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Google Photos schlägt iCloud Photos bei der Bildverwaltung

26.02.2016 | 09:26 Uhr |

Selbst immer größere Speicher in Smartphones können mit einem Trend nicht mithalten: Dem Aufnehmen von Fotos immer und überall. Smartphones haben für eine Vielzahl von Menschen die normale, spiegellose Kamera ersetzt. Online-Dienste versprechen ein sofortiges Hochladen aller Fotos, und haben auch sonst noch einige Asse im Ärmel. Warum Google aber das bessere Angebot im Vergleich zu Apple hat.

Einmal im Apple-Ökosystem angekommen bietet sich für viele iPhone- und Mac-Besitzer für die digitale Verwaltung von Fotos vor allem iCloud Fotos an. Der Dienst reiht sich nahtlos in die Apples Software ein und kommt mit einer eingebauten Anwendung für iOS und OS X. Auch im Browser kann man die eigenen Fotos teilen und organisieren. Doch wie schlägt sich der Dienst im Vergleich zur großen Alternative, Google ?

iCloud glänzt nur anfangs

Anders als die Dienste von Drittherstellern  zeigen die von Apple auf  iPhone und Mac ihre wahre Stärke. Ohne langwieriges Einrichten werden sofort aufgenommene Fotos in die iCloud geladen. Beim nächsten Familienbesuch kann man zudem von jedem verfügbaren Computer aus die Fotos zeigen. Benutzt man Fotos für OS X, die Fotos-App unter iOS und die iCloud-Mediathek aber schon eine Weile, häufen sich die Störfaktoren.

Je größer die Anzahl der Megapixel der Kamera, desto mehr Speicherplatz benötigen die digitalen Erinnerungsstücke. Die iCloud bietet bis zu einem Terabyte an Speicherplatz, der mit knapp 10 Euro im Monat zu Buche schlägt . Gratis gibt es für jede Apple ID nur 5 GB, was schon recht bald nicht mehr ausreichen wird. Aber auch die Stufen mit 50 GB und 200 GB Speicherplatz und selbst das eine Terabyte führt für die meisten Anwender bald zu Problemen, wollen sie alle ihre Fotos lagern.

Denn die in die iCloud hochgeladenen Bilder erscheinen nur auf dem jeweiligen Endgerät, wenn auf diesem auch genügend Speicherplatz vorhanden ist. Auf eine externe Festplatte gespeicherte 250 GB an Fotos kann man zwar vom Mac aus in die iCloud hochladen, doch ein Macbook Air mit nur 128 GB an Festplattenspeicher würde beim Synchronisieren mit der lokalen Fotos-App in die Knie gehen und lädt daher die Bilder nur in einer niedrigeren Auflösung aus der iCloud herunter. Der Anwender selbst hat dabei kaum Einfluss, Fotos für OS X berechnet aus dem vorhandenen Speicherplatz, wie klein es die Bilder rechnen muss, damit sie alle auf den Rechner passen. Beim Fotostream verhält es sich anders, doch sind in diesem nur die jeweils letzten 1000 Bilder enthalten - für große Mediatheken ist das also keine Alternative. Google hat das besser gelöst, dazu später mehr.

iCloud nur zum Synchronisieren gut

Durch die fehlende Funktion, Fotos auf das jeweilige Endgerät zu streamen, eignet sich der iCloud-Fotospeicher tatsächlich nur zum Synchronisieren mehrerer Endgeräte. Auf lange Sicht muss man die Fotos immer noch zentral auf einer eigenen Festplatte speichern, die Bilder in der iCloud sind ein wertvolles Backup - aber eben kein zentraler Foto-Speicher.

Was passiert im schlimmsten Fall, also wenn die externe Festplatte kaputt geht, das Macbook Pro geklaut wurde oder die Wohnung abbrennt? Genau für solche Katastrophenfälle wurden eben das Backup und Online-Speicherlösungen erfunden. Hat man einen zentralen Onlinespeicher, passiert nicht viel: Das Macbook ist per Passwort oder sogar mit FileVault gesichert, auch im Brandfall kann man ein neues Macbook einfach aus einem Online-Backup wieder herstellen, mit allen Daten und insbesondere den wertvollen Fotos. Diese aber eben nicht mehr unbedingt in der höchsten Auflösung - siehe oben.

Genau hier kommt aber Google Photos ins Spiel. Google erlaubt es nicht ganz uneigennützig, unendlich viele Fotos in die eigene Cloud zu laden. Fotos bis zu 16 Megapixel und Videos mit bis zu FullHD (1080p) werden kostenlos gespeichert. Höherauflösende Fotos werden in der kostenlosen Variante auf 16 Megapixel herunterskaliert. Damit haben sie aber immer noch ausreichend Qualität, um sie auf dem iPhone zu zeigen oder sie mit einem Beamer zu projizieren. Kauft man bei Google mehr Speicherplatz, lassen sich auch beliebig Originale hochladen, die 1-TB-Schranke von iCloud besteht bei Google nicht. Richtet man auf einem neuen Gerät den Zugang zu seinem Fotos im Bilderspeicher bei Google ein, muss man sich nicht die komplette Foto-Mediathek auf den Rechner laden und dabei Sorgen um den Speicherplatz haben. Google streamt die Bilder, effektiv hat man auf dem Rechner dann nur eine Vorschau und lädt das Original erst bei Bedarf auf das Gerät.

Googles Hintergedanke

Google benutzt die Milliarden an Fotos, um seine Algorithmen zu verbessern und trainieren. Laden viele Menschen Bilder mit Bergen, Tieren und Ähnlichem hoch, benutzt Google diese, um die Bilderkennungsalgorithmen zu testen und zu verbessern. Ob Google Bilder auch für Werbezwecke verkauft, wagt man aber gerade noch zu bezweifeln. Die Auswertung der Fotos dient dazu, die eigene Software schlauer zu machen - insbesondere die Bildersuche.

Gesichter und bekannte Personen bleiben anders als bei der iCloud unerkannt. Google bietet hier noch keine Lösung zum Markieren von Freunden oder bekannten Gesichtern an. Dies ist auf der einen Seite beruhigend, auf der anderen Seite jedoch wird Google wohl bald so intelligent sein, um selbst die Personen zu erkennen und markieren.

Viele exklusive Funktionen bei Google

In einem privaten Test habe ich mehr als 19.000 Fotos zu Google hochgeladen. Sprich: Meine komplette private Sammlung an Ereignissen. Das Thema Datenschutz ist immer eine Frage der Ansicht: Sind meine Bilder auf Googles Servern sicherer als auf meinem Macbook? Ich glaube nicht. Der Vorteil aber: Google bietet nach nur wenigen Tagen sinnvolle Funktionen wie das automatische erstellen von Panorama-Bildern.

Die Algorithmen erkennen hierbei Bilder des gleichen Objekts und fügen diese zu einem Panorama zusammen. Dies funktioniert erschreckend gut. Die Angst schwindet aber ein wenig, betrachtet man folgende Funktion: Google erlaubt es, Bilder nach Objekten und Themen zu suchen. Die Suchabfrage nach „Autos“ bringt aber auch oftmals Schiffe und Bilder hervor, in dem keinerlei Autos zu sehen sind. Raum für Verbesserungen...

Die integrierte Suche in Google Fotos erlaubt es nach Dingen, Orten und Menschen zu suchen. Dabei teilt Googles Algorithmus automatisch die eigenen Fotos in bestimmte Bereiche ein. Wenn sich beispielsweise ein Auto im Bild befindet, erscheint dieses Fotos in der Suchen nach „Autos“
Vergrößern Die integrierte Suche in Google Fotos erlaubt es nach Dingen, Orten und Menschen zu suchen. Dabei teilt Googles Algorithmus automatisch die eigenen Fotos in bestimmte Bereiche ein. Wenn sich beispielsweise ein Auto im Bild befindet, erscheint dieses Fotos in der Suchen nach „Autos“

Der wichtigste Einsatzzweck ist aber, Google anstatt einen lokalen Speicher zu nutzen. Ein geklautes Smartphone bedeutet nicht mehr den Verlust aller darauf gespeicherter Daten und aller Privataufnahmen, die nur dort gespeichert sind. Auch das Teilen von Alben macht mehr Spaß. Die Oberfläche bei Google ist zudem durchdachter und flüssiger bedienbar als bei Apples iCloud. Die Google-Anwendungen streamen die Bilder nur auf das jeweilige Endgerät und laden bei Bedarf auch ganze Alben herunter.

Google und die eigenen Daten

Seit kurzem bietet Google auch ein einheitliches Dashboard zum Betrachten aller bei Google aufgezeichneter Daten an. Diese lassen sich mit wenigen Klicks komplett herunterladen und sogar auf Googles Servern löschen. Diese Funktion bietet Apple nur eingeschränkt an, und auch nicht so intuitiv. Auch erlaubt es Google, GPS-Daten bei geteilten Bildern automatisch zu entfernen.

Google bietet einfache, und nützliche Einstellungen wie das automatische Entfernen von Ortsdaten (GPS) von geteilten Bildern. Auch ist es möglich den Google-Assistenten über alle Fotos laufen zu lassen, um automatisch Panoramas oder Collagen zu erstellen.
Vergrößern Google bietet einfache, und nützliche Einstellungen wie das automatische Entfernen von Ortsdaten (GPS) von geteilten Bildern. Auch ist es möglich den Google-Assistenten über alle Fotos laufen zu lassen, um automatisch Panoramas oder Collagen zu erstellen.

Alles in allem ging das Hochladen (bei entsprechender Breitbandgeschwindigkeit) problemlos und hat etwa vier Tage gedauert. Die Online-Anwendung stockte nie, und funktionierte reibungslos. Die Anwendungen für Android und iOS sind einfach zu bedienen, und Online ist mit wenigen Klicks ein komplettes Backup der eigenen Fotos fertig. Dieses lässt sich einfach herunterladen und anschließend, bei Bedarf, auf einer externen Festplatte speichern.

Fazit

In Sachen Integration mit iOS und OS X hat iClouds Fotolösung die Nase vorn. Will man jedoch Bilder geschickt über mehrere Betriebssysteme und Rechner hinweg synchron halten, bietet sich Google Photos an. Anstatt wie bei der iCloud immer alle Fotos zu synchronisieren, erlaubt Google Photos das Streamen von Bildern, und das einfache Hochladen, ohne viel Speicherplatz auf dem zu synchronisierenden Gerät zu verbrauchen.

Durch den intelligenten Assistenten, mit der Möglichkeit unendlich viele Bilder zu lagern, eröffnen sich völlig neue Wege Bilder zu teilen und zu betrachten. Ein weiterer Aspekt kommt aber mit der Privatsphäre ins Spiel. Dieses Kriterium lässt viele interessierte Nutzer von Google-Diensten Abstand halten. Was es genau damit auf sich hat, erläutern wir in Teil 3 unserer Serie.

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