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Die fünf wichtigsten Gründe seinen Monitor zu kalibrieren

23.05.2014 | 13:31 Uhr |

Display sind in den letzten Jahren immer besser geworden, vor allem, was die Bildschärfe, Helligkeit und Kontrast angeht, doch perfekt sind sie auch heute noch nicht. Erfahren SIe, warum es sich lohnt, den Bildschirm am Arbeitsplatz zu kalibrieren.

Monitor ist nicht gleich Monitor. Jedes Display stellt Farben ein wenig anders dar, und um das zu korrigieren, hat Apple schon sehr früh ein systemweites Farbmanagement ins Mac-Betriebssystem integeriert. Es nennt sich " Color Sync ". Allein das unterstreicht schon die Wichtigkeit von korrekten Farben innerhalb einer Bearbeitungskette, beispielsweise beim Retouchieren von Fotos oder beim Layout von Magazin- oder Webseiten. Und wie das bei allen Ketten so ist: Das schwächste Glied bestimmt, wie stark die gesamte Kette ist. Und der Monitor ist ein sehr wichtiges Glied in dieser Kette, denn hier findet die Umwandlung der digitalen Informationen des Computers in die analoge Bildwelt der Realität statt. Damit der Monitor korrekte Farben darstellt, muss er auf bestimmte vorher festgelegte Richtwerte eingestellt, sprich kalibriert werden. Die folgenden fünf Gründe sollen Ihnen nahbringen, warum man sein Display kalibrieren und bei farbkritschen Anwendungen sogar einen speziellen Hardware-kalibrierbaren Monitor benutzen sollte.

Grund 1: Damit Weiß auch Weiß bleibt - Der Weißpunkt

Das kennt jeder: Weiß ist nicht gleich Weiß, es kann gelbich (wärmer) oder bläulich (kälter) sein. Der Weißpunkt ist also ein wichtiger Richtwert, auf den man sich einigen muss, sonst gibt es ein böses Erwachen. In den Normen fürs Fernsehen und für Monitore, die in Büroumgebungen eingesetzt werden, ist eine Farbtemperatur von 6500 Kelvin für den Weißpunkt festgelegt. Das ist ein deutlich in den Blaubereich verschobenes Weiß, vergleicht man es mit direktem Sonnenlicht. Es entspricht mehr dem Tageslicht an einem bewölkten Tag. Fast alle Monitore sind ab Werk mal mehr mal weniger gut auf einen Weißpunkt von 6500 Kelvin eingestellt. In der Druckvorstufe nutzt man in der Regel einen Weißpunkt, der mehr gelbliches Licht abbildet. 5000 oder 5500 Kelvin sind hier üblich. Der Grund: der Weißpunkt bei einem gedruckten Erzeugnis ist immer auch vom verwendeten Papier abhängig und Zeitungspapier ist eher gelblich statt bläulich. Auch das künstliche Licht von Glühbirnen erzeugt deutlich gelblicheres Licht.

Beim Kalibrieren des Monitors wird auch der Weißpunkt verändert. Damit wird der Bildschirm also so gut es geht auf eine einheitliche Farbtemperatur eingestellt. Weiß bleibt also Weiß.

Einige (teure) Hardware-kalibrierbare Monitore bieten zudem eine Besonderheit: Die Hintergrundbeleuchtung besteht hier aus dreifarbigen LEDs, mit denen man den Weißpunkt einstellen kann. Der Vorteil: Das Weiß muss nicht "künstlich" über die Grafikkarte des Computers eingestellt werden, das weiße Licht selbst kommt schon mit der richtigen Farbtemperatur aus dem Monitor. 

Grund 2: Mehr sehen im Bild - Die Gammakurve

Ein zweiter wichtiger Parameter ist die Gammakurve: Kurz gesagt gibt der Gammawert den Verlauf der Helligkeitswerte an. Schwarz bleibt Schwarz und Weiß bleibt Weiß, aber die Helligkeitsstufen dazwischen können einer nichtlinearen Kurve folgen. Bei einem Gammawert größer 1 werden die mittleren Helligkeiten abgesenkt, also dunkler. Der schon erwähnte Standard für Monitore und TVs setzt auf einen Gammawert von 2,2. Will man beispielsweise Fotos am Mac bearbeiten und später in einem Fotolabor Papierabzüge bestellten, sollte man diesen Gammwert verwenden, weil auch die Fotolabore mit einem Gammawert von 2,2 arbeiten. Stimmt der Gammawert nicht, werden die Abzüge entweder zu hell oder zu dunkel.

Auch hier gibt es jedoch Abweichungen. In der Geschichte der digitalen Druckvorstufe für Schwarzweiß-Ausdrucke hat sich ein Gammwert von 1,8 etabliert, der sichtbar hellere Bilder erzeugt. Auch Apple hat bis OS X 10.5 standardmäßig Gamma 1,8 für das Monitorprofil vorgegeben. Erst seit OS X 10.6 liegt der Wert bei 2,2.

Auch bei der Gammakurve sind Hardware-kalibrierbare Monitore im Vorteil, denn die Tonwertkorrektur findet schon im Monitor selbst statt. Die Grafikkarte muss also nicht eingreifen, was letztlich zu einem größeren Dynamikbereich führt und Tonwertabrisse verhindert.

Grund 3: Angleichen an andere Bildschirme - Die Helligkeit

Sobald man mit mehr als einem Monitor arbeitet, ist es wichtig, die Darstellung auf den Monitoren einander anzugleichen. Die Helligkeit ist hier der augefälligste Parameter. Die meisten Monitore lassen sich manuell in der Helligkeit anpassen. Der Kalibrierprozess mit einem Messgerät kann hier für die grobe Helligkeitseinstellung helfen, den genauen Helligkeitswerk stellt die Kalibriersoftware dann über die Grafikkarte ein. Das Ergebniss sind dann im günstigsten Fall exakt gleich eingestellte Monitore, bei denen sich das Auge nicht umstellen muss, wenn man den Blick von einem Monitor auf den anderen wechselt. Die Prozedur funktioniert auch bei mehreren Rechnern, beispielsweise in einem Grafik-Team. Hier legt man sich auf einen einheitlchen Helligkeitswert (beispielsweise 110 Candela pro Quadratmeter) fest und kalibriert alle Monitore auf den selben Wert.

Der Vorteil der Hardware-kalibrierbaren Displays: Die manuelle Voreinstellung der groben Helligkeit entfällt, denn die Kalibriersoftware stellt die Helligkeit des Monitors direkt ein. 

Grund 4: Identische Farben auf unterschiedlichen Medien

Die Möglichkeiten eines Monitors werden bei einer Kalibrierung in einem Farbprofil festgehalten. Dabei stellt man vor der Kalibrierung ein bestimmtes Zielprofil ein, auf das der Monitor eingestellt werden soll. Das betrifft vor allem den Farbumfang beziehungsweise den Farbraum, also die Anzahl der darstellbaren Farben. Es gibt hier unterschiedliche Zielprofile. sRGB ist ein Standard, den die meisten Monitore ab Werk erreichen. Der sRGB-Farbraum ist aber für ernsthafte farbritische Anwendungen zu klein, so können per sRGB längst nicht alle druckbaren Farben abgebildet werden. Daher hat der Softwarehersteller Adobe einen eigenen, größeren Farbraum als Quasi-Standard etabliert. Adobe RGB wird daher bei vielen professionellen Anwendungen benutzt.

Ein einheitliches Kalibrierungsziel sorgt dafür, dass Fotos und Layouts auf unterschiedlichen Medien möglichst identisch aussehen und keine unerwünschen Farbstiche- oder Abweichungen auftreten. Viele Bildformate können das Monitorprofil aufnehmen und speichern, sodass es beim Ausgabemedium (Druck oder Belichtung) mit berücksichtigt werden kann. Das führt letztlich zu noch besserer Übereinstimmung der Farben.

Grund 5: Die Umgebung macht's aus

Die gesamte Kalibrierungsprozedur ist allerdings komplett unwirksam, wenn man nicht auch das Umgebungslicht berücksichtigt. Jeder kennt das Phänomen: Ändert sich das Umgebunsglicht (kommt also z.B. die Sonne hinter den Wolken hervor) ändert sich auch der Bildeindruck, teilweise sogar drastisch. Alle Farben wirken auf einmal anders und auch Helligkeit und Kontrast sind nicht mehr so wie vorher.

Typische Arbeitsplatzlampen liefern meist ein deutlich wärmeres Licht, als der Weißpunkt des Monitors. Das ist dann auch der Grund, warum direkte Vergleiche zwischen Monitorbild und gedrucktem Ergebnis auf Papier oder Stoff meist dazu führen, dass die realen Ergebnisse viel zu "warm" erscheinen, also zu gelblich. Die Grundvoraussetzung für eine funktionierende Kalibrierungskette ist also ein einheitliches Umgebungslicht am Arbeitsplatz, dass sich möglichst nicht zu stark verändert. Viele Kalibriersysteme bieten darüberhinaus die Möglichkeit, das Umgebungslicht, also zum Beispiel die Farbtemperatur der künstlichen Beleuchtung mit in die Kalibrierung einzubeziehen. Auch das macht natürlich nur dann Sinn, wenn sich das Umgebunglicht nach der Kalibrierung nicht wesentlich ändert.

Die Beleuchtung am Arbeitsplatz sollte man daher gut auswählen, manche Hersteller geben die Farbtemperatur ihrer Lampen an. Hier drei Beispiele:

- LED-basierte „Neonröhre“ : 4000 Kelvin (kaltweiss) von Philips
- Osram Neonröhre : 4000 K (kaltweiss)
- Halogen-Spot mit Kaltlichtreflektor: 2800 K

Fazit

Kalibrieren geht über Probieren. Wer farbkritische Aufgaben am Compter lösen und die Ergbnisse auf unterschiedlichen Medien ausspielen will, kommt um eine – zumindest rudimentäre – Monitor-Kalibrierung nicht herum. Die am Markt befindlichen Lösungen gibt es für unterscheidliche Qualitäts-Ziele und Geldbeutel, aber grundsätzlich helfen sie dabei, böse Überraschungen zu vermeiden.

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