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Ersatz für Google Reader

15.05.2013 | 11:18 Uhr |

Der Suchmaschinengigant stellt Google Reader, den beliebten RSS-Feed-Aggregator, Mitte des Jahres ein. Für die einfache Verwaltung von Newsfeeds gibt es Ersatz, kostenpflichtig und auch kostenlos

Trotz Twitter und sozialer Netzwerke bleiben RSS-Feeds eine wichtige Quelle für alle Nutzer, die sich zeitnah bei vielen Portalen über Neuigkeiten informieren wollen.

Das Lesen in Safari bringt angesichts von Navigationsleisten und Bannerwerbung auf dem iPad nicht immer Spaß. Schon seit Jahren bieten Websites, Portale und Blogs deshalb RSS-Feeds. Entsprechende Apps auf dem iPad bieten dann schnelleren Überblick: Sie zeigen Headlines der ausgewählten Webangebote übersichtlich an und greifen auf verschiedene Quellen gleichzeitig zu. Viele Websites zeigen das kleine RSS-Symbol, oft nahe den Icons für soziale Netze wie Twitter oder Facebook.

RSS-Sammler Google Reader

Nutzer von RSS-Feeds müssen in den meisten Fällen die URLs der Angebote in der Reader-App eintragen, einige Apps kommen bereits mit einer Liste an Vorschlägen, sortiert nach Themengebieten. Beim Wechsel der App oder der Nutzung mehrerer Geräte zum Lesen sind dann oft die genannten Adressen und vorgenommenen Sortierungen neu anzulegen.

Eine willkommene Hilfe ist hier seit Jahren Google Reader. Seit 2005 übernimmt der Dienst die Aufgabe, die Inhalte von Online-Medien über RSS- oder Atom-Feeds zu syndizieren. Über das Webinterface lassen sich neue Feeds hinzufügen, bestehende in Ordnern zur besseren Übersicht sammeln. Dazu können Sie interessante Nachrichten zum späteren Lesen markieren, über Google+ empfehlen oder per Mail verschicken. Der Dienst wurde im Laufe der Jahre zum Standard. Das haben auch die Entwickler von RSS-Apps erkannt.

Viele der besseren Apps erlauben es Ihnen, sich über Ihren Google-Account mit Google Reader zu verbinden und die gewählten Feeds zu übernehmen. Fügen Sie etwa beim iPad in Ihrer RSS-App einen neuen Feed hinzu, wird das auch mit Google Reader synchronisiert. Ab dem 1. Juli stellt Google diesen Dienst ein.

Gründe für das Aus

Dass Google den Dienst abstellt, verwundert etwas, wird aber trotz Petitionen und Geheule in der User-Szene sicher dennoch passieren. Das Unternehmen gibt zu geringe Nutzerzahlen an. Vermutlich ist die Einstellung aber einer Mischung aus mehreren Gründen geschuldet. Google will sein immer noch nicht auf Hochtouren laufendes soziales Netzwerk Google+ aufpeppen, vielleicht findet sich hier in Zukunft ein Teil der Funktionalität wieder. Außerdem ließen sich mit dem Dienst keine Werbeeinnahmen erzielen, ein K.-o.-Kriterium für ein Unternehmen, das von Werbung lebt. Der Frühjahrsputz trifft übrigens nicht Google Reader allein. Über 70 Dienste und Projekte hat das Unternehmen beendet, man will sich „auf wesentliche Entwicklungen konzentrieren“.

Backup von Google Reader

Wer bislang zwar RSS-Apps mit Feeds, nicht aber Google Reader einsetzte, muss nicht aktiv werden. Aktiv werden sollte, wer bislang nur Google Reader nutzte, entweder am Rechner per Webbrowser oder über die App Google Suche , die die Readerfunktion beinhaltet. Auch Benutzer solcher Apps, die ausschließlich als Interface zu Google Reader arbeiten, sollten handeln.

Google bietet für alle Dienste per Webbrowser eine sehr gute Backup-Funktion, die einfach zu nutzen ist. Wie im Kasten links gezeigt, erstellen Sie einfach ein Backup Ihrer Google-Reader-Daten, darunter ist auch eine XML-Liste der von Ihnen abonnierten RSS-Feeds. Sie lässt sich später in geeignete Apps importieren, sie ersparen sich dann das Eintippen der Feed-Adressen.

Ersatz für Google Reader

Aktuell gibt es noch wenig Ersatz für einen Dienst wie Google Reader. Als einer der Ersten aus den Startlöchern kam Feedbin , der Dienst bietet mit Google Reader vergleichbare Leistungsmerkmale. Er schlägt allerdings mit 2 US-Dollar pro Monat zu Buche. Dafür öffnet der Dienst per API den Zugriff über Drittanbieter-Apps auf die Feeds und deren Verwaltung – technisch ist die Lösung Google Reader am ähnlichsten und somit ein echter Ersatz für Google Reader ab Sommer.

Noch kostenlos ist der ebenfalls geeignete Dienst Feedly . Das Unternehmen gab bekannt, dass man nach der Bekanntgabe des Aus von Google Reader in kürzester Zeit rund drei Millionen neue Nutzer verzeichnen konnte. Aktuell ist die Nutzung von Feedly kostenlos, ebenso wie die App . Wer die App jetzt nutzt, bekommt einen sehr einfachen Umstieg dazu. Sie melden auch Ihren Google-Reader-Account in der App an, Ihre Feeds und Sortierung der Quellen wird übernommen. Laut Aussage des Unternehmens ist es vorstellbar, dass es in Zukunft neben einer kostenlosen Lösung auch eine Bezahlversion geben wird.

Spannend bleibt, welcher Anbieter neben Feebin APIs für App-Entwickler anbieten wird. Die müssen die zahllosen Entwickler der RSS-Apps dann einfach in ihre App integrieren.

RSS ohne Service

Viele Nutzer von Google Reader benötigen keinen Syndication-Dienst, da nur ein paar Dutzend Feeds von Interesse sind. Google Reader wurde bei vielen einfach genutzt, da der Dienst vorhanden war. Alternativ kann diese Nutzergruppe einfach zu einem guten RSS-Reader greifen und die interessanten Feeds manuell eintragen und nutzen.

Wir zeigen im Folgenden, wie Sie Ihre Daten aus Google Reader sichern, neue Dienste nutzen und die besten Apps für RSS-Feeds.

Backup Google Reader

Daten über den Browser sichern Google bietet seinen Nutzern eine einfach Backup-Funktion für alle wichtigen Dienste per Browser-Interface. Erstellen Sie auf jeden Fall ein Backup Ihrer Daten von Google Reader, bevor der Dienst abgestellt wird. Dazu melden Sie sich mit Ihrem Google-Account bei Google Reader an und wählen das kleine Zahnrad-Icon oben rechts, um zu den Einstellungen zu gelangen.

Unter dem Reiter „Import/Export“ finden Sie die Einstellungen zum Im- und Export von Feed-Listen. Wählen Sie die Exportoption, Google stellt die Daten in wenigen Sekunden zusammen und zum Download bereit. In der XML-Datei finden Sie Ihre abonnierten Feeds.

Wie bei allen Diensten erlaubt Google auch bei Google Reader den Export sämtlicher wichtigen Einstellungen und Daten über den Webbrowser auf den Rechner.
Vergrößern Wie bei allen Diensten erlaubt Google auch bei Google Reader den Export sämtlicher wichtigen Einstellungen und Daten über den Webbrowser auf den Rechner.
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