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Prompter-Apps fürs iPad 2

27.04.2011 | 10:31 Uhr |

Warum noch mit einem Haufen Zettel zum Rednerpult gehen, wenn auch das iPad den Text abspulen kann? Mit der richtigen App lässt sich das iPad sogar als Teleprompter nutzen.

Teleprompt-Aufmacher 3
Vergrößern Teleprompt-Aufmacher 3

Der erste Politiker, der im Bundestag statt einer Zettelsammlung ein iPad mit ans Rednerpult nahm, fing sich noch einen Rüffel wegen Verstoßes gegen die Geschäftsordnung ein, doch im Oktober letzten Jahres wurde diese geändert. Seitdem sieht man des Öfteren Redner mit einem iPad in der Hand.

Damit liegen sie voll im Trend, denn mittlerweile gibt es eine Vielzahl von Apps, die beim Vorbereiten und Vortragen von Reden helfen. Auf den ersten Blick scheinen diese Anwendungen nur für Personen des öffentlichen Lebens infrage zu kommen. Doch auch für Redner auf Familienfeiern oder für Sänger können sie eine große Hilfe sein.

Vorsprung durch Technik

Gegenüber der herkömmlichen Zettelwirtschaft haben iPad-Apps eine ganze Reihe von Vorteilen. Durch die freie Wahl der Schrift und ihrer Größe ist die Lesbarkeit besser, zudem können alle Apps auch längere Texte beliebig schnell durchlaufen lassen, sodass das Blättern entfällt. Wer die Rede noch kurz zuvor ändern will, tut dies elektronisch. Bei Zetteln wäre man darauf angewiesen, handschriftliche Anmerkungen im Gefecht noch lesen zu können. Wer seine Reden eher frei hält, kann die Fähigkeiten mancher Apps nutzen, Ankerpunkte zu setzen, zu denen man schnell springen kann.

Viele Apps bieten zudem mehrere Timer: Die abgelaufene Zeit könnte man zwar mit der Armbanduhr messen, doch manche zeigen auch die erwartete Restzeit der Rede an, was bei Präsentationen mitunter sehr praktisch ist. Einige Apps können über das iPad-Mikrofon einen Probedurchgang der Rede aufnehmen und ermöglichen damit ein Vorab-Training. Der Speechmaker ist gar in der Lage, (englische) Texte mit Automatenstimme vorzulesen zu lassen - wer das auf der Bühne nutzt, wird allerdings schnell das Schnarchen des Publikums übertönen müssen.

Manche Apps lassen sich auch in Verbindung mit richtigen Telepromptern nutzen, bei denen ein halbdurchlässiger Spiegel, unter den man das iPad legt, den Text genau auf die Kameralinse projiziert. Dafür muss die App den Redetext spiegelverkehrt anzeigen können. Über den VGA-Adapter für das Ur-iPad unterstützen einige auch externe Monitore zur Anzeige. Sinnvoll ist das allerdings nur, wenn sich die App über ein zweites Gerät wie beispielsweise ein iPhone fernsteuern lässt.

Textbeschaffung

Fast alle Apps können, wenn überhaupt, ausschließlich reine Textdateien im TXT-Format importieren, die man dafür am Rechner passend erzeugen muss. Nur wenige beherrschen auch das Laden von Texten von einem Dropbox- oder Google-Docs-Account. Das Einzige, was eigentlich immer und zuverlässig funktioniert, ist Copy-and-Paste, beispielsweise aus einer E-Mail. Verblüffend fanden wir, dass nur die wenigsten Apps auch den Export der mühsam ertüftelten Rede unterstützen, vom Drucken ganz zu schweigen. Apps wie der Good Reader , mit dem man Daten per Zwischenablage austauscht, lösen das Problem allerdings.

Spreu und Weizen

Da die Zielgruppe begrenzt ist, kommen die Entwickler nur durch ein etwas höheres Preisniveau von bis zu acht Euro auf ihre Kosten, doch dafür liefern nicht alle gute Qualität. Bei einigen Apps ist es zum Beispiel nicht möglich, überhaupt eine neue Rede zu erzeugen, vielmehr lassen sie sich nur per iTunes mit Texten befüllen. Bei anderen hakelt die Bedienung am Pult, wo man beispielsweise nicht mit dem Finger in der Rede scrollen kann. Auch eine brauchbare Zeitanzeige fanden wir oft nicht vor, obwohl diese dem iPad-Einsatz einen bedeutenden Vorteil verschaffen kann. Doch wenn alles passt, nehmen die Apps den öffentlichen Ansprachen einiges an Schrecken.

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