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Diktieren statt tippen: Dragon Dictate 3 in der Praxis

10.01.2014 | 06:12 Uhr |

OS X bringt ab Werk eine Diktierfunktion mit, Software wie Dragon Dictate bietet mehr Optionen. Doch das Programm von Nuance hat seine Tücken.

OS X Mavericks bittet zum Diktat: Die integrierte Technologie zur Spracherkennung lässt sich mit dem aktuellen Mac-Betriebssystem auch offline nutzen. Texte einsprechen statt tippen ist in vielen Fällen eine Erleichterung, der virtuelle Sekretär versteht aber nicht immer perfekt und gehorcht kaum aufs Wort. So lassen sich falsch erkannte Wörter nicht mit der Stimme korrigieren oder gezielt üben. Hierzu benötigt man ein professionelleres Sprachprogramm wie Dragon Dictate 3 von Nuance. Frei von Fehlern ist auch das nicht, selbst nach einem Update speziell für Mavericks. Mit etwas Übung und den richtigen Kniffen lässt sich das Programm aber prima zum Verfassen von Texten nutzen.

Diktate

In den Systemeinstellungen unter „Diktat & Sprache“ lässt sich die Option „Erweiterte Diktierfunktion verwenden“ aktivieren. Anschließend lädt das System etwa 1 GB an Dateien von Apples Servern. In fast allen Mac-Programmen lässt sich nun diktieren, ohne dass weitere Software notwendig wäre.

Regelmäßig das Profil sichern

Dictate 3 legt für jeden Nutzer ein eigenes Profil an, was eine unbedingte Voraussetzung für die Diktate ist. Auch für unterschiedliche Mikrofone oder Headsets ist je ein eigenes Profil anzulegen. Dictate unterstützt die Systemfunktionen Resume und automatisches Sichern sowie Versionierungen im aktuellen OS X. Beim korrekten Beenden des Programms speichert Dictate automatisch das in der letzten Sitzung erstellte Sprachprofil. Was aber nach einem Absturz, wie er auch unter Dictate 3 unter Mavericks leider immer wieder vorkommt, definitiv verloren ist, sind neu eingeübte oder verbesserte Worte. Besonders, wenn man sich gerade Mühe gegeben hat, dem Programm bestimmte Begriffe beizubringen oder ihre Erkennungsgenauigkeit zu verbessern, sollte man zwischendurch manuell den aktuellen Stand speichern. Dies gelingt in Dictate über das Menü „Ablage > Profil sichern“. Oder eben einfach, indem man diese Anweisung ausspricht: „Profil sichern“. Das dauert meistens nur wenige Sekunden und garantiert, dass man auch nach einem Absturz oder Einfrieren des Programms mit bestimmten Worten nicht wieder von vorn anfangen muss.

Lizenziert

Die in OS X integrierte Spracherkennung hat Apple bei Nuance lizenziert. Der wesentliche Unterschied: Mit Dragon Dictate lässt sich der Mac auch ohne Hände steuern, während in OS-X-Programmen ab Werk lediglich die Möglichkeit zur mündlichen Texteingabe besteht.

Text verschwunden

Wenn man diktiert, aber der Text nicht in einem neu geöffneten Diktatfenster erscheint, hat Dictate noch nicht verstanden, dass es in dieses Fenster hineinschreiben soll. Dann hilft es, mit der Maus hinein zu klicken oder den Befehl zu sprechen: „Maus klicken“. Es kann aber auch sein, dass der Text stattdessen im Hintergrund in einem anderen Programm auftaucht. So etwa häufig, wenn man aus dem Dictate-Textfenster in Mail gewechselt hat, um dort etwas zu schreiben. Oder wenn ein Sicherungsdialog aufgerufen wird, in den man den Dateinamen diktieren möchte. Auch hier erscheint der Text eventuell nur im dahinter liegenden Textfenster. In diesem Fall zur Sicherheit einmal nachsehen, wohin der Text gegangen ist, das Diktat an der unerwünschten Stelle widerrufen (mit Befehlstaste-Z) und es noch einmal per Stimme oder manuell versuchen.

Im Korrekturfenster navigieren und diktieren

Dictate 3 bietet Sprachbefehle, um innerhalb eines Dokuments etwa ans Ende oder an den Anfang zu springen oder zu einem bestimmten Wort. Möchte man einen Begriff oder eine Wendung korrigieren, geschieht dies im Korrekturfenster, welches einige Auswahl-Optionen anbietet, etwa alternative Begriffe. Hat man sich für eine entschieden, funktioniert auch dort der Sprachbefehl: „Zum Dokumentende bewegen“. Der Cursor springt ans Ende des Wortes oder der ausgewählten Begriffe. Hier kann man einzelne Buchstaben löschen („Drücke löschen“), oder auch ein ganzes unerwünschtes oder falsch geschriebenes Wort, indem man sagt: „Lösche [Wort]“ und dann das neue Wort diktiert. Das geht oft schneller, als ein falsch geschriebenes Buchstabe für Buchstabe zu korrigieren. Manchmal macht es Probleme, gezielt ein falsch geschriebenes Wort auszuwählen, wenn es in einem Satz mehrfach vorkommt. Beispiel: Wörter wie „einen“ oder „anderen“ oder „alle“ finden sich häufig in einem Satz, und Dictate 3 ist nicht klar, welches davon man korrigieren möchte. Hier gibt es oft die Möglichkeit, das gewünschte Wort im Rahmen eines Ausdrucks mit dem folgenden Wort zu benennen, um es zielsicher auszuwählen. Steht etwa „in Bett“ und „in der Schule“ im Satz, sagt man „in Bett“, um das falsche Wort („in“) im Korrekturfenster zu bearbeiten. Praktisch ist es zudem, wegen Gleichklangs falsch zusammengeschriebene Wörter im Korrekturfenster zu verbessern. Beispiele: „außerdem“ (hier spricht man für die gewünschte Alternative „außer Leertaste dem“) oder „erschließt“ (sprich „er Leertaste schließt“). Zwar kann man so auch direkt im laufenden Text verfahren, dann lernt das Programm dabei aber nicht. Übrigens lässt sich im Korrekturfenster auch der Buchstabiermodus aktivieren. Damit lassen sich die Buchstaben auch einzeln eingeben.

Schwierige Wörter einüben

So etwa erkennt Dictate häufig die Abkürzung für das mobile Apple-Betriebssystem iOS nicht – gewissermaßen je nach Laune. Im Menü „Werkzeuge“ findet sich für solche schwierigen Fälle der Wortschatz-Editor. Hier lasst sich ein bestimmtes Wort oder ein neuer Ausdruck trainieren oder anlegen und so buchstabieren, wie man beim Diktat sprechen möchte (also etwa „i o es“ oder auch „ai o es“). Dann sollte es in jedem Fall klappen. Gerade bei vielen englischen Begriffen sowie Namen ist es so: Spricht man sie in bestem Englisch oder Amerikanisch aus, kommt bei deutscher Spracheinstellung manchmal etwas ganz anderes dabei heraus. Als Beispiel diene hier der berühmte Filmtitel „Leiter Rainer“. Erraten Sie, was das sein soll? Solche und andere merkwürdige Ergebnisse verhindert man zumeist, wenn man sie, nachdem sie dem Wortschatz hinzugefügt wurden, dennoch hemmungslos auf Deutsch ausspricht, nämlich: „Blade Runner“. Ein berühmter Name wie „William Shakespeare“ klappt aber auf Anhieb auf Englisch ausgesprochen. Dagegen probiere man es mit einer derzeit häufig benutzten Abkürzung in der politischen Diskussion: NSA. Während man CIA mit englischen Buchstaben aussprechen kann, klappt das mit NSA in unserem Versuch nicht („eines Ei“ oder bestenfalls „NS Ei“ kommt dabei heraus). Spricht man die Buchstaben einfach auf Deutsch, erkennt Dictate die Abkürzung. Dies ist oft der leichtere Weg, als ein umständliches zusätzliches Sprachtraining.

Befehle indirekt aussprechen

Nicht immer reagiert Dictate 3 zuverlässig auf direkte Sprachbefehle, um ein Programm zu beenden oder etwas aus der Zwischenablage einzufügen und anderes mehr. Sind einem die Tastaturkürzel am Mac vertraut, kann man stattdessen diese auch aussprechen, so etwa „Drücke Befehlstaste-Q“ um ein Programm zu beenden, oder „Drücke Befehlstaste-V”, um aus der Zwischenablage Text einzufügen, oder auch „Drücke Befehlstaste-Tabulator“, um zwischen zwei Programmen hin und her zu wechseln. Das sollte grundsätzlich mit allen verfügbaren Tastaturkürzeln in den verschiedenen Mac-Programmen funktionieren. Befehle kann man unter „Werkzeuge > Befehle“ im Dictate-Menü im Einzelnen und nach Programmen untergliedert genau betrachten, weitere hinzufügen und mit Apple-Script-Kenntnissen sogar eigene neu anlegen.

Wenn Dictate 3 „spinnt“

Manche Diktate laufen plötzlich völlig aus dem Ruder. So verliert der Cursor nach einer gewissen Zeit des Diktierens immer wieder die Orientierung und taucht an fast beliebigen Stellen im Text auf, um dort weiter zu schreiben, statt am Ende des Dokuments. Dies passiert häufig, wenn man Korrekturen im Text vorgenommen hat, manchmal aber auch ohne erkennbaren Anlass. Das ist ein eindeutiger und sehr ärgerlicher Bug, den der Entwickler dringend verbessern müsste. Als Workaround bietet es sich an, das Dokument zu schließen oder gleich Dictate 3 zu beenden und alles neu zu starten. Manchmal genügt es auch, mit den entsprechenden Tasten oder der Maus geduldig ans Ende des Textes zu navigieren, bis die Spracherkennung ihre Orientierung wieder gefunden hat.

Fazit

Es sind insbesondere solche wie der letztgenannte Fehler, die manchen bei Dragon Dictate 3 für den Mac nicht von einer Vollversion, sondern einem Beta-Programm sprechen lassen. Trotz einer sehr guten Spracherkennung der diktierten Wörter ist Dictate 3 nur mit entsprechender Vorsicht zu genießen. Nuance sollte hier so schnell wie möglich sein Programm für den Mac verbessern.

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