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Datenkompression – aber richtig

11.11.2014 | 11:06 Uhr |

Der SSD-Speicher eines Macbook ist angenehm schnell, bietet aber wenig Speicherplatz für Filme, Musik und Fotos. Durch Konvertieren und Komprimieren von Dateien lässt sich Platz gewinnen. Mit diesen Methoden reduziert man Platzbedarf.

Film-Fans sammeln hunderte kostbare Videos, Grafiker tausende Bilddateien, Büroanwender wichtige Office-Dokumente. Aber auch selbst gemachte Audio-Aufnahmen verbrauchen Platz. Benötigt man mehr Speicher, stehen zwei Mittel zur Wahl: Die verlustlose Komprimierung oder die Optimierung der Dateien.

Platzfresser aufspüren

Vorab sollte man klären, welche Dateiarten den meisten Raum auf Festplatte oder Online-Drive verbrauchen. Für diese Analyse eignet sich Spotlight sehr gut. Um beispielsweise den Bestand an Word-Dateien zu überprüfen, geben wir im Suchfenster des Finders den Begriff „Word“ ein. Bei der Eingabe blendet sich im Suchfenster ein Ausklappmenü ein und bietet die Suche nach „Word-Dokument“ an. Um den Platzbedarf dieser Dokumente festzustellen, wählen wir mit „Befehl-A“ alle Dokumente aus und rufen mit „Befehl-I“ das Infofenster auf. Hier erfahren wir nun, dass die 1117 gefundenen Dateien nur 336,2 MB Platz benötigen – offensichtlich ergibt es keinen Sinn, sich weiter darum zu kümmern. Wir wiederholen deshalb den Vorgang mit der Dateiart „PDF“ – und erhalten vom Infofenster das Ergebnis 6,02 GB. Suchvorgänge nach Dateiarten wie JPEG, MP3, Video und TIFF-Datei listen mehrere weitere Gigabyte an Dateien auf.

Ein zusätzlicher Vorteil der Spotlight-Suche: Es ist möglich, die Dateien nach Größe zu sortieren und gezielt nach sehr großen PDFs oder Bilddateien zu suchen.

Tipp: Einen einfacheren Weg gibt es bei der Suche nach Mediendateien: Statt einer Spotlight-Suche genügt ein Blick in die Systeminformationen. Unter „Festplatten“ listet das Tool auf, wieviel Platz Audiodateien, Filme und Fotos belegen.

Komprimieren mit Zip und Rar

Die App Etrezip mountet ein Zip-Archiv als Netzvolume – man erspart sich dadurch das zeitraubende Entpacken, was bei anderen Tools stört.
Vergrößern Die App Etrezip mountet ein Zip-Archiv als Netzvolume – man erspart sich dadurch das zeitraubende Entpacken, was bei anderen Tools stört.

Enttäuschend wenig hilft ein spezialisiertes Komprimierungsprogramm wie Zip, Stuffit und Rar. Bei den Mediendateiarten sind sie nämlich so gut wie machtlos. Der Hintergrund: Komprimierungsprogramme können zwar Grafiken und Textdokumente hervorragend komprimieren, Formate wie JPEG und MP4 sind bereits komprimierte Dateien. Archiviert man mit Apples in das System integriertem Zip-Tool JPEGs und MPEG-Videos, spart dies deshalb so gut wie keinen Platz. Zwar verspricht der Stuffit-Hersteller Smith Micro, dass seine Lösung auch JPEG komprimieren kann, das Ergebnis ist aber ernüchternd: Einen Ordner mit 42,1 MB an JPEGs verkleinert die Software auf 32,2 MB. Das ist kein schlechtes Ergebnis, man muss aber jedes JPEG vor der Nutzung wieder dekomprimieren. Nur in Spezialfällen sind Komprimierer erfolgreich, so lässt sich das Bildformat TIFF hervorragend „zippen“, ebenso Videos mit dem Codec „Animation“.

Bilddateien verkleinern

Per Automator kann man Fotos auf eine kleinere, für das Speichern in der Cloud geeignete Größe verkleinern.
Vergrößern Per Automator kann man Fotos auf eine kleinere, für das Speichern in der Cloud geeignete Größe verkleinern.

Plattformübergreifend nutzbare Cloud-Speicher wie Dropbox und iCloud wecken bald den Wunsch, seine Lieblingsfotos immer verfügbar zu haben. Das führt jedoch bald zu Platzproblemen, gerade wenn die Dienste Fotos automatisch verwalten wollen. Statt mehr Speicher zu mieten, kann man das Problem mit zwei Methoden lösen: Skalierung und Optimierung. Nutzt man seine Fotos nur auf iPhone und iPad und will sie nicht ausdrucken, ist es überlegenswert, die Auflösung der Fotos zu reduzieren. Recht einfach ist dies mit Automator zu bewerkstelligen: Apples Workflow-Software bietet unter den aufgelisteten Aktionen den Workflow „Bildgröße anpassen“. Ein Doppelklick auf diese Aktion genügt, um einen Workflow für das Skalieren auf eine bestimmte Dateigröße zu erstellen: Empfehlenswert ist beispielsweise eine Breite von 2048 Pixel – das ist nicht zuletzt bei Facebook eine Standardgröße. Je nach Bedarf ist die Automator-Aktion als Ordner-Aktion, App oder Plug-in verwendbar. Besser eignet sich für diese Skalierung ein darauf spezialisiertes Bildbearbeitungsprogramm wie das Tool Graphic Converter . Das Verkleinern der Auflösung bedeutet aber immer, dass sich die Bildqualität verschlechtert. Will der Fotograf später Bildfehler ausbessern, macht er dies mit einer Verkleinerung unter Umständen unmöglich. Im Idealfall behält man daher besser die Originale und archiviert sie zum Beispiel auf einer externen Festplatte.

Jpegmini reduziert die Dateigröße von JPEG s sehr stark – bei kaum sichtbarem Qualitätsverlust.
Vergrößern Jpegmini reduziert die Dateigröße von JPEG s sehr stark – bei kaum sichtbarem Qualitätsverlust.

Alternativ kann man ein JPEG mit verringerter Qualität neu speichern – oft ohne sichtbare Qualitätsmängel. Für diese Lösung gibt es eine Reihe interessanter Tools. Sehr überzeugend finden wir beispielsweise die Leistung des Tools Jpegmini , das als kostenlose Version 20 Fotos pro Tag optimiert. Das auch als Webdienst verfügbare Tool analysiert das Foto automatisch und erstellt eine neue, deutlich kleinere Version. Die relativ stark komprimierten Fotos eines iPhone 5S kann die Software auf etwa die halbe Größe reduzieren, bei Fotos einer DSLR von Pentax sind die Ergebnisse noch besser. Trotz der deutlichen Verkleinerung können wir beim Vergleich der Fotos keinen sichtbaren Unterschied feststellen. Dabei komprimiert das Tool die Datei neu, ganz als würde man das JPEG in Vorschau oder Graphic Converter mit verringerter Qualität neu exportieren. Die Stärke des Tools liegt vor allem in der automatischen Bestimmung der optimalen Komprimierungsstufe – bei der Optimierung mit Photoshop oder einem anderen Tool muss man schließlich für gute Ergebnisse bei jedem Foto auf auftretende Artefakte achten.

Verlustlos Fotos optimieren

Vor allem bei PNG -Dateien hilft die Freeware Image Optim.
Vergrößern Vor allem bei PNG -Dateien hilft die Freeware Image Optim.

Einen anderen Ansatz nutzt die Freeware Image Optim , das auf mehreren Opensource-Programmen basiert. Die Optimierung ausgewählter Fotos erfolgt automatisch und im Unterschied zu Jpegmini verlustfrei. Die Software verbessert die JPEGs mit den Tools Jpegoptim, Jpegtran und Jpegrescan, die unter anderem die interne Kompression optimieren. Laut Programmierer wählt das Tool dabei automatisch die für das Foto am besten geeignete Optimierungsmethode. Bei einem Ordner mit Kamerafotos erzielen wir leider nur enttäuschend wenige Verbesserungen, die Optimierung mit Jpegoptim verkleinert die Dateigröße um zwei oder drei Prozent, mit Jpegtran um fünf bis sieben Prozent. Zusätzlich entfernt das Tool auf Wunsch Exif-Daten und Kommentare. Jpegoptim beherrscht neben einem verlustfreien einen verlustbehafteten Modus. Dabei komprimiert das Tool jedoch die Datei neu. Bessere Ergebnisse erzielt das Tool beim PNG-Format. Hier kann es mithilfe von Tools wie etwa Pngcrush und Zopflipng um die 30 Prozent an Dateigröße einsparen. Bei maximaler Qualität dauert die Optimierung allerdings schon mal eine Minute pro Datei und bei einer Umwandlung der PNGs ins JPEG-Format würde man deutlich mehr Platz sparen.

PDFs optimieren

Bei PDF-Dateien spart man viel Speicherplatz ein, wenn man zu kleineren Abstrichen bei der Bildqualität der eingebetteten Fotos und Grafiken bereit ist. Eine PDF-Datei wie ein E-Paper der Macwelt ist für den Ausdruck ausgelegt, Bilddateien und Grafiken müssen für gute Druckqualität deshalb relativ hoch aufgelöst sein. Nutzt man die PDFs aber nur auf dem Mac oder iPad, kann man sie getrost verkleinern – bis zu knapp fünfzig Prozent Dateigröße sind dadurch oft möglich. Bequem und kostenlos ist diese PDF-Optimierung mit einem sogenannten Color-Sync-Filter von Apple möglich. Über Automator ist recht schnell eine Aktion erstellt, die PDFs per Drag-and-drop optimiert. Automator bietet dazu die Aktion „Quartz-Filter auf PDF-Dokumente anwenden“. Nach einem Doppelklick auf diese Aktion kann man unter „Filter“ die Option „Reduce File Size“ wählen. Allerdings arbeitet dieser Filter ziemlich unberechenbar – manchmal wird ein PDF durch den Filter sogar größer!

Durch das Verringern der Fotoauflösung kann das Tool PDF Squeezer PDF-Dateien optimieren und komprimieren – erfolgreicher als Apples PDF-Filter.
Vergrößern Durch das Verringern der Fotoauflösung kann das Tool PDF Squeezer PDF-Dateien optimieren und komprimieren – erfolgreicher als Apples PDF-Filter.

Neben Apples Filter gibt es eine Reihe an weiteren Tools für die PDF-Optimierung. Recht einfach verkleinert man PDF-Dokumente mit vielen Bilddateien oder Scans mit dem vier Euro teuren PDF Squeezer oder der App PDF Optim . Letzteres gibt es für knapp drei Euro im App Store und ist sogar als iOS-Version zu haben. Diese Tools komprimieren alle Bilder eines PDFs neu und bieten dabei verschiedene Qualitätsstufen. Möglich ist etwa die Verringerung der Auflösung von 150 dpi auf 75 dpi. Eine Vorschaufunktion hilft bei der Auswahl der Komprimierung, eine Stapelfunktion steht zur Verfügung.

Die funktionsreichste Optimierungsfunktion bietet aber unbestritten Adobe Acrobat mit der Funktion PDF-Optimierung. Bei dieser Funktion spart das Programm ebenfalls Speicherplatz ein, etwa durch das Löschen nicht benötigter Dokumentinformationen, das Entfernen eingebetteter Schriften und Optimierung interner Komprimierungsmethoden. Hier sind die Erfolgsaussichten aber Glückssache und hängen von der Originaldatei ab. Wurde das Programm nicht mit einer Profi-Anwendung wie Acrobat erstellt, kann man die Datei oft stark verkleinern ohne die Bildqualität zu verschlechtern.

Archivinhalte sichtbar machen

So können Terminal-Fans den Kommandozeilenbefehl „unzip -l“ verwenden. Nach Eingabe des Befehls und dem Pfad zur Datei listet das Tool die Inhalte eines Archivs im Terminal-Fenster auf. Bequemer leistet dies die kostenlose Systemerweiterung Betterzipquicklook Generator. Nach der Installation sind die Inhalte eines Archivs über die Vorschaufunktion des Systems aufrufbar – allerdings ebenfalls nur als Dateiliste. Als dritte Alternative bietet sich die Fünf-Euro-App Etrezip an. Dieses Tool macht eine Zip-Datei wie einen Ordner im Finder nutzbar. „Öffnet“ man eine Zip-Datei mit dem Tool, etwa per Drag-and-drop auf das Programm-Icon, mountet das Tool das Archiv als Netzvolume. Man kann so direkt auf die Inhalte zugreifen, ein Dokument öffnen oder eine Datei bearbeiten. An seine Grenzen stößt das Tool allerdings bei großen Dateien wie Videos.

Audiodateien als Problemfall

Audiodateien verbrauchen viel Speicherplatz – bei vielen alten MP3s bestehen aber wohl kaum noch Optimierungsmöglichkeiten, da die Aufnahmen bereits stark komprimiert sind. So war es doch bis vor einigen Jahren üblich, Songs als MP3 oder AAC mit der Bitrate 128 KBit/s zu speichern. Das garantiert kleine Dateien, viele Informationen der Originaldatei können dabei verloren gehen. Konvertiert man eine MP3-Datei in das Format AAC, kann das etwas Platz sparen, es gehen aber weitere Informationen verloren. „Rippt“ man heute Audio-CDs empfehlen wir deshalb, eine Bitrate von 192 KBit zu verwenden, sowohl MP3 als auch AAC sind schließlich verlustbehaftete Formate. Apple bietet seine iTunes Plus-Titel als AAC-Datei mit 256 kbit an. Die Einstellung VBR (variable Bitrate) spart dabei etwas Platz, in der Praxis sind aber kaum mehr als fünf Prozent zur erwarten. Grundsätzlich ist Apples Audio-Codec AAC zwar leistungsfähiger als MP3, langfristig ist das kompatiblere MP3 aber wohl die bessere Wahl. Als Alternative speichert man die Songs in zwei Versionen ab – eine Version mit 256 KBit für das iTunes-Archiv und eine Version 128 KBit für Cloud und Macbook Air. Für iPad und iPhone erstellt iTunes auf Wunsch automatisch Kopien mit dieser Bitrate, auch die Freeware XLC unterstützt diese „Multi-Format Kodierung“.

Ein eigener Artikel wäre das Thema verlustfreie Musikkonvertierung wert, es gibt nämlich einige interessante verlustfreie Spezialformate wie Flac, Musepack und Apple Lossless. Gegenüber dem Audio-CD-Format WAV beziehungsweise Aiff sparen diese Formate etwa 50 Prozent Speicherplatz ein, man kann so Audio-CDs ohne Qualitätsverlust archivieren. Allerdings gibt es hier schnell Kompatibilitätsprobleme: Das unter Windows und Linux verbreitete Flac ist nur sehr eingeschränkt mit iTunes oder gar iOS kompatibel, Apple Lossless unterstützt nur wenig Abspielgeräte.

Videos verkleinern

Der Miro Video Converter unterstützt die Stapelkonvertierung von Videos und bietet einen guten Kompromiss zwischen Dateigröße und Qualität.
Vergrößern Der Miro Video Converter unterstützt die Stapelkonvertierung von Videos und bietet einen guten Kompromiss zwischen Dateigröße und Qualität.

Moderne Codecs wie H.264 versprechen bei halber oder noch kleinerer Dateigröße die gleiche Bildqualität alter Videoformate wie MPEG2 oder Xvid. Alte Videos lassen sich oft mit minimalem Qualitätsverlust verkleinern, falls ein alter Codec wie etwa MPEG2 ververwendet wurde. Das birgt in der Praxis aber einige Tücken: Ähnlich wie bei Audiodateien ist eine Umkonvertierung nie verlustfrei und das Ergebnis hängt stark vom Ausgangsmaterial ab. Bei alten unscharfen Filmen einer Film-DVD ist der Qualitätsverlust oft kaum sichtbar, bei stark komprimierten DVB-T-Aufnahmen mit zahlreichen Action-Szenen dagegen schnell. Recht problemlos funktioniert die Platzersparnis bei Film-DVDs: Ein kompletter Film belegt als MP4-Datei bei gleicher Auflösung statt sechs GB nur noch ein oder zwei GB Platz, eine alte DVB-T-Aufnahme statt 2 GB knapp die Hälfte.

Der Automator-Workflows „Medien codieren“ wandelt ganze Video-Ordner in das Format H.264 um. Verschiedene Formate stehen hier zur Wahl, wir empfehlen die Einstellung „720p“ und „Größere Kompatibilität“. Apples Encoder ist allerdings eher auf Kompatibilität als kleine Dateigröße ausgelegt, unter Umständen ist die Datei nach der Konvertierung sogar größer als zuvor! Weitaus effizienter arbeiten Videokonverter auf der Basis von ffmpeg wie Handbrake oder das einfacher bedienbare Miro Video Converter . Beide Tools unterstützen Stapelverarbeitung, man kann auf diese Weise komplette Video-Ordner konvertieren. Selbst ein sehr schneller Mac ist damit ziemlich lange beschäftigt. Eine noch bessere Leistung soll der kommende Codec H.265 bringen, allerdings fehlt es hier bisher an Abspielsoftware sowie unterstützter Hardware.

Empfehlung

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Bei allen Optimierungen und Konvertierungen sollte man nicht vergessen: Zwischen verlustfrei und „ohne sichtbaren Qualitätsverlust“ besteht ein großer Unterschied. Tools wie Jpegmini und PDF Squeeze leisten zwar erstklassige Arbeit, von wichtigen Dateien sollte man aber dennoch immer die Originalversion behalten. So ist eine erfolgreiche Dateiverkleinerung in den meisten Fällen nur durch Einsparungen bei der Bildqualität zu erzielen. Schließlich ist der aktuelle Speichermangel ja in der Regel nur vorübergehend und selbst kostenlose Cloud-Speicherdienste bieten jedes Jahr mehr Kapazität. - Stephan Wiesend

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