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Google Fotos werblich, Apple privat – Bilder in die Cloud laden

02.03.2016 | 08:31 Uhr |

Mit der Auswahl eines Online-Anbieters zum Speichern privater Fotos trifft man auch eine Entscheidung für ein Unternehmen und eine Monetarisierungsstrategie. Folgender Artikel soll helfen, die teils undurchsichtigen Mechanismen hinter der Online-Fotoverwaltung zu verstehen.

Geht es um den Schutz der Privatsphäre, zieht Google größte Aufmerksamkeit auf sich. Mit der Veröffentlichung des eigenen Services Google Photos   mit seinem unbegrenzten und kostenlosen Speicherplatz wurde wieder einmal Kritik am Google-Prinzip laut. Google erklärt selbst , Inhalte von Notizen und anderen Dienstleistungen auszuwerten und diese Informationen zur Vermarktung von Werbeblöcken zu nutzen.

Was passiert bei Google mit meinen Bildern?

Auf Googles Server hochgeladene Bilder durchlaufen automatisch mehrere Algorithmen. Dabei versucht Google herauszufinden, welche Gegenstände auf den Bildern sind (Personen, Bäume, Katzen und so weiter), um diese dann besser gruppieren zu können. Auf Anfragen in der Vergangenheit hat Google nur geantwortet, damit noch keine Monetarisierung zu planen.

In den Augen der Kritiker hat Google nur Werbezwecke im Sinn, doch dürfte weit mehr dahinter stecken. Fotos sind die neue Währung, um die es im Kampf mit Algorithmen geht: Das sogenannte Machine Learning – auch unter dem Stichwort "Künstliche Intelligenz" bekannt.

Die smarteste Firma gewinnt

Ein Algorithmus ist im besten Falle selbst lernend. Das bedeutet, je mehr Daten zum Training zur Verfügung stehen, desto klüger wird er. Bei schier unendlich vielen Bildern hat Google also Trainingsmaterial für lange Zeit. Die Bilder der Nutzer werden also sehr wohl analysiert und ausgewertet. Ein Ziel des maschinellen Lernens könnte sein: Googles Algorithmus erkennt, welche Freunde man zu welcher Zeit hatte, oder ob die eigene Katze noch lebt.

Mit Hilfe dieser Mechanismen erarbeitet sich Google auf lange Sicht eine Vormachtstellung, aus der es Profit schlagen kann. Apple sieht sich zwar auch immer mehr als Service-Unternehmen, bei iCloud steht aber der Verkauf von Speicherplatz als Geschäftsmodell im Vordergrund. Die Services sollen zwar immer mehr für sich selbst stehen, doch profitiert Apple davon, den iCloud-Abonnenten von Zeit zu Zeit auch neue Rechner zu verkaufen

Wie privat sind meine Daten bei Apple

Beide Dienste, iCloud und Google Photos, erkennen Gesichter in Fotos und erlauben deren Identifizierung (Google automatisch, bei iCloud nach Klicken und Benennen durch den Benutzer). Dies lässt den Schluss zu: Durchforstet auch Apple meine Bilder? Natürlich lautet die Antwort ja. Apple allerdings legt aber stark Wert darauf, diese Daten auch nur dem jeweiligen Nutzer zur Verfügung zu stellen.

Apples Desktopanwendung für OS X lässt das Identifizieren und Zuordnen von Gesichtern und Personen zu. Die Filter kommen auch mit riesigen Fotomediatheken zurecht. Die gewonnen Informationen werden nicht an Dritte weitergegeben, beruhigt Apple.
Vergrößern Apples Desktopanwendung für OS X lässt das Identifizieren und Zuordnen von Gesichtern und Personen zu. Die Filter kommen auch mit riesigen Fotomediatheken zurecht. Die gewonnen Informationen werden nicht an Dritte weitergegeben, beruhigt Apple.

Bislang ist nicht bekannt, ob Apple auch an einem Art Informationsnetzwerk arbeitet. Also um bestimmte Nutzer und Interessen miteinander zu verbinden, um etwa Siri oder andere Dienste intelligenter zu machen. Aus Nutzersicht ist Apples Lösung also am sichersten. Die Bilder werden nicht aus Werbezwecken durchforstet und auch sonst nicht an Dritthersteller weitergegeben. Backups werden außerdem verschlüsselt auf Apples Servern abgelegt .

Flickr arbeitet nach dem Google Prinzip

Auch der sehr beliebte Online-Fotodienst Flickr wertet Bilder seiner Kunden aus, um ihnen direkt Werbung anzuzeigen . Beispiel: Der Nutzer besucht ein Autohaus einer bestimmten Marke und bringt davon ein paar Erinnerungsfotos mit. Anhand derer Geo-Daten erkennt Flickr die Marke des Autos und zeigt anschließend einen Banner an, der zum Kauf eines Modells eben jener Marke anregen soll.

Die Yahoo-Tochter Flickr ist kein Unternehmen mit so weit reichendem Anspruch wie Google, daher bleibt die Kritik an deren Geschäftsmodell verhältnismäßig still. Dennoch sollten sich Nutzer auch dort zuerst informieren, bevor sie wahllos Bilder hochladen ohne Kenntnis von ihrer Auswertung zu haben. Abstellen kann man das Scannen der Bilder zu Werbezwecken übrigens nicht.

Fazit

Wer um sein Privatsphäre fürchtet, sollte Cloud-Anbieter generell meiden. Wo auch immer die Fotos lagern und was mit ihnen geschieht, ist nicht mehr in der Hand des Nutzers. Apples iCloud schneidet unter den großen Anbietern aus unserer Sicht am Besten ab. Die Bilder dort werden nicht für Werbezwecke ausgewertet oder weitergereicht.

Google bleibt sich seinem Prinzipien treu, und nutzt die neue Bilderflut um eigene Algorithmen zu verbessern, und zu einem späteren Zeitpunkt wohl auch zu vermarkten. Flickr arbeitet nach genau dem gleichen Vermarktungsprinzip, dürfte aber weitaus weniger Computer-Intelligenz mitbringen, um tiefe Schlüsse aus den Fotos zu ziehen. Dort stehen Geo-Daten und Informationen aus den Exif-Daten im Vordergrund.

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