Von Walter Mehl, Christian Möller - 13.11.2012, 12:15

Geschwindigkeitsvergleich

Lion gegen Mountain Lion im Speed-Test

©Apple

Bei aktuellen Macs hat man keine Wahl: OS X Mountain Lion ist vorinstalliert. Auf älteren Rechnern stellt sich durchaus die Frage: Läuft der Mac mit OS X 10.8 schneller als mit OS X Lion?
Wer von Lion (OS X 10.7) auf die aktuelle Version OS X 10.8 Mountain Lion wechselt, tauscht weite Teile des Betriebssystems aus. Da bei diesem Schritt alle Zwischenspeicher und andere Beschleunigungshilfen gelöscht werden, kann der Mac beim ersten Start mit dem neuen Betriebssystem sehr langsam werden. Doch das sollte sich nach weiteren Neustart-Versuchen und ein bis zwei Tagen Arbeit für den Neuaufbau des Spotlight-Index wieder legen.

Was nach dem Update bremst

Software wird heute mit einer Reihe von Hilfsmechanismen ausgeliefert: Microsoft Word beispielsweise prüft bei jedem Programmstart, ob alle Dateien und Erweiterungen noch vorhanden sind und stellt fehlende Dateien aus einem Archiv notfalls selbst wieder her. Da eine solche Wiederherstellung Zeit kostet, starten wir mit unseren Messungen erst, nachdem Word mehrere Male genutzt wurde.
Bei jedem großen System-Update werden sämtliche Erweiterungen des Unix-Kerns (die so genannten „kernel extensions“) erneuert und der Index für Spotlight (die Suchfunktion mit der Lupe rechts oben im Finder) gelöscht. Beide Maßnahmen reduzieren die Geschwindigkeit nach dem Update deutlich. Nach dem ers­ten Neustart prüft OS X dann, welche Erweiterungen kompatibel sind und welche für den Betrieb dieses speziellen Mac notwendig sind. Alle Erweiterungen, die diese Anforderungen erfüllen, werden dann zusammen in eine große Datei kopiert, damit beim nächsten Neustart nur noch diese Datei namens „kernel extensions cache“, aber nicht mehr die komplette Liste berücksichtigt und geladen werden muss.

Unser Text-Mac

Labortests sind meist mit Kritik behaftet. Wir versuchen daher in unseren Tests so gut es geht Praxisbedingungen herzustellen und so weit wie möglich auf synthetische Benchmarks zu verzichten
Für den Geschwindigkeitsvergleich in diesem Jahr verwenden wir einen Mac Mini vom Frühjahr 2012. Als Prozessor arbeitet ein Intel Core i5 mit 2,3 GHz Taktrate. Acht Gigabyte Arbeitsspeicher sind verbaut. Die Systemsoftware und alle Programme installieren wir auf einer SSD-Festplatte von Plextor. Arbeitsspeicher und SSD sind von uns speziell für den Test eingebaut, damit der Mac Mini optimale und reproduzierbare Ergebnisse liefert. Besonders magnetische Massenspeicher können sehr stark streuende Ergebnisse liefern, ein Phänomen, das mit einer SSD deutlich reduziert wird.
Wer die Standardausstattung mit zwei Gigabyte Arbeitsspeicher und 500 Gigabyte Festplatte verwendet, wird bei den Messwerten für Rechner- und App-Start spürbar langsamere Ergebnisse feststellen. Für den Test wechseln wir zwischen OS X Lion 10.7.5 und OS X Mountain Lion 10.8.2.
Gleiches gilt für den Neuaufbau der Datenbank, die für die Spotlight-Suche notwendig ist. Dazu lesen die Hintergrundprogramme von Spotlight alle Dateien auf dem Mac neu. Zwar werden dabei nicht alle der Dateien (in der Regel einige Hunderttausend) berücksichtigt, doch selbst ein moderner Mac mit Mehrkernprozessor und ausreichend Arbeitsspeicher ist mit der kompletten Re-Indizierung einige Stunden bis einige Tage beschäftigt.
Wir empfehlen, diese Arbeiten an der Spotlight-Datenbank zu kontrollieren. Dazu startet man das Dienstprogramm „Aktivitätsanzeige“ und blendet dort (falls noch nicht geschehen) über den Befehl „Darstellung > Spalten > % CPU“ die Belastung des Prozessors ein. Anschließend stellt man rechts oben im Hauptfens­ter von Aktivitätsanzeige den Filter auf „Alle Prozesse“ um und tippt in das Feld daneben die Buchstaben „md“. Damit erhält man eine Liste aller Hintergrundprogramme, die zu Spotlight gehören (plus eventuell einige Programme mit ähnlichem Namen). Speziell „mds“ und „mdworker“ belasten während der Arbeit an der Spotlight-Datenbank den Prozessor mit bis zu 50 Prozent seiner Kapazität. Ist die Arbeit abgeschlossen, sinkt die Prozessorbelastung auf Werte von 0 bis 1 Prozent.
Wie bereits beim Geschwindigkeitsvergleich zwischen Snow Leopard und Lion, prüfen wir das Tempo des neuen OS X in mehreren Runden und addieren die einzelnen Ergebnisse zu einem Fazit.

Runde 1: Rechner- und Programmstart

Nach dem Einschalten ist der Testrechner, ein Mac Mini (Testkonfiguration siehe Kasten unten) mit OS X Lion schneller betriebsbereit. Zwischen einer halben und einer ganzen Sekunde gewinnen wir mit dem nicht mehr ganz aktuellen Betriebssystem.
Der Grund ist schnell ermittelt: OS X Mountain Lion muss einige zusätzliche Hintergrundprogramme starten, unter anderem für Gatekeeper und für die iCloud-Dienste. Selbst wenn man iCloud explizit deaktiviert, werden diese Programme in den Arbeitsspeicher geladen, bleiben dann aber inaktiv.
Unser Testkandidat Garageband öffnet sich unter OS X Mountain Lion schneller. Obwohl wir auf beiden Versionen des Betriebssystems dieselbe Garageband-Version verwenden, messen wir mehr als drei Sekunden Vorsprung für Mountain Lion.
Der Unterschied ist bemerkenswert (zehn Prozent Geschwindigkeitszuwachs) und auf den ersten Blick nicht zu erklären. Wir vermuten, dass OS X Mountain Lion weniger Zeit verschwendet, um eine Backup-Datei anzulegen und bei der Reservierung von Arbeitsspeicher schneller arbeitet. Denn diesen schnelleren Start messen wir auch bei anderen Programmen: Zum Beispiel beim Browser Chrome.
Die schnellere Reservierung von Arbeitsspeicher („memory management“) erklärt einen ähnlichen Mess­wert beim Komprimieren von Dateien (in einem ZIP-Archiv). Dabei wird das Original – wenn möglich – komplett in den Arbeitsspeicher geladen und dort komprimiert. OS X Mountain Lion erledigt den Job 22 Prozent schneller als Lion.
Erstes Zwischenergebnis Die längere Zeit für den Rechnerstart ist ärgerlich, doch da die zusätzliche Warterei kurz ausfällt, wollen wir OS X Mountain Lion noch nicht verdammen. Denn danach erfreut uns das neue Betriebssystem mit sehr guten Zeiten für den Start weiterer Programme.

Runde 2: Photoshop CS5

Photoshop ist noch immer auf vielen Macs im Einsatz. In unserem Test steuert ein Skript eine Aktion aus 25 Befehlen, die typisch für die tägliche Arbeit sind. Sie kombiniert zum Beispiel den Gaußschen Weichzeichner, Beleuchtungseffekte sowie Staub und Kratzer entfernen.
Adobe verwendet in Photoshop seit Jahren eine eigene Verwaltung für den Arbeitsspeicher und profitiert deshalb nicht von den Verbesserungen in OS X Mountain Lion.
Klares Unentschieden Das Skript läuft neun Sekunden. Unterschiede zwischen den Betriebssystemen machen sich nicht bemerkbar, weil Photoshop sich in seiner eigenen Welt bewegt.

Runde 3: iTunes

Solange es Musik auf CD gibt, ist iTunes am Mac das Mittel der Wahl: Die Software lädt die Titel aus der Internet-Datenbank CDDB und holt die Musik von der CD auf den Mac – auf Wunsch auch mit einer erweiterten Fehlerkorrektur (dann wird die CD als Audio-CD und nicht als Datenstrom eingelesen).
Diesmal ermitteln wir leichte Vorteile für OS X Lion: Unter diesem Betriebssystem arbeitet die von uns verwendete Version iTunes 10.7 bei der Umwandlung von Musik in eine MP3-Datei einen Tick schneller (2,5 Prozent). Erzeugt man jedoch die von Apple bevorzugten AAC-Dateien messen wir keinen Unterschied. Das liegt daran, dass der AAC-Codec in iTunes nur einen Rechenkern nutzt.
Kein Sieger erkennbar Der leichte Vorteil für Lion beim Kodieren von MP3-Dateien in iTunes kann eine Messungenauigkeit sein. Von der verbesserten Speicherverwaltung in OS X Mountain Lion profitiert iTunes grundsätzlich nicht.
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