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Rezension: Keine Angst vor Weißraum!

14.12.2011 | 13:13 Uhr |

Das Buch "Keine Angst vor Weißraum!" von Kim Golombisky und Rebecca Hagen hebt sich ab von klassischen Schulungsbüchern wie sie im Studium oder der Lehre für Mediengestalter eingesetzt werden. Das Werk orientiert sich an der Praxis und trifft den richtigen Ton - eine Geschmacksfrage bleibt aber.

Buch - Keine Angst vor Weißraum
Vergrößern Buch - Keine Angst vor Weißraum

Der Ansatz ist sehr praxisorientiert und die zwei Autoren aus den USA, beide an der University of South Florida tätig, beleben die Kapitel mit zahlreichen Beispielen - meist aus ihrer Praxis.

Kapitel eins bis vier bilden eine Einheit, die man am besten am Stück liest. Alle weiteren Artikel kann man nach Bedarf durcharbeiten.

So steigen die Autorinnen ein mit "Was ist Design?" und bereiten den Leser auf die kommunikativen Eigenschaften von Design und das Zusammenspiel von Bildern und Schrift, wie sie beispielsweise auf Plakaten zu finden sind, vor. Im Kapitel "Den Computer ausschalten" lernt man, dass jede Gestaltung ein Ziel verfolgen muss. Aber nicht nur das Ziel ist wichtig, sondern auch der Weg dorthin und dazu gehört neben einer guten Recherche auch ein Brainstorming und ein Scribble als erster Entwurf. Hierbei gehen die Autorinnen - wie im ganzen Buch - nicht nur auf den Print-, sondern auch den Nonprintbereich ein. Im dritten Kapitel "Arbeiten unter Zeitdruck" geht es an das Layouten eines Druckdokuments und wie man mit einfachen Mitteln ein ansprechendes Ergebnis erzielen kann. Die Autorinnen nennen es ihr "Universal-Layout". So gerüstet kann man sich im vierten Kapitel den typischen 13 Fehlern von Amateuren widmen. Sehr schön aufbereitet und nicht zu sehr mit dem erhobenen Finger, erklären die Autorinnen anhand eines Plakates die Fehler, die jeder Designer schon einmal gemacht hat.

Grundlagen und Vertiefungen

Ab Kapitel fünf wird das Buch etwas theoretischer. Die folgenden sechs Abschnitte widmen sich den Grundlagen der Mediengestaltung. Das fünfte Kapitel behandelt die sieben Elementen des Designs (Raum, Linie, Kontrast und Perspektive) und kommt so zum Kern, der Raumaufteilung. Da diese am besten mit einem Raster erfolgt, ist dies auch das Thema in Kapitel sechs. Ein Raster ist die Grundlage für das Layout, also der Kombination von Text und Bild, um die es im Kapitel sieben geht. Und was wäre ein Text ohne eine passende Schrift? Dass hier viele Stolperfallen lauern und wie man Schriften kombiniert, darum geht es sehr anschaulich im achten Kapitel.

Von Bildern und Räumen

Mit dem Visuellen geht es dann im neunten Kapitel weiter, das sich mit dem Einsatz von Farbe und den technischen Belangen wie dem RGB- und CMYK-Farbraum befasst. Die nächsten beiden visuellen Mittel wie Bilder und Infografiken sind Bestandteil von Kapitel zehn und elf. Die Autorinnen gehen hier nicht nur darauf ein, auf was bei einer selbst erstellten Infografik zu achten ist, sondern geben auch Tipps, wie man an passendes Bildmaterial kommt und es anschließend auswählt. Nur wenn Bild und Raumaufteilung stimmen, schaut man sich die Infografik oder das Bild gerne an und ist bestens informiert.

Bis hierhin hat man einen sehr guten Einstieg in die Gestaltung bekommen. Was dann folgt, hat mit "Weißraum" nur noch am Rande zu tun. So sind Kapitel zwölf ("Einführung ins Storyboarding") und Kapitel dreizehn ("Multimedia-Komponenten") eher für Videofilmer oder Animationseinsteiger interessant. Da sie aber sehr kurzweilig geschrieben sind, erweitern sie den Horizont. Das kann hilfreich für all diejenigen sein, die als Auftraggeber solcher Dienstleistungen darüber Bescheid wissen sollten.

Online und Offline - also das Web- und das Printdesign, sind die Themen der letzten beiden Kapitel. Auch wenn es erst einmal nicht um das Design geht, sondern um die Grundlagen - etwa wie eine Webseite auf den Server gelangt oder was es für Papiersorten gibt - sind diese Informationen für Einsteiger sehr aufschlussreich. Es beinhaltet auch praktische Aspekte wie flexible und statische Layouts mit ihren Vor- und Nachteilen oder Hinweise für die Vergabe von Druckaufträgen inklusive Checkliste, einem Überblick über Falzarten und Bindungen.

Empfehlung

Das selbst gesteckte Ziel der Autorinnen mit dem Buch war es nicht, allen gerecht zu werden. Das erfüllt es auch nicht. Ob es das richtige Buch für Mediengestalter ist, die sich auf ihre Prüfung vorbereiten müssen, darf bezweifelt werden. Aber die vielen Anderen, die sich mit Medien im weiteren Sinne beschäftigen, ob in PR, Marketing oder auch Einsteiger in die Gestaltung, die sich zum ersten Mal damit beschäftigen, ist es ideal. Es gibt einen sehr schönen und praxisorientierten Einblick in die Welt von Design, Raster, Schrift und elektronischen Medien ohne Vorkenntnisse besitzen zu müssen.

Man kann es angenehmerweise auch ohne Computer verwenden. Kleine Übungen am Ende eines jeden Kapitels vertiefen die Information auf eine sehr praxisorientierte Weise. Die Sprache ist zielgruppenorientiert locker und nicht steif, leider sind die Beispiele sehr amerikanisch und dürften nicht immer den deutschen Geschmack treffen.

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