2057969

Weg von Aperture: So läuft der Umzug

06.03.2015 | 09:30 Uhr |

Apple entwickelt Aperture nicht mehr weiter, und Fotos für OS X reicht nicht jedem als Ersatz. Zum Glück lassen sich die Aperture-Bibliotheken umziehen und mit Lightroom und Co weiterverwenden. So geht's.

Apple hat Aperture schon seit Jahren stiefmütterlich behandelt und ihm nur die nötigsten Updates spendiert. Im letzten Sommer kam dann das offizielle Aus für Aperture aus Cupertino: Die einst für Profi-Fotografen gedachte Anwendung wird wie iPhoto nicht mehr weiter entwickelt. Statt dessen ersetzt Fotos für OS X die beiden Fotoverwalter. Darauf verweist Apple auch in seiner E-Mail an Aperture-Kunden. Immerhin lässt sich Aperture noch weiter verwenden, denn ein vollwertiger Ersatz für Aperture ist Fotos für OS X nicht. Auf der Suche nach einer zukunftsfähigen Lösung wandern immer mehr Aperture-Anwender ab.

Hat man eine alternative Lösung gefunden (siehe Kasten), muss man seine oft über Jahre gewachsene Aperture-Bibliothek umziehen. Dies geht nicht per Knopfdruck, da andere Anwendungen auf andere Strukturen setzen. Doch so kompliziert ein Umzug auf den ersten Blick erscheinen mag, ist er zum Glück nicht.

Übersicht Bildverwalter

Eine Auswahl interessanter Alternativen zu Apple Aperture:

– Adobe Photoshop Lightroom

Weit verbreiteter Bildverwalter mit umfangreichen Bearbeitungsmöglichkeiten und Dank Plug-ins guter Erweiterbarkeit. 30 Tage uneingeschränkte Demoversion erhältlich.

Preis 250 Euro, mit mehr Funktionen als Abo für 12 Euro pro Monat

– Phase One Media Pro

Verwalter von Fotos und Videos für sehr große Bibliotheken. 60 Tage uneingeschränkte Demoversion erhältlich.

Preis ab 139 Euro (Einzelnutzer)

– Camerabits Photo Mechanic

Superschneller Bildverwalter mit einigen Bildkorrektur-Werkzeugen, der gerne von Sport- und Eventfotografen in Verbindung mit Lightroom verwendet wird. 30 Tage uneingeschränkte Demoversion erhältlich.

Preis 150 US-Dollar

– DxO Optics Pro

Eigentlich kein Bildverwalter, denn Optics Pro greift direkt auf die Bilder im Finder zu. Doch Optics Pro ist ein sehr gutes Werkzeug, um viele Fotos schnell zu korrigieren. Besonders die sehr umfangreiche Bibliothek zur Objektivkorrektur hebt sich von anderen Programmen ab. Die teurere Elite-Version unterstützt auch Vollformatkameras. 30 Tage uneingeschränkte Demoversion erhältlich.

Preis ab 129 Euro

– Corel Aftershot Pro

Bildverwalter mit sehr umfangreichen Bildbearbeitungsfunktionen mit der Zielgruppe der Hobbyisten, die schnell und unkompliziert Bilder verwalten und bearbeiten möchten. Gut gelungen sind die Werkzeuge für die schnelle Porträt-Retusche. 30 Tage uneingeschränkte Demoversion erhältlich.

Preis 70 Euro

– RAW Therapy

Kostenloser Open-Source-RAW-Converter mit hohem Funktionsumfang doch im Vergleich zu kommerziellen Programmen umständlicher zu bedienen und langsamer.

Preis kostenlos

– Phase One Capture One

Bildverwalter mit umfangreicher Bearbeitungsmöglichkeit und gegenüber Adobe Lightroom besserer RAW-Engine. 30 Tage uneingeschränkte Demoversion erhältlich.

Preis 229 Euro oder 8 Euro pro Monat

– Phase One Capture One Express

Abgespeckte Version von Capture One, allerdings nur für Sony-Kameras.

Preis kostenlos

Aperture-Bibliothek per Hand umziehen

Lightroom bietet einen automatischen Import der Aperture- und iPhoto-Bibliothek. Der automatische Import ist zwar komfortabel, doch er setzt voraus, dass Sie die Bilder in Sammlungen organisieren. Möchten Sie die Aperture-Projekte in Lightroom lieber in echten Ordnern organisieren oder einen anderen Bildverwalter verwenden, dann können Sie das in wenigen Schritten per Hand machen. Wir zeigen hier Schritt für Schritt, wie das geht. Dabei werden die Projekte von Aperture in Ordner auf dem Finder exportiert, die den Namen der Projekte tragen. In Aperture entwickelte Bilder landen neben den Originalen dann ebenfalls in diesen Ordnern. Bevor Sie loslegen, empfehlen wir, ein Backup der Aperture-Bibliothek zu erstellen. Sicher ist sicher!

Aperture-Bibliotheken umziehen

1. Was man übernehmen kann

Da sich die Bildbearbeitungsprogramme voneinander unterscheiden, können Sie nicht alle Optionen migrieren, die Aperture bietet
Problemlos übernehmen können Sie die in Aperture vergebenen Sternewertungen, Schlagworte sowie die GPS-Daten. Informationen zu Farbmarkierungen (Etiketten) sowie Fotostapel und markierte Gesichter lassen sich nur als Schlagwort übernehmen. Die in Aperture vorgenommenen Bildeinstellungen können Sie nicht weiter verwenden, allerdings lassen sich die in Aperture bearbeiteten Bilder exportieren. In Aperture erstellte Fotobücher, Kalender oder Webseiten lassen sich ebenfalls nicht in anderen Programmen weiter bearbeiten. Doch dies ist mit Fotos in OS X möglich.
TIPP Sie können in Aperture erstellte Fotobücher problemlos als PDF-Dokument speichern. Wählen Sie dazu „Buch kaufen“ und klicken auf „Buchvorschau“. Aperture generiert nun ein PDF in hoher Auflösung, das Sie nun einfach speichern können.

2. Originalbilder exportieren

Zunächst exportieren Sie die Originalbilder samt aller möglichen Metadaten, also Schlagwörter, GPS-Daten, Sternewertung sowie markierte Gesichter und Etiketten als Schlagwort konvertiert
Dazu wählen Sie in Aperture in der linken Spalte „Fotos“ aus und markieren mit „Befehl-A“ alle Fotos. Rufen Sie mit „Ablage > Exportieren > Originale“ das Export-Fenster auf und wählen dort zunächst einen Ort für Ihre Fotos, beispielsweise den Bilderordner ihres Benutzerverzeichnisses. Für den Export können Sie verschiedene Formate für den Unterordner angeben, beispielsweise nach Datum sortiert oder mit den Namen der Projekte, die Sie in Aperture angelegt haben. In unserem Beispiel wählen wir als Format für Unterordner „Projektname“, dann erhalten die Finder-Ordner die Namen der Aperture-Objekte. Die Dateinamen ändern wir nicht. Unter Metadaten wählen Sie „IPTC4XMP-Sidecar-Datei erstellen“ und markieren beide untere Checkboxen. So erhalten Sie das Maximum an Metadaten, das Sie aus Aperture exportieren können. Je nach Umfang der Aperture-Bibliothek kann der Export einige Zeit beanspruchen.

3. In Aperture bearbeitete Fotos exportieren

Die in Aperture bearbeiteten Fotos können Sie zwar exportieren, doch die in Aperture vorgenommenen Einstellungen lassen sich nicht mehr ändern
Nun gibt es mehrere Möglichkeiten, die Bilder zu exportieren: Entweder in einer Platz sparenden JPEG-Version, oder als möglichst hochauflösendes Bild, das Sie später optimal weiter bearbeiten können. Für den Export können Sie bequem zwischen diesen Möglichkeiten wählen. Wir zeigen hier, wie Sie die in Aperture bearbeiteten Bilder in möglichst hoher Qualität exportieren.
Legen Sie in Aperture über „Ablage > Neu > Intelligentes Album“ zunächst ein intelligentes Album an. Im Einstellungs-Fenster zum intelligenten Album wählen Sie aus der rechten Liste „Regeln hinzufügen“ den Eintrag „Anpassungen“ und stellen für diese Regel „Anpassungen werden angewendet“ ein.

Die mit Aperture bearbeiteten Bilder lassen sich in der höchsten Qualität sichern, damit Sie diese später weiterhin in hoher Qualität weiter bearbeiten können. Dazu wählen Sie alle Bilder im intelligenten Ordner und exportieren Sie diese über „Ablage > Exportieren > Arbeitskopie“. Belassen Sie das Format für die Unterordner in dem Format, mit dem Sie auch die Originale exportiert haben. Aperture speichert dann die Arbeitskopien in den Ordnern der Originaldateien. Wir wählen zusätzlich als Format des Namens „Eigener Name mit Index“ den eigenen Namen „Aperture_bearbeitet“. So können Sie später die Arbeitskopien schneller finden. Für die maximale Qualität wählen Sie Tiff in Originalgröße als 16 Bit, rufen dann aber den untersten Punkt „Bearbeiten“ auf. Hier wählen Sie den großen Arbeitsfarbraum „ProPhoto RGB“ aus, den auch Aperture zum Bearbeiten verwendet. Gerade bei der Nachbearbeitung der Arbeitskopien haben Sie so die größtmögliche Flexibilität.
TIPP Versehen Sie in Aperture die Arbeitskopien mit einer eigenen Etikettenfarbe. Beim Export einer Arbeitskopie wird diese Etikettenfarbe auch im Finder angezeigt.

4. Schrittweiser Umzug einer großen Bibliothek

In einer sehr umfangreichen Aperture-Bibliothek, können Sie den Umzug auch schrittweise vollziehen
So minimieren Sie eventuelle Fehler, die durch ein überlastetes System auftreten könnten. Wählen Sie dazu die Projekte aus, die Sie im ersten Schritt exportieren möchten. Wählen Sie anschließend in der Browser-Ansicht rechts alle Bilder der gewählten Projekte aus und exportieren Sie diese dann mit den oben bereits beschriebenen Schritten.
TIPP Aus bestimmtem Gründen, zum Beispiel um eine bessere Übersicht zu behalten, möchten Sie die Aperture-Bibliothek vielleicht lieber in mehrere kleine Bibliotheken unterteilen. Das geht sehr schnell per Drag-and-drop: Markieren Sie dazu in der linken Spalte von Aperture einen Teil Ihrer Projekte und ziehen Sie diese dann einfach auf den Finder.
TIPP Damit Sie nicht die Übersicht verlieren, welche Projekte Sie bei einem schrittweisen Umzug bereits exportiert haben und welche nicht, können Sie über das Menü „Ablage > Neu > Ordner“ zu diesem Zweck einen Ordner anlegen, in den Sie die bereits exportierten Projekte verschieben.

5. Import am Beispiel von Lightroom

Ihre exportierte Bibliothek ist nun bereit für den Import in ein anderes Programm
Dieser letzte Schritt ist nur noch Formsache, wir verwenden Lightroom als Beispiel: Importieren Sie die Bilder, indem Sie diese lediglich hinzufügen. So bleiben die Bilder an ihrem Platz und werden nicht kopiert oder verschoben. Falls es Ihrer Organisation hilft, können Sie für alle Bilder noch Stichwörter vergeben, beispielsweise Aperture-Import.

Lightroom importiert automatisch: Mit der aktuellen Lightroom-Version 5.7 lässt sich die Aperture- beziehungsweise iPhoto-Mediathek automatisch importieren
Dazu rufen Sie in Lightroom „Datei > Zusatzmoduloptionen > Importieren aus Aperture-Bibliothek“ auf. Da Lightroom die Entwicklungseinstellungen von Aperture nicht übernehmen kann, lassen sich die mit Aperture bearbeiteten Bilder als Vorschaubilder in voller Größe importieren. Hier übernimmt Lightroom die Vorschaubilder in dem Format, das Sie bereits vorher in Aperture angelegt haben. Der Importer sortiert die Fotos erst einmal nach dem Datum, sortiert sie anschließend in Unterordner und übernimmt zu guter Letzt die Aperture-Projekte als Sammlung.

0 Kommentare zu diesem Artikel
2057969