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Kontaktsammler-Apps schnell erkannt

04.04.2012 | 10:15 Uhr |

Einige Apps greifen ungefragt auf die Adressdaten des iPhone zu und übertragen diese auf den Server des App-Entwicklers. Wir erläutern das komplexe Problem, sagen, was Apple tun muss und wie Sie sich verhalten sollten

Als der Entwickler Arun Thampi Anfang Februar versuchte, eine OS-X-Version der iOS-App Path zu erstellen, bemerkte er zufällig, dass die iPhone-App merkwürdige Datenpakete an den Server des Herstellers transferiert. Bei genauerem Hinsehen fand Thampi heraus, dass der komplette Inhalt seines Adressbuchs übermittelt wurde - ohne dass dafür um Erlaubnis gefragt wurde. Thampi veröffentlichte seine Erkenntnis ( http://mclov.in ) und trat eine Welle der Empörung los.

Bei Path ( https://path.com ) handelt es sich um ein soziales Netzwerk, Benutzer können ein "Journal ihres Lebens" mit Ereignissen, Fotos und Videos auf den Path-Server übertragen und mit Freunden teilen. Die App Path erlaubt es, auch unterwegs mit dem iPhone sein Journal mit Informationen zu füttern und die freigegebenen Informationen von Freunden einzusehen. So weit unterscheidet sich Path nicht von der Masse anderer Social-Media-Angebote.

Inspiriert von Thampi machten sich sofort weltweit viele Anwender auf die Suche nach weiteren derartigen "Datensammlern" - und wurden fündig. Während die meisten Apps, die Adressdaten auf die Server der Hersteller übertragen, dafür den Benutzer um Erlaubnis fragen, wurden einige ausgemacht, die die Übertragung ebenfalls ohne Rückfrage durchführen. Sowohl Path als auch andere, die am Pranger stehen, haben ihre App inzwischen nachgebessert und fragen vor der Datenübermittlung um Erlaubnis.

Bequeme Nutzung dank Datenübergabe

Dass das ungefragte Einsammeln von persönlichen Daten eines Benutzers eine Frechheit ist, die in einigen Ländern zudem einen Straftatbestand darstellen dürfte, steht außer Frage. Um zu verstehen, warum überhaupt eine derartige Adresssammlung stattfindet, muss man sich am Beispiel von Social-Media-Diensten deren Funktionsweise vor Augen führen. Sowohl Betreiber eines sozialen Netzwerks als auch deren Benutzer wollen möglichst schnell und einfach "Freunde finden" - das ist der Sinn eines sozialen Netzwerks.

Ein Weg wäre, das komplett dem Benutzer zu überlassen. Dem Netzwerk beigetreten, hätte er dann per Mail, Nachricht oder Telefon alle Freunde und Bekannte zu kontaktieren und zu fragen, ob sie auch Mitglied in dem sozialen Netzwerk sind. Falls ja, müssten die dann bitte gleich ihren Benutzernamen nennen, damit man sich "befreunden" kann.

Der Weg ist in den meisten Fällen weder für Benutzer noch Betreiber wünschenswert. Deshalb bietet es sich an, dass jeder Benutzer - natürlich sein Einverständnis vorausgesetzt - dem sozialen Netzwerk die Adressen seiner Freunde mitteilt. Auf dem Server findet dann ein automatischer Abgleich mit den Daten anderer Nutzer statt, Freunde werden automatisch vorgeschlagen.

Neben sozialen Netzwerken bedienen sich übrigens auch diverse Messenger-Lösungen dieser Technik, die unter "Favoriten" schon kurz nach dem ersten Start der App eine Liste sämtlicher Freunde anzeigen, die den Dienst ebenfalls nutzen.

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