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Das iPad als Atlas

07.03.2014 | 15:50 Uhr |

Die Landkarte aus Papier hat ausgedient, denn die digitale Version enthält mehr Details und Informationen. Wir sagen Ihnen, welche Karten-App die richtige ist.

Eines hat Apple mit der Einführung einer eigenen Karten-App zu iOS 6 zumindest geschafft: Es hat sich herumgesprochen, dass es etliche Alternativen zu ihr gibt, die das auf dem iPad vorinstallierte Original teils deutlich übertreffen. Selbst Apple-Chef Tim Cook empfahl ursprünglich seinen Kunden das Ausweichen auf andere Karten-Apps, und nicht wenige sind bis heute geneigt, seinem Aufruf zu folgen, obwohl Apples Kartografen längst nachgelegt haben.

Alle Anbieter von Karten-Apps versuchen, sich mit Zusatzfeatures abzuheben. Apples Flyover-Darstellung ist zwar toll, umfasst aber in Deutschland gerade einmal drei Städte.
Vergrößern Alle Anbieter von Karten-Apps versuchen, sich mit Zusatzfeatures abzuheben. Apples Flyover-Darstellung ist zwar toll, umfasst aber in Deutschland gerade einmal drei Städte.

Ursprünglich hatte Apple die Konkurrenz mit einer schlanken App und neuen Features wie der „3D-Darstellung“ aus Luftbildaufnahmen schocken wollen, am Ende bestimmten dann aber eher die unzuverlässige Navigation und seltsam leer wirkende Karten das Bild. Manchen Mangel hat Apple behoben, aber es gibt noch Luft nach oben. Grund genug also, nach Alternativen zu suchen, die sich teils durch schickere Karten und teils durch mehr Funktionalität auszeichnen.

Apple Karten

Apples Karten-App ist auf allen iOS-Geräten vorinstalliert und hat anfänglich viel Kritik einstecken müssen. Mittlerweile sind die Daten zwar akkurat, doch die Darstellung wirkt ärmlich, und die Satellitenbilder sind nur gering aufgelöst. Doch die App hat auch gute Seiten: Die Routenführung funktioniert mittlerweile sehr gut und lässt sich auch zur Navigation nutzen. Dabei gibt die einfache Bedienung keinerlei Rätsel auf.

Schlichte, aber einfach bedienbare Landkarte fürs iPad

+Übersichtliche Bedienung, gute Routenplanung

- Karten mit zu wenig Details und Orientierungspunkten

Voraussetzung: iPad 2 (ab iOS 6.0)

Hersteller: Apple

Preis: Kostenlos

Wertung: 2.1

N avigation als Nebensache

Wie immer ist die erste Frage, wozu man die App überhaupt nutzen möchte. Auf dem iPhone wird nicht selten die Möglichkeit in den Vordergrund gerückt, sich von der App zu einem Ziel navigieren zu lassen. Doch wer würde sein iPad freiwillig ins Auto montieren oder beim Fußmarsch durch die Stadt vor sich halten?

Für diesen Vergleich spielten Navigationsfähigkeiten daher auch keine besondere Rolle. Ohnehin haben nur die mit Modem ausgerüsteten iPad-Modelle auch einen GPS-Chip für die Navigation. Die reinen Wi-Fi-Versionen können ihre Position nur sehr ungenau über WLAN-Sender in der Umgebung bestimmen, was für eine Turn-by-Turn-Navigation in Fahrzeugen keinesfalls reicht. Für derlei Navigations­aufgaben empfehlen sich nach wie vor spezielle Navi-Apps.

Das iPad bietet sich deutlich mehr für die Recherche zu Hause an. Wo genau liegt doch gleich das neue Restaurant, in das wir nachher müssen? Wo wollen wir hin, wenn wir im Urlaub auf Sardinien sind? Wie weit ist es eigentlich nach Castrop-Rauxel? Es sind einfach die klassischen Aufgaben, für die man früher den mittlerweile längst vergilbten Stadtplan oder Atlas aus dem Schrank geholt hat, die man nun eben mit dem iPad löst. Auf dem iPad sind die Karten stets aktuell, lassen sich heranzoomen und zeigen auf Wunsch wesentlich mehr Details.

Natürlich bieten die digitalen Karten weitere Informationen und markieren beispielsweise Geschäfte oder Museen, zu denen sich meist direkt weiterführende Informationen abrufen lassen. Und nicht zu unterschätzen sind auch Verkehrsinfos, denn so kann man vor der Abfahrt kurz nachschauen, ob man in einen Stau gerät.

Weitere Apps mit Offline-Karten

Da viele iPads kein Modem haben, sind sie unterwegs auf Apps angewiesen, die Karten vorab laden und speichern können. Auf Reisen sind Karten-Apps gut, aber richtige Reiseführer noch wesentlich praktischer. Der App Store hält hier eine riesige Auswahl bereit, und fast alle bringen auch eine offline nutzbare Karte mit. Wer bereits eine Navi-App besitzt, wird von der eigentlichen Kartendarstellung hingegen enttäuscht sein: Sie ist auf Klarheit mit wenig Ablenkung für Autofahrer und nicht auf Übersicht bei der Urlaubsplanung ausgelegt. Zur Betrachtung lassen sich Navi-Apps nur im Notfall nutzen.

Per Satellit zugeschaltet

Und jeder erwartet heutzutage, dass eine Karten-App mehr zeigt, als es ein Stadtplan täte. Längst haben wir uns daran gewöhnt, die Realität per Satellit von oben zu betrachten, was oft einen beachtlichen Informationsgewinn bietet. Denn selbst wenn man nur die Dächer sieht, weiß man oft schon sehr genau, in was für einer Gegend eine Adresse liegt oder ob der Strand wirklich direkt vor dem gebuchten Urlaubshotel liegt.

Allerdings unterscheiden sich die Satellitenbilder der drei Apps, die welche bieten, nämlich Apples Karten, Google Maps und Falk Maps, recht deutlich voneinander. Google bietet detailreiche, aber teils uralte Bilder. Apples Satelliten fliegen offenbar höher, denn es lässt sich selbst in Innenstädten nicht halb so weit in die Aufnahmen hineinzoomen wie bei Google. Wer sowohl aktuelle als auch detaillierte Satellitenbilder sehen möchte, sollte einen Blick auf Falk Maps werfen, dessen Satellitenbilder von Microsofts Bing Maps stammen.

Google Maps

Wer die aus älteren iOS-Versionen bekannten Karten zurück möchte, muss dazu Google Maps installieren. Die Karten sind übersichtlich und bieten dennoch viele Details. Bei den hoch auflösenden Satellitenbildern fällt teils auf, dass sie etliche Jahre alt und damit längst überholt sind. Die Routenplanung funktioniert für Autofahrer und Fußgänger gut, bei den öffentlichen Verkehrsmitteln findet nur die Bahn Berücksichtigung.

Schöne und funktional hochwertige Karten-App

+Gelungene Bedienung, Routenplanung mit Navi

- Satellitenbilder und Streetview-Daten teils veraltet

Voraussetzung: iPad 2 (ab iOS 6.0)

Hersteller: Google

Preis: Kostenlos

Wertung: 1.4

Mehr Karten, mehr Features

Apple, Google und Microsoft haben aber jeweils noch eine eigene Steigerung zur Satellitendarstellung zu bieten. Google war mit der Streetview-Ansicht Vorreiter, doch die eigentlich sehr reizvollen Straßenansichten werden bereits seit Jahren nicht mehr aktualisiert. Apple setzt stattdessen auf die „Flyover“ genannten Fassadenansichten, die mit Flugzeugen fotografiert und auf eine 3D-Darstellung der Häuser projiziert werden. Das Ergebnis ist mehr als eindrucksvoll, doch Apple kommt mit der Aktualisierung der Daten überhaupt nicht hinterher. Selbst nach weit mehr als einem Jahr stehen mit den Innenstädten von Berlin, München und Köln gerade einmal drei Städte mit Fassadenansicht zur Verfügung.

Forevermap 2

Während die meisten Karten-Apps ihre Daten stets aufs Neue aus dem Internet laden müssen, bietet Forevermap 2 die Wahl, die Karten ganzer Länder oder einzelner Städte vorab zu laden und ohne Datenverbindung zu nutzen. Die App verlässt sich dabei auf die Karten des Openstreetmap-Projekts, bei dem jeder mitmachen und die Karten verbessern kann. Diese Karten werden hier sehr gelungen präsentiert und lassen sich nicht nur auf Reisen gut nutzen.

Schöne Karten-App, die ohne Datenverbindung auskommt

+Gutes Kartenmaterial, Radfahrer-Routenplanung

- Keine Satellitenbilder, Offline-Karten sind groß

Voraussetzung: iPad 2 (ab iOS 5.1)

Hersteller: Skobbler

Preis: 2,69 Euro

Wertung: 1.6

Online vs. offline

So schick die Karten und Satellitendarstellungen vieler Karten-Apps sind, so problematisch kann es oft sein, dass die Kartendaten stets aufs Neue aus dem Internet geladen werden müssen, was bei den meis­ten Karten-Apps grundsätzlich der Fall ist. Hier schlägt die Stunde der Apps, die Karten vorab laden und speichern können.
Die wohl beste App dafür ist Forevermap, die sich auf das vor allem in Ballungsräumen enorm detaillierte Kartenmaterial des Openstreetmap-Projekts verlässt. Eine komplette Deutschlandkarte erfordert einen Download von rund 670 Megabyte, doch die App funktioniert genauso gut auch „online“, kann also ihre Karten auch bei Bedarf aus dem Netz ziehen. So hat man beide Möglichkeiten: Im WLAN hat man weltweit aktuelle Karten und auf Reisen trotzdem gutes Kartenmaterial mit einigen Extra-Features wie Reiseführer, Routenplaner und vielem mehr.

Auf den weiteren Plätzen

Die Karten-App, die man täglich nutzt, sollte dennoch etwas mehr drauf haben als nur eine normale Kartendarstellung, womit letztlich Apple, Google und Falk im Rennen bleiben. Jede der drei Apps hat ihre spezifischen Vorteile. Für Apples Karten spricht nicht zuletzt die sehr simple Bedienung, gepaart mit einer guten Routenführung, die Alternativen vorschlägt und bei Bedarf auch echte Navigation ermöglicht. Doch die kargen Karten und unscharfen Satellitenbilder machen es schwer, diese App wirklich zu mögen.

Da ist Google Maps schon wesentlich eleganter. Man hat wirklich den Eindruck, dass Apple die App erst aus dem Lieferumfang von iOS streichen musste, um Google dazu zu bringen, selbst eine bessere Version zu entwickeln. Eigentlich müssten sich Google Maps und Falk Maps den ers­ten Platz teilen, denn das modern wirkende und gut bedienbare Interface der App ist sehr effizient, und die Routenführung funktioniert gut, zudem kann auch Google Maps als Navi dienen. Doch es gibt auch Schwächen: Die teils sehr alten Satellitenbilder gibt es nicht mehr ohne überblendete Straßennamen, und die App nervt schnell mit der dauernden Aufforderung, zur Speicherung von Adressen einen Google-Account nutzen zu wollen.

Editor’s Choice

Es gibt Karten-Apps, die mehr und bessere Routen planen, die ein eleganteres Benutzerinterface und mehr Features haben als das kostenlose Falk Maps. Doch keine dürfte mehr Kartenansichten bieten: Vier verschiedene Straßenkarten, Radfahrer-, Gelände- und diverse Satellitenkarten sowie eine Version für öffentliche Verkehrsmittel stehen zur Wahl, dazu kommen Points of Interest sowie Verkehrsinfos. So erkundet man mit Falk Maps gern die Welt wie früher mit dem Finger auf der Landkarte

Verschiedenste Landkarten für viele Zwecke in nur einer App

+Große Kartenauswahl, gute Satellitenbilder

- Beschränkte Routenplanung ohne Alternativvorschläge

Voraussetzung: iPad (ab iOS 4.3)

Hersteller: Mairdumont

Preis: Kostenlos

Wertung: 1.3

Editor’s Choice: Falk Maps

Auch unser Editor’s Choice Falk Maps hat durchaus Schwächen. Die kostenlose App finanziert sich über Werbung, kann das Adressbuch von iOS nicht nutzen und schlägt stets nur eine Route vor, die uns zudem nicht immer optimal zu sein scheint. Auch das Benutzerinterface ist nicht ganz so elegant wie bei den Konkurrenten.
Was Falk Maps aber klar aus der Masse der Karten-Apps heraushebt, ist die Auswahl an Karten. Zur Wahl stehen Standardansicht, Openstreetmap, Radfahrerkarte, eine Geländekarte und die von Microsoft Bing stammenden, selbst in ländlichen Regionen recht detailreichen Satellitenansichten. Die schräg fotografierten Satellitenbilder bieten zwar nicht den Detailreichtum von Streetview oder Flyover, stehen dafür aber für zahlreiche Städte zur Verfügung. Wehmütige Erinnerungen an halb zerknüllte Stadtpläne im Handschuhfach wecken zwei Falk-eigene Kartenansichten, die sehr übersichtlich sind.
Mit dieser großen Auswahl verschiedener Karten liegt Falk Maps weit vor der Konkurrenz. Die verschiedenen Ansichten ergänzen sich dabei gut und berücksichtigen nicht nur den Autofahrer, sondern auch Radfahrer oder Wanderer, die sonst eher selten zum Zuge kommen. Wer ab und zu eine bessere Routenführung oder die Anbindung ans Adressbuch braucht, weicht einfach auf Apples Karten aus. Spätestens die Kombination erfüllt alle Wünsche und ersetzt jede Karte aus Papier.

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