäßig gut zu bedienende Serverlösungen für kleine Büros oder Privatanwender. Alternativ bietet sich auch die Open-Source-Lösung Owncloud an. Diese Variante haben wir bereits hier auf macwelt.de vorgestellt und waren von der einfachen Handhabung sehr angetan. Wer dagegen keine Lust darauf verspürt seine eigene Serverlösung in den eigenen vier Wänden zu betreiben, man beispielsweise beim Cloud-Speicher-Anbieter Owncube vorkonfigurierten Owncloud-Speicher mieten – inklusive freier Auswahl an unterschiedlichen Server-Standorten (auch in Deutschland oder dem Datenschutz-"Paradies" Island).

Wer keine Lust/ Zeit hat, einen eigenen OwnCloud-Server zu hosten, kann sich bei Owncube vorkonfigurierte Lösungen zum kleinen Preis mieten.
Vergrößern Wer keine Lust/ Zeit hat, einen eigenen OwnCloud-Server zu hosten, kann sich bei Owncube vorkonfigurierte Lösungen zum kleinen Preis mieten.
© Owncube

Aufwand: Mittel bis hoch (je nachdem, ob Sie die Infrastruktur mieten oder selbst betreiben wollen)

Was man dafür braucht: einen Hoster und etwas Zeit zum Einrichten; zum selbst hosten einen Rechner (beispielsweise einen Mac Mini); Server-Software, beispielsweise OS X Server oder Owncloud; Zeit und Geduld

Macwelt-Tipp – Die Flickschuster-Lösung: Mail an sich selbst

Die vielleicht umständlichste Lösung ist die Mail an sich selbst. Auch wenn es sich hierbei eigentlich nicht um eine Synchronisierung im Wortsinne handelt, sondern um eine One-Way-Datenübertragung, bekommen Sie so ihre lokalen Kontakte auf ihre iOS-Geräte. Alles was man dafür braucht, sind die exportierten lokalen Kontakte und Kalender aus den jeweiligen Apps, eine Internetverbindung zum Mailversand und eine Apple-ID.

Das Exportieren von Kontakten geht schnell von der Hand.
Vergrößern Das Exportieren von Kontakten geht schnell von der Hand.

Zuerst die Adressdaten: Wählen Sie in der Seitenleiste der Kontakte-App „Alle Kontakte“ bzw. diejenigen Kontakte, die Sie übertragen wollen. Nun markieren Sie diese und klicken unter „Ablage > Exportieren“ auf die Schaltfläche „vCard exportieren“, anschließend wählen Sie einen Speicherort nach Wunsch. Klicken Sie nun mit der rechten Maustaste auf das vCard-Archiv und wählen im Aufklappenü den Punkt „Bereitstellen > Email“. Jetzt können Sie sich die exportierten Kontakte per E-Mail selbst zuschicken. Nun geht es auf dem iPhone/ iPad weiter: Hier öffnend Sie die eben versendete Mail und tippen auf den Anhang mit den vCards. Nun können Sie über die Schaltfläche „Alle XX (hier steht die Zahl der exportierten Kontakte) Kontakte Ihrem iPhone-Adressbuch hinzufügen. Wichtig: Um Konfusion innerhalb Ihrer Kontakte zu vermeiden, sollten Sie bei häufigerer Anwendung dieser Methode Ihre Kontakte nur auf dem Mac bearbeiten, nicht auf dem iPhone. So bleiben die Datenbanken von Dopplern verschont.

Ähnlich verfahren Sie auch mit Kalendern. Zunächst wählen Sie am Mac denjenigen Kalender, den Sie aufs iPhone/ iPad bringen wollen, aus. Analog zu den Kontakten navigieren Sie unter „Ablage > Exportieren“ zum Menüpunkt „Exportieren“ und wählen einen Speicherort für den exportierten Kalender aus (egal ob lokal, Gmail, iCloud oder Exchange). Diesen exportierten Kalender senden Sie sich wieder über einen Rechtsklick auf die Datei und anschließender Auswahl von „Bereitstellen > Email“ an Ihre eigene Mailadresse. Auf dem iPhone/ iPad wird es jetzt etwas komplizierter: Sie können nämlich unter iOS 7 nicht mehr so ohne Weiteres einen lokalen Kalender anlegen. Dank eines kleinen Tricks klappt es aber trotzdem. Hierfür benötigen Sie eine Apple-ID mit der Sie in den iOS-Einstellungen unter dem Menüpunkt iCloud den Kalender-Sync über iCloud aktivieren.

Nach dem Import auf dem iPhone und dem iPad sind auch die Termine synchron.
Vergrößern Nach dem Import auf dem iPhone und dem iPad sind auch die Termine synchron.

Legen Sie nun einen iCloud-Kalender auf Ihrem iPhone/ iPad an ohne einen Termin einzutragen und so Daten über iCloud preiszugeben. Nun genügt es, den Sync unter „Einstellungen > iCloud“ wieder zu deaktivieren – schon werden alle angelegten iCloud-Kalender in lokale Kalender umgewandelt. Nun können Sie aus der eben versendeten Mail mit dem exportierten Mac-Kalender selbigen zu einem lokalen Kalender hinzufügen. Auch hier gilt es noch anzumerken, dass Sie Ihre Terminverwaltung entsprechend anpassen müssen, denn iOS-Kalender lassen sich nicht wie Mac-Kalender exportieren. Sie sollten also auch hier Ihre Termine primär am Mac pflegen.

Aufwand: Sehr Hoch

Was man dafür braucht: Apple-ID, Zeit und Geduld

Einschätzung und Meinung

Es ist nicht davon auszugehen, dass Apple den lokalen Sync von Kalendern, Kontakten oder Lesezeichen wieder zurückbringen wird. Dafür ist der nun vollzogene Schritt zu klar, zu unmissverständlich: Wer syncen will, soll gefälligst iCloud benutzen!

Florian Kurzmaier
Vergrößern Florian Kurzmaier

Klar: Apple verfährt mit älteren Technologien, für die es performantere und vor allem einfacher zu bedienende Alternativen gibt, nicht gerade zimperlich. Vom technologischen Standpunkt aus betrachtet mag der Wegfall des lokalen Syncs sogar sinnvoll erscheinen. Aber: Nicht alles, was technologisch sinnvoll erscheint, ist auch im Sinne der User. Gerade im Umfeld der Ausspähaffäre zeigt Apple hier nur wenig Fingerspitzengefühl – zu wenig! Bleibt nur zu hoffen, dass es Drittanbieter wie Sync Mate schaffen, ihre Lösungen umzusetzen. Die von Apple genannten Alternativen Cal- und CardDAV bzw. Microsoft Exchange sind zwar gut gemeint, kommen aber für Otto-Normaluser kaum in Frage. De facto wird man also doch gezwungen, entweder über iCloud zu synchronisieren oder es ganz sein zu lassen. Oder man nutzt eine der hier vorgestellten Varianten!

0 Kommentare zu diesem Artikel
1859401