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Jeden Drucker für Airprint aktivieren

20.03.2017 | 08:20 Uhr |

Der Druckerkauf ist nichts, was Mac-Anwender gerne tun: Immer neue Geräte mit nicht selten viel zu hohen Betriebskosten buhlen am Markt um die Gunst der Kunden. Wegen Airprint umsteigen? Im Leben nicht! Aber nachrüsten, das geht. Wir zeigen, wie.

Hardwarekäufe sollen ja eigentlich Spaß machen. Man freut sich über ein neues Gerät mit mehr Leistung und geringerem Stromverbrauch, packt es aus, schließt es an und ist (meistens) zufrieden. Nicht so bei Druckern: Deren Kauf kann schnell in höllische Preis-Leistungsvergleiche ausarten: Was kostet das Gerät? Was kostet die Tinte? Welche Funktionen hat der Drucker eigentlich? Soll er scannen? Fotos drucken? Faxen? Denn eigentlich sind Drucker für den Heimbereich und das kleine Büro seit über einer Dekade ausentwickelt, neue Modelle bieten selten einen nennenswerten Mehrwert. Glücklich also, wer einen Drucker besitzt, der funktioniert und günstig im Betrieb ist. Ärgerlich nur, dass das dumme Ding kein AirPrint unterstützt – und das iPad Pro immer mehr zum Arbeitsgerät wird.

Airprint ist lästig, aber nachrüstbar

Dass Apple auf AirPrint gesetzt hat, hatte ursprünglich einen Grund: iOS erlaubt keine zusätzlichen Drucker, die riesige Druckerbibliothek im CUPS-Druckersystem, das zum Beispiel auf dem Mac vorinstalliert ist, hätte die seinerzeit in puncto Speicher sehr schwach ausgestatteten iPhones und iPads unnötig belastet. Von daher rief man mit AirPrint eine Software-Schnittstelle ins Leben, die das Drucken von iOS-Geräten leicht macht. Dummerweise setzten die Hersteller AirPrint erst spät oder zum Teil bis heute nicht um, weshalb in vielen Haushalten und Büros gute, ältere Drucker stehen, die aber keinen Druck per iPad und iPhone erlauben. Was also tun? Ausmisten ist im Zweifel keine Option, wenn die Geräte noch funktionieren. Stattdessen können Sie AirPrint aber nachrüsten.

Von iPad und iPhone auf jedem Drucker drucken

Dafür gibt es mehrere Methoden: Entweder, Sie lösen das Problem per Software und schließen den Drucker an einem Mac an. Anschließend installieren Sie einen AirPrint-Treiber wie Handyprint für Mac (Donationware). Den Drucker müssen Sie nun nur noch über Handyprint als AirPrint-Drucker freigeben. Das Problem hierbei: Der Mac muss permanent an sein , damit Sie AirPrint jederzeit nutzen können. Das ist natürlich mit erheblichen Stromkosten verbunden.

Oder Sie setzen auf eine Drucker-App für iOS: Viele moderne Drucker bieten eine entsprechende Funktion. Zudem gibt es Drittanbieter-Apps für iOS, die eine große Zahl von Druckern unterstützen etwa Printer Pro . Das Problem hier: Die Bedienung ist aufgrund des iOS-Systemdesigns ausgesprochen umständlich, mal eben Drucken per AirPrint geht eben nicht. Stattdessen muss das Dokument zunächst an die App übergeben werden und kann erst dann gedruckt werden. Im Notfall geht das – praktisch ist es aber nicht. Weshalb eine dritte Lösung am effektivsten ist.

Mit Handyprint können Sie einen lokalen Drucker für AirPrint freigeben
Vergrößern Mit Handyprint können Sie einen lokalen Drucker für AirPrint freigeben

Den Raspberry Pi als Printserver einrichten

Diese dritte Lösung besteht in der Einrichtung eines Print-Servers mit Hilfe des  Raspberry Pi. Der in der aktuellen Version Raspberry Pi 3 knapp 40 Euro günstige Bastelrechner ist perfekt für den Einsatz als Printserver geeignet, da er im Grunde ein Linux-Rechner ist, der aber aufgrund seiner kompakten Bauweise eben deutlich weniger Strom verbraucht. Das Raspbian-Betriebssystem ist gratis auf der RaspberryPi-Website erhältlich. Mit dem neuen Pixel-Desktop ist das Gerät tatsächlich endlich als vollwertiger Rechner nutzbar. Der Clou: Das System läuft von günstigen Micro-SD-Karten, die Sie schnell austauschen können. Er kann also jederzeit für andere praktische Bastelprojekte hergenommen werden. Allein deshalb lohnt sich die Anschaffung. Als Printserver wird er zwischen Drucker und Netzwerk gehängt und gibt, einmal richtig eingerichtet, den Drucker als AirPrint-Drucker frei – der Kauf eines neuen Druckers entfällt also.


Der Raspberry Pi mit der neuen Pixel-Oberfläche erinnert an macOS
Vergrößern Der Raspberry Pi mit der neuen Pixel-Oberfläche erinnert an macOS

Vorarbeit: Raspberry Pi mit Noobs installieren

Um den Raspberry Pi als AirPrint-Printserver verwenden zu können, müssen Sie zunächst eine Speicherkarte mit dem Raspbian-Betriebssystem aufsetzen. Auf dem Mac ist das ein Kinderspiel: Laden Sie zunächst Rasbian herunter – am schnellsten geht das per Bittorrent mit dem ebenfalls kostenlosen Transmission . Anschließend benötigen Sie noch das praktische ApplePi-Baker : Laden Sie ApplePi-Baker herunter und starten Sie das Tool. Es verlangt beim Start wegen des Zugriffs auf die USB-Ports das Administrator-Passwort. Nun kann es losgehen.


ApplePi-Baker
Vergrößern ApplePi-Baker

1. Raspbian-Image auf SD-Karte kopieren


Entpacken Sie zunächst das ZIP mit der Raspbian-Imagedatei. Starten Sie danach ApplePi-Baker und mounten Sie eine Micro-SD-Karte mit 8 GB oder mehr Kapazität, indem Sie sie per USB- oder SD-Adapter mit dem Mac verbinden. Übrigens: Je schneller die Micro-SD-Karte, desto schneller arbeitet später das Raspbian-System.

Raspbian-Image auf SD-Karte kopieren

Vergrößern Raspbian-Image auf SD-Karte kopieren


2. ApplePi-Baker verwenden


Nun können Sie  ApplePi-Baker starten. Geben Sie beim Start Ihr Mac-Admin-Passwort ein. Wählen Sie nun im linken Bereich die MicroSD-Speicherkarte. Recht klicken Sie auf „Restore Backup“ und wählen das eben entpackte Raspbian-Diskimage aus. Klicken Sie danach auf „Restore Backup“. Das Raspbian-System wird jetzt auf der Speicherkarte installiert.

ApplePi-Baker
Vergrößern ApplePi-Baker

3. Raspbian-Speicherkarte fertigstellen

Warten Sie, bis der Kopiervorgang abgeschlossen ist. Das kann abhängig von der Geschwindigkeit der Speicherkarte ein wenig dauern. In der Zwischenzeit können Sie den Raspberry Pi schon einmal verkabeln: Schließen Sie ihn per HDMI an einem Monitor oder TV-Gerät an und verbinden Sie eine USB-Maus und eine USB-Tastatur. Schließen Sie aber noch nicht den Strom an! Wenn ApplePi-Baker meldet, dass die Speicherkarte fertig ist, wird sie gleichzeitig ausgeworfen: Sie können sie jetzt einfach entnehmen.


Raspbian-Speicherkarte fertigstellen
Vergrößern Raspbian-Speicherkarte fertigstellen

4. Raspberry Pi das erste Mal starten


Stecken Sie die Speicherkarte jetzt in den Raspberry Pi und schließen Sie den Strom an. Raspbian fährt jetzt hoch und bootet in die Pixel-Systemoberfläche. Das sieht ähnlich aus wie bei MacOS. Am Ende befinden Sie sich in der grafischen Benutzeroberfläche von Raspbian, die wie jeder Linux-PC aussieht.


Raspberry Pi starten

Vergrößern Raspberry Pi starten


5. Weitere Einrichtungsschritte durchführen

Zuallererst sollten Sie jetzt in die Raspberry-Pi-Einstellungen öffnen, indem Sie auf die Himbeere klicken und hier „Preferences“ und dann „Raspberry Pi Configuration“ wählen: Aktivieren Sie hier unter „Interfaces“ den SSH-Zugang und stellen Sie unter „Localisation“ Sprache und Keyboard ein. Der Raspberry muss danach einmal neu starten.


Raspberry-Pi-Einstellungen
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6. SSH verstehen


Nach dem Neustart meldet der Pi, dass SSH aktiv ist und das Passwort nicht geändert wurde. Standarduser- und passwort sind „pi“ und „raspberry“. SSH ist nützlich, um den Pi nicht jedes Mal an den Monitor und die Tastatur anschließen zu müssen: Arbeitet er später als AirPrint-Server im Netzwerk, können Sie ihn bequem von der Mac-Kommandozeile aus ansteuern, indem Sie hier „ssh pi@<ip-Adresse des RaspberryPi>“ eintippen und sich mit dem Passwort „raspberry“ einloggen. Die IP-Adresse ist natürlich erst erhältlich, wenn das Gerät im Netzwert ist. Wie Sie diese auslesen, erfahren Sie in Schritt 7.

SHH Warnung
Vergrößern SHH Warnung
IP-Adresse eintippen
Vergrößern IP-Adresse eintippen

7. Netzwerk und WLAN am Raspberry Pi einrichten

Natürlich müssen Sie den Rechner dafür zunächst ins Netzwerk bringen. Beim Raspberry Pi ist es an Bord, ältere Geräte können per Ethernet-Kabel am Router angeschlossen werden oder per WLAN-USB-Stick ins WLAN geholt werden. So oder so müssen Sie nun einmalig das WLAN einrichten: Der Pixel-Desktop sollte den WLAN-Adapter selbstständig erkannt haben. Klicken Sie oben rechts auf das Netzwerk-Symbol und wählen Sie Ihr WLAN aus. Klicken Sie es an und geben Sie Ihr WLAN-Passwort ein. Der Raspberry Pi ist jetzt ins WLAN eingebunden. Die in Schritt 6 benötigte IP-Adresse des Pi erfahren Sie in der Pi-Kommandozeile, wenn Sie dort „ifconfig“ eingeben. Der Pi ist jetzt im Netzwerk und merkt sich diese Einstellungen natürlich auch.

Netzwerk und WLAN am Raspberry Pi einrichten
Vergrößern Netzwerk und WLAN am Raspberry Pi einrichten

8. CUPS-Treiber mit AirPrint-Funktionen installieren

Nun, da der Pi fertig eingerichtet ist, müssen Sie nur noch die AirPrint-Funktionalität einrichten. Dazu muss das CUPS-Drucksystem installiert werden. Öffnen Sie ein Terminal-Fenster und geben Sie folgende Befehle ein:


sudo apt-get update


(Dieser Befehl aktualisiert die Paketlisten)

sudo apt-get upgrade

(Dieser Befehl aktualisiert das System, was etwas länger dauern kann)


sudo apt-get install cups


(Damit installieren Sie das CUPS-Drucksystem mit allen Treibern).


AirPrint-Funktionalität per Terminal-Fenster einrichten
Vergrößern AirPrint-Funktionalität per Terminal-Fenster einrichten

9. Drucker anschließen und einrichten


Nun ist es Zeit, die eigentliche AirPrint-Einrichtung zu starten: Hängen Sie den Drucker mit dem USB-Kabel an den Raspberry Pi und öffnen Sie die CUPS-Konfigurationsdatei, indem Sie in der Pi-Kommandozeile 


sudo nano /etc/conf/cupsd.conf 


eingeben. Ändern Sie hier die Zeile

# Only listen for connections from the local machine
Listen localhost:631

in

# Only listen for connections from the local machine

# Listen localhost:631
Port 631
 

Das sorgt dafür, dass der Raspberry Pi künftig alle Drucker im Netz freigibt, Anschließend müssen Sie noch den Zugriff regeln: Suchen Sie in der Config-Datei die drei <Location>-Einträge und fügen Sie jeweils den String 


Allow @local

hinzu wie in folgendem Screenshot. 
Speichern Sie die Datei nun ab, indem Sie (Strg)+(X) auf der Raspi-Tastatur tippen und anschließend mit „J“ bestätigen. Das beendet den Nano-Editor.
 Starten Sie den CUPS-Service jetzt mit 


sudo /etc/init.d/cups restart
neu.

Drucker anschließen und einrichten

Vergrößern Drucker anschließen und einrichten


10. CUPS-Drucker einrichten

Herzlichen Glückwunsch! Das Schlimmste ist geschafft. Sie können den CUPS-Printserver auf dem Raspberry Pi jetzt von jedem Rechner im Netzwerk via Browser aufrufen, indem Sie http://<IP-Adresse des Pi>:631 eingeben. Auf dem Pi selbst erreichen Sie die Weboberfläche mit http://localhost:63 1. 
Falls Sie Fehlermeldungen („forbidden“) erhalten, wenn Sie einen Drucker hinzufügen möchten, müssen Sie den Pi-Standardnutzer „pi“ noch zur Gruppe der Administratoren hinzufügen, indem Sie im Terminal

sudo usermod -aG lpadmin pi 


eingeben. Anschließend sollten Sie den CUPS-Dienst noch einmal mit 


sudo /etc/init.d/cups restart


neu starten. Jetzt sollte es gehen: Wählen Sie „Drucker und Klassen hinzufügen -> Drucker hinzufügen und wählen Sie die nötigen Einstellungen, um den Drucker einzurichten. 


CUPS-Drucker einrichten
Vergrößern CUPS-Drucker einrichten

Fertig!

11. Von iPhone und iPad via AirPrint drucken

Das war es auch schon: Der Raspberry Pi ist als Druckserver eingerichtet. Sie können ihn jetzt von der Tastatur und dem Monitor trennen und einfach zwischen Netzwerk und USB hängen. Der Pi fährt automatisch hoch, sobald er Strom hat. Starten Sie eine App unter iOS und drucken Sie ein Dokument aus. Wird das einwandfrei gedruckt, sind Sie fertig: Ihr alter Drucker ist jetzt für alle Anwender im Netzwerk via AirPrint erreichbar. Weitere Drucker können Sie hinzufügen, indem Sie sie wie in Schritt 10 einrichten.  


Von iPhone und iPad via AirPrint drucken
Vergrößern Von iPhone und iPad via AirPrint drucken

Adapter für Airprint: Primos von SEH

Deutlich teurer als der Raspberry Pi oder die günstigsten Airprint-Drucker kommt die Lösung von SEH, der Printerserver Primos. Dafür ist die Einrichtung sehr unkompliziert. Wir haben das Gerät getestet.

Drucker ohne Treiber in Betrieb nehmen

Wenn Sie einen „Standarddrucker“, am besten von HP, besitzen, ist die Chance recht groß, dass er problemlos mit CUPS in Betrieb genommen werden kann. Bei anderen Modellen sieht es leider nicht so gut aus: Manche Exoten werden zwar von CUPS erkannt, können aber nicht korrekt angesteuert werden. In solchen Fällen benötigen Sie eine sogenannte PPD-Datei, die Sie bei der Druckereinrichtung in CUPS auf dem Raspberry Pi laden können. Die finden Sie in aller Regel auf der mitgelieferten CD oder auf der Hersteller-Website unter Linux-Downloads. Falls Sie sie dort nicht finden, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass Sie sie auf Ihrem Mac aufstöbern können: Unter /Library/Printer/PPDs/Contents/Ressources/ liegen die PPD-Files aller Drucker, die im System installiert sind, darunter natürlich auch Ihr regulärer Drucker. Leider klappt das aber auch nicht immer. In solchen Fällen – und wenn sich partout kein Treiber finden lässt – kommen Sie wohl um den Neukauf eines AirPrint-Druckers nicht herum.


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