1632464

Mit Gimp Fotos professionell bearbeiten

14.11.2012 | 11:52 Uhr |

Kontrast, Feintuning der Farben und eine schnelle Auswahl für eine Montage – dazu braucht es nicht immer Adobe Photoshop, auch mit dem kostenlosen Gimp ist dies möglich

Gimp ist ein kostenloses Bildbearbeitungsprogramm mit vielen Funktionen. Doch bisher war es für Mac-Anwender kompliziert in der Anwendung. Das hat sich nun deutlich gebessert: Seit Version 2.8.2 läuft Gimp ( GNU Image Manipulation Program ) ohne dem X Windows System, auch als X11 bekannt. Das verhilft Gimp in der Folge zu viel mehr Komfort: Es läuft flüssiger und liefert einen bequemen Einzelfenster-Modus.So entwickelt sich Gimp in manchen Bereichen zu einer Alternative zu Adobe Photoshop .

Wer seinen Bildern einen professionelleren Anstrich verleihen möchte, ohne gleich auf eine kostenpflichtige Lösung zugreifen zu müssen, kommt jetzt mit Gimp gut voran. Viele der Werkzeuge und Funktionen sind mittlerweile leicht und intuitiv zu bedienen, dass auch ohne umfangreiche Einarbeitung recht schnell ansehnliche Ergebnisse entstehen. Und wer erst einmal Feuer gefangen hat, der findet in Gimp eine Funktionsvielfalt, die weitere professionellere Arbeitsweisen erlaubet.

Mit drei einfachen Beispielen möchten wir versuchen, Ihnen die Scheu vor dem einstmals so gefürchteten Bildbearbeitungsprogramm zu nehmen: Neben den grundlegenden Korrekturen von Farbe und Kontrast lernen Sie die Bedeutung von Ebenen, Kanälen sowie Masken und erfahren, wie Sie mit diesen Mitteln sogar anspruchsvolle Freisteller erstellen.

Farben und Kontraste

Für die Korrektur von Farben und Kontrast bietet Gimp Werkzeuge im Menü „Farbe“. Auf den ersten Blick verlockend sind hier die automatischen Funktionen. Von denen raten wir jedoch ab, da sie das Bildmaterial schnell sehr stark verändern und keinerlei Möglichkeiten zum Justieren bieten. Gerade wenn Sie einzelne Farben verbessern möchten, gilt es, feine Einstellungen zu tätigen. Denn je nach Ausgangsbild fallen die Farbveränderungen meist sehr unterschiedlich aus.

Bei Farbkorrekturen ist es oft notwendig, in die einzelnen Farbkanäle einzugreifen: Digitale Bilder liegen im RGB-Farbraum vor. Jeder einzelne Bildpunkt setzt sich also aus den drei Farben Rot, Blau und Grün zusammen. Zeigt nun ein Bild beispielsweise einen Rot-Stich, so korrigieren Sie diesen, indem Sie die Anteile der roten Farbe reduzieren. Sie ändern also die Farbverteilung über den Kanal „Rot". Eine Korrektur der einzelnen Kanäle bietet zum Beispiel die Funktion „Werte“ aus dem Menü „Farbe“. Wir haben ein Bild gewählt, das durch das extreme Licht vor einem Gewitter einen sehr hohen Rot-Anteil zeigt. Zudem ist die Landschaft wenig kontrastreich.

1. Kontrast verstärken: Beginnen Sie mit der Einstellung „Wert“ bei „Kanal“, um den Kontrast des Bilds zu erhöhen – dies passiert in allen Kanälen gleichermaßen. Auskunft über die Verteilung der insgesamt 255 Helligkeitswerte gibt Ihnen die Kurve bei „Quellwerte“. Links befinden sich die Tiefen, rechts die Höhen. In der Mitte liegen die Mitteltöne. Im Beispiel beginnt die Kurve erst bei dem Wert 48 und endet bereits bei 227 – es fehlen also die Höhen und die Tiefen. Schieben Sie die entsprechenden Regler an den Beginn, beziehungsweise das Ende der Kurve, um alle Helligkeitsabstufungen in das Bild zu bringen. Wir haben zudem den mittleren Regler noch etwas nach links geschoben, um die Mitteltöne etwas aufzufrischen.

2. Farbstich entfernen: Nun reduzieren Sie den Rot-Anteil der einzelnen Farben im Bild, ebenfalls im Dialog „Farbwerte“. Klicken Sie dazu mit der weißen Pipette (ganz links neben „Automatisch“) auf einen Bildbereich, der weiß sein soll und der Farbstich ist damit behoben. Sollten die Rot-Werte in manchen Bildbereichen noch etwas unnatürlich wirken, passen Sie diese im Kanal „Rot“ an.

Einzelne Bereiche korrigieren

Bei Portraitaufnahmen passen häufig die Farben und der Kontrast im Hintergrund, nur auf dem Gesicht stimmen sie nicht. Schuld daran ist meist die Beleuchtung: Gerade Sonnenlicht wirft harte Schatten, die nicht besonders schmeichelhaft wirken. Hier ist es sinnvoll, die unterschiedlichen Bildbereiche getrennt voneinander zu bearbeiten.

1. Abwedeln und Nachbelichten: Gimp bietet zum Aufhellen und Abdunkeln einzelner Bildbereiche das Werkzeug „Abwedeln /Nachbelichten“, mit dem Sie Korrekturen direkt auf die einzelnen Bildbereiche pinseln können. Wie ein herkömmlicher Pinsel lässt sich auch dieses Korrektur-Werkzeug in den Werkzeugeinstellungen justieren. Sie können den Pinsel in den einzelnen Helligkeitsabstufungen einsetzen, also gezielt Schatten, Mitten und Lichter bearbeiten.

Eine weitere – und professionellere – Methode, einzelne Bereiche zu korrigieren, basiert auf einer Ebenenkopie, einer Auswahl und einer Maske. Das hört sich zwar sehr kompliziert an, ist aber mit wenigen Arbeitsschritten leicht zu bewerkstelligen und zeigt sich zudem äußerst flexibel. Und so geht es:

2. Ebene kopieren: Auf unserem Bild stimmen die Farben im Hintergrund, das Gesicht zeigt jedoch einen leichten Rotstich. Zudem zeichnet das gleißende Sonnenlicht starke Schatten auf das Gesicht, die etwas aufgehellt werden sollten. Um die nachfolgenden Einstellungen gezielt auf die entsprechenden Bilddetails anzuwenden, arbeiten Sie auf einer Ebenenkopie. Wählen Sie also „Ebene > Ebene duplizieren“; das Duplikat sehen Sie direkt über dem Original in der Ebenenpalette.

3. Auswählen: Die Auswahl-Werkzeuge stellt Gimp im oberen Bereich des Werkzeugkastens bereit. Hierzu gehören die rechteckige und die elliptische Auswahl, die freie Auswahl, der Zauberstab, die Auswahl nach Farbbereich, eine magnetische Schere und die Vordergrundauswahl. Legen Sie zunächst eine grobe Auswahl des Portraits fest, die Sie in einem späteren Schritt weiter verfeinern. Am einfachsten geht das mit der freien Auswahl, dem Lasso: Ziehen Sie mit gedrückter Maustaste, um eine freie Form zu umranden, per Mausklick setzen Sie Punkte um Polygonsegmente festzulegen.

4. Maskieren: Wählen Sie nun „Ebene > Maske > Ebenenmaske hinzufügen“. Es öffnet sich der gleichnamige Dialog; hier aktivieren Sie bei „Ebenenmaske initialisieren die Option „Auswahl“. Nachdem Sie den Dialog bestätigt haben, erscheint das Masken-Icon neben dem Ebenen-Icon der Ebene Portraitkopie auf der Ebenenpalette.

5. Verbessern: Korrigieren Sie nun Farbstich und Kontrast über die „Kurven“, die Sie ebenfalls im Menü „Farbe“ finden. Die Schatten hellen Sie auf, indem Sie die Kurve aller Kanäle (Wert) etwas unterhalb der Mitte leicht nach oben ziehen. Der Farbstich verschwindet durch leichte Anpassungen in den Kanälen „Rot“ und „Grün“.

6. Maske anpassen: Damit ein nahtloser Übergang zwischen maskiertem Bereich und Hintergrund entsteht, malen Sie mit einem weichen Pinsel in die Maske. Aktivieren Sie dazu „Ebene > Maske > Ebenenmaske“ bearbeiten. Malen Sie dann mit einem großen weichen Pinsel über die Randbereiche, an denen die harte Maskierung noch zu sehen ist. Um Bildbereiche erneut zu maskieren, wählen Sie als Vordergrundfarbe Schwarz.

Bildbereiche austauschen

Mithilfe einer Maske lassen sich auch Bildteile durch ein anderes Bild ersetzen. Dazu ein einfaches Beispiel: Sie haben ein gutes Motiv, nur der Himmel zeigt ein langweiliges Einheitsgrau. In diesem Fall maskieren Sie den Himmel und fügen ein neues Himmelsbild in den Hintergrund ein. Und so geht es:

1. Freistellen durch Maske: Bei einer relativ einfarbigen Farbfläche, wie dem Himmel im Beispiel, eignet sich der Zauberstab sehr gut, um eine recht genaue Auswahl zu erstellen. Wichtig ist hierbei der „Schwellenwert“ in den Werkzeugeinstellungen: Hohe Werte nehmen einen größeren Farbbereich auf, niedrige Werte halten sich genauer an den angepeilten Farbwert. Wir arbeiten hier mit einem hohen Wert von 60. Sollten noch Bereiche des Himmels außerhalb der Auswahl liegen, klicken Sie diese im Modus „Zur aktuellen Auswahl hinzufügen“ mit dem Zauberstab an. Wählen Sie nun „Ebene > Maske > Ebenenmaske hinzufügen“ und aktivieren Sie im Dialog „Ebenenmaske" die Option „Auswahl sowie Maske invertieren“, um den Himmel auszublenden. Statt des Himmels erscheint nun im Bild eine gekachelte Fläche, das Zeichen für Transparenz.

2. Himmel hinzufügen: Öffnen Sie ein weiteres Bild, das den passenden Himmel zeigt. Wählen Sie „Bearbeiten > Kopieren“, aktivieren Sie dann wieder das freigestellte Bild und setzen Sie den neuen Himmel über „Bearbeiten > Einfügen als > Neue Ebene“ in das Ursprungsbild ein. Es erscheint auf einer Ebene, die über dem Original liegt. Ziehen Sie die neue Ebene nun einfach unter die maskierte Ebene des Originalbildes.

3. Nachbearbeitung: Nun können Sie die Maske weiter verfeinern und mit schwarzer Farbe über Reste des alten Himmels malen, um diese auszublenden. Wir haben so auch die Ecke eines Flachdaches am linken Bildrand maskiert. Um nun den Himmel – und nicht die Maske – zu verschieben, darf unter „Ebene > Maske“ die Option „Ebenenmaske bearbeiten“ nicht aktiv sein. Ob Sie auf der Maske oder auf dem Bild arbeiten, sehen Sie in der Ebenenpalette an der weißen Umrandung des entsprechenden Icons.

0 Kommentare zu diesem Artikel
1632464