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Hands-On mit iWork für iCloud

26.08.2013 | 15:43 Uhr |

Schnell, schick und einfach: Wir haben die Beta-Version von Apples Konkurrenz für Office 365 und Google Docs einem ersten Praxis-Check unterzogen – und das Co-Authoring von Google Docs vermisst.

Wann immer man sich in den letzten Monaten mit der Zukunft von OS X beschäftigt hat, stellte sich diese Frage: Was wird aus iWork? Apples Produktivitätsprogramme aus der iWork 09 Suite sind nämlich merklich in die Jahre gekommen und eine Aktualisierung war lang nicht in Sicht. Auf der WWDC hat Apple allerdings ein Lebenszeichen für iWork gesendet, denn im Herbst soll – wohl parallel zu iOS 7 und OS X Mavericks – die Online-Version von iWork, iWork für iCloud erscheinen. Nachdem Apple in den vergangenen Wochen immer mehr iCloud-User ohne Entwicklerstatuts zum Beta-Test eingeladen hat, haben wir uns in der Beta ebenfalls etwas genauer umgesehen und die Web-Versionen von Pages, Keynote und Numbers ausprobiert. Mittlerweile ist die Beta-Version von iWork for iCloud für alle Apple-IDs frei geschaltet.

Tolles Trio

Startet man über die Website icloud.com das Webinterface von Apples Cloud-Dienst, erscheint zunächst das gewohnte einzelne Icon für iWork. Doch sofort wandelt sich das Bild, denn es erscheinen nun drei separate Icons für Pages, Keynote und Numbers mit einem gelben „Beta“-Badge. Derzeit ist die Test-Phase zum einen unter OS X für Safari 6.0.3 (oder später) und Google Chrome 27.0.1 (oder später) verfügbar, zum andern auch unter Windows. Hierfür wird der Internet Explorer 9.0.8 (oder später) bzw. Chrome 27.0.1 (oder später) benötigt.

Auch mit Windows 8 und dem Internet-Explorer ist die Benutzung von iWork für iCloud problemlos möglich.
Vergrößern Auch mit Windows 8 und dem Internet-Explorer ist die Benutzung von iWork für iCloud problemlos möglich.

Startet man eine der drei iWork-Webanwendungen, landet man prompt auf der bereits aus den iOS- und OS X-Versionen von iWork bekannten Übersichtsseite der jeweiligen App. Hier werden wie gewohnt die in iCloud gespeicherten Dokumente, Spreadsheets oder Präsentationen angezeigt und können zur Bearbeitung ausgewählt werden – und das ganz ohne Leinenimitate im Hintergrund, denn Apple hat die Optik der iWork-Web-Apps bereits an das Design des kommenden OS X Mavericks angepasst. Nutzer der schon länger erhältlichen iWork-Apps für OS X und iOS dürften sich mit Blick auf die Menüführung also auch innerhalb der drei Web-Apps schnell zurecht finden – typisch Apple.

Upload leicht gemacht: Es genügt zum Hinzufügen von Dokumenten (auch Word-Files) diese auf das Browserfenster zu ziehen.
Vergrößern Upload leicht gemacht: Es genügt zum Hinzufügen von Dokumenten (auch Word-Files) diese auf das Browserfenster zu ziehen.

Dabei gilt für Pages, Keynote und Numbers, dass einfach per Drag-and-Drop neue Dokumente zu den iCloud-Dateien der jeweiligen App hinzugefügt werden können, egal, ob es sich dabei um eine iWork-Datei oder Files aus Microsofts Office-Ökosystem handelt. Anders herum lassen sich natürlich auch Dokumente aus den Web-Apps von iWork über die aus den Mac- und iOS-Apps bekannte Freigeben-Taste nach Word oder PDF exportieren und anschließend per iCloud-Mail teilen. Schließlich dürfen natürlich auch Dokumente, die innerhalb der iWork-Web-Apps erstellt wurden, komfortabel auf dem iPad oder dem Mac über die „regulären“ iWork-Apps weiter bearbeitet werden – der iCloud-Synchronisierung sei Dank fügt sich iWork für iCloud nahtlos in die bestehenden Apps ein. Negativ fällt dagegen nur auf, dass sich die einzelnen Dokumente derzeit nicht innerhalb der Web-Apps zu Ordnern zusammenlegen lassen. Hierfür werden im Moment noch die Desktop- bzw. iOS-Apps benötigt.

Für alle und für lau?

Bekannter Maßen blendet der iOS-App-Store nach der Ersteinrichtung eines iPhones, iPads oder iPads Liste mit empfohlenen Gratis-Apple-Apps zum Download ein. In der besagten iOS 7 Beta fanden sich neben den bereits bekannten Gratis-Apps wie Podcasts, iTunes U oder iBooks auch die iOS-Apps von iLife und iWork. Es könnte durchaus passieren, dass Apple mit iOS7 und OS X Mavericks seine hauseigenen Softwarepakete kostenlos zu Verfügung stellt, wissen werden wir das allerdings erst im Herbst. Dann erscheinen nämlich neben den neuen Betriebssystemen auch neue iWork-Apps für iOS und Mac OS.

Schick, performant und plattformübergreifend

Öffnet man nun ein bereits am iPad oder mit der Desktop-App erstelltes Dokument (oder legt über die bekannte „+“-Schaltfläche ein komplett neues Dokument aus einer Vorlage an), öffnet sich selbiges in einem weiteren Browserfenster und kann bearbeitet werden. Es ist dabei möglich, neben einfachen Eingaben wie Textfeldern oder Bildern auch Pfeile oder Formen einzufügen – und das alles per Drag-and-drop.

Egal ob Bilder oder Formen: Alle Elemente können frei im Text bewegt werden.
Vergrößern Egal ob Bilder oder Formen: Alle Elemente können frei im Text bewegt werden.

Wie in den Desktop- oder iOS-Apps lassen sich beispielsweise in Pages für iCloud Kästen oder Bilder im Text fließend bewegen und stufenlos vergrößern oder verkleinern, was die Programme allesamt sehr zugänglich macht. Obligatorisch ist auch das Verändern von Schriftarten und Größen, Einzügen oder Sortierungen. Für diese Bearbeitungsmöglichkeiten bieten alle drei Web-Apps rechts neben dem eigentlichen Text eine Seitenleiste mit den entsprechenden Menüelementen. Ergänzt wird die Seitenleiste durch eine „Tools“-Schaltfläche die beispielsweise die Kontrollen für Hilfslinien oder die Rechtschreibkontrolle beinhaltet.

Alle drei Web-Apps bieten einen Katalog an Vorlagen.
Vergrößern Alle drei Web-Apps bieten einen Katalog an Vorlagen.

In der Web-App für Numbers dagegen sind die Bearbeitungsmöglichkeiten derzeit noch eingeschränkt, denn das Editieren von Grafiken fehlt in der aktuellen Version. Was aber bereits jetzt gut funktioniert, ist das Einfügen und Bearbeiten von Formeln. Hat man beispielsweise eine Tabelle für ein Budget erstellt, reicht es in die Kopfzeile zu klicken, schon kann man über die Seitenleiste die Art der mathematischen Operation auswählen (also beispielsweise eine Addition) und die inkludierten Elemente auswählen – das war‘s.

Das Hinzufügen von Formeln geht schnell von der Hand.
Vergrößern Das Hinzufügen von Formeln geht schnell von der Hand.

Keynote für iCloud macht neben Pages den besten Eindruck der drei Web-Applikationen. Neue Präsentationen können im Grunde genauso komfortabel angelegt werden, wie am Mac oder iPad, außerdem reicht der Funktionsumfang der Web-App durchaus, um schnelle eine Präsentation zusammen zu stellen. So geht sowohl das Hinzufügen neuer Folien über die „+“-Schaltfläche, als auch das Editieren von Bildern (Schattenwürfe, Rahmen, Reflexionseffekte) oder von Überblend-Effekten schnell und gut von der Hand. Das größte Plus der Keynote-App ist aber, dass man für Präsentationen weder den eigenen Rechner mitschleppen muss, noch Probleme bekommt, wenn man den USB-Stick mit der Präsentation vergisst. Denn: Es genügt dank iClouds Speicherfunktion zum Abspielen der Präsentationen irgendein Rechner mit Internetverbindung – egal ob PC oder Mac. Man braucht sich nur bei icloud.com anzumelden und startet die Präsentation direkt aus dem Browser.

Keynote bietet optisch ansprechende und funktionale Möglichkeiten zur Erstellung und Bearbeitung von Präsentationen.
Vergrößern Keynote bietet optisch ansprechende und funktionale Möglichkeiten zur Erstellung und Bearbeitung von Präsentationen.

In Sachen Funktionsumfang lässt sich – soviel kann man bereits im Beta-Stadium sagen –  mit iWork für iCloud schon ganz ordentlich arbeiten. Dabei erinnern die Web-Applikationen sehr stark an die iWork-Apps für iPhone und iPad, sowohl mit Blick auf die Aufmachung und die Anordnung der Menüelemente, als auch in Sachen Funktionsumfang. Denn mit den „großen“ Apps von Pages, Keynote und Numbers für OS X sind die Web-Apps nicht ganz vergleichbar. Beispielsweise fehlen Möglichkeiten zur Nachverfolgung von Änderungen, eine Kommentarfunktion oder erweitere Informationen wie Zeichenzahlen. Dafür lassen sich aber schnell und unkompliziert ansehnliche Dokumente erstellen sowie schnell und frustfrei erste Ergebnisse erreichen.

In English please!

Da dieser Text hier mit Pages für iCloud in deutscher Sprache entstanden ist, die Web-App aber nur englische Schreibweisen korrigiert, gibt es ziemlich viel rot unterstrichenen Text zu sehen. Glücklicher Weise kann die Rechtschreibkorrektur in jedem Dokument unter „Tools > Check Spelling“ deaktiviert werden – das geht aber ob der zusätzlichen Korrekturen zu Lasten der Produktivität. Apple hat aber bereits innerhalb seiner Roadmap für iWork für iCloud Support für weitere Sprachen angekündigt. Im Moment dürfte die Beta also für die meisten Anwender eher eine Spielerei sein – wenn auch eine sehr spannende!

Mehr Power als Google Docs, aber keine Kollaboration

Neben den wenigen kleineren Nachteilen und Fehlern, die zum Teil auch dem Beta-Status von iWork für iCloud geschuldet sind, hat Apples Online-Produktivitätspaket einen entscheidenden Nachteil gegenüber seinen Mitbewerbern: Apple setzt überhaupt nicht auf Co-Authoring, also das Bearbeiten von Dokumenten durch mehrere Benutzer. Dabei muss sich Apple mit iWork für iCloud mit zwei echten Platzhirschen in den Büros dieser Welt messen: Google Docs und Microsofts Office 365. Gerade Google Docs ist aus zwei Gründen sehr beliebt: erstens ist die Produktivitässuite kostenlos und voll in die anderen Google-Dienste wie Gmail und Kalender integriert, zum anderen bietet Googles Lösung ziemlich einfache und zugleich mächtige Funktionen zur Zusammenarbeit mehrerer Kollegen an einem Dokument. Bei Microsoft, das vor allem bei Firmen über seine Exchange-Server-Lösungen vertreten ist, wird ganz auf die Cloud-Integration von Office 365 gesetzt. Zwar ist die Office-Suite aus Redmond im Vergleich zu Google Docs sehr teuer. Dafür bietet Microsoft aber auch voll funktionsfähige Desktop-Apps für Windows an, sowie eine funktionierende Skydrive-Anbindung für das Mac-Office 2011.

Einige Teile des Paketes sind noch nicht vollständig zugänglich.
Vergrößern Einige Teile des Paketes sind noch nicht vollständig zugänglich.

Apples iWork für iCloud dagegen versucht dagegen eine Art Spagat zwischen beiden Konkurrenzlösungen: Zum Einen soll ein zugänglicher Web-Dienst geschaffen werden, zum anderen soll dieser vernünftig und praktikabel mit bestehenden Desktop- und Mobil-Apps verbunden werden. Und das gelingt auch weitgehend. Nur leider fehlen Apples Lösung bislang (und wohl auch für das fertige Produkt) die bei Google Docs so viel genutzten und beliebten Funktionen zur Kollaboration. Klar: iCloud ist ein Dienst, der ganz und gar auf einzelne Nutzer und deren Apple-IDs zugeschnitten ist. Aber die Integration einer „Freigeben“-Funktion für bestimmte Dokumente an mehrere iCloud-Nutzer wäre durchaus denkbar gewesen.

Einschätzung: iWork für iCloud

Apple hat mit iWork für iCloud den richtigen Weg eingeschlagen und mit seinen überall zugänglichen Web-Apps eine wichtige Lücke bei iWork und iCloud geschlossen. Die Apps machen bereits zu diesem frühen Zeitpunkt einen gelungenen und durchdachten Eindruck, wenngleich noch nicht alle Funktionen perfekt umgesetzt wurden. Dafür stimmt die Integration mit den anderen Apple-Plattformen und den jeweiligen Apps für iOS und OS X. Lediglich die fehlenden Kooperationsmöglichkeiten für mehrere Nutzer schmerzen und trüben das sonst sehr gute und performante Bild von iWork für iCloud.

Die Möglichkeiten, die Dokument in Ordner zu stecken fehlt den Web-Apps.
Vergrößern Die Möglichkeiten, die Dokument in Ordner zu stecken fehlt den Web-Apps.
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