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Kurzbefehle & Virtuelle Instrumente von Logic Pro X

18.08.2015 | 09:00 Uhr |

In dieser Folge gehen wir an Logic-Funktionen, die Garageband weit voraus sind. Besonders das Mischpult bedarf genauerer Blicke, denn in Garageband gibt es das so nicht.

Das große Mischpult wirkt auf den ersten Blick für den Garageband-Puristen abschreckend, zeigt aber schnell seine Qualitäten. Das fängt schon mit dem wunderbar präzisen Schieberegler an, der dem seitlichen Volume-Schieber in Garageband durch mehr Feingefühl überlegen ist. Dann lassen sich die Spuren auf dem großen Mischer farbig markieren. Das hilft zum Beispiel, wenn man seine Spuren optisch in Gruppen, wie Rhythmus, Streicher, Chöre et cetera farbig unterscheiden möchte. Gleichfarbige Spuren lassen sich zum Beispiel per Kurzbefehl markieren. Und Spuren lassen sich in Logic zu Stapeln organisieren – ein Feature, dass der Garageband-Nutzer oft schmerzlich vermisst. Das macht nicht nur Projekte mit vielen Spuren übersichtlicher, es können zum Beispiel Bläsersätze, Chöre, Perkussionsinstrumente oder komplexe elektronische Drums in einer Gruppe mit einer Haupt-und mehreren Unterspuren übersichtlich organisiert und gesteuert werden. Ein Klick auf die Hauptspur reicht dann, um alle untergeordneten stummzuschalten, Solo zu schalten oder die Lautstärke anzupassen. Wie das aussieht, probiert sich prima im Logic Pro X Demosong aus, den man mit „Hilfe > Logic Pro Demoprojekt“ öffnet. Das Arbeiten mit Spurstapeln hält nicht nur das Hauptfenster, sondern auch den Mixer kompakt und übersichtlich.

Shortcuts und Benutzeroberfläche

Apple hat in den letzten Jahren Garageband und Logic Pro X immer weiter aneinander angeglichen. Das ist nicht nur eine große Hilfe, wenn es beim Umgewöhnen an die Benutzeroberfläche geht, sondern zum Beispiel auch bei den sehr praktischen Shortcuts. Beim letzten großen Garageband-Update hat Apple ein ganzes Paket an Kurzbefehlen geändert und an Logic Pro angeglichen. Das war damals aus Sicht der Garageband-Fans ärgerlich, jetzt freut man sich darüber, dass man wichtige Kürzel für Logic bereits draufhat. Zum Beispiel lässt sich auch in Logic mit Befehlstaste („cmd“) + D eine Spur samt ihrer Einstellungen (aber nicht dem Inhalt) duplizieren, mit „E“ blendet man den Editor ein und aus, mit „B“ die Smart Controls und mit „A“ die Automation. In Logic lernt man mit der Zeit eigentlich nur ein paar nützliche Shortcuts hinzu, etwa blendet „X“ den Mixer ein und aus.

Mit dem Logic Pro Demoprojekt wird das geniale Prinzip der Spurstapel schnell verständlich.
Vergrößern Mit dem Logic Pro Demoprojekt wird das geniale Prinzip der Spurstapel schnell verständlich.

Ein großes Plus ist die individuell anpassbare Arbeitsumgebung in Logic Pro X. Jeder Nutzer kann selbst bestimmen was er braucht und damit überhaupt zu sehen bekommt. Wählt man anfangs die Option „Ich bin Logic Pro-Anfänger“ zeigt sich Logic etwas abgespeckt und gleichzeitig Garageband-ähnlich. Dahinter steckt pure Absicht: Wer Garageband kennt, soll möglichst keine Funktion aus seinem Lieblingsprogramm vermissen und das klappt auch. Logic bleibt so übersichtlich und vertraut, dass es kaum einen Grund gibt, das Programm in den erweiterten Anzeigemodus umzuschalten. Wie der aussieht, kann man im Programmmenü über „Einstellungen ...> Erweiterte Werkzeuge einblenden“ ausprobieren. Risikolos, denn man kann jederzeit durch ausschalten der Option wieder in den Garageband-freundlichen Modus zurückwechseln.

Weniger ist mehr: Logic Pro X passt sich den Anforderungen des Nutzers und des jeweils aktuellen Projekts an.
Vergrößern Weniger ist mehr: Logic Pro X passt sich den Anforderungen des Nutzers und des jeweils aktuellen Projekts an.

Mit eingeschalteter Option verändern sich auf den ersten Blick nur Kleinigkeiten, zum Beispiel die kleinen Zusatz-Icons in jedem Spur-Header. Statt der Symbole aus Garageband stehen dort im Logic-Stil Buchstaben für Stummschalten („M“ wie Mute), Solo („S“) und Aufnahme aktivieren („R“ wie „Record“). Die anderen Werkzeuge lassen sich nach Bedarf zu-und wieder abschalten. Dazu kommen aber ein paar wirklich nützliche Neuheiten: Zum Beispiel können mehrere Projekte gleichzeitig geöffnet und bearbeitet werden (ein weiterer Punkt, der in Garageband nicht geht). Projekte können in verschiedenen Versionen, genannt Alternativen verwaltet werden. Das ist praktisch, wenn man eine gute Version eines Songs im Ärmel haben, aber in verschiedenen Richtungen bei der Komposition, Effekten oder beim Mix experimentieren möchte. Mit der Backup-Funktion kann man zu automatisch gesicherten Versionen zurückkehren. Zudem kommt ein sehr praktischer Menübefehl hinzu (unter der Nummer „1“ in der Menüleiste), mit der sich Fensteranordnungen sichern und dann per Nummer auf der Tastatur aufrufen lassen.

Das Einschalten der erweiterten Einstellungen lohnt sich schon wegen des praktischen Fenstermenüs und des Öffnens mehrere Projekte.
Vergrößern Das Einschalten der erweiterten Einstellungen lohnt sich schon wegen des praktischen Fenstermenüs und des Öffnens mehrere Projekte.

Die anderen Erweiterungen betreffen eigentlich keine Bereiche für die meisten Musikproduktionen, sondern eher Spezialdisziplinen, wie Surroundsound Produktionen, Notationsprojekte (mit Spezialitäten wie Gitarrengriff-Diagrammen), Midi-Daten Echtzeitverarbeitung und destruktiver Audio-Dateibearbeitung, ähnlich wie in einer Audio-Workstation. Man muss sich auch keine Sorgen machen, wenn man die Zusatzoptionen ausgeschaltet lässt. Öffnet man ein Projekt, das eine der Zusatzfunktionen benötigt – nehmen wir an, ein Bekannter hätte eines mit einer älteren Logic-Version erstellt und gibt es weiter zur Bearbeitung – wird sie beim Öffnen des Projekts automatisch eingeschaltet.

Gut für Umsteiger: Apple hat die Kurzbefehle in Garageband denen in Logic immer mehr angeglichen.
Vergrößern Gut für Umsteiger: Apple hat die Kurzbefehle in Garageband denen in Logic immer mehr angeglichen.

Zuletzt: Der beste Grund für den Umstieg

Sind einmal die ersten Hürden in der neuen Umgebung genommen, entfaltet sich der beste und wirklich lohnende Grund für Logic Pro X eigentlich erst bei der Aufnahme des ersten Songs. Für jeden Stil und jede Idee hat Logic Pro X eine riesige Fülle von Instrumenten, Effekten und Möglichkeiten parat – und stets viel mehr Auswahl als man es von Garageband her gewohnt ist. Das fängt schon bei den Loops an und geht bei den Instrumenten wie Synths, hervorragenden Mellotrons, E-Pianos, Drum Machines und analogen Drumkits weiter. Instrumente wie das Vintage E-Piano ist mit hervorragenden Fender-Rhodes-Sounds oder der Retro-Synth mit seinen analogen Oszillatoren ein Leckerbissen für Fans von Retro-Sounds, die man sich im Leben oft gar nicht leisten kann. Gitarristen und Bassisten kennen zwar inzwischen schon aus Garageband die Möglichkeit, die Amps mit Boxen und Mikrofonen zu ihrem Sound zu kombinieren, Logic bringt mit 25 Amps, 25 Boxen, 7 Mikrofonen und 35 Bodentretern für Pedalboards nicht nur deutlich mehr Material mit. Es ist die Kombination mit den bis ins Detail flexiblen Kompressoren und der Bandbreite an kreativen Effekten, mit der jeder Sound weiter verändert werden kann, die den großen Unterschied zu Garageband ausmacht. Delays, Bandechos, Fuzz, Phaser, Chorus & Co bieten bei jeder Spur die Möglichkeit, die Instrumente noch einmal völlig anders klingen zu lassen. Wer noch zögert umzusteigen, kann sich auf einem Demo im Web einen Überblick über all die Instrumente, Sounds und Möglichkeiten verschaffen und Appetit holen, denn viele Sounds lassen sich auf Klick anhören und ausprobieren.

Tipp: Studiokopfhörer und -monitore

Das Upgrade von Garageband auf Logic Pro X bedeutet einen Quantensprung an Sound-Möglichkeiten und, wenn man gut mischt, auch bei der Qualität die herauskommt

Tipp: Wer schon in die Software investiert und sie voll ausnutzen möchte, sollte noch über eine andere, lohnende Anschaffung nachdenken. Neben Midi-Keyboard und Sound-Interface ist die wichtigste Hardware beim Homerecording ein guter Studiokopfhörer. Günstig und empfehlenswert ist etwa der Beyerdynamic Custom Studio . Er ist bei der Aufnahme abgeschirmt und gibt den Sound unverfälscht und linear wieder. So liefert er zuverlässige Bedingungen und einen nuancenreichen Klang beim Einstellen von Effekten, Sounds und beim Abmischen. Mobil nur zum Musikhören kann er auch genutzt werden, dafür stellt man seine Schieberegler um und hört bassbetonter wenn gewünscht.

Die nächste sinnvolle Anschaffung sind gute, neutrale Monitorboxen. Am besten sind hier extra dafür gemachte so genannte Nahfeldmonitore, die es im Musikfachhandel gibt. Sie geben den Klang neutral und detailreich wieder – ideal und wichtig beim mixen. Viele gewöhnliche Hi-Fi-und Computersoundsysteme geben den Sound zu verfälscht und detailarm wieder. Damit ist das Abmischen so frustrierend wie Farbkorrekturen mit einem schlechten Monitor. Gute Studiolautsprecher sind etwa ab 400 Euro pro Boxenpaar zu haben, wie zum Beispiel die Studiomonitore Yamaha HS 7 .

Tipp: An Reglern mit Multitouch drehen: Die Schieberegler im Mixer mit dem Mauszeiger zu bedienen, ist immer ein Kompromiss. Apple liefert mit der Gratis-App Logic Remote eine geniale Möglichkeit, viel intuitiver zu mischen und in Logic zu arbeiten: mit dem iPad! Das iPad muss sich im gleichen WLAN-Netzwerk befinden wie Logic (oder Garageband, damit klappt es auch) und schon können nach der Verbindung zum Rechner viele Einstellungen, Smart Controls, Regler und Knöpfe im Mixer per Multitouch bedient werden. Eine geniale Zusatz-Fernbedienung im Heimstudio, die man schon nach dem ersten Ausprobieren nicht mehr missen möchte!

Fazit

Logic X Pro ist eine riesige Sammlung von Instrumenten und Produktions-Tools zu einem unschlagbar günstigen Preis. Es ist nach wie vor genial, was Garageband als kostenloses Tool zu bieten hat, aber für jeden, der gerne Songs und Sounds kreiert, lohnt sich der Schritt Richtung Profi-Studio, der leichter ausfällt, als erwartet. Apple hat alles getan, um die Garageband-Gemeinde darauf vorzubereiten.

Garageband und Logic Pro X im Vergleich

Zwar fordern die vielen Designer und die Oberfläche etwas Einarbeitung und mal den Blick in die Hilfe, aber die Mühe wird mit unglaublich viel Kreativität und Qualität belohnt. Hat man es einmal gewagt, gibt es keinen Grund, in die Garage zurückzukehren.

Umstieg auf Logic Pro X

Teil 1: Übernahme von alten Garageband-Projekten
Teil 2: Kurzbefehle & Virtuelle Instrumente

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