Erste Eindrücke

Finder-Tabs und Tagging mit OS X Mavericks

03.07.2013 | 10:00 Uhr | Jason Snell, Christian Remse

Mit dem runderneuerten Finder dürfte Apple vor allem bei professionellen Nutzern punkten. Wir werfen einen detaillierten Blick auf die Neuerungen.

Seit 1984 gehört der Datei-Manager „Finder“ als fester Bestandteil zum Mac-Betriebssystem. Obwohl die meisten Mac-Nutzer ihre Daten über den Finder verwalten, hat dieser seit jeher auch für Verwirrungen gesorgt. Um die Suche nach Daten zu vereinfachen, hat Apple deshalb Anwendungen wie Spotlight unter Tiger und Launchpad unter Lion eingeführt.

Unter Mavericks widmet Apple seine Aufmerksamkeit nun wieder ganz dem Finder – vermutlich, da das Entwickler-Team festgestellt hat, dass der Datei-Manager doch unerlässlich ist. So verfügt der Finder im künftigen Betriebssystem über eine Reiterverwaltung sowie die Möglichkeit, Daten mit Tags zu versehen.

Von Browser-Tabs gelernt: Reiter im Finder

Oben gut zu sehen: Mehrere geöffnete Finder Tabs. DIese
erleichtern die Organisation ungemein. In der Seitenleiste des
Finders finden nun die Tags ihren festen Platz.
Vergrößern Oben gut zu sehen: Mehrere geöffnete Finder Tabs. DIese erleichtern die Organisation ungemein. In der Seitenleiste des Finders finden nun die Tags ihren festen Platz.

Als Browser noch neu waren, musste der Nutzer für jede neue Webseite ein neues Fenster öffnen. Gerade bei vielen geöffneten Webseiten verlor man dadurch schnell die Übersicht. Mitte der 90er-Jahre verstanden es Browser zunehmend, unterschiedliche Webseiten in einem Fenster auf Reitern darzustellen. Apple hat diese mittlerweile gängige Verwaltungs- und Darstellungsform nun auch in den Finder von OS X Mavericks integriert. Hält der Nutzer die Befehlstaste gedrückt, während er gleichzeitig auf den Ordner klickt, erscheint der Inhalt in einem neuen Reiter. Alternativ dazu kann der Anwender – genau wie in Safari – per Tastenkombination „Command“ und „T“ zuerst einen neuen Reiter öffnen und die Ordnerinhalte anschließend darin darstellen lassen.

Da sich jeder Reiter wie ein separates Fenster verhält, können auch die Einstellungen individuell vorgenommen werden. Das heißt: Während der eine Reiter Inhalte beispielsweise als Symbole darstellt, fasst ein anderer diese in einer Liste zusammen. Daten selbst verschiebt der Nutzer wie gewohnt per Drag-and-Drop. Zudem stellt Mavericks den Finder auf Wunsch im Vollbildmodus und somit als einzelnes Fenster samt Reiter dar. Mission Control hilft dem Nutzer dabei, zwischen dem Finder und anderen Anwendungen im Vollbildmodus bequem hin- und her zu wechseln.

Per Menüleistenbefehl werden alle geöffneten
Finder-Fenster in einzelnes zusammengeführt.
Vergrößern Per Menüleistenbefehl werden alle geöffneten Finder-Fenster in einzelnes zusammengeführt.

Tagging – Dateien etikettieren

Während die Suchfunktion „Spotlight“ Dateien nach deren Merkmalen und Inhalten aufstöbert, können Anwender unter Mavericks ihre Daten künftig auch mittels Tags kategorisieren. Tags stammen ursprünglich aus der Blogger- und Social-Media-Welt. Dort haben sie den Vorteil, dass Suchende Einträge zu einem bestimmten Thema schneller finden. Apple hat diese Idee aufgegriffen und ermöglicht es nun unter Mavericks ausgewählte Dateien zu kennzeichnen, um diese anschließend per Klick auf den Tag-Filter leichter aufzustöbern. Alternativ dazu kann der Nutzer den Titel des Tags wie „Büro“ auch in die Finder-Suchleiste eintippen und somit ebenfalls alle damit verknüpften Dateien auf einen Blick im Datei-Manager-Fenster anzeigen lassen.

Auch in iCloud darf künftig getagt werden.
Vergrößern Auch in iCloud darf künftig getagt werden.

Text-Tags lassen sich beispielsweise während des Speichervorgangs einer Datei anlegen. Die entsprechende Option ist unterhalb der Dateinamenzeilen im Dialogfenster zu finden. Hier kann der Nutzer wahlweise ein neues Etikett anlegen oder aus bereits existierenden Etiketten auswählen. Sollten Sie beispielsweise vergessen haben, Dateien während des Speichervorgangs mit Tags zu versehen, können Sie diese im Finder über die entsprechende Schaltfläche nachreichen. Hierzu müssen Sie lediglich die entsprechende Datei markieren und danach mit einem Tag aus der Liste versehen. Alternativ dazu können Sie zu markierende Dateien in die Seitenleiste ziehen und über dem gewünschten Tag loslassen oder über passenden Befehl im Kontextmenü (während des Mausklicks die Control-Taste drücken) markieren.

Schon beim Abspeichern einer Datei können Sie diese mit
einem Tag versehen.
Vergrößern Schon beim Abspeichern einer Datei können Sie diese mit einem Tag versehen.

Tags müssen dabei nicht unbedingt als Text angelegt werden, Mavericks erlaubt es dem Anwender, Dateien mittels Farben zu etikettieren. Kleiner Nachteil: Die Palette ist auf insgesamt acht Farben begrenzt. Während die bisherige farbliche Etikettierung von Dateien den gesamten Dateinamen umfasst, erscheint unter Mavericks lediglich ein kleiner, farblicher Kreis neben dem Dateinamen. Dies hat den Vorteil, dass eine Datei mit mehr als nur einem farblichen Etikett versehen werden kann, denn Mavericks stellt sie als leicht überschnittene Farbkreise und somit separat erkenntlich dar.

Zwischenstand: Ein bislang unfertiges Erzeugnis

Obwohl so manche Tagging-Funktionen einen soliden Eindruck machen, hinken andere hinterher. Gerade diejenigen, die Farb-Tags bevorzugen, haben bei der äußerst begrenzten Anzahl an acht Markierungsmöglichkeiten das Nachsehen. Auch wenn Apple dem Finder unter Mavericks wieder etwas mehr Aufmerksamkeit geschenkt hat, ist davon auszugehen, dass das Unternehmen vielschichtigere Organisationsmöglichkeiten im Auge hat als nur Daten in farblich markierten Ordner abzulegen.

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