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Analoge Medien digitalisieren: So funktioniert Audacity

18.05.2015 | 12:43 Uhr |

Die Digitalisierung alter Audiomedien ist keine Wissenschaft: Mit der Software Audacity, den passenden Abspielgeräten und Verbindungskabeln ist es mit jedem Mac und Wiedergabegerät möglich, eine digitale Kopie für das iTunes-Archiv zu erstellen.

1. Wiedergabegerät mit dem Mac verkabeln

Schließen Sie zunächst das analoge Wiedergabegerät an den Audio-Eingang Ihres Mac an: Üblicherweise benötigen Sie dafür einen 3,5-mm-Klinke-auf-Cinch-Adapter und je nach Mac-Modell eine USB-Soundkarte. Bei Schallplatten müssen Sie entweder einen Phono-Verstärker zwischen schalten oder das Signal über den Ausgang der Stereoanlage, an der der Plattenspieler angeschlossen ist, laufen lassen.

Tipps zum Digitalisieren

Schallplatten und Audiokassetten halten nicht ewig, selbst an CDs nagt der Zahn der Zeit. Wie Sie Ihre musikalischen Schätze in das digitale Zeitalter herüber retten und welche Hardware Sie benötigen, um Platz im Musikregal zu schaffen, lesen Sie hier.

2. Eingabegerät wählen, Verbindung prüfen

Öffnen Sie nun die Systemeinstellungen Ihres Mac und wählen Sie dort „Ton“. Im Tab „Eingabe“ finden Sie Ihren Line-In-Anschluss oder Ihre USB-Soundkarte. Wählen Sie diese aus und starten Sie danach die Wiedergabe auf dem Wiedergabegerät, etwa Ihrem Kassettenrekorder oder Plattenspieler. Den Pegel der „Eingangslautstärke“ können Sie nutzen, um Ihren Mac „auszupegeln“.

3. Audacity vorbereiten

Starten Sie jetzt die Audacity-Software und wählen Sie als Eingangs­signal den Line-Anschluss Ihres Mac oder den der USB-Soundkarte. Anschließend müssen Sie noch darauf achten, dass Sie das Eingabesignal in „Stereo“ aufzeichnen (sofern es sich nicht um ein uraltes Mono-Tonbandgerät handelt) und die „Projektfrequenz“ unten im Fenster auf 44 100 Hertz einstellen. Anschließend ist Ihr Mac bereit für die Aufnahme. Speichern Sie das neue Projekt direkt einmal ab.

4. Eingangssignal mit Audacity einspielen

Klicken Sie nun auf den Aufnahmeknopf oben links im Audacity-Fenster und starten Sie schnellstmöglich die Wiedergabe auf Ihrem Wiedergabegerät. Kein Grund zur Hektik: Sie können die Stille am Anfang später wegschneiden. Lassen Sie nun das ganze Band, die ganze Kassette, Schallplatte oder welchen Tonträger auch immer Sie verwenden, durchlaufen und klicken Sie anschließend die Stopp-Tas­te im Programm. Audacity zeichnet zunächst automatisch unkomprimiert auf. Speichern Sie erneut ab.

5. Einzelne Stücke automatisch markieren

Nun müssen Sie Ihre Stücke trennen. Das geht hervorragend mit dem Silence Finder, den Sie in der Menüzeile unter „Analyse > Silence Finder“ finden. Dieser ist gegebenenfalls noch nicht optimal eingestellt. Sollte er keine stillen Passagen finden, können Sie die Werte für das Silence-Level und die Dauer in Sekunden reduzieren. Der dritte Regler gibt an, wo der Marker platziert werden soll.

6. Einzelne Stücke manuell markieren

Sollte das nicht klappen, können Sie zwischen den Songs auch manuell trennen, indem Sie im Menü „Spuren“ den Punkt „Textmarke bei Auswahl hinzufügen“ verwenden. Klicken Sie sich dafür einfach an eine Stelle mit Stille und fügen Sie die Textmarke ein. Wiederholen Sie das überall, wo ein neuer Song beginnt. Dabei hilft Ihnen auch die Abspielfunktion.

7. Rauschen entfernen

Natürlich rauschen und knacken alte Analogaufnahmen. Sie können diese „Störgeräusche“ natürlich beibehalten, Audacity besitzt jedoch auch eine leistungsstarke Funktion, um diese zu entfernen: Unter „Effekt > Rauschentfernung“ finden Sie die entsprechende Funktion. Erstellen Sie ein Rauschprofil und senken Sie das Rauschen anschließend um einen bestimmten dB-Wert ab. Hier müssen Sie abhängig von Ihrer Aufnahme experimentieren. Übrigens: Das Knacken von Schallplatten ist in Audacity deutlich sichtbar: Markieren Sie es und regeln Sie den Bereich manuell herunter.

8. Songs und Album taggen

Damit Sie von vornherein die richtigen Metadaten erzeugen, sollten sie jetzt die Metatags bearbeiten: Klicken Sie in der Menüzeile auf „Datei“ und dort auf „Metadaten bearbeiten“. Geben Sie hier Album- und Künstlername sowie die weiteren Meta-Infos, die verlangt werden. Bestätigen Sie mit OK, um die Daten zu übernehmen.

9. Songs exportieren

Zuguterletzt können Sie Ihre Songs von der Aufnahme automatisch getrennt exportieren. Wählen Sie dazu in der Menüzeile unter „Datei“ den Punkt „Mehrere Dateien exportieren“: Im folgenden Fenster können Sie noch einige Auswahlmöglichkeiten treffen: Wählen Sie als Ausgabeformat zum Beispiel MP3 oder AAC (gegebenenfalls müssen Sie hier noch zusätzliche Bibliotheken herunterladen und nachinstallieren) und geben Sie das Zielverzeichnis an. Anschließend klicken Sie auf „Exportieren“. Nun fragt Sie der Exporter noch bei jedem einzelnen Song nach dem Titel. Geben Sie diesen an und klicken Sie auf „OK“, anschließend finden Sie die Einzeltitel im angegebenen Ordner und können in iTunes importiert werden.

Alternativen zu Audacity

Audacity ist ein leistungsstarker Audio-Editor, die Bedienung ist allerdings nicht jedermanns Sache. Wenn Sie mit Audacity nicht zurecht kommen, sollten Sie sich dedizierte Digitalisierungs-Tools für den Mac anschauen: Golden Record und Vinyl Studio sind solche Programme, die auf das Rippen von Schallplatten spezialisiert sind und eine leistungsfähige Reparaturfunktion besitzen. Praktisch: Vor dem Kauf können Sie die Tools ganz entspannt mit der auf den Websites angebotenen Trial-Version testen. Der Preis beider Programme liegt bei rund 30 Euro – gerade für Anwender, die planen, eine ganze Plattensammlung zu digitalisieren, sicher eine gute Investition.

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