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Kostenlos telefonieren mit Facetime Audio

04.12.2013 | 12:32 Uhr |

Mit Facetime Audio bietet iOS 7 auch reine Sprachverbindungen, wenn kein Video gebraucht wird oder die Verbindung zu schlecht ist. Wir zeigen, was die neue Facetime-Version kann

Seit Apple Facetime mit dem iPhone 4 vorgestellt hat, hat sich einiges getan. Das Videotelefonieren funktioniert heute deutlich zuverlässiger und lässt sich mittlerweile auch gut ohne WLAN im Mobilfunknetz nutzen. In iOS 7 hat Apple dem iPhone nicht nur eine separate Facetime-App spendiert, wie man sie vom iPad und iPod Touch kennt, sondern mit Facetime Audio auch reine Tonverbindungen eingeführt. Damit wird Facetime zur interessanten Alternative zu Skype und zu VoIP-Diensten. Grund genug, einen genauen Blick auf die aktuelle Version zu werfen.

Der Vorteil von Facetime Audio als Internettelefon liegt vor allem darin, dass es eine iOS-Systemfunktion ist. Facetime-Telefonate erscheinen wie gewöhnliche Gespräche in der Anrufliste, können direkt aus dem Adressbuch oder den verpassten Anrufen gestartet werden. Der Nachteil: nur zwischen iPhones klappt die Verbindung via Facetime.

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Facetime Audio

Über den Namen für die VoIP-Option von Facetime kann man vielleicht streiten, da er in sich etwas widersprüchlich ist, aber mittlerweile ist Facetime als Apples Marke für IP-basiertes (Video-)Telefonieren gut etabliert, und es dürfte den meis­ten Anwendern auf Anhieb klar sein, was mit Facetime Audio gemeint ist. Tatsächlich dreht Apple nicht einfach nur das Bild ab, sondern unterscheidet Audio- und Videoverbindungen. Dementsprechend lässt sich Facetime Audio nur mit anderen iOS-Geräten mit iOS 7 nutzen. Zu älteren iOS-Versionen sind nur herkömmliche Facetime-Verbindungen möglich. Technische Gründe dürfte es dafür kaum geben, vermutlich will Apple eher einen weiteren Anreiz für den Umstieg auf iOS 7 schaffen. Erstaunlich und sehr lästig ist, dass selbst OS X 10.9 Mavericks nur das alte Facetime unterstützt. Hier hoffen wir dringend auf ein Update.

Weniger ist mehr

Facetime um einen Audio-Codec zu ergänzen hat nicht nur den Vorteil, dass man wegen der geringeren Datenrate auch bei schlechterem Empfang noch eine Verbindung herstellen kann. Im Alltag sind Videoverbindungen für die meisten Anrufe weder nötig noch erwünscht. Eine Sprechverbindung reicht nicht nur vollkommen aus, sondern lässt einem einfach mehr Privatsphäre. Durch die Audio-Option dürfte die Zahl der regelmäßigen Facetime-Anwender deutlich zunehmen. Um tatsächlich in nennenswerter Zahl Kunden Skype & Co. abzuwerben, müsste dann aber auch endlich Facetime für Windows her.

Die Basiseinstellungen

Die Konfiguration ist denkbar einfach, denn zur Identifizierung dienen beim iPhone die Telefonnummer oder eine Apple-ID , die die meisten Nutzer schon bei der Ersteinrichtung des iPhone eingeben, um iCloud, iTunes und weitere Dienste nutzen zu können. Die Konfiguration können Sie in den iOS-Einstellungen unter „Face­time“ ändern. Hier können Sie Facetime an- und ausschalten. Wollen Sie Face­time privat halten, können Sie auch eine neue Apple-ID anlegen, die sich von Ihrer normalen für iCloud-Mail genutzten Apple-ID unterscheidet und die Sie nur für Facetime nutzen. Haben Sie zu Ihrer iCloud-Mail Alias-Adressen angelegt, können Sie diese ebenfalls für Facetime nutzen. In den Einstellungen wählen Sie einfach, auf welche Adressen Facetime bei eingehenden Anrufen reagieren und welche es als Absender bei Ihren Anrufen mitschicken soll. So lassen sich auch für iPhone und iPad unterschiedliche IDs nutzen, wenn gewünscht.

Anruf starten

Facetime ist prima ins System des iPhone integriert. Entsprechend viele Möglichkeiten gibt es, eine Verbindung aufzubauen. Die klassische Methode ist über die Telefon-App. Wählen Sie hier einen Kontakt wie gewohnt als Ziel aus, finden Sie unterhalb der Telefonnummern den Eintrag für Facetime. Hier tippen Sie wahlweise auf das Kamerasymbol für eine Videoverbindung und auf den Telefonhörer für Facetime Audio. Es lässt sich auch direkt aus dem Adressbuch ein Facetime-Anruf starten oder über die App Nachrichten, indem man innerhalb einer Konversation oben rechts auf „Kontakt“ tippt.

Anruf starten: In der Kontaktansicht unter "Facetime" gibt es das Kamerasymbol für einen Videoanruf und den Telefonhörer für Facetime Audio.
Vergrößern Anruf starten: In der Kontaktansicht unter "Facetime" gibt es das Kamerasymbol für einen Videoanruf und den Telefonhörer für Facetime Audio.

Alternativ steht seit iOS 7 die App Facetime zur Verfügung. Sie bietet wie die Telefon-App Favoriten und Anruflisten, wobei sie jedoch nur die Facetime-bezogenen Einträge zeigt. Das macht die Sache etwas übersichtlicher. Natürlich haben Sie hier auch Zugriff auf Ihre Kontakte und Gruppen. Da Facetime nicht wissen kann, zu welcher Mobilnummer oder E-Mail-Adresse eine Verbindung möglich ist, empfiehlt es sich, für Facetime-fähige Kontakte eine eigene Gruppe oder Favoriten anzulegen.

Facetime in Aktion

Während einer Videoverbindung sehen Sie eine kleine Vorschau des gesendeten Bildes, die Sie mit dem Finger in einer der Bildschirmecken platzieren können. Das ist normalerweise das Bild der Frontkamera über dem Display, doch Sie können während der Verbindung auf die rückwärtige Kamera umschalten, um Ihrem Gesprächspartner zum Beispiel etwas zu zeigen, was Sie gerade sehen. Rufen Sie jemand über Facetime Audio an, können Sie während des Gesprächs jederzeit über die eingeblendete Kamerataste einen Videoanruf starten.

Nimmt die Person an, wird der Audioruf beendet und die Videoverbindung gestartet. Lehnt sie ab, bleibt es bei Facetime Audio. In der Anrufliste der Facetime-App wird übrigens nicht nur aufgeführt, ob es sich um eine Facetime- oder Facetime-Audio-Verbindung gehandelt hat. Tippen Sie auf das „i“, erfahren Sie auch, wie lange das Gespräch gedauert hat und wie viele Daten übertragen wurden. Eine Minute Video schlägt mit etwa 10 bis 20 MB zu Buche, eine gleich lange Audioverbindung kommt mit etwa 0,5 bis 1 MB aus.

Datenverbrauch: Eine Minute Gespräch verlangt ungefähr einen Megabyte Datenvolumen.
Vergrößern Datenverbrauch: Eine Minute Gespräch verlangt ungefähr einen Megabyte Datenvolumen.

Ein Ausblick

Für den iPhone-Nutzer gibt es nach iMessage als Alternative zur SMS eine weitere Möglichkeit, eine klassische Telefonfunktion durch einen IP-basierten Dienst zu ersetzen. Über Facetime Audio lassen sich mit anderen iOS-7-Nutzern kostenlos beliebig lange Gespräche führen – weltweit. Die Freude darüber dürfte sich bei den Mobilfunkprovidern in Grenzen halten. Bisher geht Facetime im Gegensatz zum SIP-Protokoll bei den meisten Providern ungehindert durch die Filter. Man muss abwarten, ob sich das ändert. Auf der anderen Seite verdienen die Provider natürlich gut daran, dass sie größere Datenpakete für die Internet-Nutzung verkaufen. Langfristig dürften sich die Geschäftsmodelle eh umkehren und traditionelles Telefonieren zur Option des Datenvertrags werden.

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