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Qi und Powermat

Ausprobiert: Das iPhone kabellos laden

06.01.2016 | 12:00 Uhr |

Das Handy einfach irgendwo ablegen und wie durch Zauberhand lädt der Akku: Mit dem richtigen Zubehör lassen sich auch Apple-Smartphones problemlos kabellos laden.

Bei der elektrischen Zahnbürste, Rasierapparaten und sogar dem Herd ist die Energieübertragung durch Induktion längst Realität: Über ein elektromagnetisches Feld kann elektrische Energie von einem Sender an einen Empfänger übertragen werden, ohne dass unterwegs Hitze erzeugt oder Kabel gezogen werden müssen. Die Technik bietet sich für Smartphones an, und in der Tat gibt es bereits eine Reihe von Geräten, die sich laden lassen, indem man sie einfach auf eine kabellose Ladestation legt.

Zusätzlicher USB-Micro-Eingang bei der Ladehülle von IKEA
Vergrößern Zusätzlicher USB-Micro-Eingang bei der Ladehülle von IKEA

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Alle Hauptkonkurrenten von Apple platzieren die Technik nach und nach in ihrem Smartphone-Portfolio, Geräte wie das Samsung Galaxy S6, das Microsoft Lumia 930 oder das Google Nexus 6 unterstützen die kabellose Ladefunktion längst ab Werk, sogar einige Tablets sind inzwischen dazu in der Lage. Apple hingegen lässt auf sich warten, vermutlich um wieder einmal einen eigenen Standard zu etablieren.

Vor- und Nachteile drahtlosen Ladens

Was spricht für oder gegen den Einsatz der kabellosen Ladetechnik? Nun: Neben dem Vorteil des Verzichts auf Kabelsalat hat die Technik leider derzeit noch einige Schwächen, die erst künftig behoben werden dürften.

Vorteile Nachteile

+ Reduzierung des Kabelsalats – Langsamerer Ladevorgang

+ Leichte Bedienung – Benötigt Stellplatz für Ladestation

+ Schont den Geräteanschluss – Derzeit kostenpflichtiges Zubehör nötig

+ In Zukunft sehr weite Verbreitung – Junge Technologie – ein besserer Standard könnte das Feld von hinten aufrollen

+ Verwandelt ggf. den Lightning-Port in eine Micro-USB-Buchse – Hoher Energieverlust durch Induktionstechnik

Welche Standards gibt es?

Der Grund für dieses Warten könnte Apple-typisch sein. Derzeit gibt es drei konkurrierende kabellose Ladestandards: Qi vom Wireless Power Consortium , Powermat von der Powermatters Alliance und Wipower, eine Technik von der Alliance for Wireless Power . Allerdings sind Powermat und Wipower inzwischen zu einer Technik zusammengeflossen, Unterstützer sind große Konzerne wie die amerikanischen Telekommunikationsanbieter AT&T, Intel, Duracell, die FCC und der Kaffeebrüher Starbucks, in dessen Filialen in den USA sich inzwischen zahllose Powermat-Ladestationen befinden.

Was für das Qi-System spricht

Das Qi-System scheint sich derzeit auf breiter Front durchzusetzen. Die Unterstützung für Geräte – egal ob nativ oder als Nachrüstlösung – ist gigantisch, große Hersteller wie Belkin oder Ikea liefern passendes Zubehör, zudem gibt es zahllose günstige oder No-Name-Anbieter, die das System unterstützen. Smartphone-Hersteller wie Microsoft, LG und Samsung verbauen die Technik inzwischen in vielen ihrer Geräte, was die Marktdurchsetzung massiv erhöhen wird. In Europa gibt es zudem Testläufe in McDonald’s-Filialen, in den USA setzt die Starbucks-Alternative Coffee Bean & Tea Leaf ebenfalls seit 2013 auf die Technik. Kommende Standards mit höherer Leistung dürften auch das Laden von großen Tablets und Notebooks ermöglichen.

Auf der anderen Seite ist da Qi: Im Wireless Power Consortium sitzen mit Microsoft, Philips, Toshiba und HTC ebenfalls sehr mächtige Konzerne, Samsung, Sony und LG sind sogar in beiden Gremien vertreten. Kommerziell unterstützt wird die Technik unter anderem von McDonald’s und Ikea: Während der Burgerriese bereits kabellose Ladestationen in seinen Restaurants zur Verfügung stellt, bietet Ikea mit seiner enormen Marktmacht kabellose Ladestationen in Möbeln an, die auf Qi-Technik basieren.

Was für Powermat spricht

Obwohl Powermat sich als erste kabellose Lösung etabliert hat, scheint es gegenüber Qi derzeit ins Hintertreffen geraten zu sein. Es spricht nicht viel dafür, auf dieses System zu setzen, einzig die breite Unterstützung in vielen Restaurantketten in den USA – unter anderem Starbucks – spricht für den Einsatz. In Europa und Asien hingegen scheint Qi das Rennen zu machen.

Das Problem dabei: Zwar funktionieren Qi und Wipower/Powermat ähnlich, nämlich mittels Induktion, doch kompatibel sind sie nicht, da sie verschiedene Frequenzen bei der Energieübertragung verwenden. Während Qi Frequenzen von 100 bis 205 Kilohertz verwendet, setzt Powermat auf 277 bis 357 Kilohertz, wodurch Powermat grundsätzlich leistungsfähiger ist. Der Rest ist technisches Kleinklein, das sich oftmals eher ähnelt als unterscheidet. Der Leidtragende dürfte, bis sich ein Standard durchgesetzt hat, vor allem der Kunde sein, allerdings zeichnet sich ab, dass Qi das Rennen gewinnen könnte, auch weil bereits viele Smartphones ab Werk mit der Technik ausgestattet werden.

Powermat setzt auf Ringantennen für den Lightning-Anschluss.
Vergrößern Powermat setzt auf Ringantennen für den Lightning-Anschluss.

Das Fehlen fürs iPhone hat Gründe

Und das iPhone? Bislang hat Apple nichts vermelden lassen, das in Richtung einer kabellosen Ladetechnik weist. Natürlich kann sich das jederzeit bei einer Apple-Keynote ändern, es darf jedoch spekuliert werden, dass Apple ein eigenes System auf den Markt bringen wird. Eines, das nicht nur iPhones, sondern auch iPads und gegebenenfalls Macbooks lädt, zum minimalistischen Design von Apple würde das passen. Denn das große Rennen um das kabellose Ladesystem ist längst nicht gelaufen, zumal Qi und Powermat derzeit einen großen Schwachpunkt haben: Für Notebooks, ja sogar die meisten Tablets, sind sie in der gängigen Niedrigspannungsvariante mit einer Leistung von maximal 5 Watt zu schwach, weshalb sich die Technik nur für kleine Mobilgeräte eignet. Allerdings wurde für Qi bereits ein Medium-Power-Standard mit einer Leistung von bis zu 120 Watt entwickelt, was den Betrieb von Notebooks erlauben würde. Die Zukunft des kabellosen Ladens ist also durchaus interessant – die Frage ist letztlich, welcher Standard sich durchsetzt und ob Apple auf eine der vorhandenen Technologien oder auf eine Eigenentwicklung setzen wird. In Europa, so scheint es, macht derzeit jedoch Qi das Rennen.

Das iPhone heute kabellos laden

Nach heutigem Stand der Technik ist das kabellose Laden des iPhone aber bereits problemlos möglich – allerdings wird dafür Zubehör benötigt. Dessen Zahl ist riesig, insbesondere das Qi-System wird von vielen Zubehörherstellern unterstützt, das Konzept allerdings ist immer das gleiche: Es gibt eine Hülle für das iPhone, die den Induktionsempfänger enthält, sowie eine Unterlage, die als Sender dient. Die Hülle wiederum ist mit dem Dock-oder Lightning-Anschluss des iPhone verbunden, im Idealfall gibt es zusätzlich noch eine Ladebuchse mit Lightning oder Micro-USB, um den Ladevorgang auch an einem regulären Netzteil durchzuführen, ohne dass die Hülle dafür abgenommen werden muss. Um das Smartphone kabellos aufzuladen, muss es mit der Hülle einfach auf den Lade-Hotspot gelegt werden.

Zusätzlicher USB-Micro-Eingang bei der Ladehülle von IKEA
Vergrößern Zusätzlicher USB-Micro-Eingang bei der Ladehülle von IKEA

Nach einigen Stunden ist der Akku voll, was aufgrund der relativ geringen Leistung jedoch deutlich länger als an einem USB-Anschluss dauern kann. Ikea bietet zum Beispiel Möbel mit entsprechender Integration und auch gleich die passenden – leider etwas sperrigen – Hülle n für Smartphones an. Alles, was für das kabellose Laden nötig ist, ist, die Ladematte mit dem Stromnetz zu verbinden und dem iPhone die Hülle „anzuziehen“. Anschließend kann das Gerät aufgelegt werden. Praktisch: Die Ikea-Lösung bringt sowohl an der Hülle als auch an der Qi-Ladestation einen USB-Anschluss mit: Das iPhone lässt sich dann auch unterwegs bequem per Micro-USB laden, während die Ladestation den Anschluss eines weiteren Geräts, das per USB geladen werden kann, erlaubt, etwa eines iPad oder eines Macbook.

Am Ende wird Qi siegen

Allein der Blick auf den Markt der Nachrüstsysteme zeigt, dass Qi langfristig das Rennen um das am weitesten unterstützte kabellose Ladesystem machen wird. Die Unterstützung durch namhafte aktuelle Smartphones ist hoch, die Zahl der Nachrüstlösungen für iPhones aller Baureihen unüberschaubar. Mit den neuen Medium-und High-Power-Standards ist diese Lösung zudem für die Zukunft gewappnet, auch die Unterstützung durch Ikea und McDonalds dürfte ihren Beitrag leisten, um die Verbreitung der Technik voranzutreiben. Möglicherweise ist der Kampf um die beste kabellose Ladetechnik also bereits entschieden – es sei denn, Apple bringt eine eigene und wesentlich leistungsstärkere Technologie auf den Markt.

USB imported
Vergrößern USB imported

So geht’s beim iPhone

Keine App, keine Kabel, sondern nur ein wenig zusätzliche Hardware: Auch ältere iPhones können problemlos mit dem Qi-System für kabelloses Laden ausgestattet werden. Je nach Bauart sind die Systeme mehr oder weniger durchdacht. Wir zeigen die Funktionsweise anhand von Ikeas Nordmärke-Ladestation samt passendem Smartphone-Case.

Workshop: So einfach ist das Aufladen mit dem Qi-System

1. iPhone in die Ladehülle stecken

Das iPhone benötigt eine Ladehülle für das Qi-System, um drahtlos geladen zu werden. Grundsätzlich ist das Funktionsprinzip immer gleich: Die Hülle enthält eine Spule, die als Empfänger dient, sowie ein wenig Ladeelektronik. Der Strom wird von dort an den Lightning-Anschluss übermittelt.

2. Ladestation ans Stromnetz anschließen

Die Ladestation muss nun ans Stromnetz angeschlossen werden. Platzieren Sie sie irgendwo, wo Sie das iPhone schnell ablegen und wieder aufnehmen können, um den Ladevorgang möglichst effektiv und bequem zu gestalten. Benötigt wird eine einzelne Steckdose.

3. iPhone auf Ladestation legen

Legen Sie das iPhone auf die Ladestation: Diese erkennt, dass ein Gerät aufliegt, und beginnt den Ladevorgang. Dass alles geklappt hat, sehen Sie an der Ladeanzeige des iPhone. Die Geschwindigkeit des Ladevorgangs kann sich von der Ladegeschwindigkeit am Netzteil unterscheiden.

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