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Die richtige Kamera herausfinden

08.11.2014 | 05:55 Uhr |

Vom fotografierenden Smartphone bis hin zu einer ausgewachsenen Spiegelreflexkamera reicht das Spektrum der Fotoapparate, die der Markt anbietet. Hier ein kleiner Wegweiser durch das Angebot.

Wenn langsam der Gedanke reift, dass es Zeit ist für eine neue Kamera, steht zunächst eine Grundsatzentscheidung an. Was für ein Modell soll es denn werden? Neben den Kompaktkameras und den DSLRs haben sich weitere Klassen am Markt etabliert. Inzwischen ist die Kameralandschaft so vielfältig geworden, dass es schwer fällt, den Überblick zu behalten. Wir zeigen Ihnen, was die jeweiligen Kameratypen auszeichnet und für wen sie geeignet sind.

Digitale Kompaktkameras

Lange Zeit waren sie die Verkaufsschlager in der Fotobranche: digitale Kompaktkameras. Dank ihrer schmalen Bauform passen sie in jede Hosentasche und lassen sich so problemlos überall mit hinnehmen. Trotz der geringen Größe muss man auf die Flexibilität beim Auswählen der Brennweite nicht völlig verzichten. In der Regel bringen diese Kameras mindestens ein dreifaches optisches Zoom mit. Das genügt, um Details ohne Standortwechsel näher heranzuholen. Weiterer Vorteil: Kompaktkameras sind extrem günstig. Inzwischen liegen neue Markengeräte preislich unter 100 Euro – das war vor drei, vier Jahren keineswegs der Fall. Grund dafür ist die wachsende Konkurrenz durch die Kamerafunktion der Smartphones. Ein Smartphone hat inzwischen fast jeder – und auch noch immer dabei! Dabei können Top-Geräte wie das iPhone 6, das Sony Xperia Z2, das Samsung Galaxy S5 in punkto Bildqualität locker mit den meisten Kompaktkameras mithalten. Lediglich auf ein optisches Zoom muss man bei nahezu allen Smartphones (noch) verzichten.

Das leisten die unterschiedlichen Kameraklasssen

Kompaktkameras

Prosumer-Kamera

Systemkameras

DSLRs

Leicht zu transportieren

ja

eingeschränkt

eingeschränkt

nein

Niedrige Weitwinkelbrennweite

ja

ja

ja

ja

Hohe Telebrennweite

nein

ja

ja

ja

Halbautomatische Aufnahmeprogramme

eingeschränkt

ja

ja

ja

Manuelle Einstelloptionen

nein

ja

ja

ja

Großer Bildsensor (Bildqualität)

nein

nein

ja

ja

Fotografieren mit selektiver Schärfe

nein

eingeschränkt

ja

ja

Wechselobjektive verfügbar

nein

nein

ja

ja

Anschluss für Zubehör (Blitz / Fernauslöser)

nein

eingeschränkt

ja

ja

Zubehörangebot

meist gering

meist gering

hoch

hoch

Smartphones greifen an

Mit dem Erfolg der Smartphones haben die Kompaktkameras ihr wichtigstes Alleinstellungsmerkmal verloren, nämlich ihren bequemen Transport. Bei der Qualität der Fotografie können günstige Kompaktkameras mit den höherwertigen Klassen ohnehin nicht mithalten. Ihr Nachteil: Im Inneren ist ein winziger Bildsensor verbaut, der beim Fotografieren viel weniger Licht aufnehmen kann als ein großer Sensor, der etwa in einer DSLR verbaut ist. Das bedeutet: Sie müssen in der Dämmerung oder in Innenräumen entweder mit längeren Belichtungszeiten fotografieren, oder die Lichtempfindlichkeit des Sensors mittels des eingestellten ISO-Werts erhöhen, um ein ausreichend belichtetes Foto zu bekommen. Beide Varianten haben Nachteile. Bei längeren Belichtungszeiten bekommen Sie beim Fotografieren ohne Stativ schnell verwackelte, unscharfe Bilder. Ein erhöhter ISO-Wert umgeht zwar das Problem, erhöht aber das Bildrauschen im Foto deutlich. Dunkle Bildbereiche weisen keine Detailzeichnung auf, sondern zeigen vermehrt Pixel mit fehlerhaften Farbinformationen.

Träger Autofokus

Wegen der starken Smartphone- Konkurrenz verkaufen sich Kompaktkameras wie diese Panasonic Lumix DM CSZ8 immer schwerer.
Vergrößern Wegen der starken Smartphone- Konkurrenz verkaufen sich Kompaktkameras wie diese Panasonic Lumix DM CSZ8 immer schwerer.
© Panasonic

Ein weiterer Nachteil der Kompaktkameras der Einsteigerklasse: Ihr Autofokus ist sehr träge. Wenn Sie zum Beispiel eine Porträtaufnahme machen wollen, dauert es vom Zeitpunkt des Drückens auf den Auslöser bis hin zum Fotografieren oft mehrere Sekunden. Spontane Schnappschüsse, wenn man zufällig ein spannendes Motiv entdeckt, werden so schwierig. Auch die Schärfentiefe können Sie bei Kompaktkameras nur sehr eingeschränkt als gestalterisches Stilmittel nutzen – beispielsweise, um schöne Porträtaufnahmen vor einem unscharfen Hintergrund zu machen. Gut geeignet sind Kompaktkameras hingegen für fast alle Aufnahmen bei Tageslicht, bei denen das komplette Motiv scharf abgebildet werden soll: zum Beispiel bei Landschaftsaufnahmen. Hier wirken sich die Auslöseverzögerung und die geringe Sensorgröße nicht negativ aus. Eine Kompaktkamera ist deshalb die ideale Kamera für alle, die kein Smartphone haben oder mit dessen Kamerafunktion nicht zufrieden sind und die nach einer Kamera suchen, die kostengünstig sowie leicht zu transportieren ist.

Prosumer-Kameras

Bridge-Kameras wie die Fujifilm HS30EXR erinnern optisch an eine DSLR . Ihre Schwäche ist allerdings der deutlich kleinere Bildsensor.
Vergrößern Bridge-Kameras wie die Fujifilm HS30EXR erinnern optisch an eine DSLR . Ihre Schwäche ist allerdings der deutlich kleinere Bildsensor.
© Fujifilm

Prosumer-Kameras, der Name ist eine Mischform aus „Professional“ und „Consumer“, werden auch als Bridge-Kameras bezeichnet. Sie sollen als Brücke zwischen Kompaktkameras und DSLRs dienen und sehen aus wie kleine Spiegelreflexkameras. Im Gegensatz zu dieser Klasse können Sie hier aber nicht die angelegten Objektive nach Lust und Laune wechseln. Das Objektiv, das meist einen extrem großen Brennweitenbereich abdeckt, ist fest verbaut. Im Gegensatz zu vielen Kompaktkameras können Sie bei einer Prosumer-Kamera alle erdenklichen Kameraeinstellungen manuell oder halbautomatisch vornehmen. Dabei ist das Bedienkonzept an DSLRs angelehnt. Außerdem sind sie auf Grund des großen Brennweitenbereichs extrem flexibel. Mindestens 20fach bis hin zu 50fach: Diese Zoomspanne steht Ihnen bei diesen Kameras zur Verfügung. Zum Vergleich: Das sind 24-1200 mm bezogen auf das Kleinbildformat! Solch ein Spektrum bietet kein Universalzoomobjektiv, das man für DSLR oder eine Systemkamera kaufen könnte.

DSLR-Niveau? Nur optisch!

Wer von einer Prosumer-Kamera eine Bildqualität auf DSLR-Niveau erwartet, wird meist enttäuscht. Das hat zwei Gründe. Die Herstellung eines Megazoomobjektivs erfordert technische Kompromisse. Es gibt kein Objektiv, das gleichzeitig ein perfektes Weitwinkel- und Teleobjektiv ist. Das bedeutet für Sie dann in der Praxis, dass Sie im Telebereich zum Beispiel nur mit einer relativ weit geschlossenen Blende fotografieren können. Zudem ist die Schärfe in den Randbereichen oft nicht optimal. Weiterer Schwachpunkt der Prosumer-Cams: Die verbauten Bildsensoren sind bei vielen Modellen kaum größer als die, die auch in Kompaktkameras verbaut werden. Dementsprechend haben Sie mit den gleichen Problemen bei schlechten Lichtverhältnissen zu kämpfen.

Der Markt der Prosumer-Kameras ist sehr breit gestreut. Einstiegsmodelle bekommen Sie schon für unter 200 Euro, Geräte mit höherem Anspruch und größeren Bildsensoren kosten hingegen über 1000 Euro! Deshalb ist es natürlich unmöglich, alle Kameras über einen Kamm zu scheren. Beschränkt man sich jedoch auf die Preisklasse bis 500 Euro, kann man bilanzieren, dass solche Kameras für die Nutzer interessant sind, die einen großen Brennweitenbereich abgedeckt haben wollen, aber keine Lust haben, mehrere Objektive mitschleppen und tauschen zu müssen. Wer Wert auf eine optimale Bildqualität in allen Brennweitenbereichen legt, wird entweder zu einem der teuren Modelle in dieser Klasse, oder zu einer DSLR oder Systemkamera greifen müssen.

Systemkameras

Systemkameras wie die hier abgebildete Fujifilm X-M1 verdrängen zunehmend DSLR-Kameras. Der Trend geht hier zu hochwertigen Modellen mit umfangreichenmanuellen Steuermöglichkeiten
Vergrößern Systemkameras wie die hier abgebildete Fujifilm X-M1 verdrängen zunehmend DSLR-Kameras. Der Trend geht hier zu hochwertigen Modellen mit umfangreichenmanuellen Steuermöglichkeiten
© Fujifilm

Immer beliebter sind in den letzten Jahren spiegellose Systemkameras geworden. Fast jeder Kamerahersteller hat eine entsprechende Produktlinie in seinem Sortiment. Bei diesen Kameras wird auf einen Spiegelkasten im Inneren verzichtet, was deutlich kompaktere Bauformen zulässt. Da die Objektive außen angelegt und ausgetauscht werden können, muss zudem keine Gewindeoptik im Gehäuse untergebracht werden. Das führt dazu, dass die Hersteller Platz genug für relativ große Bildsensoren haben. In punkto Bildqualität müssen sich die Systemkameras deshalb nicht vor den DSLRs verstecken. Auch der Autofokus einer guten Systemkamera liegt auf dem Niveau einer Spiegelreflexkamera. Außerdem können Sie bei Systemkameras und DSLRs alle Kameraeinstellungen auf Wunsch manuell vornehmen – also zum Beispiel Blende und Verschlusszeit bei jedem Foto vorgeben. Das ermöglicht Flexibilität bei der Bildgestaltung.

Der große Vorteil von Systemkameras gegenüber DSLRs ist sicherlich deren Kompaktheit. Ähnlich wie Kompaktkameras passen sie in jede Hosentasche und lassen sich deshalb bequem transportieren. Allerdings auch nur dann, wenn das angelegte Objektiv ebenfalls flach genug ist. Hierfür bieten die Hersteller entsprechende „Pancake-Objektive“ an, die entweder als Festbrennweite konzipiert sind oder als Weitwinkelzoom. Wer hingegen Weitwinkel und Tele abdecken will, muss entweder mehrere Objektive mitschleppen, oder ein voluminöses Universalzoomobjektiv anlegen. In beiden Fällen ist der Transportvorteil gegenüber DSLRs dann aber dahin.

Begrenztes Objektivangebot

Gegenüber DSLRs haben Systemkameras momentan noch den kleinen Nachteil, dass das Angebot an Objektiven bei vielen Herstellern relativ klein ist. Kein Wunder, schließlich gibt es die Systemkameras bei einigen Marken erst seit zwei, drei Jahren zu kaufen. Wer also Spezialobjektive wie beispielsweise Fisheyes oder Tilt-Shift-Modelle sucht, wird bei Systemkameras (noch) nicht fündig. Von Weitwinkel bis Tele wird jedoch bei allen Modellen der komplette Bereich abgedeckt. Systemkameras sind geeignet für Fotografen, die bei der Qualität keine Kompromisse eingehen wollen, denen aber eine DSLR zu unhandlich ist. Auch immer mehr Profi-Fotografen nutzen Systemkameras als zusätzliche Reportage-Cams für unterwegs. In der Studiofotografie findet man Systemkameras dagegen so gut wie nie. Wenn Sie sich für eine solche Kamera entscheiden, dann sollten Sie auch an den Kauf der Objektive denken, die Sie benötigen. Mit dem bei vielen Kameras beigelegten Kit-Objektiv kommen Sie nicht weit!

Digitale Spiegelreflexkameras

Die Spiegelreflexkamera Canon EOS 1200D bietet einen guten Einstieg in die ambitionierte Fotografie. Die Kamera ist online schon für unter 400 Euro erhältlich.
Vergrößern Die Spiegelreflexkamera Canon EOS 1200D bietet einen guten Einstieg in die ambitionierte Fotografie. Die Kamera ist online schon für unter 400 Euro erhältlich.
© Canon

Digitale Spiegelref lexkameras, kurz DSLRs, gibt es in allen Preisklassen. Die Einstiegsmodelle kosten ohne Objektiv inzwischen weniger als 300 Euro. Professionelle Kameras hingegen liegen nach wie vor deutlich über 1000 Euro. In den letzten Jahren haben die DSLRs gegenüber den spiegellosen Systemkameras kontinuierlich Marktanteile verloren. Die Systemkameras gelten als praktischer, schicker und moderner. Trotzdem sollte man DSLRs keinesfalls zum alten Eisen zählen, denn nicht ohne Grund setzen Profi-Fotografen nach wie vor auf die bewährte Technik. Die großen Bildsensoren (APS-C, DX oder Vollformat) bieten in Kombination mit lichtstarken Objektiven eine perfekte Bildqualität und alle Voraussetzungen für die kreative Fotografie. Zudem schwören viele Fotografen auf den optischen Sucher, den man bei den anderen Kameraklassen vergeblich sucht.

Flexibel mit einem Objektiv

Wer sich für eine DSLR entscheidet, muss zwangsläufig mindestens ein Objektiv kaufen – wenn es denn nicht schon dabei ist. Viele Hobby-fotografen entscheiden sich für ein Universal-Zoomobjektiv, das auch Reise-Zoomobjektiv genannt wird. Der Vorteil eines solchen Modells: Es deckt einen Brennweitenbereich von etwa 24 bis 200, 250 oder gar 300 mm ab – bezogen auf das Kleinbildformat. Solch einen Brennweitenumfang bieten ansonsten nur Prosumer-Kameras. Die Reise-Zoomobjektive sind perfekt für Reisen, da man so mit nur einem einzigen Objektiv auf alle Motivsituationen vorbereitet ist. Egal, ob man aus der Ferne Großaufnahmen eines Wildtieres machen, Porträts mit einem leichten Tele aufnehmen oder schöne Landschaftsfotos im Weitwinkel schießen will. Die Universal-Zoomobjektive können zwar nicht die Abbildungsqualität der jeweiligen Spezialobjektive erreichen, doch dafür hat man sie immer dabei!

Blende und Verschlusszeit manuell einstellen

Doch warum ist das überhaupt wichtig? Mit der Blende bestimmen Sie, wie weit die Blende beim Fotografieren geöffnet werden soll. Mit der Verschlusszeit bestimmen Sie die Zeit, wie lange diese geöffnet bleibt. Beides ist für das Bildergebnis von entscheidender Bedeutung. Große Blendenöffnungen sorgen nicht nur für eine geringe Schärfentiefe, sondern auch dafür, dass eine Menge Licht auf den Sensor fallen kann. Wer hier zu lange Belichtungszeiten einstellt, bekommt schnell überbelichtete Bilder. Im Umkehrschluss bedeutet eine kleine Blendenöffnung, dass nur wenig Licht auf den Sensor fällt. Wer hier zu kurze Belichtungszeiten einstellt, der bekommt unterbelichtete Bilder.

Kreative Vielfalt Blende und Verschlusszeit müssen also entsprechend der Lichtsituation eingestellt werden und aufeinander abgestimmt werden. Für eine gestochen scharfe Sportaufnahme, muss die Belichtungszeit extrem kurz sein – die Blendenöffnung dafür möglichst groß. Andersherum: Wollen Sie einen Wasserfall so fotografieren, dass der Wasserfluss sichtbar wird, brauchen Sie eine lange Belichtungszeit. Die Blende muss dann so weit wie nötig geschlossen werden, um das Bild nicht überzubelichten. Diese kreative Vielfalt haben Sie mit einer Kompaktkamera nur begrenzt.

Wenn es Ihnen nichts ausmacht, Ihre Kamera unterwegs in einer Fototasche zu tragen und nicht in der Hosentasche, ist die DSLR die richtige Wahl. Mit einem DSLRBody sind Sie fotografisch extrem flexibel. Ob Makrofotos, Architekturbilder, Sportfotos oder auch Landschaftsaufnahmen: Selbst bei Einstiegsmodellen ist der Sensor ausreichend groß und der Autofokus schnell genug für tolle Fotos – egal ob spontan oder geplant. Der Vorteil: Das System wächst mit Ihren Ansprüchen. Mit einem Reise-Zoomobjektiv können Sie perfekt in die DSLR-Fotografie starten. Nach und nach lässt sich Ihre Objektivausrüstung bei Bedarf vergrößern, falls Sie die Fotografie als Leidenschaft gepackt hat!

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