2064268

Erste Hilfe bei Programmfehlern

26.03.2015 | 10:48 Uhr |

Programme starten nicht mehr oder werfen mit kryptischen Fehlermeldungen um sich: Hier kann die Reparaturfunktion des Festplatten-Dienstprogrammes helfen.

Der zweite Ratgeber über die Dienstprogramme von OS X beschäftigt sich abermals mit dem Festplatten-Dienstprogramm . Diesmal geht es allerdings um das Überprüfen und Retten von Daten, denn Apple hat einige hilfreiche Werkzeuge in das Festplatten-Dienstprogramm eingebaut, die viele Probleme im Alltag beseitigen können. Das Stichwort lautet: „Erste Hilfe“. Genauso nennt sich auch eine Funktion, die man im Festplatten-Dienstprogramm aufrufen kann, wenn man in der linken Liste das fragliche Volume auswählt. Unter den drei Knöpfen im Hauptbereich findet sich nun einer mit der Bezeichnung „Erste Hilfe“.

Zugriffsrechte überprüfen

OS X basiert auf Unix, das wiederum ein komplexes System zur Vergabe von Zugriffsrechten auf jegliche Art von Dateien benutzt. Viele Probleme entstehen durch falsch gesetzte Zugriffsrechte bei bestimmten Dateien. Das kann zum Beispiel dazu führen, dass wichtige Konfigurationsdateien für das System oder Programme nicht überschrieben werden können, weil die Schreibrechte dafür nicht gesetzt sind. Oder eine Systemerweiterung startet nicht, weil in den Zugriffsrechten das Bit für „executable“, also „ausführbar“, abgeschaltet ist. Solche Fehler schleichen sich immer mal wieder ein, sei es bei der Installation von Updates, durch Abstürze von internen Systemprozessen oder wenn man den Mac von einem anderen Boot-Volume aus startet. Die Ursachen dafür sind vielfältig und lassen sich nur selten zurückverfolgen und nachvollziehen. Es gilt: Kein Mac ist vor falsch gesetzten Zugriffsrechten gefeit.

Man sollte daher grundsätzlich von Zeit zu Zeit die Zugriffsrechte des Boot-Laufwerks kontrollieren. Dazu finden Sie im Hauptbereich unten links den Knopf „Zugriffsrechte des Volumes überprüfen“. Ein Klick hierauf startet den Prozess, der je nach Mac und System zwei bis zehn Minuten dauern kann. Ein Fortschrittsbalken zeigt den Ablauf der Überprüfung an.

Das System geht dabei nach einer internen Liste vor und vergleicht den Ist-Zustand der Dateirechte mit einem festgelegten Soll-Zustand. Setzen Sie das Häkchen vor der Option „Details einblenden“ teilt das Festplatten-Dienstprogramm im Textkasten laufend mit, welche fehlerhafte Zugriffsrechte es gefunden hat. Beim Überprüfen wird aber noch nichts verändert, diese Funktion können Sie also jederzeit gefahrlos laufen lassen.

Das Massenspeicher-Glossar

HDD – Harddisk Drive Hiermit ist ein magnetisches Speichermedium gemeint. Die Daten liegen auf rotierenden, mit magnetischem Material beschichteten Platten. Magnetische Platten verfügen meist über eine sehr hohe Kapazität, sind aber sehr langsam, besonders was die Zugriffszeiten angeht.

SSD – Solid State Drive Bei einer SSD werden die Daten in speziellen Chips abgelegt, die auch nach dem Ausschalten ihren Inhalt nicht verlieren. Sie sind meist deutlich schneller als HDDs, bieten aber nicht so hohe Kapazitäten und sind teurer in der Anschaffung.

Volume Apples Bezeichnung für Partition. Ein Volume stellt ein grundsätzlich mountbares Dateisys­tem dar, das im Finder als Icon auf dem Schreibtisch erscheint. Unter OS X ist ein Volume meist im Format „Mac OS Extended“ eingerichtet, kann aber auch andere Dateisysteme (FAT-, FAT32, exFAT) enthalten. Ein physikalisches Laufwerk kann mehrere Volumes (Partitionen) enthalten.

Raid Redundant Array of Independent Disks – Ein Raid ist ein Verbund aus mindestens zwei Laufwerken, die zusammengeschaltet werden und für den Benutzer als ein einziges Laufwerk erscheinen. Dabei können die Daten entweder auf beide Laufwerke verteilt (Raid-Level-0) oder redundant gespiegelt vorliegen (Raid-Level-1). Bei mehr als zwei Laufwerken sind auch Kombinationen der Raid-Level möglich.

HFS – Hierarchical File System Apples Dateisys­tem, das in verbesserter und erweiterter Form (HFS+) auch heute noch in jedem Mac zum Einsatz kommt.

FAT – File Allocation Table Das ursprüngliche Dateisystem von Microsoft DOS und Windows-PCs. Wird in erweiterter Form (FAT32, exFAT) auch heute noch verwendet, meist für externe Massenspeicher und zum Datenaustausch.

NTFS – New Technology File System Ein von Microsoft entwickeltes Dateisystem, das ursprünglich für Server-Systeme vorgesehen war und inzwischen als Standardsystem für aktuelle Windows-Versionen (Windows 7, 8) benutzt wird.

Partitionstabelle Auf speziellen, reservierten Sektoren der Festplatte befinden sich Informationen über den logischen Aufbau des Massenspeichers. In der Regel ist der Speicher in mehrere Bereiche, Partitionen genannt, aufgeteilt. Meist sieht man nur eine dieser Partition, die anderen bleiben für den Benutzer unsichtbar. Wieviele Partitionen vorhanden sind, steht in der Partitionstabelle.

Zugriffsrechte Reparieren

Erst wenn die Funktion „Zugriffsrechte des Volumes überprüfen“ Fehler gefunden hat, sollten Sie sie mit dem zweiten Knopf „Zugriffsrechte des Volumes reparieren“ beheben lassen. Ein Klick auf diesen Knopf startet die Reparatur. Auch hier gibt das Programm laufend Informationen über den Fortschritt aus. Die Reparatur dauert mindes­tens so lange wie die reine Überprüfung, meist etwas länger.

Wichtig: Überprüft und repariert werden ausschließlich systemrelevante Dateien. Installierte Programme und Dokumente sowie Konfigurationsdateien aus den Benutzerverzeichnissen kann das Festplatten-Dienstprogramm nicht überprüfen und reparieren, weil es keine gesicherten Informationen darüber gibt, wie der Soll-Zustand aussehen muss. Das hängt schließlich immer vom Enwickler der jeweiligen Software ab, auf den Apple keinen unmittelbaren Einfluss hat. Es gibt aber dennoch eine Funktion, die die Dateirechte im Benutzerverzeichnis, zumindest rudimentär überprüfen und reparieren kann.

Volume überprüfen

Probleme mit den Benutzerrechten von Systemdateien ist eine Sache, eine ganz andere und unter Umständen viel schwerwiegendere Angelegenheit sind Fehler im Datei­sys­tem selbst. Hier kann es vorkommen, dass Dokumente beschädigt werden, sich also nicht mehr öffnen oder schreiben lassen. Ganze Verzeichnisse verschwinden, weil die Struktur der Dateiverwaltung auf dem Volume Fehler aufweist oder gar das komplette Volume lässt sich nicht mehr mounten.

Auch verwaiste Speicherbereiche (Cluster) können Probleme verursachen. Sie entstehen, wenn ein Programm eine Datei zum Schreiben öffnet, sie aber nicht mehr schließt, weil es beispielsweise vorher abstürzt. Seit Apple das Da­teisystem HFS plus um den Zusatz „Journaled“ erweitert hat, tauchen verwaiste Cluster allerdings nur noch extrem selten auf. OS X führt in einem Journal Buch über jede geöffnete Datei und schließt sie gegebenfalls selbst, wenn das eigentlich dafür zuständige Programm nicht mehr in der Lage dazu ist. Für die meisten dieser Probleme beinhaltet das Festplatten-Dienstprogramm Reparaturmöglichkeiten. Auch hier kann man das Volume zunächst überprüfen, bevor man tatsächliche Reparaturversuche unternimmt. Anders als beim Reparieren der Dateirechte erstreckt sich der Volume-Check auf alle Dateien und Verzeichnisse. Es geht sogar noch etwas tiefer. Wählen Sie statt des Volumes das physikalische Laufwerk in der linken Liste aus, führt das Festplatten-Dienstprogramm einen Check der Partitionstabelle durch. Sollte Ihre Festplatte in mehrere Volumes partitioniert sein und eines oder mehrere davon erscheinen nicht mehr auf dem Schreibtisch, bietet sich dieser Test als erste Maßnahme an.

Debug-Menü

Hinter dem versteckten Debug-Menü verbergen sich noch mehr Einstellungen und Funktionen
Die meisten sind nur für Entwickler interessant, einige kann man jedoch auch im Alltag nutzen. Schließt man etwa neue Medien an, kann man mit „Befehl-D“ die Liste aktualisieren, ohne dafür das Festplatten-Dienstprogramm neu zu starten.

Der Partitionscheck ist in der Regel in wenigen Sekunden erledigt, das Überprüfen eines Volumes kann dagegen einige Minuten dauern, je nach Füllgrad des Volumes.

Volume reparieren

Hat das Festplatten-Dienstprogramm schließlich Fehler in der Partitionstabelle oder der Da­tei­struktur gefunden, sollte man auf jeden Fall versuchen, sie mit der Funktion „Volume reparieren“ zu beseitigen. Das klappt mit allen angeschlossenen Volumes, also auch mit externen Massenspeichern, wie Raids, Thunderbolt-Festplatten oder USB-Sticks. Eine Ausnahme ist jedoch das Boot-Laufwerk, von dem der Mac gestartet wurde. Dieses kann man zwar überprüfen, nicht jedoch reparieren, da die Da­teistruktur bei laufendem Betriebssystem nicht verändert werden darf. Die Lösung: Man startet den Mac entweder von einem anderen startfähigen Volume, oder zieht die so genannte Recovery-Partition zuhilfe. Diese spezielle Partition legt der Mac seit OS X 10.7 automatisch an, wenn man ein neues System ins­talliert.

Den Mac von der Wiederherstellungspartition starten

Die Recovery-Partition (Wiederherstellungspartition) ist im Prinzip ein Mini-Startvolume auf der selben physikalischen Festplatte des „echten“ Systems. Auf dieser Partition befindet sich ein Notfallsystem und es sind einige hilfreiche Tools installiert, mit denen man zum Beispiel ein neues System installieren kann. Apple hat diese Partition eingeführt, weil es seit einiger Zeit keine System-CDs/DVDs mehr gibt, vor denen man booten und das System neu installieren könnte.

Und so gehts: Starten Sie den Mac neu. Kurz nach dem bekannten Einschaltton drücken Sie die Tastenkombination „Befehl-R“ und halten Sie sie gedrückt bis der bekannte Apfel auftaucht. Nach einiger Zeit erscheint ein Dialog „OS X-Dienstprogramme“. Wählen Sie hier den letzten Punkt „Festplatten-Dienstprogramm“ aus und klicken Sie auf „Fortfahren“. Nun startet das bekannte Utility und jetzt lässt sich auch das Startvolume des Mac reparieren. Klicken Sie es dazu in der Liste an und aktivieren Sie die Funktion „Volume reparieren“.

Nach erfolgter Reparatur starten Sie den Mac neu, indem Sie das Festplatten-Dienstprogramm beenden („Befehl-Q“). Es erscheint nun wieder der Dialog OS-X-Dienstprogramme. Wenn Sie dieses ebenfalls mit „Befehl-Q“ beenden, sehen Sie einen Auswahldialog mit dem Knopf „Neustart“. Ein Klick darauf bootet den Mac wieder in das normale System. Eventuelle Probleme sollten nun behoben sein. Das Festplatten-Dienstprogramm behebt leider nicht alle Probleme. Es kann passieren, dass es mit einer Fehlermeldung abbricht und die gefundenen Fehler nicht korrigiert. Hier hilft nur noch ein Tool von Drittanbietern oder das Zurückspielen eines Backups.

EFI-Partition

Was beim PC das BIOS ist, ist beim Mac EFI. Diese spezielle Partition enthält die grundlegenden Treiber, um das System von der Festplatte zu starten und Maus, Tas­tatur und Bildschirm zu nutzen. Auch lässt sich über EFI ein Bootmanager starten (beim Booten die Alt-Taste gedrückt halten).

Versteckte Volumes anzeigen

Im Normalfall sieht der Benutzer nur eine Partition auf der eingebauten Festplatte, nämlich das Boot-Laufwerk. Falls man mehrere Partitionen angelegt hat, werden sie ebenfalls in der Liste im Festplatten-Dienstprogramm angezeigt. Es gibt jedoch noch weitere Partitionen, die ab Werk für den Anwender unsichtbar sind, damit er sie nicht aus Versehen löscht. Zum einen ist dies die schon erwähnte Wiederherstellungspartition. Aber auch die so genannte EFI-Partition ist unsichtbar. Von der EFI-Partition startet der Mac ganz am Anfang der Boot-Phase, bevor das eigentliche System geladen wird. Ohne diese Partition kann der Mac nicht von diesem Volume booten.

Mit einem Trick kann man die unsichtbaren Partitionen im Festplatten-Dienstprogramm sichtbar machen. Beenden Sie dazu das Fest­platten-Dienstprogramm und öffnen das Unix-Terminal. Tippen Sie im Terminal folgende Zeile ein:

 defaults  write  com.apple.DiskUtility  DUDebugMenuEnabled  1

Starten Sie jetzt wieder das Festplatten-Dienstprogramm. Es gibt nun ein neues Menü „Debug“ in der Menüleiste, wählen Sie den Punkt „Jede Partition einblenden“. Fortan sehen Sie in der Liste auch die EFI- und Recovery-Partition.

0 Kommentare zu diesem Artikel
2064268