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Die sieben besten Tipps für Lightroom

15.02.2016 | 11:26 Uhr |

Fotos für OS X löst nicht nur iPhoto ab, auch Aperture entwickelt Apple nicht mehr weiter. Bleibt für professionelle Ansprüche noch Adobes Lightroom CC. Die besten Tipps für Ein- und Umsteiger.

Virtuelle Kopien: Ein Foto auf verschiedene Weise bearbeiten

Möchten Sie ein Foto auf zwei oder mehr unterschiedliche Weisen bearbeiten, können Sie es beliebig oft duplizieren. Hierzu einfach im Modus „Bibliothek“ eines oder mehrere Bilder auswählen, dann im Kontextmenü „virtuelle Kopie anlegen“ wählen (alternativ im Menü „Foto“ oder per Tastatur cmd-T). Die jeweiligen Kopien erscheinen neben den gewählten Bildern, erkennbar an den Eselsohren. Benötigen Sie mehr als eine Kopie, wiederholen Sie den Vorgang entsprechend. Nun können Sie jedes Bild einzeln individuell bearbeiten. Die Bilddatei selbst wird nicht dupliziert, das heißt, Speicherplatz wird nur minimal verbraucht. Bereits bearbeitete Fotos werden in ihrer bearbeiteten Version kopiert, so dass man zum Beispiel unterschiedliche Bearbeitungen gegeneinander abwägen kann, indem man verschiedene Versionen herstellt und dann vergleicht.

Drehen und Freistellen, Ausschnitt bestimmen

Ein Bild dreht man zunächst in 90°-Schritten mit cmd-Komma beziehungsweise cmd-Punkt in der anderen Drehrichtung. Für feinere Justierungen finden Sie im Entwickeln-Modus rechterhand unter dem Histogramm die Werkzeugleiste, darin ganz links das Freistellen-Werkzeug, das Sie auch mit R aufrufen können. Hier können Sie das Seitenverhältnis des Rahmens auswählen oder auch völlig frei bestimmen (mit Sperrfunktion), sowie das Bild bis zu 45° in beide Richtungen drehen, per Schieber, per Eingabe oder per Hilfslinie im Bild (cmd-Klick). Um den Bildausschnitt für das Freistellen festzulegen, ziehen Sie entweder die Markierungen (Ziehpunkte) des Rahmens in die gewünschte Position oder ziehen Sie mit der Maus einen neuen Rahmen. Sobald Sie einen ersten, vorläufigen Rahmen geschaffen haben, können Sie das Bild innerhalb des Rahmens greifen und verschieben, oder es außerhalb greifen und drehen – wobei sich die Hilfslinien ändern. Den Rahmen können Sie weiterhin anpassen. Ein Klick auf „Fertig“ beendet die Bearbeitung, die ebenfalls nicht-destruktiv ist. Die Option „Auf Verkrümmen beschränken“ garantiert, dass der Auswahlrahmen bei durch Upright stark verzerrten Bildern nicht über den Rand des Motivs hinausgeht.

Adobe Lightroom CC im Abo

Seit Adobe seine Creative Suite nach deren sechster Auflage in die Cloud verlegt hat und Software nur noch vermietet, stehen insbesondere Fotografen vor der Entscheidung, ob sie die Creative Cloud buchen wollen oder nach Konkurrenz zu Adobes Software suchen. Apple fällt dafür ja nun aus... Hatte Adobe von der Creative Suite noch unterschiedlichste Bundles angeboten, gibt es bei der Creative Cloud im Prinzip nur noch die Auswahl, eine einzelne Software wie Illustrator oder Indesign oder Photoshop zu mieten oder das ganze Paket für rund 60 Euro im Monat. Eine Ausnahme besteht hier lediglich bei der Kombination Photoshop und Lightroom: Die beiden Programme lassen sich zum relativ günstigen Preis von 12 Euro monatlich auch ohne den ganzen Rest der Creative Cloud mieten. In diesem Creative Cloud Foto-Abo sind auch noch einige Dienste und Apps wie Lightroom Mobile, Photoshop Mix oder Photoshop Portfolio enthalten.

Geotagging mit Lightroom – Ihre Bilder auf der Landkarte verorten

Fotos für OS X verzichtet im Gegensatz zu iPhoto und Aperture auf eine Eingabemöglichkeit für Geotags und ist auf die von der Kamera gelieferten Daten angewiesen. Oder man verwendet ein Tool wie Photo Geo Tag . Der Umgang mit Geotags ist in der Software nicht weiter kompliziert: Hat man die Geokoordinaten, an denen ein Bild entstanden ist, als Metadaten in einer Bilddatei, kann man später per Landkarte oder Umkreissuche filtern, wo welche Bilder entstanden sind. Sofern Ihre Kamera nicht bereits GPS-Koordinaten in die Bilddateien geschrieben hat, können Sie dies hier manuell oder automatisiert nachholen. Navigieren Sie in Lightroom zu dem Ordner, dessen Bilder Sie geotaggen möchten und klicken Sie dann oben auf das Modul „Karte“. Es öffnet sich Google Maps in Lightroom. Sie können den Kartenstil wie gewohnt zwischen Satellit, Karte und Hybrid wechseln. Nun arbeiten Sie sich an die Stelle vor, wo das jeweilige Bild gemacht wurde. Dann ziehen Sie das oder die entsprechenden Bilder aus der Bildleiste unten an die Stelle auf der Landkarte oder  des Satellitenbildes, wo Sie bei der Aufnahme standen. Alle so getaggten Bilder sind nun mit einer Art Stecknadelsymbol markiert. Sofern Sie ein GPS-Gerät besitzen und Ihre Bewegungen beim Fotografieren mitgeloggt haben, können Sie den GPX-Track mit Klick auf die Zickzack-Linie in der Karten-Werkzeugleiste importieren („Tracklog laden“) und die Fotos dieses Zeitraums alle automatisch geotaggen. Da die Synchronisation von Bild und Ort über die Uhrzeit erfolgt, sollten Sie beachten, dass die Uhrzeit in der Kamera fast immer von der eines GPS-Geräts abweicht. Maßgebend ist die des GPS-Geräts, denn die Uhrzeit ist Teil des GPS-Signals. Sollte die Uhrzeit nicht übereinstimmen, werden die Bilder entlang des Tracklogs falsch verortet. Sobald Sie jedoch eines der Bilder anhand des Motivs einem eindeutigen Standort entlang des GPX-Tracks korrekt zuordnen, wird Lightroom Ihnen anbieten, alle anderen auch entsprechend zu verschieben.

Bilder mit Stichwörtern versehen

Um Fotos Stichworte zuzuordnen, damit man sie später leichter finden kann, finden Sie im Bereich „Bibliothek“ rechts den Bereich „Stichwörter festlegen“. Wählen Sie dann ein oder mehrere Fotos aus, denen Sie ein bestimmtes Stichwort, z.B. einen Personennamen, zuweisen möchten. Dieses tippen Sie nun in das Textfeld unterhalb des Reiters „Stichwort-Tags“. Wenn Sie gleich mehrere Stichworte eingeben möchten, trennen Sie diese durch Kommas. Bereits vorhandene Stichworte werden hier angezeigt. Auch können Sie bereits verwendete Stichworte unter dem Reiter „Stichwortvorschläge“ wiederfinden und per Klick zuordnen. Der Reiter „Stichwortsatz“ gibt Ihnen die Möglichkeit, Stichworte zu gruppieren, um diese schneller zuordnen zu können. Hier ist es auch möglich, durch das Drücken der alt-Taste und einer Zifferntaste das jeweilige Stichwort zuzuordnen. Der Bereich „Stichwortliste“ füllt sich automatisch mit allen Stichworten, denen Lightroom beim Import begegnet. Wenn man zuvor zum Beispiel mit Bridge gearbeitet hat, tauchen diese Stichworte hier auf. Im Bereich „Metadaten“ können Sie diverse Textfelder nutzen, um weitere Stichworte einzugeben, wie etwa die Copyrightinformationen.

Fotos nachträglich schärfen

Leichte Unschärfen kann man mit der „Schärfen“-Funktion im Bereich „Details“ im Modul „Entwickeln“ bekämpfen. Hier finden sich vier Regler. Beim allen vieren empfiehlt es sich, mit gedrückter alt-Taste zu arbeiten, da so für die jeweilige Funktion geeignete Vorschauen generiert werden. Auch sollten Sie zuvor die Bildansicht mit einem Klick ins Bild auf 1:1 vergrößern.

Der Regler „Betrag“ ist bei RAW-Fotos automatisch auf 25 voreingestellt, bei anderen Formaten wie JPEG auf Null, da RAW-Fotos unbearbeitet vom Chip kommen. Dieser Regler reicht bis 150 und beeinflusst die Stärke des Kontrasts von Kanten. In der sw-Vorschau kann man die Schärfe besser beurteilen.

Mit dem „Radius“-Regler, der von 0,5 bis 3 reicht, lässt sich bestimmen, wie weit um Kanten herum das Schärfen angewandt wird. Je detailreicher Ihr Foto ist, desto geringer sollte dieser Wert gehalten werden, da sonst Details verloren gehen.

Der Regler „Details“ reicht von 0 bis 100 und legt fest, wie fein die zu schärfenden Kanten minimal sein dürfen: Bei kleinen Werten werden nur grobe Kanten geschärft, bei größeren Werten auch feinere und feinste.

Der „Maskieren“-Regler (0-100) bestimmt, inwieweit Flächen vom Schärfen ausgenommen werden. In der Vorschau weiß markierte Flächen werden geschärft, schwarze ausgenommen.

Mit dem Korrekturpinsel in der Werkzeugleiste oben rechts können Sie das Nachschärfen auch nur auf bestimmte Bereiche anwenden.

Für Ausdrucke oder eine Web-Galerie können Sie Bilder auch pauschal erst beim Export schärfen, hierzu finden Sie Optionen im Bereich „Ausgabeschärfe“ im Exportmenü.

Bildrauschen reduzieren

Gerade bei schwachen Lichtverhältnissen und hohen ISO-Werten kommt es zu Bildrauschen. Hierbei ist zwischen Farbrauschen und Helligkeitsrauschen zu unterscheiden: Farbrauschen bedeutet, dass in einer einfarbigen Fläche bei näherer Betrachtung bunte Flecken erkennbar sind. Auch hier ist bei RAW-Fotos der Wert automatisch auf 25 gesetzt, die beiden übrigen Regler dadurch aktiviert. Die Regler „Details“ und „Glättung“ beeinflussen eben dies: Den Radius der Korrektur und die Stärke des Ausgleichens, was beides auf Kosten der Details geht.

Helligkeitsrauschen ist ein wenig dem früheren Filmkorn vergleichbar und findet sich im ganzen Bild. Entsprechend bewirkt der Regler „Luminanz“ auch eine flächige Korrektur, die sich auf das ganze Bild bezieht. Mit den Reglern „Details“ und „Kontrast“, die sich ebenfalls erst aktivieren, wenn die Reduktion des Luminanzrauschens nicht Null ist, lässt sich, ganz ähnlich wie bei der Rauschreduzierung, beeinflussen, wie stark Details im Gegensatz zu Flächen von der Rauschreduzierung betroffen werden. So kann man zum Beispiel eine starke Rauschreduzierung mit dem Regler „Luminanz“ vornehmen, und davon mit „Details“ und „Kontrast“ Ausnahmen schaffen.

Doch Vorsicht, eine allzu starke Rauschreduzierung wirkt bisweilen wie eine Verfremdung. Bunte Schatten an Kanten fallen übrigens nicht unter Rauschen, sondern sind meist chromatische Aberrationen oder Farbsäume, die man über die „Objektivkorrekturen“ („Farbe“) bearbeiten muss.

Rote Augen entfernen

Das Tool kannte iPhoto schon lange, in Aperture ist es aber weit präziser. Für das Entfernen roter Pupillen finden Sie im Bereich „Entwickeln“ in der Werkzeugleiste oben das „Rote-Augen-Korrektur“-Tool. Vergrößern Sie das betreffende Bild vor der Anwendung, so dass Sie die roten Augen je einer Person vor sich haben. Mit Aktivierung des Tools verwandelt sich der Mauszeiger in eine Art augenförmiges Zielkreuz, mit dem Sie nun das ganze Auge (also nicht nur die Pupille) erfassen. Mit einer Maus, die Scrollen kann, können Sie durch eine Scrollbewegung den Radius verändern und dann die Markierung mit einem Klick setzen, oder Sie setzen die Markierung zentral ins Auge und ziehen dann mit der Maus den Rahmen entsprechend. Nun wird Lightroom die Position der Pupille suchen und durch einen Ring markieren. Diesen Ring können Sie nun verschieben. Er muss zwar die komplette Pupille umfassen, darf aber ruhig die Iris und Teile des Lids einschließen. Jetzt können Sie mit den Reglern „Pupillengröße“ und „Abdunkeln“ die Korrektur beeinflussen. Wiederholen Sie dies für jedes rote Auge. Dies mag komplizierter erscheinen als frühere Autokorrekturen, doch dort wurde rot einfach brutal mit schwarz übermalt, was in der professionellen Bildbearbeitung keine Option mehr ist.

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