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Fake-iPhone: 150 Euro für Nichts

05.11.2014 | 10:36 Uhr |

Im Urlaub am Strand oder im Internet werden häufig Fake-iPhones angeboten. Wir haben uns eines gekauft und den Zoll dazu befragt.

Es heißt iPhone 4S, es ist aus Plastik und kann nichts - außer Mimikry: Es sieht auf den ersten Blick aus wie ein iPhone 4S. Gekauft auf einem Autobahnparkplatz in Ungarn -  150 Euro. Besonders im Urlaub ist die Abzocke mit gefälschten iPhones eine beliebte Masche. iPhone-Kenner und misstrauische Menschen würden nie darauf hereinfallen und dennoch gibt es immer wieder Opfer solcher Betrugsmaschen.

Was der Zoll dazu sagt

"Gefälschte Ware wird in den meisten Urlaubsländern an Stränden, in Shops oder auf Märkten angeboten." berichtet Thomas Herberg vom Hauptzollamt München. Wer ein solches Fake-Handy aus dem Urlaub mitbringt, hat zwar Geld in den Sand gesetzt, muss aber an der Grenze keinen zusätzlichen Ärger befürchten. Seit dem 1. Januar 2014 gilt eine Verordnung, nach der es straffrei ist, gefälschte Waren aus dem Ausland mitzubringen, sofern dies nicht gewerblich passiert und der Wert unter der Freigrenze von 430 Euro liegt. 

Der betrogene Kunde muss also zumindest an der Grenze nicht befürchten, Strafe zu zahlen. Er darf das falsche iPhone sogar behalten. Hat der Zoll jedoch den Verdacht, dass die Einfuhr einen gewerblichen Hintergrund hat, kann es schnell eine Strafanzeige geben.

Ganz anders sieht das aus, wenn man gefälschte Ware per Post aus dem Ausland bestellt. Diese wird vom Zoll eingezogen und der Fall an den Rechteinhaber, in diesem Fall also Apple, gemeldet. Der könnte dann rechtliche Schritte einleiten. Deshalb sollte man auch nicht aus Spaß oder Neugierde falsche iPhones bestellen. "Finger weg von ebay-Käufen im Ausland" rät der Zoll. 

"Warten Sie bitte, wird zerstört"

150 Euro hat das Opfer unseres gefälschten iPhone 4S bezahlt. Es sieht aus wie ein iPhone, es funktioniert und auch die Software entspricht optisch iOS 6. Im Detail stimmt nichts davon. Kaum eine Funktion tut was sie sollte und vom Gehäuse bis zur Software ist alles billiger Nachbau. Doch für ein kurzes Verkaufsgespräch in hektischer Umgebung kann das bei einem Nicht-Kenner ausreichen. Laut Typenbezeichnung und optischer Merkmale ist es ein iPhone 4, der Karton behauptet jedoch, dass es ein iPhone 4S sei.

Die vermeintliche Maps-App verrät den Java-Unterbau des Systems und droht mit Selbstzerstörung.
Vergrößern Die vermeintliche Maps-App verrät den Java-Unterbau des Systems und droht mit Selbstzerstörung.

Bei näherer Betrachtung ist das angebliche iPhone 4S so schlecht, dass es fast Spaß macht, die vielen "Funktionen" auszuprobieren. Vom selbst gebastelten Karton, dem klapprigen Plastikgehäuse über den schlecht reagierenden Plastiktouchscreen: das Telefon ist Billigschrott. Die Software ist unterhalb des iOS-Skins ein Java-System, viele der Apps entpuppen sich als Browserlesezeichen auf Facebook und Co. Dazu gesellen sich einige nachgemachte Spieleapps und gleich mehrere virtuelle Striptease-Anwendungen. Telefonieren, Musik hören und SMS-Nachrichten funktionieren, bei fast allen anderen Dingen muss das Billig-Phone passen. 

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