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Lesen am iPad

16.12.2013 | 14:24 Uhr |

Dank Retina-Display macht Lesen jetzt auch auf dem iPad Spaß. Doch wo gibt es die besten eBooks? Eine Bestandsaufnahme

Wer vor einigen Jahren das iPad auch zum Lesen von eBooks nutzte, kam kaum auf seine Kosten: Die ersten iPad-Modelle waren noch recht schwer und unhandlich. Mit dem Ur-iPad als Lesegerät wurde es im Bett oder auf der Couch bald ungemütlich.  Wer die ersten Seiten eines Buches auf dem Display gelesen hatte, bekam mit der Zeit Kopfschmerzen – Displayauflösung und Helligkeit waren nach längerer Zeit des Bücherlesens für die Augen nicht sehr angenehm.

Das iPad eignete sich zunächst wenig als eBook-Reader. Das war auch der Grund, weshalb man in der U-Bahn oder im Stadtpark trotz des durchschlagenden Verkaufserfolgs des Apple-Tablets immer mehr Menschen mit einem Kindle in den Händen sah. Dabei hätte es nahe gelegen, das iPad nicht nur zum Mailen, Surfen oder Spielen zu verwenden, sondern auch zum Lesen von Büchern oder Zeitschriften. Statt mehreren Geräten hätte man nur noch ein Tablet für alle Lebensbereiche gehabt.

Das Display des Kindle Paperwhite ist beleuchtet. Farben kann es allerdings nicht darstellen. Zum Bücherlesen reicht es aber.
Vergrößern Das Display des Kindle Paperwhite ist beleuchtet. Farben kann es allerdings nicht darstellen. Zum Bücherlesen reicht es aber.
© Apple

Kindle: Nichts für Zeitschriften

Eigentlich kann man die Kindle-Lesegeräte nicht mit dem iPad gleichsetzen. Beim Kindle beziehungsweise Kindle Paperwhite handelt es sich – abgesehen vom Kindle Fire HD – nicht um Tablets, sondern um reine eBook-Reader, die ausschließlich für das Lesen von digitalen Büchern gedacht sind. Das iPad ist hingegen ein  vollwertiger mobiler Computer, der in der Lage ist, Programme auszuführen. 

Der Amazon Kindle hat durchaus seine Vorteile: Die preiswerteste Variante kostet gerade mal 50 Euro. Durch das 6-Zoll-Display ist das Kindle nicht größer als ein Taschenbuch, außerdem wiegt es nur 170 Gramm. Der Leser wird nicht durch eingehende Push-Nachrichten gestört. Wer seine Bücher ohnehin häufig bei Amazon kauft, kann sich diese über die Amazon-Cloud oder Kindle-App direkt auf das Gerät laden. Die Schriftgröße lässt sich individuell anpassen, Kommentare kann der Nutzer ebenfalls einfügen – wobei das auf dem Standard-Kindle über die Cursor-Tasten sehr umständlich ist.

Der Nachteil beim Kindle: Das Lesevergnügen endet, sobald es dunkel wird. Es gibt zwar eine spezielle Hülle für das Kindle mit eingebauter Leseleuchte, doch diese kostet immerhin 40 Euro. Mit dem Kindle Paperwhite kann man Bücher hingegen auch bei Abenddämmerung lesen. Das Display ist beleuchtet. Außerdem wird das Paperwhite im Gegensatz zum Standard-Kindle nur über den Touchscreen bedient. Zusätzlich ist ein Wörterbuch integriert. Das Kindle Paperwhite kostet allerdings 130 Euro und ist mit 206 Gramm auch etwas schwerer als das Standard-Kindle.

 

Viele Verlage bieten neben den kostenpflichtigen Ausgaben auch ein paar Seiten gratis zum Probelesen an.
Vergrößern Viele Verlage bieten neben den kostenpflichtigen Ausgaben auch ein paar Seiten gratis zum Probelesen an.

Beide Kindle-Geräte bieten mit 2 GB internen Speicher Platz für etwa 1.100 bis 1.500 Bücher. Im Gegensatz zum iPad hält der Akku des Kindles mehrere Wochen. Durch die Whisersync-Funktion speichert und synchronisiert das Kindle die Seite, die Sie zuletzt gelesen haben – wie bei einem Lesezeichen. Ein weiterer Nachteil beim Kindle: Die Auflösung des Displays beträgt gerade mal 600 x 800 Pixel, außerdem bildet der Screen nur 16 Graustufen ab. Für das Lesen von Zeitschriften und Magazinen, in denen oftmals große farbige Bilder oder Grafiken vorkommen, eignet sich das Kindle nicht.  

Bücherlesen auf dem iPad – so geht’s am besten

iBooks ist das Standard-Programm von Apple, um sich Bücher auf das iPad zu laden. Doch Amazon bietet mit der Kindle-App eine gute Alternative, die vor allem Lesern mit Anspruch gerecht wird. Wer sich nicht gleich ein ganzes Buch kaufen möchte, kann es sich über Skoobe auch ausleihen.

Das Standardprogramm: iBooks

Das Lesen über die App ist sehr angenehm. Die Hintergrundfarbe lässt sich wahlweise in weiß, sepia oder schwarz einstellen – letzteres ist insbesondere bei Nacht komfortabel. Da der weiße Hintergrund mit der Zeit blendet, empfehlen wir, ihn auf Sepia umzustellen. Sie können wählen, ob Sie das Buch klassisch im Querformat in der Doppelseitenansicht oder im Hochformat lesen möchten. Ein besonderer Service: Erscheint eine neue Auflage, wird das Buch automatisch und kostenlos aktualisiert.  

 

Sortiment: 1,5 Millionen Bücher

Vorteile: Angenehmes Lesen, automatische Aktualisierung bei Neuauflage

Nachteile: Trivialliteratur, geringe Auswahl

Für wen: Einsteiger, Wenig-Leser

 

Unsere Empfehlung: Kindle-App

Amazon hat das reichhaltigste Angebot an eBooks. Hier kommen auch anspruchsvolle Leser auf ihre Kosten. Vor allem die Vielfalt an englischsprachigen Büchern in der Amazon-Bibliothek ist groß. Hier gibt es immer wieder Sonderangebote, da die Buchpreisbindung hier weniger so greift. Der Abgleich zwischen zwei Geräten funktioniert prima: Ein eBook, das man in der S-Bahn offline liest, wird über die Kindle-App automatisch synchronisiert, sobald sich das Gerät Zuhause mit dem Wlan verbindet. Man kann also gleich auf dem Kindle weiterlesen.

Das Kaufen von eBooks aus der Kindle-App und aus der Amazon-App heraus geht allerdings nicht, weil Apple es verbietet. Hier muss man über Safari die Amazon-Webseite besuchen.

 

Sortiment: Über 2 Millionen Bücher

Vorteile: Größte Auswahl, englischsprachige Bücher

Nachteil: Kein Kauf aus der App heraus

Für wen: Für anspruchsvolle Leseratten

Zum Leihen: Skoobe

Über Skoobe kann man sich schnell und einfach Bücher ausleihen, sie auf das iPad laden und offline lesen. Für 9,90 im Monat lassen sich bis zu drei Titel gleichzeitig leihen – den Nächsten bekommt man erst, wenn man einen davon „zurückgegeben“ und schon gelesen hat. Das Angebot ist bunt gemischt, vor allem für Jugendliche stehen viele Bücher zur Auswahl. Lesezeichen lassen sich über bis zu zwei Geräte synchronisieren. Offline lesen können Sie die Bücher mit dem Basic-Account allerdings nur 24 Stunden am Stück. Wenn Sie mehr wollen, müssen Sie auf den Plus-Account für 15 Euro monatlich upgraden und Sie können Bücher 30 Tage lang ohne Internetverbindung lesen. Die Leihdauer ist auf die Zeit Ihrer Mitgliedschaft beschränkt. Die Mitgliedschaft verlängert sich zwei Tage vor Ablauf um jeweils weitere 30 Tage, sofern sie nicht gekündigt wird. Skoobe ist vor allem für längere Urlaubsreisen zu empfehlen. Die Schriftgröße ist veränderbar, auch hier steht der Sepia-Modus als Ansicht zur Verfügung. Einen Nachtmodus gibt es ebenfalls.

 

Sortiment: 25.000 Titel

Vorteil: Keine Speicherplatzprobleme

Nachteil: Bindung an Kündigungsfristen

Für wen: Familien, die nicht immer nur Hochkultur brauchen, Urlauber

 

iPad als eBook-Reader

Was Ergonomie und Gewicht angeht, hat das iPad mittlerweile kräftig aufgeholt. Spätestens seit der Einführung des Retina-Displays beim iPad 3 eignet sich das Apple-Tablet auch zum Lesen von Büchern. Durch die gestochen scharfe Darstellung ermüden die Augen nicht so rasch. Außerdem spiegelt das Retina-Display weniger.

Das iPad Air ist mit seinem 478 Gramm unschlagbar leicht. In der Business-Tasche oder im Rucksack fällt es kaum noch ins Gewicht. Mit mindestens 16 GB internen Speicherplatz ist auf dem Tablet genug Platz für viele Bücher. Mit dem schmalen, leichten iPad Air kann man heute bequem auf dem Sofa liegen und Bücher lesen. Störend könnten allenfalls die etwas schärferen Kanten sein, die auch das Apple Smart-Case nicht ganz polstert. Hier sollte man auf eine andere Hülle zurückgreifen, wie sie mittlerweile viele Anbieter wie Hama, Griffin oder Kensington im Angebot haben.

Seitdem das iPad Mini nun auch ein Retina-Display bekommen hat, kommt das kleine Tablet als Lesegerät nun auch an das Kindle heran. Das 7-Zoll-Tablet ist zwar etwas schwerer als die Amazon-Geräte, dafür hat das Display jedoch eine hohe Auflösung und eignet sich auch zum Lesen von Zeitschriften.

 

Von iBooks bis Hugendubel – eBook-Apps

Digitale Zeitschriften und Bücher haben in den vergangenen Jahren einen regelrechten Boom erlebt. Seit iOS 5.0 (2011) ist die Zeitungskiosk-App standardmäßig auf jedem iPad installiert. Das iPad hat damit seinen Teil dazu beigetragen, die Mediennutzung und damit die alte Verlagswelt zu revolutionieren. Klassische Printprodukte werden immer mehr durch digitale Ausgaben ergänzt und im Einzelfall sogar bereits ganz abgelöst.  

Über den iTunes-Store kann man mittlerweile fast jede Tageszeitung und Zeitschrift digital beziehen. Die Ausgaben werden in der Zeitungskiosk-App verwaltet. Das Prinzip ist einfach: Der Leser kauft sich entweder eine einzelne Ausgabe und lädt sich diese auf das iPad herunter oder er schließt ein Abonnement ab. Im Falle eines Tageszeitungs-Abos lädt er sich nun jeden Morgen oder auch schon am Vorabend  über die Wlan-Verbindung eine neue Ausgabe herunter und kann die Zeitung wie gewohnt in der S-Bahn lesen – ohne Internetverbindung. Das Angebot an digitalen Zeitschriften hängt von den jeweiligen Verlagen ab. Die meisten Verlage bieten außerdem eine kostenlose Leseprobe beziehungsweise einen Vorschaumodus auf einige ausgewählte Seiten der Ausgabe.

Im iBooks-Store ist der Vorschaumodus immer automatisch mit generiert, so dass Sie im Buch erst einige Seiten gratis lesen können, bevor Sie das Buch kaufen. Die kostenlose iBooks-App müssen Sie sich zunächst auf Ihr iPad laden. In der App werden sämtliche von Ihnen gekauften Bücher gespeichert. Sie stehen auch offline zur Verfügung. Einmal heruntergeladen, können Sie das Buch überall lesen, auch wenn keine Internetverbindung zur Verfügung steht. Sämtliche Bücher werden auch in der iCloud gespeichert, so dass Sie von jedem Gerät über iTunes Zugriff auf die Werke haben.

Wahre Leseratten wird die Auswahl in iBooks jedoch nicht zufrieden stellen. Das Sortiment umfasst laut Apple etwa 1,5 Millionen Bücher weltweit. Dass es sich jedoch dabei keineswegs um anspruchsvolle Literatur handelt, erkennt man schon beim ersten Blick in die Top-Charts der meistverkauften Bücher: Erotik- und Trivialliteratur sind an oberster Stelle gelistet.  

 

Empfehlung: Kindle als Zweitgergät

Neben iBooks gibt es im iTunes-Store auch eBook-Apps zahlreicher anderer Anbieter. So hat zum Beispiel Hugendubel eine eigene Lese-App. Die gekauften Bücher werden auch hier in der Cloud gespeichert und lassen sich auf bis zu fünf Geräte gleichzeitig laden. Lesezeichen und Notizen kann man ebenfalls einfügen. Allerdings bietet die Lese-App keinen Nachtmodus, sondern nur Weiß und Sepia als Hintergrundfarbe an. 

Auch Amazon hat auf den Trend, Bücher auf dem iPad zu lesen, reagiert und bietet eine Kindle-App an. Diese eignet sich nicht nur für alle diejenigen, die ein Kindle als Zweitgerät haben. Im mobilen Safari-Browser lassen sich über die Amazon-Webseite ebenfalls Bücher kaufen und auf das iPad in die Kindle-App laden. Das Tolle daran: Die Kindle-App speichert und synchronisiert dank der Whispersync-Funktion sämtliche Inhalte in der Cloud. Sie können am iPad an der Stelle weiterlesen, bei der Sie am Kindle aufgehört haben. 

 

Fazit: Auf das Display kommt es an

Auch wenn es mittlerweile viele eBook-Apps gibt, ist das Bücherlesen am iPad nur dann wirklich ein Vergnügen, wenn es ein Retina-Display hat. Wer noch ein Ur-iPad oder iPad 2 besitzt, ist tatsächlich mit einem Kindle-Lesegerät besser bedient. Wer das iPad Air ungern mit an den Strand nehmen möchte, sollte über ein Kindle Paperwhite als Zweitgerät nachdenken. Dank der Synchronisationsfunktion kann man später im Hotelzimmer am iPad Air an der selben Stelle, bei der man aufgehört hat, weiterlesen.

 

 

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