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Die ersten Takte: Einstieg in Garageband

28.12.2015 | 13:00 Uhr |

Apple liefert auch starke Software mit seinen Betriebssystemen aus. Ein Nischendasein führt jedoch Garageband. Mit dem Musikprogramm kann man einfache und komplexe Stücke erstellen

Der Mac als „Digital Hub“, als Zentrale des digitalen Lebens, so war das vor einer Dekade gedacht, als zu iPhoto, iMovie und iDVD sich eine weitere Software zum iLife-Paket gesellte: Garageband. Der Musikfreund Steve Jobs selbst präsentierte die erste Version im Januar 2004 auf der Macworld in San Francisco. Über die Jahre hat Apple das Einsteigerprogramm für Musiker mit nützlichen Funktionen oder für bestimmte Einsatzzwecke erweitert und mehrmals das Layout angepasst. Mittlerweile ist Version 10 erhältlich, seit 2011 hat Garageband einen Ableger für iOS. Wer sich intensiv mit der Musikproduktion auf dem Mac auseinandersetzen möchte, bekommt bei Apple mit Logic Pro X eine Software, die dem Garageband-Nutzer vertraut vorkommen dürfte.

Schneller Start

Für das erste Experimentieren in Garageband benötigt man kein Zubehör, der Mac bringt erst mal alles mit. In einem Projekt bietet Garageband für die Aufnahme vier Optionen – von rechts nach links: Den (virtuellen) Drummer, die Audio-Aufnahme über Soundeingang (Gitarre und Bass), Mikrofon und das Aufnehmen eines Software-Instruments. Zum Einspielen der Töne genügt die Tastatur des Mac, die in Garageband so genannte Musiktastatur holt man mit der Tastenkombination „Befehl-K“ in den Vordergrund. Leider stehen dann die Buchstaben nicht für Töne, das „A“ in der Mittelreihe der Tastatur etwa erzeugt ein „C“, lediglich „F“ und „G“ sind äquivalent. Wer mehr will, und sei es nur ein besseres Gefühl beim Anschlag, muss ein Keyboard an den Mac anschließen (siehe Kasten „Keyboards und Adapter“ auf dieser Seite). In Garageband lassen sich aber nicht nur Instrumente oder Gesang aufnehmen, sondern auch die erzeugten Klänge mit den mitgelieferten Synthesizern formen. Für den ersten eigenen Song muss man also nicht für viel Geld ein Tonstudio mieten oder eine Band engagieren.

Gratis mit Zusatzangeboten

Garageband für OS X ist exklusiv im Mac App Store für 4,99 Euro erhältlich oder auf einem neuen Mac vorinstalliert

Apple bietet einen 14 GB großen Gratis-Download mit zahlreichen zusätzlichen Sounds innerhalb der App an. Die Installation lohnt sich aber schon allei n wegen der virtuellen Schlagzeuge. In der Anwendung selbst ist seit 2009 der „Store für Übungen“ enthalten. Für Anfänger der Gitarre und des Klaviers bietet Apple jeweils mehr als ein Dutzend Basislektionen, Unterrichtssprache ist englisch. Das Tempo der nachzuspielenden Musikbeispiele lässt sich variieren, die Software gibt Feedback zum Lernfortschritt. Zusätzlich gibt es den kostenpflichtigen Interpretenunterricht, in dem bekannte Künstler Grundzüge eines ihrer bekannten Werke auf der Gitarre oder dem Klavier erklären. Die Interpretenlektionen kosten jeweils 4,99 Euro. Die Software setzt in der aktuellen Version mindestens OS X 10.9 voraus.

Instrumente anschließen

Ist kein physisches Keyboard vorhanden, bietet Garageband über das Menü „Fenster“ ein Tastaturlayout an. Via Tastendrücken oder direkten Mausklick steuert der Benutzer virtuelle Instrumente. Für den Musikunterricht muss man ein echtes Keyboard anschließen.
Vergrößern Ist kein physisches Keyboard vorhanden, bietet Garageband über das Menü „Fenster“ ein Tastaturlayout an. Via Tastendrücken oder direkten Mausklick steuert der Benutzer virtuelle Instrumente. Für den Musikunterricht muss man ein echtes Keyboard anschließen.

Ist das Instrument via Mikrofon, Soundeingang oder Interface mit dem Mac verbunden, erscheint ein neues Eingabegerät in den Systemeinstellungen unter dem Reiter Ton. In Garageband selbst ist es zudem unter „Garageband > Einstellungen … > Audio/MIDI“ verfügbar.

Unterstützung bei den ersten Schritten

Profis nutzen Garageband allenfalls als Notizblock für musikalische Ideen, mit seinen zahlreichen Hilfen und Lernmöglichkeiten richtet sich die Software vorwiegend an Einsteiger. Ein Beispiel sind die Musiklektionen: Nach dem Öffnen von Garageband klickt man dazu auf die Schaltfläche „Instrument lernen“. Ein Lehrer erteilt Unterricht wahlweise am Piano oder an der Gitarre.

Der sogenannte „Store für Übungen“ füllt diese Rubrik mit zahlreichen Lektionen, die allesamt kostenlos sind. Auch die bereits angesprochenen Künstlerübungen sind hier vorhanden. Jedoch muss man dafür Englisch verstehen, die Unterrichtseinheiten stehen in keiner anderen Sprache zur Verfügung. Der kostenlose Unterricht ersetzt logischerweise keinen Kurs an der Musikschule. Die Übungen für Gitarre und Piano decken aber die allerersten Schritte ab, sodass man ein erstes Gefühl für das jeweilige Instrument erlangt.

Via Einstellungsmenü mit anschließender Auswahl von MIDI/Audio können externe Instrumente ausgewählt werden. Erforderlich hierbei sind spezielle MIDI-Adapter von Drittherstellern, die das Verbinden mit dem Mac ermöglichen.
Vergrößern Via Einstellungsmenü mit anschließender Auswahl von MIDI/Audio können externe Instrumente ausgewählt werden. Erforderlich hierbei sind spezielle MIDI-Adapter von Drittherstellern, die das Verbinden mit dem Mac ermöglichen.

Der Gitarrenunterricht ist in Grundlagen (acht Lektionen), Bluesgitarre (sieben) und Rockgitarre (fünf) gegliedert. Beim Piano sind es neben dem Kurs für die ersten Akkorde und Tonleitern das Klassische Klavier und Pop-Klaviermusik. Insgesamt sind es für die Gitarre 20, beim Piano 18 Übungseinheiten. Alle Übungen sind als Extra-Download verfügbar und nicht standardmäßig in der Anwendung integriert, ein wenig Platz auf seiner Festplatte sollte man sich deshalb dafür freihalten.

Anfängern vereinfacht der Store für Übungen den Einstieg: Apple bietet kostenlose Video-Lektionen zum Erlernen von Gitarre oder Klavier an. Zusätzlich gibt es den Interpretenunterricht.
Vergrößern Anfängern vereinfacht der Store für Übungen den Einstieg: Apple bietet kostenlose Video-Lektionen zum Erlernen von Gitarre oder Klavier an. Zusätzlich gibt es den Interpretenunterricht.

Vordefinierte Projekte

Wie in Pages oder Numbers muss man auch in Garageband nicht mit einem „leeren Blatt Notenpapier“ beginnen. Einige Projektarten sind vordefiniert, konkret Keyboard, Amp, Stimme, Klingelton, Hip Hop, Electronic und Songwriter genannt. Es ist aber auch möglich, ein komplett leeres Projekt zu beginnen. In den vordefinierten Projekten sind bereits einige Spuren angelegt und das Fenster nach den jeweiligen Bedürfnissen konfiguriert, so gelingt die Auswahl von Sounds oder Loops unter Umständen leichter.

Garageband bietet nach dem Start eine erste Kollektion zusammengestellter Aufnahmetypen an. Je nach Art sind verschiedene Instrumente vorselektiert. Es ist aber auch möglich, ein komplett leeres Projekt zu starten.
Vergrößern Garageband bietet nach dem Start eine erste Kollektion zusammengestellter Aufnahmetypen an. Je nach Art sind verschiedene Instrumente vorselektiert. Es ist aber auch möglich, ein komplett leeres Projekt zu starten.

Was man bei Bildbearbeitungsprogrammen als Ebenen kennt, sind bei Garageband die Spuren. Jedoch mit dem Unterschied, dass die bloße Anordnung der Spuren nichts darüber aussagt, was im Vordergrund liegt, was im Hintergrund und was überlappt. Einzelne Teile in Spuren lassen sich später hinzufügen, ausblenden oder einzeln bearbeiten. Einfach das gewünschte Instrument auswählen, den Aufnahmeknopf drücken und losspielen.

Komplexe Optionen für Profis

In Garageband merkt man Apple den gewünschten Spagat zwischen einfacher Bedienung für Neueinsteiger und komplexen Optionen für Profis an. Die in das kleinste Detail gehenden Einstellungsmöglichkeiten sind gut hinter intuitiven Klick-Optionen versteckt. Der Equalizer kann beispielsweise genau auf die eigenen Wünsche eingestellt werden. Wir raten, alle kleinen Schaltflächen wenigstens einmal zu betätigen, um einen ersten Eindruck der Möglichkeiten zu gewinnen. Meist verbergen sich weitere Optionen hinter unscheinbaren Symbolen.

Loops

Auch Profis bekommen ihren Part nicht immer beim ersten Versuch hin. Garageband unterstützt Musiker bei der Aufnahme, indem es mehrere „Takes“ in einer Region (Abschnitt in einer Spur) übereinander sammelt, wenn man bei der Aufnahme die Loop-Funktion (Symbol mit zwei ineinander verschlungenen Pfeilen) eingeschaltet hat. Den besten Take verwendet man weiter, den Rest kann man löschen.

Erweiterungen installieren

Selbst wer gar kein Instrument beherrscht oder erlernen will, kann sich in Garageband mit vordefinierten Musikschnippseln (Loops) und Tönen austoben. Ein Vorteil, wenn man alleine ist und dennoch ein paar Hintergrundrhythmen von verschiedenen Instrumenten wünscht – etwa zur Untermalung seins Podcasts oder seines Urlaubsfilms. Anstatt eine Band zu gründen, reicht hier der Download einer circa 14 GB großen Datei mit mannigfaltigen Apple Loops.

Die Oberfläche erinnert an komplexe Fotobearbeitungs-Software wie Adobe Photoshop. Instrumente werden als Layer übereinander gelegt, und sind somit separat konfigurierbar.
Vergrößern Die Oberfläche erinnert an komplexe Fotobearbeitungs-Software wie Adobe Photoshop. Instrumente werden als Layer übereinander gelegt, und sind somit separat konfigurierbar.

Unter dem Menü „Ansicht“ wählt man „Apple Loops einblenden“ aus, es erscheint eine weitere Bibliothek, die über ein Ausklappmenü im oberen Teil des Fenster navigiert wird. Von Hip Hop über Tech House bis zu Weltmusik ist eine Vielzahl an vorkomponierten Klängen verfügbar, die sich beliebig kombinieren lassen.

Gestapelt

In der Werkseinstellung stapelt Garageband bei der Aufnahme von Software-Instrumenten die einzelnen Takes übereinander. Das lässt sich auch ändern, sodass man auch Keyboardparts mehrmals einspielen kann, um die richtigen Töne zu treffen.

Mit Drag-and-drop platziert man die Loops auf der Zeitleiste. Eine weitere Bearbeitung ist anschließend möglich. Das Komponieren der eigenen Stücke ist damit ein Zusammenspiel aus dem Auswählen der richtigen Zusatztöne und dem Platzieren dieser zwischen oder während der eigenen Aufnahmen. Für nichtkommerzielle Zwecke ist die Nutzung der Loops frei.

Podcaster müssen nun Umwege gehen. Anders als vorher ist ein Sprachtext nur über ein leeres Projekt möglich. Für die Sprache ist der Sound „Compressed Voca“ empfehlenswert.
Vergrößern Podcaster müssen nun Umwege gehen. Anders als vorher ist ein Sprachtext nur über ein leeres Projekt möglich. Für die Sprache ist der Sound „Compressed Voca“ empfehlenswert.

Garageband für iOS

Garageband gibt es auch in einer abgespeckten Variante für iOS-Geräte. Viele Hersteller bieten neben einer Unterstützung von OS X auch das Anschließen an ein iPad, iPhone oder iPod an. Mit der Unterstützung von iCloud kann man so einen Song am iPad und iPhone skizzieren und später am Mac weiter bearbeiten, der Weg zurück ist nicht möglich. Auch kennt Garageband (noch nicht) die Option der Kollaboration über iCloud, wie es bei Pages, Numbers und Keynote der Fall ist. Garageband-Dateien muss man seinen Mitmusikern anderweitig freigeben, etwa über Dropbox. Nachteil: Was diese verändern oder ergänzen, sieht man erst, wenn man die Datei zurückbekommen hat.

Die Touch-Oberfläche der iOS-Varianten bietet gegenüber der am Mac den Vorteil, dass man auf einem virtuellen Griffbrett von Bass und Gitarre auch einzelne Töne auf iPhone und iPad zupfen und nicht nur die Tasten eines simulierten Keyboards anschlagen kann. Gitarrenprofis, und solche die es werden wollen, zucken da zwar nur mit den Schultern, Einsteigern macht es aber Spaß, ein paar Griffe zu lernen, oder einzelne Licks und Riffs auf dem iPhone zu spielen. Die iOS-Versionen kennen auch „smarte“ Instrumente, der Interpret tippt dann nur noch auf Akkordsymbole, iPhone und iPad übernehmen das Geschrummel. Die Pattern dafür sind aus mehreren Voreinstellungen wählbar und man muss sich nicht selbst Gedanken machen, wie man einen Akkord zerlegt spielt oder in welchem Schlagrhythmus.

Neben dem Download warten noch etwa 14 GB große Extras auf den Benutzer. Mit Apple Loops besteht die Möglichkeit, Rhythmen automatisiert abzuspielen, um so eine Band zu simulieren. Einzelne Songs lassen sich so mit den feinen Klängen anreichern.
Vergrößern Neben dem Download warten noch etwa 14 GB große Extras auf den Benutzer. Mit Apple Loops besteht die Möglichkeit, Rhythmen automatisiert abzuspielen, um so eine Band zu simulieren. Einzelne Songs lassen sich so mit den feinen Klängen anreichern.

Exportieren und Teilen

Das fertige Stück kann man über das Menü „Bereitstellen“ mit anderen Musikfreunden teilen, nicht aber die Rohdaten. Einen Mix kann man in seine iTunes-Bibliothek exportieren oder auf seine Sound-Cloud laden. Das klassische Exportieren als AAC, MP3 oder AIFF ist natürlich auch möglich. iCloud bietet die Möglichkeit, das Projekt direkt dort zu lagern, um es dann an einem anderen Rechner weiter zu bearbeiten.

Fazit: Sinnvoll für die ersten Schritte

Garageband ersetzt bei weitem keinen Musikunterricht. Ist man aber interessiert und hat vor, ein Instrument zu lernen, bietet die Software eine sehr gute und einfache Umgebung für die ersten Übungen und Aufnahmen.

Die Tutorials erklären anschaulich, worauf es ankommt. Anschließend ist ein wissbegieriger Einsteiger in der Lage, durch weitere Videos erste Grundkenntnisse zu erlangen. Mit dem Virtualisieren der verschiedenen Keyboard-und Gitarrenarten spart man sich zum Einstieg auch eine Menge Geld und kann erst einmal am eigenen Mac experimentieren. Fortgeschrittene Benutzer können mit Hilfe der vielen verschiedenen Loops und installierten Instrumenten einen ersten Song schreiben, und diesen dann einfach auf Sound-Cloud teilen. Bis der Schritt zu Logic Pro X nötig wird, vergeht mit Garageband viel Zeit. Für knappe fünf Euro sicher ein gutes Investment.

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