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Daten retten mit Photo Rec

22.04.2013 | 11:18 Uhr |

Hat man versehentlich einen externen Speicher gelöscht, fehlt meist ein Backup. Photo Rec hilft in diesem Fall weiter.

Ein falscher Klick und der Papierkorb ist geleert, obwohl man die Daten darin gar nicht löschen wollte. Das passiert besonders leicht mit Daten von externen Speichermedien. Hier hilft Photo Rec, und zwar bei Medien aller Art. Die Software kann versehentlich gelöschte Fotos von einer Speicherkarte ebenso wiederherstellen, wie MP3-Dateien von einer externen Festplatte retten oder Word-Dokumente von einem USB-Stick sichern. Hat man Daten gelöscht oder eine Festplatte formatiert, sind die Dateien nämlich immer noch auf dem Medium. Nur der entsprechende Eintrag in das Dateisystem ist entfernt. Vor allem bei Bildern leistet Photo Rec gute Dienste, beim Wiederherstellen von Fotos kann es oft mehr Daten wiederherstellen als kommerzielle Konkurrenz und unterstützt viele Raw-Formate. Eine Einschränkung gibt es allerdings: So erhält man von Photo Rec nur die Daten selbst zurück, die Dateinamen gehen verloren. Solches leisten Produkte wie Data Rescue . Und noch etwas gilt: Eine Alternative zur regelmäßigen Datensicherung ist auch Photo Rec nicht: Große Einzeldateien wie Videos kann das Tool oft nicht mehr retten, ebenso komplexe Dateien wie Programme oder Systemdaten.

Datenrettung per Firewire

Sind Daten von einem nicht mehr startenden Macbook Air oder Mac Mini in Gefahr, kann man auf den Firewire-Festplattenmodus ausweichen. Jeder Mac mit Firewire-Schnittstelle lässt sich per Firewire-Kabel mit einem zweiten Mac verbinden und wie eine externe Festplatte verwenden. Um den Firewire-Festplattenmodus zu aktivieren, hält man beim Systemstart die Taste „T“ gedrückt und verbindet den Rechner mit einem Firewire-Kabel mit einem zweiten Mac. Der kaputte Mac verhält sich nun wie eine externe Festplatte, und man kann vom zweiten Mac mit Photo Rec die Rettungsaktion starten.

Man kann das Programm nicht nur per Live-CD, sondern auch unter OS X nutzen. Auch wenn die Oberfläche abschreckend wirkt: Man steuert Photo Rec zwar über das Terminal, das Tool ist jedoch relativ simpel zu bedienen

Photo Rec auf CD

© 2015

Photo Rec auf Datenrettungs-CD finden Sie der Macwelt 5/13 beigelegt. Macs ohne CD-Laufwerk können auf die Download-Version zurückgreifen.

Datenrettung ohne CD

Photo Rec startet nach einem Doppelklick auf die Datei „photorec“. Nun öffnet sich automatisch ein Fenster des Dienstprogramms Terminal, über das man die Software bedient

Auf den ersten Blick wirkt die Bedienung kompliziert, das Tool führt aber mit ausführlichen Erläuterungen durch alle Aufgaben. Befremdlich ist nur die Tastaturbedienung. Gibt es mehrere Optionen, wählt man sie mittels Pfeiltasten und bestätigt die Auswahl mit der Zeilenschaltung. In unserem Beispiel sieht man die Anzeige für einen Mac, an den eine USB-Festplatte mit 500 GB Größe angeschlossen ist.

1. Photo Rec starten

Nach dem Start per Doppelklick listet das Programm Photo Rec alle verfügbaren Medien auf

In der Liste ist unsere Festplatte zweimal zu sehen, einmal als Volume und einmal als Raw-Volume. Welches Volume man auswählt, ist in der Praxis irrelevant. Da das Programm in der Standardeinstellung nur beschränkte Rechte besitzt, sieht man nur externe Medien, nicht die interne Festplatte Ihres Mac. Um auch diese anzuzeigen und zu nutzen, muss man die Option „sudo“ verwenden. Das ist in unserem Fall aber nicht nötig.

2. Bedienung per Pfeiltaste

Zur Navigation dienen bei Photo Rec die Pfeiltasten

Mit der Entertaste bestätigt man einen Befehl, mit der Pfeiltaste nach oben navigiert man im Menü nach oben. Die am unteren Rand angezeigten Optionen wählt man mit dem Rechts oder Links-Pfeil. Wollen Sie etwa das Programm beenden, tippen Sie zweimal auf die Rechts-Taste, bis die Auswahl „Quit“ ausgewählt ist und einmal auf Enter.

Für die Herstellung der Daten muss man zuerst das Quellmedium auswählen, hier etwa die Festplatte. Bei mehreren Medien erkennt man das gewünschte Medium gut an der Größe der Festplatte.

3. Partition

Nach der Bestätigung listet die Software nun alle Partitionen eines Mediums auf

Ist man sich nicht sicher, wählt man am besten die komplette Festplatte, zu erkennen als „Whole Disk“. Diese Festplatte hat zwei Partitionen, bei einem USB-Stick oder einer Speicherkarte hat man nur eine Partition.

4. Dateisystem auswählen

Im folgenden Menü kann man das Dateisystem der Quell-Festplatte auswählen, beispielsweise HFS

In der Regel hat Photo Rec die korrekte Art bereits ausgewählt, es erkennt sie automatisch.

5. Zielort auswählen

Jetzt muss man nur noch den Zielort auswählen

Vorausgewählt ist ihr Benutzerordner, das Programm kann alle geretteten Dateien hier speichern. Sie können die Auswahl mit Taste C übernehmen oder mit Pfeiltasten und Enter einen anderen Ordner wählen.

6. Daten retten

Das Tool kopiert die Daten nun Stück für Stück auf die interne Festplatte

Dabei sammelt Photo Rec die Dateien in Ordner mit dem Namen „recup_dir“ und einer fortlaufenden Nummer. Bei größeren Festplatten landen hier sehr viele Dateien, bei einer Festplatte mit einem kompletten Mac-System außerdem unzählige Textdateien. Wenig Erfolg verspricht das Retten von Videodateien. Ein Video ist oft in Segmenten über die Festplatte verteilt, was die Wiederherstellung erschwert. Photo Rec versucht zwar, Anfang und Ende eines Streams zu finden, ist dabei aber oft nicht erfolgreich oder verbindet mehrere Videos. Nach erfolgreicher Nutzung können Sie das Programm über „Quit“ beenden.

Tipps zur Datenrettung

Neben der Sortierung nach Dateiart ist die Sortierung nach Dateigröße sinnvoll – etwa um Vorschau und Original eines Fotos zu erkennen

Tipp 1: Beschädigte Daten retten

Über die Funktion „Options“ kann man Voreinstellungen ändern. Sollen defekte Dateien gerettet werden, ändert man die Voreinstellung „Keep corrupted file“ in „Yes“. So öffnen beispielsweise Graphic Converter oder Open Office beschädigte Dokumente.

Tipp 2: Reparieren

Mit im Paket enthalten ist die Software Test Disk, die defekte Partitionen reparieren kann. Dieses Tool ist aber nur Profis zu empfehlen, da man damit auch Schaden anrichten kann.

Tipp 3: Voreinstellungen nutzen

Photo Rec kann in der aktuellen Version über 390 Dateiarten erkennen und wiederherstellen, etwa Dokumente aus Final Cut Pro und Apple Works. Jede Dateiart kann über die Voreinstellungen des Tools gezielt ausgewählt werden.

Tipp 4: Image erstellen

Bei Hardware-Schäden einer Festplatte können die Leseversuche das Medium weiter beschädigen, weshalb man vor einer Datenrettung ein Image des Laufwerks erstellen sollte. Das ist etwa mit dem Festplatten-Dienstprogramm oder Test Disk möglich.

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